Zoom H4

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Zoom H4

Ich habe mir vor einigen Wochen ein Zoom H4 zugelegt. Hauptsächlich mit dem Ziel, ein paar Bootlegs für den Heimgebrauch zu machen, habe ich natürlich mit meiner Kaufentscheidung zwischen H2 und H4 geschwankt, der Preisunterschied ist immerhin 100EUR bzw. die Hälfte vom H2. Die Entscheidung ist dann aufgrund der kombinierten Klinken-/XLR-Eingänge (mit voller 48V Phantomspeisung) zugunsten des H4 gefallen.

Ein paar Unterschiede zwischen den beiden, die bei der Entscheidung zu beachten waren:

    Die Größe: Der H4 ist signifikant größer als der H2.
    Der H2 ist etwas neuer, und hat als Killerfeature die 360°-Aufnahme mit 4 Mikrofonkapseln (der H4 ist nur Stereo, 2 Mikrofone). Diese war mir aber nicht wichtig.
    Der H4 hat wie geschrieben 2 Klinken- und XLR-Eingänge (kombiniert), an die auch Instrumente direkt angeschlossen werden können. Der H2 hat nur einen Stereo-Miniklinke-Eingang.
    Knöppe am H4, Folientasten am H2.


Was bekommt man?
In der Schachtel sind: Der Rekorder mit der aktuellen Firmware 2.10, Netzteil, kleiner Windschutz, USB-Kabel, eine Halterung mit 1/4"-Gewinde (wird mit Klettbändern um den Rekorder geschnallt wird, etwas unpraktisch), ein Haufen Handbücher, eine 512MB SD-Karte, Cubase LE 4.

Bedienung:
Ich habe vorher im Internet ein paar negative Meinungen über das Bedienkonzept des H4 gelesen, und habe mich schon auf ein Bisschen Frust eingestellt, aber das war meiner Meinung nach unbegründet. Die Bedienung ist in sofern ungewöhnlich, dass der H4 sowohl eine Art Joystick prominent auf der Vorderseite hat (hoch, runter, links, rechts, drücken), als auch ein Jogwheel an der rechten Seite (hoch, runter, drücken). Für die Menüs muss man den Joystick drücken (beschriftet mit Menu), und dann mit dem Jogwhell navigieren und bestätigen. Menu bringt einen wieder eine Ebene höher im Menu.

Aufnahme:
Für das schnelle Aufnehmen, zum Beispiel einer Idee, braucht man eigentlich nur einen Knopf: Rec.
Der Recorder muss vorher im Stereo-Modus sein (es gibt noch den 4-Track-Modus, den ich noch kaum benutzt habe, aber später noch mal erwähnen werde); mit einer der 4 grün beleuchteten Knöpfe an der linken Kante kann man die Aufnahmequalität wählen (24bit/96kHz, 16bit/48kHz, 16bit/44,1kHz und MP3).
Wenn man nun Rec ein Mal drückt, fängt er an zu blinken, und die Level-Balken auf dem Display fangen an zu tanzen, zeit zum Aussteuern. Hier kann man sehr bequem per Schieberegler (rechte Kante) zwischen 3 Stufen wählen (im Menü ist eine Feineinstellung möglich). Beim zweiten Druck auf Rec beginnt die Aufnahme
Und hier ist ein kleiner Kritikpunkt: der Rec-Button hat keinen Druckpunkt, er klickt nicht und man kann taktil nicht feststellen, dass man ihn gedrückt hat. Hier muss man entweder hinschauen, oder sich einfach darauf verlassen, dass der Druck registriert wurde -- das hat bei mir zuverlässig funktioniert, ist aber am Anfang ein komisches Gefühl.

Zur Empfindlichkeit der eingebauten Mikrofone ist zu sagen, dass ich sehr überrascht war, wie gutmütig der Rekorder reagiert: Selbst auf der mittleren Einstellung kann die Musik sehr laut werden, ohne dass es zu Übersteuerung kommt. Die niedrige Einstellung sollte für laute Metalkonzerte ausreichend sein. Bei nachträglicher Verstärkung leiser Aufnahmen ist nur sehr wenig Rauschen zu vernehmen, für mein Empfinden vollkommen im akzeptablen Bereich. Der Klang ist besser, als ich erwartet hatte!

Üben mit dem Instrument:
Wenn ich abends leise Bass üben möchte, kann ich das Instrument in einen der Eingänge auf der Unterseite stecken und einen Kopfhörer anschließen.
Hier finde ich es praktisch, in den 4-Track-Modus zu wechseln, da man dort einen Track "armen" kann und so das Monitoring eingeschaltet wird, ohne dass der Rec-Button die ganze Zeit blinkt. Außerdem kann man hier die eingebauten Effekte verwenden und auch das Metronom und Stimmgerät stehen zur Verfügung.

