Die Geschichte des Jazz-Bass bei Cimar

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Die Geschichte des Jazz-Bass bei Cimar

Die Geschichte des Jazz-Bass bei Cimar

Einleitung

Wer nach Informationen über Cimar sucht, der wird auch heute leider feststellen, daß das Angebot sehr dünn ist. Es gibt im Internet nur sehr wenige Seiten auf denen die entsprechenden Instrumente erwähnt werden. Sie stehen häufig im Zusammenhang mit Ibanez und werden in der Regel nur am Rande erwähnt. Es gibt leider keine Community, die sich die Instrumente von Cimar auf die Fahne geschrieben hat. Wer also noch ein Forschungsgebiet im Bereich der Gitarrengeschichte sucht, der findet hier ein anspruchsvolles Tätigkeitsfeld.

Unlängst sind mir jedoch ein paar Informationen zugeflogen, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Ganz offensichtlich handelt es sich bei Cimar um eine durchaus eigenständige Marke hinter der sich vermutlich auch ein eigener Hersteller verbirgt. Gleichwohl man über die Jahre eine ganze Reihe von Instrumenten findet, die eine direkte Nähe oder gar eine absolute Vergleichbarkeit mit bestimmten Modellen von Ibanez aufweisen, existieren auch eine ganze Reihe anderer Instrumente, die man so niemals bei Ibanez findet.

Nach Aussage von Jeff Hasselberger, einem ehemaligen Elger-Mitarbeiter, der von 1973 bis 1982 auch maßgeblich an der Modellentwicklung bei Ibanez beteiligt war, hat Cimar für Ibanez einige einfache Kopien verschiedener Fender-Instrumente produziert. Im Gegenzug vertrieb "Hoshino" als Eigner der Marke "Ibanez" unter dem Label "Cimar by Ibanez" einige Modelle aus dem Einsteigerbereich. Damit erklären sich auch die teilweise identischen Modelle beider Hersteller. Hinzu kommt, daß damals wie heute nur eine handvoll Fabriken existierte, die Instrumente für verschiedene Marken produzierten. Es ist also durchaus wahrscheinlich, daß die "gleichen" Modelle von Ibanez und Cimar auch aus der gleichen Fabrik stammen.

In meinem Datenbestand finden sich erste Hinweise auf Cimar-Instrumente im Jahre 1975. Letzte Informationen stammen aus dem Jahre 1983. Hinweise auf diese Instrumente findet man sowohl im deutschen Sprachraum als auch in Australien. Damit ist gesichert, daß der Hersteller oder die Marke Cimar für zumindest 8 Jahre auf dem Markt durchaus auch weltweit aktiv war. Es handelt sich also definitiv nicht um eine Hausmarke, die speziell für den deutschen Markt geschaffen wurde, wie in einigen Quellen zu lesen ist.

Damit sollen die allgemeinen Betrachtungen zu Cimar abgeschlossen sein. Aus aktuellem Anlaß möchte ich mich im weiteren Verlauf nur auf die Kopien des "Jazz-Bass", beschränken, die unter diesem Label im Laufe der Jahre auf den Markt gebracht wurden:

1. Die "Jazz-Bass" von Fender - Die eierlegende Wollmilchsau

Ende der 50er Jahre kam man bei Fender zu dem Schluß, daß man mit dem 1951 eingeführten "Precision-Bass" der wachsenden Konkurrenz allein aus klanglicher Sicht langfristig nicht entgegentreten konnte. In der Folge stellte man 1960 den "Jazz-Bass" vor, der - im Gegensatz zum "P-Bass" - über zwei Tonabnehmer verfügte und so eine wesentlich größere Klangvielfalt ermöglichte.

Der Halstonabnehmer lieferte einen vollen und runden Klang, der dem des "Precision-Bass" stark ähnelte. Der Stegtonabnehmer erzeugte deutlich weniger Bässe und klang so wesentlich definierter und mittiger. Auf diese Weise konnte man auch erfolgreich der Konkurrenz des 1957 vorgestellten "Rickenbacker Modell 4000" entgegentreten, der einen deutlich helleren Klang erzeugte. Durch die Parallelschaltung beider Tonabnehmer ergab sich eine weitere Klangfarbe, welche durch die Auslöschung bestimmter Frequenzbereiche charakterisiert wird.

