Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

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Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Moin,

Nach dem Urlaub war es zurück, dieses fiese rappeln, rasseln und klingeln im Amp, wenn Töne ausklingen, besonders beliebt das g auf der tiefen e-Saite. Ausserdem - so schlapp und matt hatte ich den kleinen nicht in Erinnerung ... hmmm ...

Also erstmal die Röhren getauscht - alle 5 auf einmal - trotzdem isses noch da, dieses fiese ...

Also kurzer Entschluss - Amp zerlegen und gleich richtig machen ... nach dem Studium einiger Websites zum Thema Blues Junior Probleme, Modifikationen etc. steht jetzt folgender Entschluss:

1.) Es werden die Netzteilkondensatoren sowie die Kondensatoren im Signalweg durch hochwertige ersetzt.

2.) Es wird ein einstellbarer Bias pro Röhre eingebaut, damit ich das Dingens sauber einstellen kann. Ausserdem lege ich mir passende Messpunkte über 1Ohm Widerstände nach aussen um jederzeit den Bias messen zu können.

3.) Der sogenannte "Oszillations-Mod" - parallel zum Widerstand R30 (Schaltplan und Platine des Belcat ist nahezu identisch zu der "Cream Borad" Variante des Originals) wird ein 100pF Kondensator gepackt, der die Oszillation dämpfen soll. Ausserdem sollte man auf die Verlegung der Flachbandkabel achten.

4.) Die Klangregelung weicht von Schaltplan ab und bei genauem Hinsehen fällt auf, dass hier bereits gelötet wurde, das Tonestack ist exakt das eines Twin Reverb:
Die Mitten werden durch das gebrückte Poti direkt auf Masse gezogen, der Tonekondensator für die Mitten wurde von 22nF auf 47nF geändert, das Poti von 25kOhm auf 10kOhm. Ebenso wurde der Kondensator für den Bassregler auf 0,1µF geändert. Klingt aber gut und kann so bleiben.

5.) Wenn der Amp wieder störungfrei läuft, rüste ich noch einen Parallelen Effektloop nach, und mache den integrierten Federhall schaltbar ...

Ich hab jetzt erstmal alle Ersatzteile bestellt - wenn geliefert wird, wird weitergebaut ...

Ich werd hier "Step by Step" berichten, wie es sich entwickelt ... Für sachdienliche Hinweise & weitere gute Mod-Ideen des Blues Junior / Belcat sag ich schonmal Danke!

Anbei die ersten Pics ...

Chassis, Trafos, Kleinteile:


Hauptplatine(n)


Markierungen für den Bias Mod - hier werden die Leiterbahnen aufgeteilt, so dass im oberen Teil die beiden Bias Trimmer und im unteren Teil die 1Ohm Widerstände für die Messpunkte eingelötet werden können. Hier muss vorsichtig mit dem Dremel getrennt und gebohrt werden


Die Lötbrücke im Tonestack am Mittenregler "Twin Reverb Mod":


Zuletzt bearbeitet von heiko7471 am 26.05.2013, insgesamt einmal bearbeitet
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Hallo,

das klingt interessant. Hoffentlich bewirken die Mods eine Verbesserung in Sachen Rasseln und Klang.

Einen schönen Pfingstmontag wünsche ich..
 
Viele Grüße
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Heiko das klingt nach einem interessanten Vorhaben. Schön dass du uns daran teilhaben lässt mit deinen bebilderten Berichten.
Macht ja auch Spaß sowas und man lernt auch was dazu. Bei dem Sauwetter derzeit macht sowas ja auch doppelt so viel Spaß
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Update ... Heute ein bisschen Dremeln und ein 1mm Bohrer im Akkuschrauber ...

