Monitor-Overkill

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Monitor-Overkill

Moin,

jahrelang haben wir im Übungsraum (ca. 25m2) die Verstärker (2xGitarre, 1xBass) pur sowie den teilw. 4 stimmigen Gesang über 2 Gesangslautsprecher wiedergegeben.
Es funktionierte prima. (Da die Gesangslautsprecher auf uns gerichtet sind, übernehmen sie gleichzeitig die Monitorfunktion)
Irgendwann habe ich der Sängerin mal einen Monitorlautsprecher besorgt. Zweck war, dass sie ihre Phrasierungen und Feinheiten im Gesang besser hören konnte bzw. für Liveanwendungen.
Von da an ging ein regelrechter Monitor-Overkill los. Plötzlich konnte sich angeblich keiner jemals richtig hören. Alle Mitsingenden besorgten sich nun Monitore.
Seitdem habe ich den Eindruck, dass es nur noch matscht bzw. die früher erlebte Klangqualität auf der Strecke bleibt. Da es jetzt gesangsmäßig aus allen Richtungen dröhnt, ist m.E. die eigene Ortbarkeit kaum noch möglich. Die typische Konsequenz: "Ich mach mal meinen Monitor lauter, ich hör mich nicht mehr!"


Es passiert teilweise wirklich, dass der Gesang -aufgrund der Monitorlautstärke- aus den Gesangsboxen so gut wie nicht mehr hörbar ist.
Überhaupt nimmt der Lärm immer mehr zu.

Bei der nächsten Probe werde ich derbe entrümpeln, auch wenn die anderen erst mal meckern.

Abschließend eine Frage:
Kann Jemand das oben geschilderte "Leid" technisch erklären? (Phasenschweinereien?)
 
Gruss, tommy
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RE: Monitor-Overkill

Hallo!

Technisch kann ich das nicht erklären. Nur, dass lauter eben schlechter zu hören ist.

Ich hasse Lärm im Proberaum und hasse zu laute Proben. Meine Vorgehensweise ist regelmäßig die, die Leadvocals und Backgroundvocals am Pult aufeinander abzustimmen. Dann den Trommler machen lassen und ein kurzer Probegesang, mit dem Master wird das "eingepegelt".

Der Bass hat sich dann frequenztechnisch und lautstärkemäßig "auf die Bass-Drum zu setzen" und die Hanseln an Tasten und Gitarren füllen die letzten Lücken, ohne alles zu zu bratzen.

Bei der Vorgehensweise höre ich dann meistens von Bassisten und Keyboardern Sätze wie "so leise hatte ich meinen Amp noch nie", gleichzeitig schaue ich in glückliche Sänger-Gesichter...

(Und der Pfälzer erklärt jetzt, warum ich alles falsch mache.)

Gruß

e.
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Monitor-Overkill

Eure Ausgangsvorgehensweise finde ich immer noch am vernünftigsten, so machen wir es auch. Im Proberaum nur zwei Boxen, über die Gesang und Keys laufen. Lautstärke richtet sich nach dem Schlagzeug.

Noch ein Tipp:
keine Sängerinnen einstellen, dann gibts das ganze Drama nicht .
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RE: Monitor-Overkill

erniecaster schrieb:
Bei der Vorgehensweise höre ich dann meistens von Bassisten und Keyboardern Sätze wie "so leise hatte ich meinen Amp noch nie", gleichzeitig schaue ich in glückliche Sänger-Gesichter...
Gruß


Moin,

glückliche Sängergesichter sind in meiner Welt kein Maßstab für vernünftigen Bandsound... Das ohnehin robuste Ego vieler dieser Zeitgenossen erlaubt ein glückliches Gesicht meist erst bei Pegeln, die an Körperverletzung grenzen *und* um ein vielfaches über dem Bandpegel liegen - mit der platten Begründung, Gesang sei eh das wichtigste.
Und: Wenn der Gitarrist/Keyboarder alles zubratzt, hat er üblicherweise ein Problem mit dem Arrangement und/oder den Ohren und weniger eins mit der Lautstärke.