Für jeden Tonabnehmer standen eine Tonblende und ein Lautstärkeeinsteller zur Verfügung, mit deren Hilfe eine beliebige Mischung der beiden Tonabnehmer ermöglicht wurde. Um Platz zu sparen wurden zu diesem Zweck bis 1962 zwei konzentrische Doppelpotentiometer verwendet.


Bild 1: Korpus eines Reissue des 62er Jazz-Bass aus dem Jahre 1991

Eine weitere Veränderung betraf den Hals, der mit nur 38mm am Sattel ganze 6,5mm schmaler als der des "Precision-Bass" war. Mit dieser Maßnahme wollte man insbesondere den Nutzern des klassischen Kontrabaß den Umstieg erleichtern.

Aufgrund seiner klanglichen Vielfalt und der leichten Bespielbarkeit stieg das neue Instrument in der Gunst der Musiker schnell auf einen Spitzenplatz und verdrängte so den "Preci" von seinem Thron. Heute gibt es unzählige Varianten dieses Basses und er zählt, ähnlich wie die "Stratocaster", zu den am meisten kopierten Elektrogitarren.


Bild 2: Zwei Versionen des Fender Jazz-Bass

Im Laufe seiner Karriere erfuhr das Instrument einige Veränderungen. So wurden Ende 1961 die zwei teuren Doppelpotentiometer durch drei einfach Potis ersetzt. Damit büßte der Baß eine Tonblende ein und erhielt sein heute bekanntes Bedienfeld. 1965 bekam der "Jazz-Bass" ein Griffbrett mit einer umlaufenden Kunststoffeinbindung und seit 1966 gab es optional auch ein Griffbrett aus Ahorn mit Block-Inlays.

Bemerkenswert ist auch die Position der Fingerstütze. Ging man ursprünglich davon aus, daß das Instrument nur mit dem Daumen gespielt wurde, war man ab 1962 wohl zu der Erkenntnis gelangt, daß die meisten Bassisten die Saiten mit den Fingern anschlugen. Folglich wurde die Stütze dann an den oberen Rand des Pickguard verschoben. Man findet jedoch bis 1964 noch Instrumente mit der alten Positionierung. Vergleichbares gilt auch für die Einstellung der Stahleinlage des Halses. Erfolgte die Einstellung ursprünglich am Halsfuß, so wurde die entsprechende Mutter bei den späteren Modellen am Kopf untergebracht.

Die verchromten Kappen gaben dem Baß ein elegantes und edles Aussehen. Sie sollten ursprünglich dem Schutz der Tonabnehmer und der Abschirmung dienen. Unter der größeren Kappe befand sich nicht nur der Stegtonabnehmer, sondern auch die Saitenreiter und ein paar Schaumstoffteile mit deren Hilfe die Saitenschwingung bei Bedarf gedämpft werden konnte. Den meisten Bassisten waren die Kappen jedoch nur im Weg und so wurden sie meistens schnell und inklusive der Dämpfer entfernt. Moderne Versionen des "Jazz-Bass" werden daher häufig ohne diese Kappen ausgeliefert.

Sehen wir uns nun an, was unter dem Namen "Cimar" in Punkto "Jazz-Bass" im Laufe der Zeit angeboten wurde.

2. 1975 - 1977: Gutes nachgemacht

Wie bei vielen anderen japanischen Herstellern ging es Anfang der 70er Jahre auch bei Cimar nur darum, Kopien der bekannten amerikanischen Elektrogitarren zu sehr günstigen Preisen anzubieten. Auch wenn man die ersten Versuche in der Regel als kläglich bezeichnen mußte, lernten die Japaner schnell worauf es ankam. Zusammen mit den geringen Lohnkosten, gelang es den Firmen schnell, ordentliche Instrumente zu immer noch günstigeren Preisen anzubieten, sodas sie Mitte der 70er Jahre zu einer ernsthaften Konkurrenz für Gibson und Fender wurden. Spätestens zu Beginn der 80er Jahre waren die großen japanischen Hersteller in der Lage qualitativ vergleichbare Instrumente deutlich günstiger anzubieten. War ursprünglich nur der Einsteigerbereich das Ziel, konnte man jetzt auch an der Spitze mithalten.

