Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

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Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hallo zusammen,
mir kam letztens eine Frage in den Sinn, als es in irgendeinem Forum mal wieder um NOS-Voodoo-Tubes ging.

Engt diese ganze Scheiße nicht furchbar ein?
Wenn ich auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen bin meinen persönlichen, bis zur Unkenntlichkeit modidifizierten Amp mit speziell geklopften, massierten und selektierten one-of-a-kind NOS-Röhren und mit meiner Box, die mit Speakern ausgestattet worden ist, die mit Spezialtinkturen behandelt wurden zu spielen,
und auf der Bühne raucht mir irgendein Teil davon ab,
dann habe ich doch ein echtes Problem, oder?

Zumal, Hand aufs Herz,
wer hat, wenn er auftritt, eine PA und einen TonI dabei, die die ganzen feinen Nuancen auch abbildet?
Ist es da nicht viel praktischer in der Lage zu sein, mit einem, sagen wir Marshall/Fender von der Stange den eigenen Sound soweit zu approximieren, daß man sich damit soweit wohl fühlt, einen Gig gut und locker zu Ende zu bringen?

Und macht es nicht auch einen guten Gitarristen aus, seinen Sound mit jedem beliebigen Werkzeug irgendwie hinzubiegen?

Also: macht die Jagd nach dem eigenen, maßgeschneiderten Sound durch möglichst individuelles Equipment nicht auch die eigene Komfortzone beliebig eng?


Sagt mal was,
Viele Grüße,
Woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde
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RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Ich finde, die Wahrheit liegt in der Mitte. Ich glaube nicht an Voodoo, bin nicht jägerpipperequipmentgeil, aber ich denke, drei Grundregeln haben für mich eindeutig ihre Gültigkeit bewiesen:
1. manches höre ich einfach nicht. Und live besonders nicht. Will sagen: Bei vielen Audiofile-Vergleichen fällt es mir schon schwer, unterschiedliche Pickups überhaupt rauszuhören, etwa bei dem großen Strat-PU-Vergleichstest, wo einige sich ja überschlagen haben ("hm, der 57er ist im Anschlag weicher als die 57er Kopie von Kloppmann" usw.). Also, ich beanspruche da nicht, der Papst zu sein und ich glaube, mein Publikum ist es auch nicht. Erst recht nicht, wenn hinter der Gitarre noch der Keyboarder rumprockelt, der Schlagzeuger kloppt und zehn Mikros offen sind. Das relativiert doch vieles, was vielleicht unter Studiobedingungen noch gelten mag.
2. Gutes Equipment allein macht keine gute Musik. Ich spiele nicht wie Robben Ford, auch wenn ich sein Equipment geschenkt bekäme. Sound liegt natürlich auch in den Fingern und solange er mir nicht seine Finger schenkt, klinge ich nicht wie er. ABER ER AUCH NICHT WIE ICH!! Haha!! Und das ist auch gut so. Musikmachen ist eine Kunstform (wenn's gut geht) in der Persönlichkeit ne Rolle spielt.

3. Gutes Equipment ist wichtig und beeinflusst deinen Sound. Ich gehöre nicht zu den Fanatikern, die finden, Boris Becker gewinnt Wimbledon auch mit ner Bratpfanne. Alles hat seine Grenzen, und eine ausdrucksstarke Gitarre mit guter Ansprache, sauberem Ausklingverhalten, guter Bespielbarkeit, angenehmem Hals usw. ist einfach ne bessere Gitarre als ein Billigprügel mit Mittelklasse-Sound. Und vieles aus dem "Tuning"-Sektor ist ja auch ne einmalige Sache, kein Dauerstreß. Wenn ich etwa meinem Combo nen neuen Speaker verpasse, der besser klingt als der alte, dann ist die Chose mit dem Anziehen der letzten Schraube erledigt. Ich würd den jetzt nicht vor jedem Gig ausbauen, mit Weihwasser beträufeln, niederknien und ihm ne nackte 17jährige Blondine opfern, damit er besser klingt...aber mal so nen Speaker wechseln ist doch machbar. Dito mit Röhren / Pickups / usw.

