Mesa Boogie Dual Rect-o-Verb 25, nach 2 Jahren nutzung

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Mesa Boogie Dual Rect-o-Verb 25, nach 2 Jahren nutzung

Hallo Mitgitarristen,

(unten gibts einen tl;dr Zusammenfassung)

vor 2 Jahren kam Mesa Boogie mit einer 25 Watt Combo version des Dual Rectifer auf den Markt. Kurz die Specs:

12" Lautsprecher
2 Kanäle
2 Modi je Kanal
Gain, Treble, Mid, Bass, Presence, Master je Kanal

Umschaltung zwischen 10 und 25 Watt
Federhall

EL84 Röhren

und das wichtigste 18 kg leicht



Motivation: (don't read if you don't like personal stories)

Bevor ich mir diesen Amp kaufte war ich nach langem langem suchen (ihr werdet euch an meine Odysee erinnern...*peinlich*) meines Sounds bei einem Singel Rect-o-Verb Combo aus den 90iger Jahren gelandet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich keine Band und mir gefiel einfach der Sound. Das passte.
Vor 2,5 Jahren habe ich dann wieder eine Band gefunden und musste den Combo jedesmal Treppen rauf und runter tragen. Was bei 38 kg echt schwerstarbeit ist.

Hinzu kam ein Mesa Boogie problem. Ich kam in der Band nicht so 100% durch. Alles einstellungssache dachte ich. Aber bevor mir das Soundproblem zu einem Problem wurde, wurde eher das schleppen zum Problem.

Just zu diesem Zeitpunkt brachte Mesa den o.g. Combo heraus. Mit 1600 € viel zu Teuer für mich. Aber die 18 kg... 18 kg.. weniger als die hälfte meines jetzigen Combos...Und man kann Ihn ja zurück geben.

Bestellt, geliefert, ausgepackt, angeschaltet, und enttäuscht.


Sound: (read this for information about the Amp)

Der Amp ist 2 Kanalig, Clean und Verzerrt. Der Clean Kanal hat 2 Modi, Clean und Pushed, und deckt von Fender Clean bis Hi-Gain Metallica alles ab. Ja, auch Metallica zu Black Cover zeiten ist im Clenakanal Pushed Modus drin. Das ist schon recht beeindruckende Spannweite.

Kanal 2 hat einen Vintage und einen Modern Mode, der Vintage Mode ist etwas dichter im Sound, etwas mehr mittig, der Modern Kanal hat diese fetten höhen und einen leichten Mid Scooped, wie man es von "Modernen Heavy Metal" Produktionen gewohnt ist.

Grundsätzlich sind die Mitten etwas höher angeordnet als bei Marshall. Wobei diese Pauschaliesierung mit vorsicht zu geniesen ist. Natürlich gibt's unzählige Marshall Amps die alle nen anderen Mitten Focus haben. Aber ich denke ihr wisst was ich meine.

Der Federhall ist unaufgeregt, lässt sich auf der Rückseite je Kanal regeln und ist Fusschaltbar. Großer Minuspunkt: Es liegt kein Fussschalter für den Hall bei, und dieser gibt auch keine Optische Auskunft ob er eingeschaltet ist oder nicht. Serieller FX Loop ist obligatorisch und Funktioniert sehr gut. (nutze ihn in Verbindung mit einem Volumen Pedal)



Sound ist sehr Subjektiv. Der Amp ist aufgrund seiner Klangregelung sehr sehr flexibel einstellbar und für alle Bedürfnisse geeignet. Ich kann mir wenige Sounds vorstellen die sich nicht realisieren lassen. Ok, nen JTM 45 Crunch, da wird es schwierig, dem Amp fehlt dafür einfach eine gewisse Wärme.

Clean klingt er wirklich sehr schön Clean. Ich denke man darf getrost Fender als vergleich nehmen. Was Crunch und Zerre angeht... ich beschreibe den Klang gerne als "rotzig" oder "schmutzig". Der Amp "knurrt". Wenn ich an Distortion denke denke ich immer an "Sägezähne"... keine Ahnung warum. Und ich hab beim Boogie immer das gefühl ich höre jeden einzelnen Zahn weil sie sich "langsam" bewgen. (Sound beschreiben ist doof).


Klangregelung:

Hier versteckt sich die Geheimwaffe des Amps. Die für viele nutzer eher "Geh-Heim" bedeut. Die Regler beeinflussen sich gegenseitig. Treble steuert auch Gain, Mitten steuert auch Bass, Bass steuer Treble und Mitten, Mitten über 15 Uhr sind Gain-boost usw. usw. Der einzige Regler der für sich steht ist der Presence regler.



