Bassamp Mesa Boogie Carbine M6 212

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Bassamp Mesa Boogie Carbine M6 212

Der Boogie und ich – Versuch einer Annäherung

Keine Sorge, das hat jetzt nix mit Tanzen zu tun. Aber vor rund einem Jahr habe ich mir einen wunderbaren Bassamp von MESA Boogie gekauft, und bislang ist jeder Versuch eines Reviews gescheitert. Also mal der Versuch einer ganz anderen, rein subjektiven Annäherung.

Worum geht es? Ich habe mir einen MESA Boogie Fathom Combo gekauft. Aus juristischen Gründen musste Boogie diesen Amp umbenennen, und die meisten werden ihn unter der Bezeichnung Carbine M6 kennen(lernen). Auch aus diesem Grunde musste ich noch schnell zuschlagen – Musiker sind ja sehr mystische bis mythologische Menschen, und „die erste Serie“ eines Amps, eines Instrumentes oder irgendeines Gerätes ist fast durchgängig die in Musikerkreisen als die beste angesehene. Und wird irgendwann mal Phantasiepreise auf dem Gebrauchtmarkt erzielen, aber ein Verkauf ist jetzt bereits kategorisch ausgeschlossen. Soviel vorab zu der Qualität des Amps.

Den Fathom gibt es als Topteil, als Rackeinschub und als Combo mit 2*12er Bestückung und regelbarem Einzollhorn. Über das Top gibt es ein hervorragendes Review z.B. hier: http://www.musiker-board.de/vb/reviews/322824-amp-mesa-boogie-m6-carbine-fathom.html

Weitere Reviews hier:
http://www.thomann.de/de/prod_review_5179_AR_208803.html
und hier:
http://www.thomann.de/de/prod_review_5791_AR_208803.html

Ich selbst besitze den Combo, und davon handelt dieses Review. Kurz zur Vorgeschichte: Ich selbst bin Jahrgang 1968 und spiele Gitarre seit 1980. Im Lauf der Zeit ist da einiges an Equipment gekommen und wieder gegangen. Ein Boogie war immer so der unerreichbare Traumamp. Seit etwa 2005 spiele ich hauptsächlich Bass, dort habe ich mich recht schnell am schlechten, über das brauchbare, hin zum guten Equipment durchgearbeitet. Als ich dann Anfang 2008 auch noch in eine wirklich viel versprechende Coverband einstieg, war klar, dass ich einen weiteren Amp benötigte, der auf demselben Level mitspielt. Also habe ich mir ein paar Sachen angehört und blieb irgendwie immer wieder bei dem Boogie hängen. Allerdings wollte ich die aufgerufenen EUR 2100,- dann doch nicht so einfach ausgeben. Aber nach einer Demo der Boogie Bassamps auf der Workshoptour von Ove Bosch war klar, dass es dieser Amp sein musste. Also habe ich alle vorhandenen finanziellen Reserven mobilisiert (und noch ein paar mehr) und mir am nächsten Tag diesen Amp gekauft. Ich habe es noch keine Sekunde bereut. Zusammen mit meinem Bass, dem Ibanez BTB 675 NTF, einem tollen Fünfsaiter mit durchgehenden Hals, und einem guten Kabel produziert dieser Amp eine Reihe von Sounds, die einfach nur legendär sind.

Hier ein kurzer Überblick über die Ausstattung: Die Größe und das Gewicht dieses Combos – immerhin 55kg – lassen mich an einen kleinen Kühlschrank oder eine Single-Waschmaschine denken. Was das ganze beim Transport erträglich macht, sind einerseits die beiden moosgummigepolsterten Tragegriffe zum Klappen an den Seiten (das Moosgummi macht das Tragen erträglich UND verhindert zuverlässig irgendwelches Klappern von den Griffen – viele Klappgriffe sind nämlich gleichzeitig Klappergriffe, aber diese Gefahr kommt hier nicht mal ansatzweise auf) und der Bügel oben hinten im Zusammenspiel mit den beiden soliden Rollen hinten unten – einfach nach hinten kippen und lässig durch die Halle rollen. Wo Boogie wieder mitgedacht hat: Um so einen Amp nach hinten zu kippen, stützt man ihn unten immer mit dem Fuß ab, damit er nicht nach hinten rollt ohne zu kippen. Und an genau der richtigen Stelle hat man eine Platte anmontiert, welche das schwarze Lederimitat, mit welchem der Verstärker bezogen ist, schützt. Sonst wäre diese Stelle als erstes durchgescheuert. Überhaupt macht der ganze Amp mit vielen solcher Details den Eindruck, als habe da jemand einen Amp so gut konstruiert, als wollte er ihn für sich selber bauen.

