Warwick BC 20

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Warwick BC 20

Hi,

ich poste hier einfach mal meinen Testbericht vom Warwick BC 20, weil ich den kleinen Amp klasse finde.
 
Hier geht es, wie bisher selten in dieser Website mal um den Bass, bzw. um Bass-Verstärkung. Zumindest in erster Linie, denn der kleine Bass Combo BC 20 von Warwick ist grundsätzlich dafür gebaut, einen E-Bass oder auch einen abgenommenen Kontrabass laut zu machen. Aber er kann mehr, dazu später.

Es handelt sich um den kleinsten Vertreter der BC Serie. Die Zahl 20 steht für die Leistung, es stehen hier 20 Watt zur Verfügung. Wer mehr möchte, kann sich noch die ähnlich kompakten 40, 80, 150 und 300 Watt Versionen der Combos anschauen. Es ist also für Jeden und jeden Zweck etwas dabei. Der kleine 20 Watter ist natürlich als Übungsamp oder Verstärker für leisere Sessions zu sehen.

Etwas positives ist sicher die Tragbarkeit der Basscombos. Der BC 20 bringt es auf meiner Badezimmer Personenwaage auf runde 9 Kg. Das ist leicht. Der größte Bruder BC 300 ist da mit seinen 39 Kg natürlich schon ein ganz anderes Kaliber, der macht den Arm lang.

Der Kleine hat einen 8 Zoll Speaker, zu dem sich noch ein 2 Zoll Hochtöner gesellt. Beide stecken in einem kompakten Bassreflex Gehäuse, 41 cm hoch, 31,5 cm breit und unten 37 cm tief. Die Speakerwand ist leicht nach hinten geneigt, daher sind es oben weniger. Das Gehäuse ist schwarz beflockt, vorne schützt ein Metallgitter die Speaker. Bis auf zwei Bassreflex-Öffnungen vorne ist der Kasten völlig dicht. Hinten unten wird das Netzkabel eingesteckt und dort findet man auch den An/Aus Schalter. Ist der auf An, leuchtet vorn eine blaue LED. Kunststoffkappen schützen rundherum die Ecken.
Die Bedienfläche ist versenkt angebracht. Links geht es da mit den zwei Eingängen los, einer für aktive und einer für passive Instrumente. Dann folgt mit Bass, Middle und Treble die Klangregelung und das letzte Poti ist der Lautstärkeregler. Ein schönes Feature, gerade für einen Übungsamp ist die Aux In Buchse. Hier kann man per Mini Klinke Audiosignale einspeisen und dazu spielen. Playalongs zum Üben oder die neusten Hits. Daneben ist der Kopfhöreranschluss, der die Speaker stumm schaltet. Auch sehr wichtig für einen Übungsamp. Wenn man dabei ein Stereosignal vom Aux in begleitet, dann ist der Bass in der Mitte zu hören. Gut so, genau so muss das sein.
 
Am Design war Jonas Hellborg beteiligt. Er legte besonderen Wert darauf, dass die Amps weit aufgedreht werden können, ohne Verzerrungen zu entwickeln. Das Resultat ist ein "Dynamic Distortion Limiter", der auch im BC 20 werkelt. Er ermöglicht tatsächlich einen absolut sauberen Sound bei voll aufgedrehtem Volumen! Als ich das hier zu Haus mit meinem Mexico Fender Jazz Bass ausprobiert habe, rappelte bei der tiefen E-Saite alles Mögliche im Zimmer herum. Irgendwelche Sachen im Regal und auf dem Schreibtisch fingen an, Geräusche zu machen. Das war kurz nach Mittag. Meine Frau im Büro direkt unter mir ein Stockwerk tiefer, kam hoch um zu fragen, ob bei mir ansonsten noch alles ok wäre. Erfreulicherweise rappelte beim genauen Hinhören aber nichts am Gehäuse des kleinen Amps, das ist ein Pluspunkt! Sowas kann nämlich mächtig nerven. Die erreichbare Lautstärke liegt für mich eine ganze Ecke über "Wohnzimmer-laut". Nachbarn kann man damit ziemlich ärgern. Ich würde sagen, dass der Output für eine leisere Session a la Jazz in einer kleineren Kneipe oder so reichen sollte. Darüber hinaus müssten dann die größeren Brüder ran. In unserem mittellauten Jazz/Rock Trio im Proberaum waren die Grenzen erreicht, da müsste schon der 80 Watt Bruder her.
 