Effekte:
Für Bass sind ein paar spezifische Presets vorhanden (10 von 49), sie heißen: Hartke, Bassman, SVT, SuperBass, SANSAMP, Studio Pre, Pick Bass, Chorus Bass, Slap Comp, Flange Bass.
Ich finde die Effekte ganz nett als Abwechslung beim Üben, aber ich habe lieber einen cleanen, höhenreichen Ton, da dort Unsauberkeiten beim Spielen viel deutlicher werden und ich kritischer mit mir selbst sein kann. Ich habe sonst noch keinerlei Erfahrung mit anderen Effekten oder Multieffekten, deshalb kann ich keine qualifizierte Aussage über die Qualität oder Authentizität geben, mir ist aber aufgefallen, dass bei jedem Anschlag mit dem Effekt ein leichtes Rauschen einsetzt, das empfinde ich als störend.
Die Gitarreneffekte sind hauptsächlich als verschiedene Distortion-Varianten zu gebrauchen ;).

Batterielaufzeit:
Die Aufnahmedauer mit guten Batterien (Panasonic Essential Power habe ich verwendet) sind gute 4 Stunden, das reicht, um eine 2GB-Karte mit 16bit/44,1Khz zu füllen.
Es ist ratsam, gute Batterien zu verwenden, aus Not habe ich ein paar "ja"-Batterien gekauft, die jedoch im Prinzip nicht verwendbar waren, da sie unzuverlässig waren und im schlimmsten Fall nur eine Viertelstunde gehalten haben.

SD-Karte/Aufnahmedauer:
Ich habe mir gleich eine 2GB-Karte dazu gekauft, da diese mittlerweile wirklich biilig sind (ab 10EUR) und die Kapazität mir erstmal ausreicht (gut 3 Stunden in CD-Qualität, 16bit/44,1KHz).
Entgegen der Angaben im Handbuch werden mittlerweile auch SDHC-Karten bis 8GB unterstützt, das ist eine tolle Sache, für mich aber erst relevant, wenn 8GB-Karten noch günstiger werden. Hier hat der H4 jedenfalls keinen Nachteil gegenüber dem H2 mehr, der sogar auf dem Gehäuse schon das SDHC-Logo hat.

Mit der mitgelieferten Karte (512MB) hatte ich jedoch gleich zu Beginn ein Problem: Bei Wave-Aufnahmen hat der Recorder alle paar Sekunden ein Knacken produziert, das jedoch erst auf der Aufnahme zu hören war. Glücklicherweise konnte ich direkt zum Händler zurück gehen, der dann nach kurzer Analyse festgestellt hat, dass die Karte offenbar defekt war. Ich habe eine andere Karte bekommen, die dann auch problemlos funktioniert hat.

USB-Modi:
Der H4 kann auf zwei Weisen per USB an den Computer (hier Macbook mit OS X.4) angeschlossen werden:
Als Massenspeicher/Kartenleser und als Audiointerface/USB-Mikrofon.

Als Kartenleser ist der H4 im Prinzip unbrauchbar, da nur Full-Speed-USB 2.0 unterstützt wird, das heißt, mit der "klassischen" USB-1-Geschwindigkeit. Eine Qual bei allem, was über kurze MP3s hinausgeht. Ein extra Kartenleser ist äußerst empfehlenswert.

Die Funktion als Audiointerface habe ich kurz mit Audacity ausprobiert, mit Verwndung von Effekten war die Funktion jedoch nicht stabil und zuverlässig bisher. Leider hatte ich noch keine Zeit, das genauer zu untersuchen. Bisher bin ich etwas enttäuscht, aber vielleicht liegt ein Bedienfehler meinerseits vor.

Gut ist, dass der Recorder in beiden Modi hostpowered ist, ein Netzteil ist also nicht nötig.

Fazit:
Das, was ich geschildert habe, sind die Sachen, die ich mit dem Recorder bisher gemacht habe, und für die ich ihn hauptsächlich angeschafft habe. Insgesamt bin ich sehr zufrieden und habe den Kauf noch nicht bereut.
Den 4-Track-Modus habe ich als solchen noch nicht verwendet, wird wahrscheinlich auch nicht so bald passieren. Die Möglichkeiten scheinen mir aber recht umfangreich. Für mich eine nette Zugabe, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Falls es Fragen zu dem Gerät gibt, kann ich gerne versuchen, diese hier zu beantworten.

Links:
Deutsches Handbuch
Handbuch-Ergänzung für Software-Version 2
Liste unterstützter SD-Karten
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
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