Hier der erste Eingriff in die Platine - das ist der zentrale Punkt, an dem die beiden PIN3 der EL84 Endstufen an Masse gehen - jener an welchem der Bias gemessen werden soll. Per Dremel hab ich die Leiterbahn so aufgeteilt, dass später die Widerstände eingesetzt werden können. 4 der Bohrungen sind für die beiden Messiwderstände, die anderen 3 Bohrungen um die Messpunkte an eine Buchse zu legen:


Hier hab ich die Widerstände mal ausgelötet, die an der späteren Modifikation beteiligt sind. Einer wird durch die beiden Trimmpotis ersetzt, die anderen beiden werden wieder in die Schaltung eingesetzt. Um Platz für die Trimmer zu schaffen, hab ich ein neues Loch gebohrt und den Kondensator versetzt:


Hier das ganze von oben - die blauen Striche werden später die neuen 1Ohm Widerstände, die beiden roten und der eine blaue Punkt sind die drei Bias Messpunkte. Im unteren Bildteil sieht man den umgezogenen Kondensator:
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Next steps ...

Ich hab mich noch ein bisschen in den Schaltplan eingelesen und jetzt die folgenden Mods vorbereitet. Anstatt direkt an die Bauteile zu löten, bohre ich lieber neue Löcher, und löte die Bauteile, Kabel und Kontakte sauber ein. Abgesehen von dem aufgekratzten Punkt für die Bias Messwiederstände kann alles reversibel zurückgebaut werden.

Parallel zum R30 wird ein 100pF Kondensator platziert um die Oszillationen zu unterdrücken - anstatt diesen von oben auf den Wiederstand zu löten, bohr ich lieber 2 neue Löcher:


Oszillationen treten beim Blues Junior mit den Cream Boards gerne auf - da der Belcat dem Cream Board nahezu 1:1 entspricht, mache ich das gleich mit und biege dann auch die Kabel an die Röhrensockel beim zusammenbau entsprechend mit. Sicht von oben - ein 100pF Keramikkondensator hat da locker Platz zwischen R30 und C16


Das sind die Bohrungen für den schaltbaren Federhall - dafür wird der Kondensator C19 gebrückt und somit der Hall auf Masse gezogen:


Hier kann jetzt von oben der Schalter angeschlossen werden. Dazu werde ich eine kleine Platine anfertigen und den Schalter mit einem J111 Mosfet Transistor realisieren (siehe FAT Switch). Das ganze wird dann an die vorhandene Footswitchbuchse mit angeschlossen, die in Stereo verbaut ist und deren 2. Ring unbenutzt ist - mit einer Stereotrampelkiste kann ich dann FAT und REVERB schalten, betreibe ich den Fusschalter Mono oder lasse ihn unbenutzt, bleibt der Hall on Board aktiv.


Die weissen, 2-poligen Stecker (WHT, RED) sind übrigens der Send und Return für den Federhall - das ist schöner gelöst als beim Original Ausserdem zu sehen der JRC4560 Operationsverstärker, der den Federhall puffert.


Es soll ja noch ein paralleler Effektloop eingebaut werden - diesen lege ich parallel zum Federhall über den R18 - hierzu wieder 2 Löchlein gebohrt:


Hier kann der parallele Effektloop dann schön angeschlossen werden:

Röhre hin, Röhre her - für den parallelen Effektloop greife ich auf den Bausatz von uk-electronic zurück - dieser arbeitet mit 2 TL072 Operationsverstärkern zum Puffern - ggfs. werden die grossen Potis gegen kleine Trimmer getauscht, mal sehen wo und wie ich das einbaue
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Boost-Schalter

Hi, bin ja begeistert, wie ausführlich Du diese Modifikationen hier dokumentierst. Mir fehlt da leider die ein oder andere Nachhilfestunde in Elektrotechnik. Habe aber eine mir bedeutetnde Frage. Ich habe auch den Belcat und schätzze ihn sehr (bislang rasselt nichts...). Mein einziger großer Kritikpunkt an dem Amp ist der boost schalter. Siehst Du eine Möglichkeit, einen größeren Lautstärkeunterschied zwischen Boost-An umd Boost-Aus zu bewerkstelligen?
Schon mal 1000 Dank und viele Grüße,