Laut mir vorliegenden Werbematerialien taucht eine Kopie des "Jazz-Bass" erstmalig im Jahre 1975 auf. Das "Modell 1908" war eine echte Kopie, allerdings ist nicht ganz klar, welche Version hier Pate gestanden hat. Die Anzahl der Bedienelemente, der Ahornhals mit den Block-Inlays, die Positionierung der Halseinstellschraube sowie das schwarze Binding am Ahorngriffbrett deuten eindeutig auf die Zeit nach 1966 hin. Lediglich die Position der Fingerstütze und das Trussrod-Cover passen nicht in diese Bild.

Das Modell "1908" wurde bis 1977 in zwei farblichen Varianten produziert. Die Preise bewegten sich dabei zwischen 342 DM und 398 DM für die normale Version in Sunburst und 395 DM bis 440 DM für die Version in Esche. Damit zielte dieses Modell eindeutig auf den Einsteigerbereich.


Bild 3: Cimar Modelle 1908ASH und 1965 aus den Jahren 1975 bis 1977

Bezüglich der Hardware war der "1908" sehr preiswert ausgerüstet. Die Mechaniken waren einfach und vergleichsweise klein, wie das folgende Bild zeigt:


Bild 4: Die Mechaniken des Modells 1908

Auch bei der Brücke wurde gespart. Hatte Fender dem Original für jede Saite einen einzelnen Saitenreiter spendiert, mußten sich auf dem "1908", ähnlich wie bei der "Telecaster", je zwei Saiten einen Reiter teilen. Der Hersteller sparte dabei sicherlich ein paar Cent, aber der Musiker wurde damit nicht besonders glücklich, denn er konnte die Okatvreinheit der Saiten nicht optimal einstellen.


Bild 5: Die Brücke des Modells 1908

1976 wurde das Modell "1965" vorgestellt, das mit einem Preis von 598 DM deutlich teurer als das Modell "1908" war. Aus optischer Sicht war dieses Modell eine recht genaue Kopie eines "Jazz-Bass" aus dem Jahre 1966. Lediglich der Kopf war wieder etwas schlanker als beim Original.

Der einteilige Hals des "1965" bestand aus Bergahorn. Über das verwendete Korpusholz ist nicht genaues bekannt. Vermutlich handelt es sich jedoch um Esche. Über die verwendeten Materialien des "1908" sind leider keine offiziellen Angaben verfügbar. Sieht man sich den Korpus jedoch genauer an, so dürfte es sich tatsächlich um massive Esche handeln. Das folgende Bild läßt darüber hinaus den Schluß zu, daß es sich um einen einteiligen Korpus handeln könnte.


Bild 6: Die Rückseite des Cimar "1908ASH"

Geht man davon aus, daß der "1965ASH" der wertigere Nachfolger des "1908ASH" ist, dann dürfte auch hier ein einteiliger Eschekorpus verwendet worden sein. Im Hinblick auf den Preis, hatte man immer noch die gleiche Zielgruppe im Fokus: Den Einsteiger!

3. 1979 - 1980: Ab in die Eigenständigkeit

Im Jahre 1979 hatte man bei Cimar eigentlich keinen richtigen "Jazz-Bass" im Angebot. Allerdings war die gesamte Modellpalette seit dem sogenannten Lawsuit überarbeitet worden. Jetzt bot man deutlich eigenständigere Modelle an. Die "XR-Serie" beinhaltete unter anderem vier Bässe, die sich stark an den "Precision-Bass" anlehnten. Im Vergleich zu diesem, war der Korpus der XR-Bässe jedoch etwas kürzer und wirkte so gedrungener. Der Kopf bliebt so schmal wie schon beim Modell "1965", wurde in der Mitte jedoch noch etwas eingezogen, sodas die für viele Cimars in der Zeit von 1979 bis 1981 typische Form entstand.