Gruß Jergn
 
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RE: Monitor-Overkill

Hallo Jergn,

meine Erfahrungen sind da anders.

Gitarristen sind Zicken. Laut, tonnenweise Equipment, an dem geschraubt wird, solo-fixiert und immer Mitglieder der Musikerpolizei, niemals bereit, kommerzielle Gassenhauer zu spielen.

Keyboarder sind Preset-Schleuderer und Preset-Programmierer bei Keyboards scheinen einsame Hanseln zu sein, denen niemand erklärt hat, dass man nicht immer alle Frequenzbereiche alleine beschallt. Von der Unsitte des intensiven Einsatzes der linken Hand im Bassbereich wollen wir lieber gar nicht sprechen...

Mit Sängerinnen und Sängern habe ich viel weniger Stress.

Gruß

e.
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Monitor-Overkill

Moin,

das kenne ich ähnlich von meiner Ex Band. Saulaut im Proberaum, auch saugut weil von den gedämmten Wänden nix zurückkommt. Aber auf dem vorletzten Auftritt haben wir das Publikum komplett von der Bühne beschallt, die Front PA hat es nicht geschafft, den Monitoren was entgegen zu setzen.
Der Sound war entsprechend...

Weniger ist mehr. Und wenn die Sängerin phrasieren lernen will, kauft ihr ein InEar system. Damit hört man alles! Geht übrigens auch bei entsprechender Einstellung nur für den Gesang, der muss halt das andere auch noch hören.

Ciao
Monkey
 
D'oh!

On sale:
Multicore 16/4
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Mixercase mit Aufsteller extra tief!
Behringer graphischer EQ 3102
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RE: Monitor-Overkill

Inhalt auf Wunsch des Autors am 09.10.2013 gelöscht.
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RE: Monitor-Overkill

...danke für Eure Aussagen. Das bestärkt mich in meinem Beschluss, zu entrümpeln.
Meine Leute werde ich schon überzeugen können, die sind ganz lieb und eigentlich überhaupt nicht egomanisch. Sie wussten es eben nicht besser.
Ich selbst hatte auch nur so eine Ahnung, dank dieses Forums.

Die Sängerin ist übrigens mein Eheweib, die krieg ich schon in den Griff!
 
Gruss, tommy
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RE: Monitor-Overkill

Pfaelzer schrieb:
Ein banddienlicher Musiker will auf dem Monitor nicht nur sich selbst hören, sondern den Bandsound, denn um den Bandsound gehts....und um n i c h t s anderes.

p


+1


So isses. Und seit ich DI spiele ist das noch wichtiger, hat meine Sounds verbessert (Banddienlich) und sogar mein Spiel verändert.

Die 4x12er dienen nur der Optik.
 
Traurige Erkenntnis:
...Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht...
...Andere zu stalken und auf die Füße zu treten bedeutet nicht besser zu sein sondern sich besser zu fühlen...
Homepage: http://www.AugeundSo.at
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RE: Monitor-Overkill

Pfaelzer schrieb:
Ein banddienlicher Musiker will auf dem Monitor nicht nur sich selbst hören, sondern den Bandsound, denn um den Bandsound gehts....und um n i c h t s anderes.

p

Sorry, Pfälzer, so sehr ich deiner Grundthese zustimme, so unsinnig ist dieser Satz. Was ich auf meinen Monitor haben will, hängt davon ab, was ich höre. Was ich "durch die Luft" schon höre, brauche ich nicht auf dem Monitor. Was ich nicht ausreichend hören kann, schon. Das muß aber nicht immer der Bandsound sein.
Du hast recht damit, dass man als Musiker INSGESAMT den Bandsound hören muß. Aber dazu muß er nicht unbedingt auf den Monitor, im Gegenteil: manchmal müssen manche Instrumente gerade NICHT da drauf. Wenn ich mit nem zweiten Gitarristen spiele, der ne 4x12er spielt, will ich den definitiv nicht auf dem Monitor. Dafür aber vermutlich was von den anderen, weil er die sonst platt macht.
Also, das war ne Nummer zu vereinfachend...
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
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RE: Monitor-Overkill