philipp
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Re: Boost-Schalter

spiric schrieb:
Hi, bin ja begeistert, wie ausführlich Du diese Modifikationen hier dokumentierst. Mir fehlt da leider die ein oder andere Nachhilfestunde in Elektrotechnik. Habe aber eine mir bedeutetnde Frage. Ich habe auch den Belcat und schätzze ihn sehr (bislang rasselt nichts...). Mein einziger großer Kritikpunkt an dem Amp ist der boost schalter. Siehst Du eine Möglichkeit, einen größeren Lautstärkeunterschied zwischen Boost-An umd Boost-Aus zu bewerkstelligen?
Schon mal 1000 Dank und viele Grüße,

philipp

Hy, das Thema gab es mal im Fenderforum:http://www.fenderforum.com/forum.html?db=&topic_number=486920 ... hab selbst keine Ahnung wie das klingt ... zum Boosten nehm ich ein Pedal, wenn´s dir dann zu früh komprimiert würde ich eine zahmere Vorstufenröhre (12AY7, 12AU7) ausprobieren ...
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Mahlzeit,
Gestern kamen die Bauteile, hab heute mal mit der ersten Bestückung begonnen ...

Hier die neuen F&T Netzteilkondensatoren - (einer fehlt noch) - sowie die formatfüllenden Orange Drops.
Rechts unten sieht man den Bias Mod, der wegen Fehlfunktion wieder zurückgebaut wurde,
70-80 mA !!! sind bei 320 Volt für eine EL84 "Very Hot":


Hier ist die bestückte Platine für den Parallel-Loop - die passt exakt noch neben die Hauptplatine


Hier der Anblick der Orange Drops - das war teilweise echt eng:


Dieser Bias Mod mit den 2 Trimmpotis funktoiniert nicht richtig und die Ruheströme der EL84 liefen aus dem Ruder - ich hab den Bias Mod zurückgebaut und lediglich den Widerstand R52 (22kOhm) durch einen der beiden 50kOhm Trimmer ersetzt - Bild folgt ...
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Letztes Update:

Der Amp ist fertig, wenn auch nicht ganz so wie gedacht ... bleiben wir mal bei den Fakten:

1.) Die Netzteilkondensatoren wurden wie geplant ausgetauscht, aussderdem wurden so ziemlcih alle Kondensatoren gegen höherwertige ausgetauscht

2.) Der Bias Mod wurde in einfacherer Form ausgeführt - Den 22kOhm Widerstand R52 durch einen 50kOhm Trimmpoti ersetzen.
Damit wird der Strom für beide Röhren geregelt, bei Verwendung gematchter Sätze ist das problemlos.
Der Belcat hatte ursprünglich die Röhren mit 38mA regelrecht gegrillt, ich hab den Bias jetzt mal auf 25mA runtergeregelt, was für die 320Volt an den Röhren ein guter Mittelwert ist.

3.) Der Oszillationsmod wurde eingebaut und die Flachbandkabel der Endröhren "gegensätzlich" zu den Vorstufenröhren verlegt

4.) Die Klangregelung - Twin Reverb Mod - wurde beibehalten - ich war zu faul das nochmals zurückzubauen und bin mit der Klangreglung so zufrieden

5.) Der Parallele Effektloop mit dem UK-electronic Bausatz hat nicht funktioniert, da die Schaltung auf Gitarrenpegel ausgelegt ist.
Ich habe stattdessen die Send-Return Pufferung aus dem Schaltplan des Fender Hot Rod auf einer Lochrasterplatine nachgebaut und einen seriellen Effektloop eingebaut.
Wird der Effektloop mit einem Kabel gebückt (Puffer ist dann aktiv im Signalweg) habe ich keine Pegel und Klangänderung gehört.

6.) Der Reverb ist lässt sich über den Fußschalter bedienen - hierzu wird der C19 Ausgangs der Hallspirale auf Masse gezogen. Ich schalte das indirekt über ein Reed-Relais.


Fazit der ganzen Aktion:

Was sofort positiv auffällt ist, dass das Nebengeräusch beim Ausklingen weg ist und der Amp insgesamt ein deutlich geringeres Grundrauschen
hat - Feine Sache das. Was bleibt ist ein bisschen rappeln in den Röhren selbst und an den Keramiksockeln - da geh ich aber nicht mehr bei, dass lass ich so.