Der Korpus bestand entweder aus reiner Esche oder aus einer Kombination von Mahagoni mit einer Decke aus Judas-Wood. Der Hals mit zwanzig Bünden wurde aus Bergahorn gefertigt, auf das entweder ein Griffbrett aus Ahorn oder Palisander aufgesetzt wurde. Der Übergang zum Korpus erfolgte, wie beim "P-Bass", am 16. Bund.

Als Tonabnehmer stand entweder der typische Split-Single-Coil an der Position des "Precision-Bass" oder eine Kombination mit einem Jazz-Bass-Pickup an der Stegposition zur Auswahl. Diese Instrumente werden allgemein auch als "PJ-Bass" bezeichnet. Stellvertretend für einen solchen Baß zeigt das nächste Bild das Modell "2066BS":


Bild 7: "Precision-Bass" und Cimar Modell 2066BS im Vergleich

Die Verwandschaft zum "P-Bass" ist unübersehbar. Allerdings wurde ein Schalter zur Wahl der Tonabnehmer hinzugefügt und die Positionen der beiden Potentiometer entsprechend angepaßt.

Besonders bemerkenswert ist die Brücke dieser Bässe. Auf der massiven Grundplatte sind vier aus Messing bestehenden Saitenreiter angeordnet.


Bild 8: Die XR-Bridge für Bässe

Sättel oder Saitenreiter aus Messing fand man damals eigentlich nur auf hochwertigen Instrumenten. Cimar ist damit einer der wenigen bekannten Hersteller aus dem Einsteigerbereich, der solche Materialien verwendete.

Die XR-Serie zeigt deutlich den seit 1976 bei vielen japanischen Herstellern zu beobachtenden Trend hin zu eigenständigen Modellen auf, dem offensichtlich auch Cimar folgte. Man übernahm die bekannte Form und würzte mit ein paar sinnvollen Verbesserungen. Zusammen mit der stetig steigenden Qualität der Produkte war das die Grundlage für den kommenden Erfolg der japanischen Gitarren.

1980 findet sich mit dem Modell "2069" aus optischer Sicht wieder eine recht genaue Kopie des traditionellen "Jazz-Bass", den es in den Farben "Black" (BK) und "Brown Sunburst" (BS) gab. Allerdings wurde auch hier wieder Mahagoni oder Judas-Wood als Korpusholz verwendet.


Bild 9: Cimar Modell "2069BS" aus dem Jahre 1980

4. 1981 - 1982: Auf dem Weg in die Moderne

Ab 1981 erhielt der "Jazz-Bass" als Modell "2069" ein kleines Facelifting, welches sich hauptsächlich durch zwei Dinge manifestierte:
  1. Der "Stinger-Head" änderte seine Form zum "Roadster-Head".
  2. Das klassische Sunburst wurde durch drei neue Farbgebungen, Mahagoni, Rot und Blau ersetzt.
Damit war natürlich auch eine neue Modellbezeichnung fällig. Sie lautete "2072".


Bild 10: Das Cimar Modelle aus den Jahren 1981 bis 1982

Für dieses Modell sind hauptsächlich die knalligen Farben charakteristisch, die Anfang der 80er Jahre bei vielen Herstellern modern waren. Wie immer, wenn in einer Produktion ein Wechsel ansteht, gibt es auch eine Übergangsphase. Das mag der Grund dafür sein, daß frühe Instrumente des "2072" aus dem Jahre 1981 existieren, die noch über den "Stinger-Head" verfügen. Auf diese Weise konnten die vorhandenen Restbestände aus der Produktion des "2069" genutzt werden. Ein vergleichbares Verhalten findet man auch bei Ibanez im Zusammenhang mit den Vorläufern der "Performer-Serie".

Als Korpusholz wurde für den "2072" jetzt ausschließlich Mahagoni verwendet. Für den Hals blieb es beim klassischen Bergahorn. Die Brücke war nun wieder mehr an das Original angelehnt, allerdings wurde weiterhin auf Stegreiter aus Messing gesetzt.


Bild 11: Die Brücke des Modell 2072

Das Modell "2072" kostete im Jahre 1982 in Deutschland 570DM. Für diesen Preis erhielt man ein Instrument, das es im Hinblick auf Verarbeitung und Ausstattung durchaus mit teureren Bässen anderer Hersteller aufnehmen konnte.

