Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

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Habt ihr schon einmal einen Kredit für eure Musikkarriere aufgenommen?

Ja
12%
3
Nein
72%
18
Würde ich nie machen! Irgendwann wird mich schon jemand entdecken!
16%
4
Stimmen insgesamt: 25
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

groby schrieb:
Und schon bist du bei einer sehr elitär schmeckenden Auffassung von Qualität...


Magst du Recht haben, fraglich ist halt, wer sich überhaupt für das Thema Qualität interessiert.
Wenn man sich das Konsumverhalten im Land anschaut, sind es eher Wenige.
I. d. R. kommen die aus der von mir beschriebenen Zielgruppe.
Dem kann man jetzt entgegenhalten: "Die können es sich auch leisten". Ja, auch das mag sein, sehe ich hier aber völlig wertfrei, eher als reine Beschreibung.

groby schrieb:
...
Das zum Beispiel Komplexität irgendwas mit Hochwertigkeit zu tun hat, ist eine sehr akademische, blutleere, verkopfte und auch sehr deutsch-preußische


Da bin ich komplett bei dir.
Aus meiner Erfahrung wird häufig mit Komplexität die Belanglosigkeit von Darbietungen / Aussagen maskiert.
Eher ein Taschenspielertrick aber halt wirkungsvoll.
 
LG
Uwe
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

ALLE interessieren sich für Qualität.

Sowie alle gerne essen was ihnen schmeckt. Das ist ihr Kriterium von Qualität und ein anderes gibt es nicht.
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

"Komplexität" ist vielleicht EIN Kriterium. "Eier" sind ein weiteres. Ich höre seit ein paar Tagen im Auto die CD einer Sludge-Band names Alligator Rodeo. Schwere, schleppende Riffs einer auf C# runtergestimmten Explorer. Komplexität 2 von 10 Punkten, Eier 12 von 10. Eben auf Facebook habe ich so ein Fusion-Video gesehen, Komplexität 12 von 10 Punkten, Eier 0 von 10. Andere Kriterien ließen sich hinzufügen. Wie nun aber die Eigenschaften der Musik zu Qualitätsempfinden führt, das hätte mich interessiert. Sowas entwickelt sich ja auch, und zwar in Ab...... ich wiederhole mich. Gegen das Prädikat "elitäre Auffassung" habe ich jedoch nichts, auch nichts gegen "Bildungsniveau". Ich halte Bildung (auch im musikalischen Sinne) gewiss nicht für unverzichtbar oder entscheidend, aber insgesamt doch für eine super Sache, und bilde mich so gut es geht.
 
Vor kurzem habe ich gesehen, dass eine Decke vor meinem Amp lag. Es war 6:57 Uhr morgens. Ich habe sie weggezogen.
Alter, da ging die Sonne auf. Das klang, als hätte jemand eine Decke vorm Amp weggezogen.

https://soundcloud.com/user-868938649
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

groby schrieb:
ALLE interessieren sich für Qualität.

Sowie alle gerne essen was ihnen schmeckt. Das ist ihr Kriterium von Qualität und ein anderes gibt es nicht.


Das bedeutet doch, dass Objekte keine ihnen unabhängig von der Rezeption innewohnende Qualität haben, sondern dass sie sich daran messen lassen muss, ob "es jemandem schmeckt". Musik, die niemand mag, hätte demnach keine Qualität.

Inwiefern ist denn die Qualitätsempfindung der Rezipienten vonmirausauchNudelnmitKetchupEsser tatsächlich unabhängig von den Eigenschaften des Objekts?

Du merkst schon, ich bin weder der Auffassung, dass sich "alle für Qualität interessieren" noch dass es das einzige Kriterium für Qualität ist, ob und wie sehr "es jemandem schmeckt".

Ich behaupte weiterhin, dass die Eigenschaften / Merkmale eines Objekts relvant sind, dass deren Bewertung durch den Rezipienten jedoch veränderbar, entwickelbar ist.

Einfacher kann ich's nicht ausdrücken, sorry. Als Gedanke vielleicht noch, dass doch viel in der Kunst zu Lebzeiten des Künstlers geringgeschätzt wurde, zB Van Goghs Malerei. Niemandem schmeckte das. Jahrhunderte später begeistern sich Millionen für seine Malerei und sie wird mainstream.
Vollzieht sich diese Entwicklung vollkommen unabhängig von den Eigenschaften seiner Malerei?
Oder nehmen wir Hesses Literatur ... mit 17 bis 25 glühen Leser in Leidenschaft dafür, mit 47 bis 55 kaum jemand. Das soll nichts mit den Eigenschaften von Steppenwolf, Siddharta usw zu tun haben? Na, ich weiß nicht.