Was die spezielle Frage nach den Röhren angeht: ich spiele nen Röhrenamp, aber nachdem mir einmal die Endstufenröhre ausgefallen ist, habe ich immer Ersatzröhren (Vor- UND Endstufe) dabei. Das finde ich nicht ungewöhnlich, nicht entwürdigend und nicht nervend. Ich hab ja auch Ersatzsaiten dabei. Aber wenn ein Amp mir dauerhaft unzuverlässig kommt, kriegt er Ärger. Ich habe gestern einen PCL Vintage auf der Messe gehört. Nix Röhre, nur Transistor und analoge Technik, aber sehr guter Zerrsound. Sehr leicht. Und, was man so hört, extrem stabil. Solche Lösungen finde ich dann immer beeindruckend und ärgere mich, daß sie im Modeling- oder SuperTube-sonstwie-Hype etwas zu kurz kommen.
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
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RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hi Woody,

maßgeschneidertes Equipment hat mehrere grandiose Nebeneffekte: Die Musikerpolizei sieht nach dem Gig, dass das, was sie gerade gehört hat, musikalisch wertvoll war. Musste ja gut gewesen sein, bei dem Materialeinsatz.

Außerdem kann man sich herrlich für einen eventuell nicht gelungenen Gig rechtfertigen. "Die Batterien im Tubescreamer waren noch zu voll, was den Sound zu hart gemacht hat - sowas irritiert mich total".

Das ist doch toll, oder?

Davon mal abgesehen, befürchte ich, dass die meisten mit einer Yamaha Pacifica über einen Line6 Spider vermutlich genauso klingen wie jetzt mit ihrem Kram.

Gruß

erniecaster
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Der Ton kommt zu 80% aus den Fingern, 5% relative Luftfeuchte, 9% Amp, 3% Gitarre, 2% Pickups, 0,9% persönliche Laune und 0,1% Vintage-Voodoo
 
Gruß,

Sascha

Darth Vader: I know what Luke will get for christmas
Emperor: How can you know?
Darth Vader: I felt his presents
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RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hallo,

interessantes Thema...auch ich habe, wie schon öfter hier geoutet, alles andere als das absolute Gehör. Was mir eine Menge Geld und Nerven spart...

Ich vergleiche es mal mit einer Autofahrt: Du hast zwei Autos, einen alten Schrotthaufen (als Zweitauto) und eine schöne gepflegte Sport-Komfortkutsche, sagen wir nen Audi RS6.

Es steht eine Tour durch eine schöne Gegend zu einem Freund an, freust dich drauf mit der Komfortkutsche rumzucruisen.
Kurz vor der Abfahrt freckt Dir der Audi (saarländisch für verrecken) und Du müsstest mit der alten Karre fahren.

Die Funktionalität ist die Gleiche, du könntest genausogut die gleiche Strecke fahren, das Gleiche sehen, kämst zur gleichen Zeit bei Deinem Freund an und er würde eigentlich nicht merken dass du ursprünglich mit einem angenehmeren Fahrgefühl unterwegs gewesen wärest.

Aber er wird es vielleicht daran merken dass Du genervt bist, nichts von der schönen Gegend erzählst, angespannt bist.

Übertragen auf die Gitarre:
Ich fahre seit letztem Jahr eine ziemliche Materialschlacht im Equipmentbereich (den Audi RS6).
Einfach weil ich es mir früher als Azubi nicht leisten konnte und jetzt, nach 15 Jahren Spielpause, mir einfach den Krams (überwiegend gebraucht) gönne. Midlife Crisis.

Habe ich einen besseren Sound dadurch? Ja, auf jeden Fall.
Subjektiv, aber auch objektiv.
Hören es auch andere? Hmm, ich jamme mit meinem alten Schlagzeuger und noch ein paar Leuten. Für ihn klinge ich nach mir, wie früher. (Was immer das auch heissen mag, gut oder schlecht)

Spiele/(fahre) ich besser? Nein. Aber lieber. Macht mir mehr Spass.
Es inspiriert mich, ich hab meinen Spielstil m.E. dadurch auch etwas geändert. Weil mir der Ton besser gefällt, spiele ich weniger und lasse mal mehr was stehen. (Auto: Ich fahre langsamer und lasse mich überholen und erfreue mich stattdessen an der schönen Aussicht, dem Fahrkomfort und dem Gefühl "ich könnte wenn ich wollte"...)
Weniger Gefuddel, mehr Gefühl. Bilde ich mir zumindest ein...

Jetzt zu Deiner Frage, engt mich das jetzt ein? Jein. Ich könnte mein Zeugs in der Band genausogut mit meinem alten Transistor-Amp (Fiat 127...) plus Stressbrett aus den 80ern spielen und es würde vermutlich keiner gross bemerken. Ausser mir.
Ich wäre wahrscheinlich einfach unzufriedener, was sich womöglich auf meine Spiellaune auswirken würde. Sehr subjektiv das Ganze.

