Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Seite 1 von 9
Verfasst am:

Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Angeregt durch eine Nebendiskussion mit Jörg (Pfaelzer) im "Gibson vs. Epiphone"-Thread möchte ich einmal die Frage stellen: welche Produktionen klingen für Euch gut und warum?


Ich persönlich mag einen sehr transparenten und dennoch warmen Sound, ein aufgeräumtes Stereo-Bild. Ich liebe es, wenn man alle Instrumente ganz klar isoliert hören kann. Ich mag es überhaupt nicht, wenn 2, 3 oder 4 Gitarren übereinander gelagert werden, um den Klang "fett" zu machen. Und ich finde es furchtbar, wenn alles bis zum Anschlag komprimiert ist.


Wirkliche Meilensteine in Sachen Tontechnik sind für mich ganz persönlich:

The Beatles - The Beatles (White Album) - weil das unheimlich erdig, direkt, warm und transparent klingt, in der Stereo-Fassung aber nicht so künstlich wirkt wie die Beatles-Alben davor, die man besser in den Mono-Varianten hört.

AC/DC - High Voltage - ich bin kein Hard & Heavy Freund, aber dieses Album klingt tontechnisch für mich phänomenal - und ist eigentlich sowieso eine Rhythm & Blues-Platte ...

The Poll Winners: Barney Kessel, Ray Browne & Shelly Manne - Straight Ahead - eine Gitarre, ein Kontrabass, ein Schlagzeug. Und der Klang ist so, dass man glaubt, mit ihnen im Studio zu sitzen.

Lou Reed - New York - musikalisch finde ich dieses Album nur mittelmäßig, aber der Sound ist genau mein Ideal. Ganz trocken, ganz direkt. 2 Gitarren, Bass, Schlagzeug, Gesang, kaum Effekte, super.

The Nits - In The Dutch Mountains - eine live (!) im Studio auf Zweispur-Digitalrecorder eingespielte Platte mit phänomenaler Musik und ganz eigenem Sound.

Portishead - Portishead - ein Beweis für mich, dass auch in sehr elektronischen Genres warmer Sound möglich ist.

Paul McCartney - Chaos & Creation In The Backyard - hohe Klangästhetik ist eben auch in jüngerer Vergangenheit noch anzutreffen.

Die Nennung einiger Aufnahmen klassischer Musik, die ich besonders schätze, spare ich mir hier einmal. Sie fallen fast alle in die 60er-Jahre und kommen auffällig oft von Decca, London.


Demgegenüber fallen mir sehr negativ einige jüngere Produktionen von z. B. Garbage (Not Your Kind Of People), R.E.M. (Collapse Into Now) und Philip Sayce auf. Da wird Musik, die ich eigentlich mögen würde, durch furchtbare Produktionsweise für mich regelrecht zerstört. Warum können die nicht einfach darauf verzichten, alle Gitarren doppelt, dreifach und vierfach einzuspielen und alles bis zum Anschlag zu komprimieren?
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Hallo,

in letzter Zeit habe ich festgestellt, dass die CDs, die bei Mohi Buschendorf im Waldhausstudio aufgenommen wurden, ein für meine Ohren wunderbar transparentes Klangbild ergeben:

L'arc Six - No. 8
Christina Lux feat. Reentko
Open Rnage - The Elevator Story

sind drei Besipiele dafür.
 
mein blog: www.hans-ulrich-mueller.de
email muelrich(at)yahoo.de
www.youtube.com/muelrichmusic
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Nabend,

also ich kenn mich mit Aufnahmen leider gar nicht aus. Ich gehe einfach danach was sich für mich gut anhört. Mal abgesehen davon, dass ich von den folgenden Bands auch die Musik sehr gut finde, hat für mich der Sound auf den jeweiligen Platten auch etwas besonderes.

- Billy Talent's "Billy Talent III": Neu, modern, aber für mich klanglich durchaus gut. Man kann die einzelnen Instrumente klar hören. Also zumindest ich.

- Guns 'n' Roses "Appetite for Destruction": Keine Ahnung warum. Es macht mir einfach Laune diese Platte zu hören...also auch rein vom Sound.

- Graveyard's "Hisingen Blues": Die Kerle nehmen alles noch ganz analog auf. Klingt richtig "alt" und "erdig."