BTW, Was war eigentlich Thema dieseas Threads?
 
Vor kurzem habe ich gesehen, dass eine Decke vor meinem Amp lag. Es war 6:57 Uhr morgens. Ich habe sie weggezogen.
Alter, da ging die Sonne auf. Das klang, als hätte jemand eine Decke vorm Amp weggezogen.

https://soundcloud.com/user-868938649
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Ferdi, du verwendest da immer "Qualität" die etwas hat oder nicht oder so.

Wenn Musik das hat, dann komme ich zurück auf meine Anfangsbitte:
Definiere den Begriff. Den du da verwendest.

Im weiteren Verlauf hier entschuldige ich mich mal für nix. Wer das geschwurbelt findet: ihr habt mein Verständnis aber Pech gehabt. Klickt weg aber nicht beschweren.

Ein Musikstück hat intersubjektiv (ich verwende den Begriff "objektiv" nicht gerne wenn es epistomologisch genauer sein soll. Das ist so ein Wort für Leute die sich mit der vermeintlichen Unangreifbarkeit der Wissenschaft schmücken wollen, deren Prämissen sie selber nicht wirklich verstanden haben) ... wo war ich? Ach ja. .... hat intersubjektiv Eigenschaften. Dies sind Länge, Taktart, blabla...

Alles über die *Güte* seine Beschaffenheit zum Zwecke der eigenen "Erbauung" (geiles Wort, oder? Das ist Adorno, der verstaubte Grumpel) ist ein ästhetisches Werturteil.

Mein Wunsch hier zwischen Wert und Qualität zu unterscheiden ist durchaus bedacht.

Und dieses Urteil entsteht im Subjekt. Vor dem Hintergrund seiner Erwartungen, Gewohnheiten, Assoziationen oder auch momentanen Stimmung. Es entsteht *durch* das Objekt aber nicht *in* ihm und wird auch keine inhärente Eigenschaft.

Man kriegt das Subjekt da nicht herausabstrahiert. Das wäre auch ein bisschen menchenfeindlich. Es ist auch ein Verdienst der deutschen Philosophie, dass sie zum Beispiel das Subjekt als Zentrum von Bedeutungsschaffung nie ganz aus den Augen verloren hat.
Es ist zutiefst verständlich, dass das unbefriedigend ist. Es widerspricht dem Bedürfnis nach dem was man in der amerikanischen Philosophie "ultimate constraints" nennt, also letztendliche Wahrheiten quasi. Was zum Festhalten.

Meine Gegenfrage wäre: Was erhöht den ästhetischen Wert eines Musikstücke was *nicht* Komponente einer individuellen Rezeptionserfahrung und damit subjektiv (sogar im Wortsinn, nämlich "dem Subjekt unterlegen") ist?

Das Wort "Qualität" haben viele verwendet. Geklärt wurde es noch nicht, nur anähernd und dann auch nur anekdotal und selbst dort, meiner Meinung nach, falsch.

Das ist meine Sicht.

Einigen müssen wir uns ja nicht.

Was das Thema des Threads eigentlich war? Irgendwas mit Schwanewede vielleicht? Weiss nicht mehr.
Ach doch: wie ein Kredit den Wert von Musik erhöhen hilft. Das war es. Der Milchmädchenrechnungs-Blues, Baby.
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Vereinfacht (so wie ich es herauslese):
Wohnt den Dingen (die man da schafft) Qualität inne (und wir erkennen und bewerten diese "nur") oder bekommen diese Dinge nur einen Stempel "Qualität" von uns versehen, wir stellen quasi Kriterien auf und weisen diese den Dingen zu.....ist ja auf alle Formen der Kunst übertragbar.

warum eigentlich immer nur dogmatisch entweder/oder?

Warum nicht sowohl als auch.....was dann mehr oder weniger wiegt, ist "Jacke wie Hose".....

Diese vermeintliche Henne/Ei Diskussion bestimmt doch in vielen Dingen unser Leben....mir fällt da die Diskussion über die Menschenrechte ein....

Wohnen dem Menschen auf natürliche Art und Weise die Menschenrechte inne, oder werden die Menschenrechte nur verliehen.....