5. Köpfchen muß man haben

Wer bis jetzt aufmerksam gewesen ist, dem wird aufgefallen sein, daß sich seit 1975 im Hinblick auf die Form des Instrumentes eigentlich nur der Kopf wesentlich verändert hat. Bis 1979 dominierte eine etwas schlankere Form, die sich trotzdem an das Original von Fender mehr oder weniger stark anlehnte.


Bild 12: Das schlanke Original, der Stinger- und der Roadster-Head

1979 erfolgte eine erste stärkere Änderung. Der Kopf wurde noch schlanker und die starken Ecken mehr geglättet. Diese Form tauchte im Jahre 1980 auch bei den Modellen der "Stinger-Serie" auf, die unter dem Label "Cimar by Ibanez" auch im deutschen Ibanezkatalog von 1980 erwähnt wird. Da diese Serie doch relativ bekannt wurde, erlaube ich mir diese Form als "Stinger-Head" zu bezeichnen.

Im Jahre 1981 führte man bei Ibanez die "Blazer-Serie" ein. Sie löste in gewisser Weise die 1979 vorgestellte "Roadster-Serie" ab und übernahm dabei deren charakteristische Kopfform. Die Roadster-Bässe wurden zwar noch 1981 angeboten, allerdings hatten sie eine vollkommen andere Kopfform. Zeitgleich wurde der "Roadster-Head" mit dem Modell "2072" bei Cimar eingeführt. Diese Kopfform war während der 80er Jahre für viele Modelle von Ibanez charakteristisch. Man fand sie unter anderem auf der "Roadster", der "Blazer" und später auch auf der "Roadstar II". Selbst 1998 wurde diese Kopfform auf der "Blazer" noch verwendet.

6. 1983: Alter Wein in neuen Schläuchen

Das Jahr 1983 läßt sich in gewisser Weise mit 1979 vergleichen, denn wieder war der "Jazz-Bass" zu Gunsten des "Preci" verschwunden. Aus optischer Sicht wurden die beiden Modelle "2210" und "2220" wieder etwas verändert: Einerseits besann man sich mit der erneuten Einführung von Palisandergriffbrettern wieder auf die Wurzeln der Fender-Bässe, andererseits verpaßte man dem Modell "2220" ein moderneres Aussehen, indem man das Pickguard wegließ und ebenfalls die Kopfplatte in der Korpusfarbe lackierte. Das für den "Jazz-Bass" charakteristische Binding am Griffbrett war natürlich auch wieder verschwunden.


Bild 13: Cimar Modelle 2210 und 2220 aus dem Jahre 1983

Hinter den Kulissen hatte sich jedoch nicht viel verändert. Der Korpus bestand nach wie vor aus Mahagoni. Das Modell "2210", eine Kopie des "Precision-Bass", entsprach im Grunde genommen dem Modell "2067" aus dem Jahre 1979, wobei die Brücke vom "2072" übernommen wurde.

Der "2220" war wieder ein "PJ-Bass". Er hatte jedoch die Elektronik vom "Jazz-Bass" geerbt: Statt eines Wahlschalters für die beiden Tonabnehmer gab es zwei Lautstärkeeinsteller und eine gemeinsame Tonblende und, wenn man Bild 13 glauben darf, wurde bei der Brücke erstmalig wieder auf die Verwendung von Messing verzichtet.

Werfen wir jetzt einmal einen Blick über den berühmten Tellerrand. 1984 wurde bei Ibanez die "Roadstar II-Serie" vorgestellt. Abgesehen von der Namensänderung (aus "Roadster" wurde "Roadstar") taucht hier auch wieder der schon bekannte "Roadster-Head" auf:


Bild 14: Ibanez Roadstar II Standard Serie aus dem Jahre 1984

Aus optischer Sicht sind die Ähnlichkeiten zu den 83er Cimar-Bässen unverkennbar! Allerdings verwendete Ibanez Linde und Birke für den Korpus, dessen oberes Horn etwas mehr gekrümmt war, als bei den Modellen "2210" und "2220" von Cimar.