- Red Hot Chili Peppers "Californication": Man höre sich vor allem die Songs "Parallel Universe" und "Easily" an.

- Green Day's "American Idiot": Hier bin ich wohl etwas voreingenommen. Der gleichnamige Song hat mich zur Musik gebracht. Hat mich dazu gebracht Gitarre zu spielen. Nicht ohne Grund meine absolute Lieblingsband. Aber auch jetzt finde ich den Sound auf dieser Platte absolut Bombe. Für mich klingt es roh und irgendwie nach Rock'n'Roll, aber gleichzeitig auch modern.

- Supertramp's "Crime of the Century": Auch hier kann ich nicht genau sagen warum ich den Sound so gut finde. Das einzige was mir einfällt ist, dass die Platte "Stimmung" erzeugt und gleichzeitig für mich nicht unnatürlich klingt.

Bin mal gespannt, was hier noch so genannt wird
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Die älteste Produktion die für mich locker den Standard hält den man von heute gewohnt
ist, ist Deep Purple "Made in Japan" (1972)
Ebenfalls geiler Sound: Dream Theater "Images&Words" (1992)

Dokken "Under Lock and Key" (1985)

Europe "Out of this World" (1988) - zumindest der Gitarrensound bei den Soli ist amtlich.
 
Auch Cliff konnte es nicht verhindern
Finally its back...

>>>> The Return of the Jedi Rack <<<<
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Van Morrisson: Days like this
Organisch, reell, erreicht mich.

Stoppok: A´schkla
Erdig. Rund. Gut.

John Hiatt: Crossing Muddy Waters
Transportiert die Musik des Albums 1:1 zu mir.

The Police: Outlandos d´Amour
Roh. Geil. Nicht perfekt. DER Wave/Punk-Crossover Sound.
"Next to you" ist DAS Paradebeispiel dafür, wie man in der
Post- Deep Purple-Led-Zeppelin-Ära klingen "nach vorne" klingen
kann muss.

Fast alles von Steely Dan.
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Stratus schrieb:
- Green Day's "American Idiot": Hier bin ich wohl etwas voreingenommen. Der gleichnamige Song hat mich zur Musik gebracht. Hat mich dazu gebracht Gitarre zu spielen. Nicht ohne Grund meine absolute Lieblingsband. Aber auch jetzt finde ich den Sound auf dieser Platte absolut Bombe. Für mich klingt es roh und irgendwie nach Rock'n'Roll, aber gleichzeitig auch modern.

- Supertramp's "Crime of the Century": Auch hier kann ich nicht genau sagen warum ich den Sound so gut finde. Das einzige was mir einfällt ist, dass die Platte "Stimmung" erzeugt und gleichzeitig für mich nicht unnatürlich klingt.

Bin mal gespannt, was hier noch so genannt wird

Das bin ich auch.

Green Day und Supertramp direkt hintereinander nennen bestimmt auch nicht viele ... Klasse! (Wobei mir Green Day auch wieder nur musikalisch gefällt - weniger vom Sound.)

gitarrenruebe schrieb:
The Police: Outlandos d´Amour
Roh. Geil. Nicht perfekt. DER Wave/Punk-Crossover Sound.

Oh, ja! Das Album mag ich auch sehr vom Sound her - und es hat einen einmaligen Groove!
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Hi,

Piero the Guitarero schrieb:
Dokken "Under Lock and Key" (1985)


da bekomme ich gerade Lust, die mal wieder herauszukramen und zu hören. Der Gitarrensound auf der Scheibe ist grandios, überhaupt zeigt die Scheibe ziemlich eindrucksvoll, warum Herr Lynch damals so gefeiert wurde.

Gruß,
Andreas
 
Heavy Traffic - Live Teaser 2016
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Klasse Thema!

Danke dem Pfälzer durchforste ich mein Plattenarchiv nach toll klingenden Aufnahmen und ich versuche dann zu bestimmen, was ich an den Aufnahmen mag.

Rickie Lee Jones - Rickie Lee Jones

Klasse Präsenz der Stimme ohne aufdringlich zu wirken, insgesamt sehr transparente Abmischung der Instrumente und eine gelungene Tiefenstaffelung (zumindest auf der LP).