Die Frontplatte kann man sich z.B. im Web ansehen unter http://www.thomann.de/de/prod_bdb_AR_208801.html?image=0

Scheint erstmal äußerst übersichtlich. Hat es aber in sich. Von links nach rechts haben wir eine Inputbuchse, rechts daneben den Wahlschalter, um benannte Buchse für den Anschluss von aktiven oder passiven Bässen anzupassen. MESA Boogie und Ove Bosch auf seinem Workshop ermutigen die Benutzer aber ausdrücklich dazu, auch mal die jeweils „falsche“ Einstellung auszuprobieren, um neue Sounds zu erzielen.

Weiter geht es mit einem GAIN-Regler. Mithilfe dieses Reglers kann man einen cleanen, aber auch einen heftig angezerrten Sound und alle Schattierungen dazwischen einstellen. Danach kommt das Trio BASS (Pull Deep), MID und TREBLE. Zwischen den beiden letztgenannten findet sich aber noch ein fünfstufiger Drehschalter namens VOICE - mit diesem kann man den Mittenbereich in zwei Stufen und teils verschiedenen Frequenzen absenken oder anheben oder eben die Mitten neutral belassen. Nutzt man nur diesen Drehschalter, muss man sich für eine der gebotenen Möglichkeiten entscheiden. Ich persönlich habe in der dezenten Mittenabsenkung meinen Traumsound gefunden, weil damit immer noch genügend charakterstarke Mitten geboten werden. Der Sound hört sich so aber dezent und edel an. Über fünf Fußschalteranschlüsse auf der Rückseite lassen sich diese Möglichkeiten aber kombinieren. Soll heißen, man kann z.B. eine dezente Absenkung bei 300 Hz mit einer kräftigen Anhebung bei 510 Hz kombinieren.

Weiter haben wir noch einen Regler für den Level, der aus dem rückseitigen DI-Ausgang kommt, der standardmäßig ein Post-Signal, also nach dem EQ, liefert. Zieht man diesen Regler, erhält man ein Pre-Signal, ohne Beeinflussung durch den EQ. Ob man das Signal nun Pre oder Post rausgibt, stimmt man vor dem Gig oder beim Soundcheck mit seinem Tontechniker ab und bleibt dann für diesen Gig dabei.

Der letzte im Bunde ist der MASTER Volumenregler. Dieser verfügt auch noch über die Pull MUTE Funktion – also Stille, wenn man das Poti zieht. Und hier ist der einzige echte Kritikpunkt an dem Amp: Wenn man dieses Poti rauszieht oder wieder reindrückt, besteht immer die Gefahr, den Pegel zu verändern. Eigentlich ist das nicht weiter schlimm, nur: Der Amp kann saulaut sein! D.h. normalerweise spielt man mit eher niedrigen Einstellungen des Master-Potis (bei mir ist es in Stellung 9 Uhr, und meine Band ist nicht wirklich leise). D.h. Leichte Veränderungen am Poti können saftige Lautstärkeanhebungen bewirken, und den Pull MUTE kann man gerade mit einer Coverband mehrmals am Abend brauchen – und verstellt sich damit wahrscheinlich jedesmal die Lautstärke. Nun denn.

Auf der Rückseite gibt es Anschlüsse en masse – alles, was man braucht, Speakeranschluß in Form einer Kombibuchse für Speakon und Klinke, ein Effektweg, Aktivierung der MUTE-Funktion (was obiges Manko teils wieder entschuldigt), ein Tuneranschluß und nicht weniger als vier Fußschalteranschlüsse, um die jeweils zwei Absenkungen und Anhebungen im Mitteltonbereich nutzen zu können.

Nun aber zum wichtigsten: Dem Sound. Der Combo reproduziert nicht einfach nur die gespielten Töne. Nein, er hat „Tone“ - und das ist unendlich viel mehr. Er fügt dem Sound durch die Vorstufenröhre harmonische Obertöne zu, wodurch der Klang wunderbar lebendig und gut im Bandgefüge ortbar wird. Ausserdem klingt der Sound in allen Lebenslagen satt. Ob man nun mehr oder weniger Mitten im Sound haben will, bleibt dem Musiker und seinen Wünschen überlassen. Der Amp liefert alles, was man will – edel breitbandig modern oder klassisch rotzend und drückend in den Mitten. Und all dies auf allerhöchstem Niveau.