Interessantes weiß indes der Ibanez-Prospekt aus dem Jahre 1984 über die Kopfform zu berichten:

The new headstock design evolved primarily from the Vibration Modal Analysis showing that the larger headstock provided a more balanced distribution of sound variations. The artistic point of view persuaded the pleasing operation of the 4-in-a-line tuning machines.

Aha, also ein neues Design! Hatte man das jetzt 1983 bei Cimar nur "ausgeliehen" oder hatte man bei Ibanez schlicht vergessen, daß diese Kopfform bereits seit 1979 im eigenen Hause verwendet wurde?

Daß das Design des Kopfes das Ergebnis einer sogenannten Modalanalyse ist, mag man noch glauben. Ob diese Kopfform jedoch eine bessere "Verteilung" der "Klangvariationen" ermöglicht? Wer mit der Modalanalyse ein wenig vertraut ist, der weiß, daß sich aus den Ergebnissen - insbesondere aus der mechanischen Konduktanz - Rückschlüsse auf die Lage der sogenannten "Dead Spots" ziehen lassen. Bei Licht betrachtet ist also festzustellen, daß der Nährwert dieser Aussage gegen Null konvergiert! Damit ist das ganze also eher ein flotter Werbespruch, der natürlich bei dem "normalen" Bassisten für ordentlichen Eindruck sorgt!

7. Nach 1983 - Wie ging es weiter?

Cimar tauche irgendwann in den frühen 70er Jahren auf. Wann genau, läßt sich aus heutiger Sicht (noch) nicht exakt festlegen. Die Antwort auf die Frage, wie lange... möchte ich frei nach einem Zitat von Tevje, dem Milchmann aus dem Musical Anatevka, beantworten:

"Ihr wollt wissen, wie lange es Cimar noch gab? Ich werde es Euch sagen!... Ich weiß es nicht!"

Tatsächlich sind mir jedoch vier Instrumente, drei HSS-Strats (CX-140 oder JXC-140) und ein PJ-Bass, bekannt, deren zeitliche Einordnung allerdings schwierig ist, da zur Zeit keine weiteren Informationen über diese Instrumente zur Verfügung stehen. Ein möglicher Hinweis ergibt sich aber aus der verwendeten Kopfform und dem Start der Modelle "2210" und "2220" im Jahre 1983. Dementsprechend dürften neue Modelle nicht vor 1984 vorgestellt worden sein. Diese Vermutung wird durch ein Review bei Harmony-Central erhärtet, in dem ein Modell "2210" beschrieben wird, das über die Seriennummer "E840296" verfügt. Gemäß Ibanez-Codierung dürfte dieser Baß im Mai 1984 gebaut worden sein.

Alle vier Instrumente verfügen über einen Kopf, der heute als "Classic Ibanez Headstock" bekannt ist. Dieser wurde, nach aktueller Informationslage, erstmalig 1983 bei den Instrumenten der "X-Serie" eingeführt. Heute findet man diese Kopfform bei der "RG-Serie", der "X-Serie", der "FR-Serie" der "S-Serie", der "SV- und SA-Serie", der "J-Serie", den verschiedenen Versionen der "JEM" und noch bei einigen anderen. Es ist also zur Zeit "die" typische Kopfform, die man im Allgemeinen mit Elektrogitarren von Ibanez in Verbindung bringt.


Bild 15: Classic Ibanez Headstock einer Cimar CX-140 und unbekannter Cimar PJ-Bass

Entsprechend muß man diese unbekannten Cimar-Modelle zeitlich deutlich nach 1984 einordnen. Da in diese Zeit auch die Verlagerung der Produktion nach Korea fällt, ist es durchaus denkbar, daß diese Cimars schon in Korea hergestellt wurden. Geht man von einer typischen Produktlaufzeit von zwei Jahren aus, dann wird Cimar mit großer Wahrscheinlichkeit mindestens bis 1985 im Markt präsent gewesen sein.

Man findet bei Wikipedia folgende Aussage:

The Ibanez GIO Series is a budget guitar series produced by Hoshino Gakki (Ibanez), replacing the Cimar line.