Interessant ist doch aber letztlich, der praktische Umgang damit, was bringen Menschenrechte, die von Natur aus bestehen, aber keinem verliehen werden....

Sorry, für meine Vereinfachung...aber wenn ich eure Komplexität ertragen muss, dann ihr meine Einfachheit...!

Insofern stellt sich für mich nicht die Frage, wo Qualtiät ihren Ursprung hat, sondern ob sie für uns relevant ist....scheinbar JA. Nur bedarf sie lediglich für den geneigten USER einer Definition. Der Mehrheit genügt ein "GEFÄLLT mir oder GEFÄLLT mir nicht, was ja eine Wertung impliziert. Wie auch immer diese aussieht....schön ist und bleibt, dass sie jedem sein eigen Ding sein sollte.....

Insofern verbleibe ich bei meiner Meinung, eine objektivierbare musikalische Qualität gibt es bei künstlerisch motivierter Arbeit nicht, ausser man definiert sie, was aber den künstlerischen Anspruch wiederum zerstören würde....

Fazit: Das Kunstvolle und Wertvolle in der Kunst ist, dass sie erst im Auge des Betrachters zur Entfaltung kommt......und die Qualität ist die Verbalisierung dieses Phänomens.....Amen! Ein guter Texter gibt nicht vor, sondern lässt wirken.....Musik die nichts in uns auslöst, ist wertlos. Musik die in uns was entfacht, hat ihre Bestimmung erreicht.

Insofern liegt die Frage eigentlich in der Bestimmung der Musik.......!

LG
Oli
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Ah, na gottseidank. Ich dachte schon, das wird wieder so ein Thread, wo sich seitenweise Leute in Nuancen missverstehen und sich zunehmender Divergenz einbohren. Dem ist nicht so.

groby schrieb:
Ferdi, du verwendest da immer "Qualität" die etwas hat oder nicht oder so.

Wenn Musik das hat, dann komme ich zurück auf meine Anfangsbitte:
Definiere den Begriff. Den du da verwendest.


Was besseres als "Güte" statt "Qualität" fällt mir jetzt nicht mehr ein. Und dass ich morgen früh den Thesaurus bemühe, das will ich mir und euch ersparen.


groby schrieb:
Ein Musikstück hat intersubjektiv [ ... ] Eigenschaften. [ ... ]

Alles über die *Güte* seine Beschaffenheit zum Zwecke der eigenen "Erbauung" (geiles Wort, oder? Das ist Adorno, der verstaubte Grumpel) ist ein ästhetisches Werturteil.

Mein Wunsch hier zwischen Wert und Qualität zu unterscheiden ist durchaus bedacht.

Und dieses Urteil entsteht im Subjekt. Vor dem Hintergrund seiner Erwartungen, Gewohnheiten, Assoziationen oder auch momentanen Stimmung. Es entsteht *durch* das Objekt aber nicht *in* ihm und wird auch keine inhärente Eigenschaft.

Man kriegt das Subjekt da nicht herausabstrahiert.


Da sind wir uns ganz einig. Es entsteht durch das Objekt - ja! Ich bin nur der Ansicht, dass man neben dem Subjekt auch das Objekt da nicht herausabstrahiert bekommt.

groby schrieb:
Meine Gegenfrage wäre: Was erhöht den ästhetischen Wert eines Musikstücke was *nicht* Komponente einer individuellen Rezeptionserfahrung und damit subjektiv (sogar im Wortsinn, nämlich "dem Subjekt unterlegen") ist?



Ich bleibe dabei, dass ich das Erlebnis von (hoher) Qualität, also (ausgeprägter) "Güte" für ein Ereignis - also nicht für eine Eigenschaft - halte, dass zwischen Objekt und Subjekt stattfindet. Nicht für etwas dem Objekt inhärentes, nicht für etwas, dass (allein) durch das Urteil des wahrnehmenden Subjekts entsteht, sondern für etwas Drittes. Etwas Drittes ohne die anderen beiden, ohne Subjekt und Objekt, nicht geschähe. Die beiden treffen aufeinander und BÄM! oder eben nicht.

Wenn ich morgen früh den Koffer öffne und meine Taylor-Gitarre herausnehme und beginne, ein paar schöne Akkordwechsel zu zupfen, dann geschieht da etwas. Es war weder dem ungespielt im Koffer liegenden Instrument nicht inhärent noch ist es ausschließlich in meinem Kopf.