Man muss das nicht mögen, aber man sollte sich damit auseinander setzen. Zur Soundfindung ist es unglaublich wichtig.
Die Watt reduzierung ist meiner Meinung nach Unnötig. Sie bewirkt keine große Lautstärkenänderung, sondern eher eine Komprimierung des Soundes. Ich fahre den Amp immer im 25 Watt Modus.

StoryMode: Soundpraxis

Wie bereits gesagt, war ich nach dem Auspacken enttäuscht. Der Amp klang so gar nicht wie sein großer Bruder. Ich hab damals auch ein Video gedreht mit einem direkten vergleichs test in welchem der Boogie sehr schlecht weg kam. Auch die Zuschauer empfanden das so. Der große alte Boogie klang Voluminös, Fett, ausgeglichen, Fein, Harmonisch. Der neue Booige war ... entschuldigt den Ausdruck, eine Tischhupe.

Nichts desto trotz nahm ich Ihn mit zur Probe. Trotz halber Leistung zum vorherigen Amp, musste ich den Verstärker kaum über ein Drittel des Masters Bringen um mich sehr sehr gut zu hören. Um nicht zu sagen: Ich hab alles in Grund und Boden geblasen. Man hörte mich sehr gut, aber das was man hörte gefiel mir nicht.

Also war eigentlich schon klar das ich den Amp wieder zurück schicken würde. Kurz vor ablauf der 30 Tage, kam mein Kumpel, auch Gitarrist vorbei und meinte: Lass mal Anspielen. Er spielt eine Zerberus Morpheus Gitarre, wahrlich kein Durchsetzungsmonster mit den Originalen PU's auf dem neuen Amp, ich meine Telecaster über den alten Single Rectifier.

Was soll ich sagen: Ich hab mich nicht gehört. Ich war einfach nicht da. Da konnte ich die Mitten noch so sehr auf anschlag bringen. Trotz Tele gab es mich nicht. Das war für mich der Auslöser den Amp doch zu behalten. Das Tischhupen Problem würde ich irgendwie in den Griff bekommen.

Ich durchforstete Foren, sprach mit anderen Booige Usern und bekam den Tip: dreh doch mal die Mitten raus. Mein Musikpraxisgestählter Verstand schrie innerlich: "Stop, das geht doch nicht. Ohne mitten kein Sound"... aber ok. Nächste Probe, ich drehte die mitten auf nicht mal ganz 9 Uhr (bei einer Skala von 1-10 entspricht das etwa 2-3). Ein krasses erlebniss. Ich war weiterhin sehr sehr gut zu hören, die Tischhupe war verschwunden und ich blies nicht mehr die ganze Kapelle weg. Boogies sind einfach anders.

Storymode: Meine Entwicklung

Der Amp verfügt über eine sehr gute Dynamik, was mich dazu bewegte das Volumenpoti der Gitarre und auch das Tonepoti richtig zu nutzen. Besonders mit dem Tonepoti lässt sich gut der grad der Verzerrung anpassen. Das führte dazu das ich den Amp tatsächlich folgendermaßen nutzte:

Kanal 1 Clean, Pushed, Gain: Max, Treble: 12 Uhr, Mid: Max, Bass: 11 Uhr um eine Metallica Mäßigen Zerrsound zu haben, der sich per Volumen der Gitarre in Sparkelig Clean regelen lässt. "Long train runnnin" und "Metallica" sind mit dieser Einstellung möglich. Die mitten sind im Clean Kanal anders Focusiert, so das er trotz maxed mitten nicht zur Tischhupe wurde.

Kanal 2 stellte ich den Klang ähnlich Kanal 1 ein und nutzte den 2ten Master als Sololautstärke.

Der Amp hat mich Gitarrenspieltechnisch ordentlich nach vorne gebracht. Er verzeiht nicht soviel, man achtet vor allem mehr auf seinen Anschlag, da sich damit sehr gut der grad der Verzerrung regelen lässt.

Inzwischen brauch ich den Clean Kanal aufgrund des Einsatzes eines Fuzz doch, so das ich als Soloboost ein Volumenpedal mit veränderbarer 0 Stellung in den FX einschleife. Kanal 2 benutze ich im Vintage Mode.

Fazit:


Endlich angekommen. Auch nach 2 Jahren noch. Der Amp gibt mir alles was ich brauche. Im Gegensatz zu den "alten" Boogies ist der Amp ein "Durchsetzungsmonster" das seines gleichen sucht. Mitgitarrist spielt einen Randall der ähnlich wie ein Marshall klingt. Der hat die Mitten auf Anschlag und ich muss trotzdem aufpassen ihm nicht den platz weg zu nehmen. Der Amp reagiert auch gut auf die Gitarre. Was mit der Telecaster mit Single Coils Crunch ist, ist mit ner Les Paul mit Humbuckern Hi-Gain.