Wenn das so stimmt, dann wird Cimar vermutlich nur bis zur Einführung des Labels "GIO" aktiv gewesen sein. Allerdings fehlt für diese Aussage leider jeglicher Beleg, sodas man hier lediglich von einer Vermutung sprechen kann. Darüber hinaus wird "GIO" als Marke erstmalig in einem Ibanezkatalog aus dem Jahre 1998 erwähnt. Da bleibt also eine Lücke von maximal vierzehn Jahren!

8. Reviews im Internet

Wer auf der Suche nach Reviews über Elektrogitarren ist, der findet mit Harmony-Central eine durchaus brauchbare Quelle. Aufgrund der schlechten Informationslage über Cimar ist die Ausbeute dort jedoch auch mager. Muß man generell bei der Bewertung solcher Reviews Vorsicht walten lassen, so muß man im Fall von Cimar noch aufmerksamer sein, denn leider fehlen jegliche Modellbezeichnungen, sodas eine genau Zuordnung nur sehr schwer möglich ist.

Man findet bei Harmony-Central insgesamt 11 Reviews zum Thema Cimar-Bass. Aus den Angaben wurde versucht, die Modelle zu identifizieren, was in 8 Fällen gelang. Als nächstes wurden der Mittelwert des Overall Rating pro identifiziertes Instrument gebildet. Daß bei diesem Verfahren das einzige wirklich schlechte Review unter den Tisch fiel, soll der Ordnung halber nicht verschwiegen werden. Dieses Vorgehen ist jedoch haltbar, da das entsprechende Ergebnis aus statistischer Sicht als Ausreißer zu werten ist. Hier nun das Ergebnis:
  1. Modell 1908: 7
  2. Modell 1965: 8
  3. Modell 2067: 9
  4. Modell 2210: 8
Damit ergibt sich insgesamt ein durchschnittliches und bereinigtes Overall Rating von 8. Ein Vergleich mit den Ratings der "Blazer" und der "Roadster" (8,8 und 9,0), zeigt deutlich, daß die Bässe von Cimar durchaus in der gleichen Liga einzuordnen sind.

Natürlich ist die Aussage dieser Reviews aufgrund ihrer geringen Anzahl aus statistischer Sicht nicht besonders belastbar, aber sie sind zumindest als deutlicher Hinweis auf die Qualität dieser Instrumente aufzufassen, die sich immerhin im oberen Drittel der Bewertungsskala befinden.

Fazit

"Cimar? Das ist doch diese Billigmarke von Ibanez!" Ob diese Aussage tatsächlich haltbar ist, darf aus heutiger Sicht in gewisser Weise bezweifelt werden. Zwar ist gerade in den 80er Jahren immer wieder eine Verbindung zu Ibanez herstellbar, aber häufig finden sich gewisse Eigenschaften bei Cimar schon früher als bei Ibanez! Wie die Beziehung dieser beiden Marken zueinander aussieht, bleibt also weiterhin im Dunklen.

Sieht man sich die wenigen Preisinformationen an, so muß man feststellen, daß sich die Instrumente von Cimar immer im Einsteigerbereich bewegt haben. Diese Erkenntnis steht im krassen Gegensatz zu ihren Eigenschaften, die im Hinblick auf den Preis, durchaus als hervorragend zu bezeichnen sind. Dieses gilt insbesondere für die Instrumente aus dem Modelljahr 1981 und 1982, die mir aus eigener Erfahrung bekannt sind.

Der "Jazz-Bass" hat bei Cimar keine bemerkenswerte Entwicklung erfahren. Offensichtlich hielt man es hier mit Fender, denn abseits aller Modetrends konzentrierte sich der Erfinder dieses Instrumentes eher auf die traditionelle Form und überließ fragwürdige Experimente lieber anderen Herstellern. Wenn etwas gut ist, läßt es sich eben nur schwer grundlegend verbessern.

Insgesamt erhält man heute mit einer gebrauchten Kopie des "Jazz-Bass" von Cimar ein solides Instrument, welches sich vor neuen Instrumenten in der Preislage bis 600 Euro keinesfalls verstecken muß.

Ulf

Der vollständige und aktualisierte Artikel ist wie immer in der Knowledge-Base der Guitar-Letters zu finden.
 
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