Wenn jemand nun seine NOS-Vintage-Mani auslebt ist das zwar persönlich nicht mein Ding, aber der psychologische Mechanismus der hier greift ist wohl vergleichbar, insofern nachvollziehbar.

Gruss

Juergen2

P.S: Ich hatte zwar früher tatsächlich einen Fiat 127, aber heute keinen RS6...

P.P.S: Beim letzten Gig standen die Jungs von Technik und Vorgruppe (ca. 16-18-jährig) vor dem Rack und haben mich ausgequetscht. So wie ich früher. Hab ich mich dadurch gut gefühlt? Nein. Nur alt... )
 
Die Gewohnheit ist der Sieg der Zeit über den Willen!
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RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hi Gereon,

gerade stand ich so an der Kasse des Supermarkts und sinnierte noch ein wenig über diesen Thread und dann musste ich beinahe laut loslachen.

Du hast genau meine Entwicklung beschrieben und ich hab´s nicht mal gleich gemerkt. Vor einigen Jahren bestand mein Equipment aus teuren Gitarren und seltenen Effekten, noch teureren und seltenerem Zubehör (Plektren!) und Edelamps. Das Zeug klang wirklich gut. Aber ich hatte immer und überall die Angst, dass mir was abhanden oder kaputt gehen könnte.

Dieser Gedankengang ist natürlich völlig bescheuert. You can´t have the cake AND eat it, sagt man ja so schön. (Kennt einer ein entsprechendes, gängiges Sprichwort in deutsch?) Aber wenn so etwas sich im Kopf erstmal festgesetzt hat, ist es schwer, wieder da raus zu kommen.

Um den guten Kram zu schonen, habe ich dann billige "Gitarren für´s Grobe" gekauft und mehr und mehr gespielt. Wenn ich den Kommentaren von Mitmusikern und Publikum glauben darf, klinge ich mit dem billigen Kram von der Stange besser. Ich glaube, es liegt daran, dass ich mir einfach keine Gedanken um "Wiederbeschaffung im Falle einer Havarie" machen muss. Den teuren und seltenen Kram habe ich bis auf Ausnahmen abgestoßen.

Mein gesamtes Equipment besteht mittlerweile aus üblicher Stangenware (nur zwei Gitarren sind leicht modifiziert, was aber auch jeder Gitarrenbauer hinbekommt). In meinem Live-Equipment gibt es kein Stück, das mehr als 600 Euro kostet und nicht innerhalb von einer Woche wiederbeschafft werden könnte.

Tatsächlich spiele ich auf den E-Gitarren z.B. d´Addario-Saiten, die wenig kosten, überall zu bekommen sind und immer die gleiche Qualität liefern. Ich weiß, dass es Saiten gibt, die besser klingen. Plektren sind Fender heavy. Es gibt Besseres. Aber ich hab einfach keine Lust, mich darum zu kümmern - und genau diese "Unbekümmertheit" ist mir tatsächlich wichtig.

Das hat tatsächlich dazu geführt, dass meine "Komfort-Zone" erheblich größer geworden ist. Ich bin viel entspannter und - ja - glücklicher als vorher.

Ich möchte da nicht missverstanden werden. Wenn jemand anders mit teurem, handselektiertem Kram glücklich wird, freut mich das für ihn. Mein Rezept funktioniert für mich. Jeder ist eingeladen, das Rezept zu probieren oder es in Bausch und Bogen zu verdammen. Ist nur meine Wahrheit.

Gruß

erniecaster
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Re: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Inhalt auf Wunsch des Autors am 09.10.2013 gelöscht.
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Moin!

auch ich habe, wie schon öfter hier geoutet, alles andere als das absolute Gehör.


Da sei mal froh, denn:
Das absolute Gehör bedeutet, Tonhöhen ohne Vergleich zuordnen zu können. Das ist für einen Streicher ganz nett, weil er sich mit der Intonation leichter tut. Für einen Gitarristen ist das eher kontraproduktiv, da Gitarren zum Einen temperiert gestimmt werden und zum Anderen durch die geraden Bünde immer kleine Verstimmungen produzieren. Der durchschnittliche Gitarrist hat sich daran gewöhnt, der durchschnittliche Hörer ebenso. Der mit dem absoluten Gehör kriegt bei Gitarrenmusik grundsätzlich die Krise. Für einen solchen Menschen bleibt schmerzfrei quasi nur Streichquartett oder Cembalo, das wird meist auf die benötigte Tonart gestimmt.