Die verschiedenen Pickups Sounds des Jazz Bass bringt er deutlich rüber. Die tiefe H vom Fünfsaiter schafft er auch, ohne ins Husten zu kommen. Die Klangregelung ist zwar nicht extrem effektiv, aber sie reicht absolut aus, um in verschiedene Richtungen zu formen. Nebengeräusche sind überhaupt kein Thema, auch voll aufgedreht rauscht er so gut wie nicht. Die beste Beschreibung für den Klang ist meiner Meinung nach "neutral". Es erklingt eigentlich nur das, was rein kommt. Und es geht tief runter, tiefer als ich es dem Kleinen zugetraut hätte! Mit der Klangregelung kann man nun alles etwas brillanter, straffer, weicher oder mittiger machen, aber ich hatte nie das Gefühl, dass der Verstärker besonders färbt. Ich finde, das klingt amtlich. Auch über Kopfhörer! Ich könnte mir vorstellen, den Ausgang auch für Aufnahmen zu verwenden. Beim Mikrofonieren müsste man etwas herum probieren, da ja auch der Hochtöner im Spiel ist. Eventuell müssten da zwei Mikros ran.
Später hab ich dann auch andere Sachen angeschlossen. Zuerst meine Baritone Tele. Die bekommt im Vergleich zum Deluxe Reverb 1x12 Gitarren Amp mit dem BC 20 noch etwas mehr Pfund unten herum, was sehr gut passt. So silbrig klingeln wie der Deluxe Reverb kann der kleine Bass Combo dann natürlich nicht, aber es klingt gut. Ich hatte da wieder das Gefühl, dass der Amp nicht färbt. Auch mit meiner Jazz Mama, meiner Heritage Eagle Archtop kam er klar, bzw. sie mit ihm. An der Klangregelung mussten da die Bässe weit heraus, Mitten Neutral, die Höhen etwas rein. Dazu hab ich dann mein Digitech RV-7 Reverb Pedal zwischengeschaltet und hatte einen coolen Jazz Sound. Als Jazzer kann man damit auch losgehen, das geht ganz gut.

Zu guter Letzt kam dann sogar noch meine Takamine Dreadnought ins Spiel, allerdings mangels eingebautem Pickup über einen alten Bill Lawrence Schallloch-Pickup. Vielleicht kommt dem Einen oder Anderen jetzt allmählich der Gedanke, der Diet hat einen an der Waffel, aber selbst das geht! Dabei hab ich die Höhen weit aufgedreht und den Bass etwas abgesenkt. Das ist natürlich kein nobler HiFi Akustik Sound, aber er ist brauchbar. Da kommt wieder das Nichtfärben, das Neutrale dieses kleinen Combos zutage und dass es nicht nur mit dem Bass geht, ist sicher auch dem zusätzlichen Hochtöner zu verdanken.

Mein ganz subjektives Fazit:
Für den angedachten Zweck als Bass-Übungsamp oder für kleine Sessions ist der Warwick BC 20 absolut empfehlenswert! Ich bin ziemlich begeistert von dem Combo. Außerdem kann man ihn noch für andere Zwecke "missbrauchen", wie beschrieben. Besonders mit meiner Baritone Tele gefiel er mir da auch sehr gut. Wenn man sich dazu dann noch den momentanen (Dez. 2012) Straßenpreis von unter 130 Euro zu Gemüte führt... Keine Fragen mehr.


Mit Bilderchen gibt es den Testbericht in meiner Website guitartest.de

Gruß Diet
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