ToneRite

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ToneRite

Liebe GW-Gemeinde,

Gegenstand dieser Rezension ist das ToneRite-System, welches ein vornehmlich akustisches Instrument für mich einschwingen mag, indem es mit einer Gummiauflage in die Saiten eingeklemmt und dann in Vibration versetzt wird, wobei die Intensität stufenlos wählbar ist. Nach 144 Stunden sollen dann selbst die Hartgesottenen unter den Zweiflern einen Unterschied wahrnehmen können.

So etwas finde ich ja immer spannend und mag es ausprobieren, zumal es mir extra vom Besitzer zu diesem Zwecke kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde unter der Prämisse, hier auch'n Test abzuliefern: Herzlichen Dank, ernie, für die freundliche Leihgabe!

Also ohne viel Trara: Wie arbeitet es und bringt es was?

Zunächst einmal hatte ich nicht wirklich vor, mich um den Hinweis zu kümmern, dass es primär für akustische Instrumente ist und habe es auf eine meiner beiden Blugs gepackt, da ich die beiden im Verhältnis zueinander bestens kenne und eine Veränderung der einen durch Vergleichen mit der anderen sicher bemerken würde. Dachte ich... aber von vorne: Das System lässt sich nämlich nicht in Stegnähe bei der Strat so anbringen, wie es gedacht ist. Daher kam es dann nach dem ersten Tag an der Position zwischen Mittel- und Hals-PU zum Einsatz, wo es gut hielt und immer noch ordentlich Rappel machte.

Apropos Rappel: Das Vibrieren kann vernehmlich laut sein, muss es aber nicht, je nachdem wie das Instrument und die Regeleinheit, ein großes Poti inmitten des Kabels, positioniert ist; im schlimmsten Fall hört man dann eben unser Netzbrummen. Über einen Adapter kann die Europa-Version übrigens einfach an der Steckdose angeschlossen werden.

Zurück zur Blug: Die habe ich ca. 100 Stunden eingerappelt und während dessen immer wieder mal kurz gespielt, um zu überprüfen, ob sich was getan hat. Und das war sicherlich mein Fehler Nr. 1: Besser man wartet die volle Distanz ab, um wirklich einen Unterschied feststellen zu können. So habe ich mir ein klares Ergebnis zerschossen und die Trennschärfe raus genommen; blöd, das.

Abseits dessen glaube ich schon, dass sich auch etwas bei der Strat getan hat: Sie hat befreiter und vor allem weiter geschwungen, sprich: Mein Anschlag hatte weitreichendere Konsequenzen als üblich, die Randzonen der Gitarre wurden intensiver angesprochen. Das machte das Instrument elektrisch verstärkt lauter. Kein wirklich deutlicher, eindeutiger Effekt, eher eine Tendenz.

So, da ich zwei Americana-Gretsches besitze, die ich ebenfalls jeweils in Relation zueinander bestens kenne, kam als nächstes ein akustisches Instrument, eine Parlour-Gitarre, zum Einsatz; diese hatte zwar mehr Masse und war auch sustainreicher als die Kollegin, aber leider auch flacher und wesentlich bassärmer; die E6 klang so, als wolle ihr der Resonanzkörper keinen Bass spendieren.

Diesen Effekt konnte das ToneRite-System in den Griff kriegen: Nach ca. 100 Stunden Rappelns hatte die Probandin deutlich mehr Tiefe im Bass. Dabei hat sich aber nicht ihre eigentliche Klangfarbe verändert, bzw. verschoben, sondern sie ist im Rahmen ihrer eigenen Möglichkeiten vertieft worden; so würde ich den Effekt beschreiben. Und obgleich der Effekt doch eindeutig ist, ist es immer noch subtil. Komischerweise hatte ich mir mehr von der Sache erhofft.

Ich werde in den folgenden Tagen mal genau beobachten, ob sich der Effekt auch wieder ausschleicht, was also passiert, wenn man mit dem Beschwingen aufhört. Sollte dies der Fall sein, würde ich das System für mich persönlich als zu wenig effizient unterm Strich einstufen. Sollte der Effekt teilweise oder ganz bleiben, finde ich die Leistung für ca. 150€ vertretbar.

Bisheriges Fazit: Wunder wirken kann das ToneRite bestimmt nicht, aber innerhalb der Grenzen der eigenen Möglichkeiten kann es einer Gitarre auf die Sprünge helfen. Ungefähr so wie ein mittelmäßiger Nachhilfelehrer: Von der 4- geht es bis zur 3-, vielleicht bis zur 3 hoch, mehr zu erwarten wäre vermessen.

Im Falle meiner Gretsch Americana war es z.B. genau das Maß, was es brauchte, um eine potentiell gute Gitarre in eine praktisch gute Gitarre zu wandeln. Im Falle meiner Blug weiß ich bis dato nicht so recht, ob es da eine Veränderung gab oder ich mir die schön rede; ist aber auch eine Solidbody, die ich evtl. besser länger hätte schwingen lassen.

In der Zwischenzeit: Drei Tage später hat sich der Effekt bei der Gretsch Parlour nicht verändert oder gar rückentwickelt – ein voller Erfolg! - Bei der Blug glaube ich immer mehr an ein psychologisches Phänomen; da würde ich nix mehr bemerken.

Aus Spaß habe ich jetzt ca. 50 Stunden meine Gretsch Electromatic Hollowbody eingeschwungen – und auch hier bemerke ich einen Unterschied: Der Diskant tönt merklich runder und unterfütterter; erst eine Tendenz, aber wahrnehmbar. Pling-pling ist jedenfalls nicht mehr; das Instrument klingt ausgewogener und erwachsener.

Conclusio: ToneRite wirkt! Es kann nicht zaubern, aber innerhalb des Potentials des Instruments merklich positiv Einfluss nehmen. Bislang entpuppt sich der Effekt nicht als reversibel, scheint also bleibend zu sein. Und: Je hohler das Instrument, desto eindrucksvoller das Ergebnis.

Lieben Gruß,

Batz.

PS: Auf YT gibt es ausreichend Videos zum ToneRite; daher verzichte ich auf Bilder.
 
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