Also: absolutes Gehör hat nix mit genau/hochauflösend zu tun sondern nur mit Tonhöhenerkennung und Intervallreinheitserkennung.




You can´t have the cake AND eat it


"Du kannst kein Omlett backen ohne ein Ei zu zerbrechen!", vielleicht?


Beste Grüße!
Jab
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hi Woody, erstmal: Guten Tach und schön von Dir zu lesen, hoffe es geht Dir samt Gemahlin gut!

Woody:Und macht es nicht auch einen guten Gitarristen aus, seinen Sound mit jedem beliebigen Werkzeug irgendwie hinzubiegen?


Mag sein, aber es wird auch dem guten Gitarristen keinen Spaß machen, auf ner Gurke zu spielen. Und vieles beim erfolgreichen Musizieren hat mit Wohlgefühl zu tun. Und darum geht es mir bei meinem Equipment. Es soll gut klingen oder den guten Klang unterstützen, einwandfrei funktionieren und es mir durch eine logische und hoffentliche einfache Bedienung möglich machen, dass ich mich beim Musizieren wohl fühle. Also quasi Komfort-Zone aber ohne Voodoo.

Also: macht die Jagd nach dem eigenen, maßgeschneiderten Sound durch möglichst individuelles Equipment nicht auch die eigene Komfortzone beliebig eng?


Na ja, dass ist eine Frage der Toleranz. Bei dem ganzen E-Gitarrenkrempel bin ich da recht entspannt und komme mit fast jeder Gitarre klar, so sie denn meinen nicht allzu hohen Qualitätsansprüchen gerecht wird. Ebenso was Amps angeht.

Bei den Akustix bin ich aber extrem pinzig. Das ist ein echtes Musikinstrument, da merkt man jede Nuance, gerade wenn man alleine Instrumentals spielt. Ne E-Gitte ist ja im Bandkontext irgendwie eingebettet und man hört ja nur einen Bruchteil von dem, was wirklich aus dem Amp kommt. Bei der Akustik ist es eher andersherum, verstärkt komme leider Geräusche hyperverstärkt herraus, die man unverstärkt kaum wahrnimmt. Und dem versuche ich dadurch zu begegnen, dass ich mir da wirklich versuche einen größtmöglichen Komfort zu verschaffen, damit ich mich auf die Performance/Darbietung konzentrieren kann. Auch da ist es in der Band ja etwas einfacher, als ein Bruchteil des Ganzen zu agieren.

Na ja und grundsätzlich versuche ich mein GAS eh nicht mit logischen Erklärungen zu begründen. Ich mag einfach Gitarren, Amps und Effekte ausprobieren und es macht mir - vorsicht jetzt kommt das böse Wort - Spaß Musik mit tollen Instrumenten zu machen. Noch kann ich mir das leisten. Ist also einfach eine Nebenbeschäftigung zum eigentlichen Musikmachen und solange die Musik immer im Vordergrund steht, ist für mich alles im grünen Bereich!
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Ich seh das genauso wie Rolli - und ich will noch was ergänzen zu dem Post von erniecaster, nämlich der Angst, daß am teuren Equipment was kaputt gehen könnte. Ich finde, auch teures Equipment ist "nur" Handwerkszeug. Und wenn ich ne alte Strat für mein Spiel dadurch besser machen kann, daß ich ne Humbuckerfräsung am Steg machen lasse - dann mach ich es! Und mir ist dann piepegal, ob George Gruhn, Udo Pipper oder sonstwer findet, daß das ein Frevel ist. Die Gitarre ist mir nicht deshalb lieb und teuer, weil sie teuer war, sondern sie ist mir deshalb lieb und teuer, weil sie gut ist (für mich, meinen Geschmack, mein Spiel).
Natürlich leg ich Wert auf verlässliches Equipment. Aber wenn an verläßlichem Equipment auch mal was kaputt geht, wird's repariert. Und klingt dann wieder so geil wie vorher. Wenn ich finden würde, daß ein Billigamp genauso geil klingt, würd ich den auch vorziehen. Aber nur dann.
Also, ich finde mit sowas sollte man pragmatisch umgehen. Was macht Ferrari, wenn Felipe Massa seinen Ferrari aus der Kurve geworfen hat? Ihn wieder reparieren. Und dann ist er mindestens so gut wie vorher. Die kämen auch nicht auf die Idee, lieber nen Golf einzusetzen, falls was kaputt geht. Aber auch nur weil sie den Unterschied zu schätzen und einzusetzen wissen. Für meine Fahrt zum Edeka wär dagegen der Golf besser...
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hi Woody,