Cannonball Adderley - Something Else

eine der besten Aufnahmen die in meiner Plattensammlung habe.
Ich weiss da eigentlich gar nicht wie man es beschreiben soll, muss man einfach hören!


Miles Davis - Kind of Blue

Transparenz im Sound und trotzdem relativ dichte Athmosphäre, mir scheint das man da nicht großartig mit dem Hall experimentiert hat sondern der große Studiosaal genug Raum bot.


Belafonte at Carnegie Hall

Die Referenz was Live Aufnahmen angeht, irre Dynamik, vor allem ist das Live Feeling toll eingefangen, und das mit einer Monoaufnahme!


Pink Floyd - DSOTM

brauche ich glaube ich nichts weiter zu sagen.

noch ein paar Anspieltips:

Chet Baker - Touch of your lips
Charlie Byrd - Silence
Fast alles von Barney Kessel
Chuck Mangione - Children of Sanchez (!!!)
Belafonte sings the blues
Kari Bremnes - Eigentlich alle Platten
Kenny Burrell - Midnight Blue
Johnny Cash - American Recordings (alle vier)
Friend & Fellow- Covered
Keith Jarrett - The Köln Concert
Jon & Vangelis - Friends of Mr Cairo
Sinead O`Connor - Lion and Cobra

Wer noch mehr will - hätte da noch einiges zu empfehlen

Gruß
Ralf
 
Es ist besser genossenes zu bereuen, als zu bereuen nicht genossen zu haben!

Prima GW-Deals mit Magman, Swompty, reznor, ArminT, groby, kiesellutz, Don_Mauzo, Monk, Patzwald, Bjoern, Sascha´s Strat, madler69, Gitarrenruebe, Woody
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Eine hatte noch vergessen (möglicherweise mehrere )

Def Leppard "Hysteria" (1987)

Die Gitarren sollen Gerüchteweise (das Gerücht streute Dann Huff) mit Tom Scholz Rockmans aufgenommen worden sein!
 
Auch Cliff konnte es nicht verhindern
Finally its back...

>>>> The Return of the Jedi Rack <<<<
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Piero the Guitarero schrieb:
Def Leppard "Hysteria" (1987)!

Von denen fand ich das allererste Album "On Through The Night" gar nicht schlecht.
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Ich denke, im Titel dieses Themas liegt bereits ein grundsätzlicher Denkfehler. Welche Produktionen klingen gut……

Was ist denn „gut“? „Gut“ ist eine völlig subjektive Empfindung. Was ich als gut empfinde, kann meilenweit davon entfernt sein von dem, was Künstler beim Vollenden eines Werkes als gut und richtig empfanden.

Ich erinnere mal an „Exile on Main St.“ von den Stones. Kritiker loben dieses Werk als das beste der Band. Ich finde es grausig. Der Sound ist unfertig, Jaggers Stimme ist viel zu leise, steht im Hintergrund. Das ist Garagensound, für mich. Keith Richards sagt, genau so sollte es sein, so sollte es klingen. Akustikgitarre in einen übersteuerten Kassettenrecorder usw.

Oder das Gesamtwerk von Rory Gallagher. Selbst nach Remastering klingt das alles wie eine Faust ins Gesicht. Rau, kantig, ohne Räumlichkeit, das klingt nicht „gut“, nicht „schön“, aber genau so wollte er es.

Das Gegenteil sind die Soundtüftler wie Pink Floyd, Steely Dan, Supertramp, Mike Oldfield, Yes, Toto, Bruce Springsteen (Human Touch) usw.

Die hatten ganz andere Vorstellungen. Das ist aber auch „Art Rock“, das ist Mainstream (im besten Sinne) oder Adult-oriented Rock, das hat mit den Root-Rockern, den Strassenkötern wie Gallagher und den Stones nichts zu tun.

Mit dem Sound und wie er ankommt ist es wie mit der Malerei.
Ein Maler denkt beim Erschaffen eines Bildes nicht daran, ob es am Ende der breiten Masse gefällt, ob die es schön finden.

Er malt, was er gerade empfindet. Und so ist es gut. Für ihn. Ob wir das nun als gut und schön empfinden, darüber kann man nicht diskutieren.