Effektloop und schaltbarer Reverb machen den Amp für mich im Liveeinsatz einfach praktischer zu handeln, klangliche Auswirkungen hat das nicht bzw. höre ich mit meinen Ohren keine Defizite.

Den einstellbaren Bias wird mir der neue Endröhrensatz danken (TAD EL84 STR) der alte Satz ist nicht mehr matched (deutliche Abweichung im Bias untereinander) und die Röhren sind deutlich angelaufen. Wie bereits erwähnt, statt der fixen 38mA sind es jetzt nur noch 25mA. (Richtwerte hab ich übrigens aus der empfehlenswerten TubeTown Bias Anleitung)

Alles in allem hat sich die ganze Aktion noch aus einem anderen Blickwinkel gelohnt, ich hab mich mal seit langem mal wieder mit einem Schaltplan beschäftigt und angefangen zu verstehen, wie so ein Röhrenamp aufgebaut ist. Jetzt trau ich mir auch zu, mir einen Marshall 18Watt Clone aufzubauen...

So, noch ein Schwung Bilder zum Schluss:

Die Pufferung des seriellen Effektloops mit einem TL072 Operationsverstärker aus dem Fender Hot Rod nachgebaut:


Das Einstellpoti für den Bias anstelle R52: (der dazu parallel geschaltete Kondensator hat die Position getauscht, damit Platz für das Poti ist)


Die 1Ohm Messwiderstände für den Bias:


Das ist die Platine, auf der die Fußschalter- und Lautsprecherbuchsen montiert sind.
Der freie Lötpunkt ist der Kontakt zum 2. Ring mit dem der Hall geschaltet wird.
Der parallel zum Schalter angelötete kleine 100pF Kondensator unterdrückt das Knachsen beim Schalten:


Die "neuen" - Links die Buchsen für Send & Return, rechts die drei Bias Messpunkte:


Mit ein Grund für den komischen Hall - an der Spirale ist eine der drei Federn komplett abgebrochen:


Der Amp wieder zusammengebaut ohne Rückabdeckung. Die neuen Buchsen sind nicht zu sehen, es gibt keine sichtbaren Eingriffspuren.
Zu guter letzt ein Tipp - die Schrauben für die Rückwand sind 25mm lang, die Rückwand selbst ist ca 10mm dick.
Somit stehen die Schrauben echt "satt weit" ins innere - mein Netzschalter (siehe Links oben und man beachte die Gewindebohrung)
hatte schon deutliche Spuren von der Schraube - rustikal - ich hab jetzt kürzere 16mm beim Zusammenbau genommen, damit mehr Platz ist.
Der Speaker - ein Twinsound Alnico - passt nur, wenn man die Schallwand dreht und den rückseitigen Blechdeckel des Lautsprechers abnimmt:
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Hallo Heiko,
Gratulation und Hut ab. gut gemacht!
Die Entfernung der unnötigen Resonanzkammer "Magnetglocke" war die richtige Entscheidung. "Klingt" weniger, v.a. bei höheren Pegeln.

Mach ich seit Jahren mit allen ähnlichen Alnicos und vor allem mit den rappelnden, teils losen Kunststoffabdeckungen diverser alter Celestions.

Schätze, dein Baby hat jetzt alles in Allem eine durchweg bessere Dynamik, oder?
 
mit freundlicher Empfehlung
Verne

http://www.blues-corporation.eu
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Wenns denn reicht ... Na dann.
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Hallo,

wer kann mir einen Schaltplan des Tube r20 mailen.

Es geht um die Mods Tone Stack und neue Elkos

Vielen Dank

Uwe
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Moin

Ich muss mal gucken, habe da glaub ich was...

Wenn du das gemacht hast, sach mal bescheid was und wie/Welche Sachen.

Will ich auch nocch irgendwann ran. Leider sind die Bilder oben weg.

Der tube 20r ist aber identisch mit dem BJ Creamboard

Gruß Klaus
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RE: Belcat Tube 20 - Modifikation / Reparatur

Hallo Klaus,

es geht um die üblichen Verdächtigen: Tone Stack mod, und bessere Elkos und Widerstand für Bias wechseln.
Infos folgen, wenn ich durch bin.

Gruß

Uwe
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