sehr interessanter Thread. Hat mich zum Nachdenken bewegt.
Ich komme aus der Kommerzecke.
Ich liebe schöne Gitarren, auch teure. Ich liebe sie zu spielen. Nur das erschliesst mir den Zweck des Instruments. Sie auch Live bzw. im Aufnahmeraum zu verwenden.
Bei der Verstärkung bin ich komplett pragmatisch. Wenn gut klingt (nicht für mich sonderhn fürs Publikum) ist es auch OK. Dann fühle ich mich auch gut.

Nun, wenn etwas ausfällt dann muss ich improvisieren. Im Auto fliegt immer ein Behringer VMX110 o.ä. herum. Dann ist es mir fast egal worauf ich spiele. Nach ein paar Umdrehungen klinge ich wieder wie immer (wie langweilig ,-)).

Grundsätzlich sind alles Werkzeuge meines musikalisch, kreativen Ausdrucks. Klar ist mir mein Zeugs lieb aber wenns sein muss dann ist es eben ein Kompromiss.
Solange es eine Gitarre ist und solange es jemand hören will habe ich Freude daran.
Lg
Auge
P.S.: Und wenn es kleiner, leichter und praktischer geht dann bin ich interessiert
 
Traurige Erkenntnis:
...Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht...
...Andere zu stalken und auf die Füße zu treten bedeutet nicht besser zu sein sondern sich besser zu fühlen...
Homepage: http://www.AugeundSo.at
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Hallo,

also ich würde mich eingeengt fühlen, wenn mir das Spielen nur mit einem bestimmten Sound Spaß machen würde.

Deshalb habe ich schon immer versucht mich vom Sound so weit wie es geht unabhängig zu machen. Ich habe oft genug Gitarristen erlebt, die vor lauter Rumschrauben und Unzufriedenheit nicht mehr richtig zum Spielen gekommen sind.

Und um ehrlich zu sein, bei mir ist der Bühnensound Glücksache. Je nach Auftrittsort und Bedingungen ist der Bühnensound und damit auch der Gitarrensound unterschiedlich. Ich spiele ja nicht nur mit meiner eigenen Band, sondern auch in verschiedenen Formationen.

Ja ich stehe auf guten Gitarrensound und ich freue mich immer wieder, wenn ich ihn rüberbringen kann. Aber da die Optimalbedingungen in den seltensten Fällen gegeben sind, bin ich froh, daß ich auch ohne sie gut zurechkommen kann und dabei Spielfreude habe.

Gruß
Bumble
Verfasst am:

RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Interessanter Thread!

Ist nicht auch Steve Vai aus diesem Grund zu Ibanez gewechselt, weil er vor 20 Jahren sagte (sinngemäß): "25 Custom-Gitarren im Gepäck, eine besser als die andere, aber wenn eine kaputt geht, bekomme ich die so nie mehr wieder. Ich will lieber was von der Stange - geht es kaputt, kaufe ich es mir im nächsten Musikladen einfach wieder." Soweit die Worte des Meisters. Auch Joe Satriani spielt Gitarren, die man so in fast jedem Laden kaufen kann, viele andere auch. Und was soll ich sagen? Ich ebenfalls!

Inzwischen ja hauptsächlich Bassist, habe ich einige Jahre rumprobiert und habe jetzt "mein" Equipment gefunden. Alles ganz ordentliche Qualität, aber alles von der Stange und in fast jedem Laden zu bekommen oder zumindest zu bestellen. Würde mir etwas kaputt gehen, gestohlen werden oder abhanden kommen, würde ich genau dasselbe Teil wieder kaufen. Die Zeit der Experimente ist erstmal vorbei.

Instrument: Ibanez BTB 675
Saiten: 40er Elixiers
Kabel: von Klotz, das T.M. Stevens Signature
Amp: Mesa Boogie Fathom Combo mit 2*12er Bestückung (heißt jetzt Carbine M6)
Irgendwann kommen noch ein EBS MultiComp und ein Kort Tuner dazu und feddich!
Bis auf den Amp sind die Sachen auch gar nicht mal so teuer, das kann sich so ziemlich jeder leisten.