Egal, was man spielt und wie laut – es klingt immer wunderbar unangestrengt, so als ob der Amp dem Musiker sagen wollte „Wo das herkommt, gibt’s noch viiiiiel mehr davon!“ Man hat einfach nicht den Eindruck, an die Grenzen dieses Combos gelangen zu können. Die Wirkung der maximal erzielbaren Lautstärke? Wie eine Abrissbirne im Altbau! Tiefster möglicher Ton? Tiefer! Einfach viiiiiiel tiefer. Es kommt einem der Satz in den Sinn „Hubraum ist durch nichts zu ersetzen. Außer durch noch mehr Hubraum.“ Enorm durchzugsstark springt einen jeder Ton an, wenn man das so spielt. Selbst, wenn man den Amp total leise stellt, hört man sich noch sehr gut damit. Und auch wenn man ihn viel zu laut spielt, matscht er nicht die ganze Band zu. Merkwürdig. Aber so ist es, ich habe es mehrfach ausprobiert. Und: Von einer Ausnahme abgesehen, deklassiert der Boogie alle anderen Bassamps, die ich jemals angespielt habe.

Slapper, Funker, Jazzer, Rocker, Punker, Metaller, Mainstremer, Solokünstler oder songdienliche Covermucker – alle werden vom Boogie auf höchstem Level mit höchst musikalisch klingenden Sounds bedient. Mächtig, aber immer konkret, durchzugsstark und gleichzeitig elegant klingt er. Muss man einfach gehört haben, um es zu glauben. Keine Bühne ist ihm zu groß – auf einem Gig hatten wir eine Bühne von ca. 12 Metern Breite – den Boogie in die Ecke gestellt und quer über die Bühne gepustet, bei minimal lauterer Einstellung als im Proberaum (da wäre noch viiiiel mehr gegangen). Jetzt, wo der Ton sich endlich mal richtig entfalten konnte, habe ich auf der ganzen Bühne im Sound geschwelgt – ach was, mich darin gesuhlt! - und habe einen fantastischen Gig gespielt! Mensch, war das schön!

Einmal Boogie, immer Boogie. Mögliche Alternativen? SWR vielleicht. Steht man auf cleane Sounds, dann Glockenklang. Eher rockig? Dann vielleicht einer der großen Ampegs. Nur: Der Boogie kann das alles. Nicht nur entweder, oder.

Seit kurzem am Markt, ist der Carbine M9 – mit unglaublichen 900 Watt Ausgangsleistung, aber an nützlichen Features bringt er einen simplen, aber guten Kompressor mit und einen zuschaltbaren EQ mit. Letzteren vermisse ich persönlich nicht (Basser mit Soloparts können so etwas sicherlich gut gebrauchen), aber den Kompressor habe ich angetestet, der ist prima – vom dezenten Verdichten bis hin zum üblen Pumpen (wer's mag) geht damit alles.

Ganz neu dazu gekommen ist der M3 - ohne den Voice-Regler, einfach nur mit 3-Band-EQ und 300 Watt Ausgangsleistung. Gibt es als Head oder Combo mit diversen Speakervarianten. Ich habe ihn zwar noch nicht angespielt, aber er sollte für die meisten Basser mehr als ausreichen.

Wer auf der Suche nach einem neuen Bassamp ist und das nötige Kleingeld hat, sollte den Carbine M3, M6 und M9 unbedingt einmal anspielen. Auch wer das Geld noch nicht hat, kann sich von dem „Tone“ mal inspirieren lassen.

Noch eine kleine Anekdote, dann beende ich das Thema: Als die Entscheidung gefallen war, dass ich den Boogie Fathom noch vor seiner Umbenennung in Carbine M6 kaufen wollte, ging es darum, ganz schnell noch einen Teil des Geldes aufzutreiben. Als Hilfe zur Selbstmotivation habe ich den Distributor von Mesa Boogie in Deutschland, die Firma Roland Meinl, darum gebeten, mir doch ein paar Plakate zukommen zu lassen. Haben die auch prompt gemacht, am nächsten Tag waren die Plakate da, und mit denen vor Augen viel es mir leicht, das Geld aufzutreiben. Netter Zug. Jetzt hängen die Plakate als Erinnerung im Proberaum von einer meiner Bands.

Viele Grüße
Jo
 
Mix4Munich | Johannes Komarek
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