Negativ:

Abzüge gibt es in der B-Note:

- Klinkenbuchse für Kanalumschaltung ist vorne. Fettes Minus für Kabelverlegung
- Kein Fussschalter für Reverbumschaltung im Lieferumfang
- Kein Optischer Indikator ob Reverb angeschaltet oder nicht.
- Preis

[Anmerkung:] Man liest oft über die schlechte Ablesbarkeit der Regler. Das stimmt. Aber das stört nicht. Aus folgendem Grund: Den Amp stellt man nach Ohren ein und nicht nach Augen.[Anmerkung Ende]

Positiv:

- Durchsetzungsfähigkeit
- Dynamik
- Sound
- Flexibilität
- Gewicht !!!

Danke fürs Lesen
Euer Chris

tl;dr
Kleiner, leichter, sehr durchsetzungsfähiger Amp mit sehr guter Klangregelung und nem sehr Rotzigen Mesa Boogie sound.


Hier noch ein Paar Videos direkt von Mesa... ich kann weder so gut spielen, noch so gut aufnehmen

Clean:


Sparkelin:


Clean to Crunch:


Crunch:


Classic Metal:


Heavy Metal:
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RE: Mesa Boogie Dual Rect-o-Verb 25, nach 2 Jahren nutzung

Hey Chris, und frohes neues euch allen.

ich musste schmunzeln nach deinem Satz:

"Bestellt, geliefert, ausgepackt, angeschaltet, und enttäuscht."

Den hat nämlich ein mir befreundeter Gitarrist ähnlich gesagt nach dem auspacken einer neuen Tele.

Und jetzt halte ich eine Lobrede für :

Wenn man sich ein Musikgerät (Bodentreter, Instrument, Amp) kommen lässt, so möge man sich doch erstmal in aller Ausgiebigkeit damit auseinander setzen, vielleicht sogar die Anleitung lesen , und dieses Gerät (s.o.) mal in Ruhe und in seiner Gesamtheit auf sich wirken lassen, bevor man es wieder zurückschickt, viele Dinge brauchen Zeit, wir leben leider in einer Wegwerfgesellschaft, auspacken, bähhh, weg. Aber gerade wir Musiker sind doch oft sensibel genug für Neuerungen, auch wenn überall inzwischen Vintage draufsteht.

Hast du ja gemacht, Chris, tolles Review. Boogies sind toll, aber verlangen Auseinandersetzungen, und sind für den Bandkontext gemacht.

Ach ja und mein Freund mit der Tele ist inzwischen sehr sehr verliebt in die kleine, er hat ihr Zeit gegeben, sich zu zeigen, zu klingen, und hat sie vorurteilsfrei nochmals angehört und dann hat es ihn erwischt.

Fazit: Vergleiche von neuen Gitarren mit alten und identischen Ampeinstellungen klappen selten, neue Amps mit ähnlichen Klangregelungseinstellungen klappen selten.

Gebt den Dingen eine Chance.

Frohes Neues
 
und immer zeigt sich bei allem Gegreife, und allen Fingerübungen dieser Welt, daß die rechte Hand den Ton macht. Vernachlässige nie, nie, nie die Anschlagshand.
Dann, ein guter Gitarrist du werden kannst.
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RE: Mesa Boogie Dual Rect-o-Verb 25, nach 2 Jahren nutzung

Schönes Review, Chris. In vielem kann ich dir als ehemaliger Besitzer eines Single Rect-o-Verbs zustimmen. Ich habe den Clean Sound geliebt und auch der verzerrte Ton hat mir gefallen. Jedenfalls im Schlafzimmer...
Im Gegensatz zu dir habe ich in der Band leider keine Einstellung gefunden, die mit der Durchsetzungskraft eines Marshalls & Konsorten vergleichbar gewesen wäre. Glückwunsch, dass es bei dir klappt. Anscheinend tickt der kleine Bruder etwas anders.

Hach ja... ich habe wirklich gern gejammt und geübt über das Teil... aber nur dafür ist er mir einfach zu teuer gewesen.
 
Ciao,
Mo

Blog zum Thema Gitarrenbau, Reisen, Kulinarik und jetzt auch noch Segeln:
http://www.travelling-dippegucker.de
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RE: Mesa Boogie Dual Rect-o-Verb 25, nach 2 Jahren nutzung

McCracken schrieb:
Anscheinend tickt der kleine Bruder etwas anders.


Ja, Mac, das tut er in der Tat.
Ich möchte meinen, dass liegt auch an dem Fillmore-Speaker.

Ich besitze meinen 25iger -Combo noch etwas länger. Der funzt wunderbar, Durchsetzungsprobleme hatte ich bislang nicht.
 
Gruss
frank
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