Bei den Gitarren sind meine Hauptinstrumente eine Ibanez S-Classic aus der Prestige-Serie - wird leider nicht mehr gebaut, aber sollte gebraucht wieder zu bekommen sein - und eine inzwischen rund 15 Jahre alte Ahornhals-Strat von Vester, an der eigentlich nur noch das Holz original ist. Aber alles, was da dran ist, gibt es so im Laden zu kaufen. Nur die Gitarre selbst ist so nicht mehr zu kriegen, und weil das eine schon vom Holz her besonders gut klingende Klampfe ist, müsste ich schon viele Strats antesten, um eine vergleichbare zu bekommen. Ansonsten sind Seymour Duncans Classic Dingens-Singlecoils, Wilkinson-Tremolo und Schaller-Mechaniken überall zu bekommen. Der zugehörige Amp ist entweder ein alter Crate-Combo (Messe-Sondermodell von ca. 1995) oder meist ein Vox Valvetronix mit großem Floorboard, eher eine Vernunftentscheidung als eine Liebesheirat. Die Gitarren und den Crate würde ich so nicht mehr original bekommen, den Amp eher gegen was anderes tauschen, wenn ich zu einer Neuanschaffung gezwungen wäre.

Auf den Instrumenten (insbesondere auf dem Bass, aber auch auf den Gitarren) spiele ich besser als auf anderen Instrumenten, an die ich mich noch nicht gewöhnt habe. Wäre ich gezwungen, einen Gig auf alternativem Equipment zu bestreiten, wäre das kein Problem, solange es sich um solides und sauber eingestelltes Mittelklasse-Equipment handelt. Auf der Gitarre meiner Frau (ich habe ihr letztes Jahr eine Squier Modified Vintage Strat in knallrot geschenkt) würde ich mich noch ganz gut zurechtfinden, ansonsten mal sehen. Ich müsste mich beim Spielen halt mehr auf das improvisierte Equipment konzentrieren und könnte die Musik oder das Spielen wahrscheinlich nicht so genießen wie sonst. Würde das Publikum was merken? Eher nicht. Würde meine Band was merken? Wahrscheinlich schon. Würde ich so klingen wie ich? Zu 95% ja! Würde ich am Spielgefühl einen Unterschied merken? Todsicher!

Also alles kein Voodoo, die Sachen sind Standardsachen (oder waren es, als ich sie kaufte) und zum Zeitpunkt des Kaufs überall zu bekommen.

Frohe Ostern, viele Grüße
Jo
 
Mix4Munich | Johannes Komarek
PA-Rental: www.mix4munich.de | PA-Workshops zum Einlesen: www.mix4munich.de/portal.htm
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RE: Komfortzone vs. Quest for the holy Tone

Ist nicht auch Steve Vai aus diesem Grund zu Ibanez gewechselt, weil er vor 20 Jahren sagte (sinngemäß): "25 Custom-Gitarren im Gepäck, eine besser als die andere, aber wenn eine kaputt geht, bekomme ich die so nie mehr wieder. Ich will lieber was von der Stange - geht es kaputt, kaufe ich es mir im nächsten Musikladen einfach wieder." Soweit die Worte des Meisters. Auch Joe Satriani spielt Gitarren, die man so in fast jedem Laden kaufen kann, viele andere auch. Und was soll ich sagen? Ich ebenfalls!

alles ser wahr was da steht, und ich stimme auch voll zu, dass eine Gitarre von der Stange, eventuell geringfügig modifiziert die beste wahl sein dürfte, was das live-spielen betrifft, jedoch sollte man beachten, dass die Gitarren, die Steve Vai und Satriani da spielen eigentlich ja Gitarren sind, die nach ihren Vorstellungen gebaut werden und der breiten masse zur verfügung gestellt.
Natürlich sind das keine Ultra-Luxus-Custom-Vintage-Super Gitarren de Luxe, aber die sind immerhin theorethisch auf sie abgestimmt
und nicht alles was die Spielen ist von der Stange, würd ich sagen

Geniale Gitarre
Allerdings sollte wirklich jeder selbst entscheiden, ob er an das Vodoo ernst nimmt, und sich mit Vintage/Custom-Shop Gitarren besser fühlt, als mit ganz normalen, Massenproduzierten.
Das kann man nicht standartisieren, diese Entscheidung muss jeder selbst treffen, die Aufgabe der anderen ist es dann diese Entscheidung zu respektieren
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