Tom
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Whitesnake "1987" - der Gitarrensound von John Sykes wie eine Wand (Still of the Night/Is this Love? oder Bad Boys)

1989 wiederholte Sykes das ganze, diesmal, nach seinem rausschmiss bei Whitesnake
mit Blue Murder, produziert von Bob Rock meinte er damals: "Nach dem erscheinen dieses
Albums wird Bob Rock der teuerste Produzent auf Erden werden!"

und lag damit gar nicht so falsch, Metallica (schwarzes Album 1991), Bon Jovi (Keep the Faith 1992)
und Mötley Crüe (1994) waren Soundtechnisch mit das beste was es auf die Ohren gab (rein subjektiv)
 
Auch Cliff konnte es nicht verhindern
Finally its back...

>>>> The Return of the Jedi Rack <<<<
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

little-feat schrieb:
Ich denke, im Titel dieses Themas liegt bereits ein grundsätzlicher Denkfehler. Welche Produktionen klingen gut……

Was ist denn „gut“? „Gut“ ist eine völlig subjektive Empfindung. Was ich als gut empfinde, kann meilenweit davon entfernt sein von dem, was Künstler beim Vollenden eines Werkes als gut und richtig empfanden.

Ja, die Worte "für Dich" passten aber einfach nicht mehr rein, sonst hätte ich das anders formuliert. Und wenn Du mal gelesen hättest, wie ich dann meinen Eingangsbeitrag formuliert habe, hättest Du Dir schon wieder viel Aufregung sparen können.

little-feat schrieb:
Oder das Gesamtwerk von Rory Gallagher. Selbst nach Remastering klingt das alles wie eine Faust ins Gesicht. Rau, kantig, ohne Räumlichkeit, das klingt nicht „gut“, nicht „schön“, aber genau so wollte er es.

Das meiste davon finde ich total geil. Gallagher ist Gott. ... Für mich ...
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

MH schrieb:
viel Aufregung sparen können.


Schätzchen, um mich aufzuregen, da müssen aber andere Kaliber ran....

Tom
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Die Nits "Live", Miles "Kind of blue", Keith Jarret "Cologne" und einige andere wurden schon genannt.
Bei Lou Reed würde ich noch min. die Co-Produktion mit John Cale "Songs for Drella" nennen.

Ansonsten einige meiner Favoriten:

Van Morrison: No Guro, no method, no teacher
Steely Dan: Everything must go
Lyle Lovett: I love everybody
Rebecca Pidgeon: The Raven
Little Feat: Waitin for Columbus - live
 
LG
Uwe
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Piero the Guitarero schrieb:
Whitesnake "1987" - der Gitarrensound von John Sykes wie eine Wand (Still of the Night/Is this Love? oder Bad Boys)...
... klingt wie Plastik !
Ich HASSE die 87er Versionen von "Here I go again" und "Cryin´in the rain" - PoserPop!
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Letztendlich diskutieren wir doch hier über Geschmack. Und darüber kann man bekanntlich nicht diskutieren.

Ralf
 
At the end of the day, a guitar is a piece of wood, and you either have good wood or bad wood. Quite often you change your pickups and electronics anyway, so really, having that little transfer on the headstock makes zero difference. (Steve Rothery)
Verfasst am:

RE: Klangästhetik: welche Produktionen klingen gut und warum?

Swompty schrieb:
Bei Lou Reed würde ich noch min. die Co-Produktion mit John Cale "Songs for Drella" nennen.

Oh, ja! Viele Deiner anderen Empfehlungen kenne ich nicht, werde ich mir aber gerne anhören!

trekkerfahrer schrieb:
Letztendlich diskutieren wir doch hier über Geschmack. Und darüber kann man bekanntlich nicht diskutieren. :roll

Ich hatte das auch weniger als Diskussion gedacht, als als Sammlung, welche Produktionen von den Forums-Mitgliedern als gut empfunden werden. Daraus kann man dann ja auch möglicherweise ästhetische Leitlinien fürs Recording ableiten. Ich fände es schade, wenn es darauf hinauslaufen würde, dass jemand sagt "Platte x klingt für mich gut" und jemand anders antwortet "der Klang ist aber schlecht."
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.