Sagen wir es doch einfach so. Man sollte nicht nur sich selbst hören sondern auch alles andere was man braucht um sich wohl zu fühlen... Als ich den Auftritt in der Stadthalle hatte, waren die Techs unfähig Bass bzw. Gitarre auf den Monitor zu legen so das ich praktisch nur Schlagzeug und Gesang gehört habe... Also mussten wir das durch ein wenig umstellen der Amps und ja auch ein wenig lauter machen(Der regler war dann zwischen 4 und 5) beheben. Aber man sollte halt auch noch den Rest vernünftig hören.
 
"Wenn es im Himmel keinen Rock'n'Roll gibt, dann möchte ich dort nicht hin." Bon Scott
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RE: Monitor-Overkill

Ja, das ist immer wieder nervig. Lauter lauter lauter...!

Ich habe gerade die Diskussion, weil man bei unserem Akustikprogramm meinen Soli nicht hört... mein Vorschlag war, dass Rhythmusgitarre und der Rest während der Soli einfach leiser Spielt... dynamisch halt... ein Booster oder Volumenpedal empfand man als die logischere Lösung...
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RE: Monitor-Overkill

Egal ob im Proberaum, oder auf der Bühne - man sollte immer den Bandsound dem eigenen Sound vorziehen. Wichtig ist das man alle Instrumente und Stimmen gut hört. Das hat nichts, aber auch absolut gar nichts mit Lautstärke zu tun, sondern eher mit Dynamik im Spiel - eine gute Band muss auch im Stande sein leise zu grooven.

Wir spielen selbst im Proberaum über unsere PA samt Monitore, einfach um uns alle gut zu hören und sich wohlzufühlen. Mein Amp ist schon seit Jahren mein personal Monitor und ich nehme ihn generell immer ab (DI) und schicke ihn über die PA und die Monitore. Wir proben in einer Lautstärke ohne das die Ohren schmerzen, oder jemand Ohrstöpsel anziehen muss - alles darüber hinaus ist purer Schwachsinn. Das beste Effektgerät eines Gitarristen ist das Volumepoti der Gitarre und das Wissen damit umzugehen!

Schlusswort: Wir alte Hasen wissen das, die jungen Leute müssen darin noch an Erfahrung sammeln. Je früher man damit anfängt um so besser die Chancen sein gutes Gehör zu behalten und gesund zu bleiben

Laut ist out!
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RE: Monitor-Overkill

... "subtraktive Mischung" ist eigentlich das Motto, das alle Probleme löst. Immer. Wird etwas nicht gehört, müssen alle anderen Quellen leiser, nicht die ungehörte lauter. Wie beim Bildhauen, da wird auch nix drangeklebt, wenn ein Detail nicht gut zu sehen ist
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RE: Monitor-Overkill

Hallo!

Gestern abend im Proberaum....

Es ist ein Bunker. Die Räume sind durch einfache Kalksandsteine abgetrennt, jedem Mieter eines Raums bleibt es überlassen, sich innen selbst einzurichten.

Knapp 21:00 konnte man in unserem Raum sein eigenes Wort nicht verstehen, weil die Jungs von schräg gegenüber = fünf Meter Luftlinie, zwei Kalksandsteinwände und eine Lage Molton entfernt, ihren Punk so laut gespielt haben.

Ich habe dann am Ende eines Songs vorsichtig angeklopft und freundlich gefragt, ob es leiser ginge. "Nein", war die Antwort, "aber wir hören jetzt eh auf, weil wir wissen, dass die anderen Bands jetzt anfangen und wir sonst alles übertönen. Wir sind schon seit 17:00 Uhr dran."

Sehr nett, die Jungens. Auf mein freundliches "Okay, danke, schönen Abend noch" bekam ich übrigens ein "Was?" zu hören - hat wohl Spuren hinterlassen, die Probe. Hoffentlich sind die nicht in meiner Krankenkasse...

Gruß

e.
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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