Vielleicht lässt du, groby, die Idee von Qualität als Ereignis mal eine Nacht wirken?
Je länger ich drüber nachdenke, desto wärmer werde ich mit der "Erwartungshaltung".

Ollie, deinen Text habe ich jetzt gerade erst gelesen. Dein "sowohl als auch" versuche ich ja eben intellektuell zu durchdringen, wie es eben sein kann, dieses "sowohl als auch", sowohl im Objekt wie auch im Subjekt. Du schreibst gegen Ende

ollie schrieb:
Musik die nichts in uns auslöst, ist wertlos. Musik die in uns was entfacht, hat ihre Bestimmung erreicht.


Da gebe ich dir uneingeschränkt recht.
 
Vor kurzem habe ich gesehen, dass eine Decke vor meinem Amp lag. Es war 6:57 Uhr morgens. Ich habe sie weggezogen.
Alter, da ging die Sonne auf. Das klang, als hätte jemand eine Decke vorm Amp weggezogen.

https://soundcloud.com/user-868938649
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Die Frage kann man leider nicht gut beantworten mit "sowohl als auch" weil sie im Kern nach dem *Wesen* der Dinge fragt. Jener Dinge nämlich fatalweise, die noch nicht mal gegenständlich sondern nur in der Sinneswahrnehmung existieren.

Menschenrechte wohnen nicht inne. Sie werden verliehen (oder besser gesagt: sie stehen zu). Was alleine dadurch ersichtlich ist, dass sie genommen oder vorenthalten werden können (bei Minderjährigen oder bei Strafvollzug zum Beispiel).

Die Bestimmung von Musik ist es - wie du sagst- etwas zu erreichen. Dieses Ereignis findet - als ästhetische Rezeption - nur im Betrachter statt. Und nur dort ist ein Urteil über Art und Güte dieser Ereignisses und damit den ästhetischen Wert der Musik möglich.

Das ist ein bisschen wie die Frage, was ist Kunst?
Kunst ist, was etwas auslöst. Genauer gesagt: Eigentlich ist nicht der Gegenstand sondern das Auslösen die Kunst. Und das Bewirken ist eigentlich die Musik.

Ein Musikstück selbst ist nur ein Schallereignis. Veränderungen im Luftdruck. Ohne Wert in sich selbst wenn nicht durch einen Hörer beigemessen.
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

groby schrieb:
Kunst ist, was etwas auslöst. Genauer gesagt: Eigentlich ist nicht der Gegenstand sondern das Auslösen die Kunst. Und das Bewirken ist eigentlich die Musik.


Näher brauchen wir uns hier nicht anzunähern - das reicht, um als Konsens durchzugehen.
 
Vor kurzem habe ich gesehen, dass eine Decke vor meinem Amp lag. Es war 6:57 Uhr morgens. Ich habe sie weggezogen.
Alter, da ging die Sonne auf. Das klang, als hätte jemand eine Decke vorm Amp weggezogen.

https://soundcloud.com/user-868938649
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

groby schrieb:
ALLE interessieren sich für Qualität.

Sowie alle gerne essen was ihnen schmeckt. Das ist ihr Kriterium von Qualität und ein anderes gibt es nicht.


Ne Freundin von mir beschwert sich immer diese adipösen Patienten, die sich kaum bewegen lassen und sich am liebsten noch auf dem Weg in den OP ihre Chips für 30 Cent reinbuttern wollen, um sie dann am liebsten mit einem maximal süßen Getränk runterzuspülen.

Nach der Erkenntnis werde ich ihr sagen, hey, du siehst das völlig falsch. Die sind nicht undiszipliniert und fett, die sind nur qualitätsbewusst.

Aber mal Scherz bei Seite.
Wenn der philosophische Qualitätsbegriff sich so weit von der Wahrnehmung und auch Anwendung des Begriffs Qualität (als generell akzeptierter Qualitätskanon, als Qualitätssiegel, als Merkmal für die Abwesenheit von Fehlern, etc.) entfernt hat, ist sein Wertbeitrag wohl eher gering.

Oder besser ausgedrückt, er hat in meiner Zuschreibung oder am Ende des Zuschreibungsprozesses eine eher geringe Qualität.
 
LG
Uwe
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Meinen wir mit Musikalität das gleiche wie mit musikalischer Qualität?

Ein interessanter Aspekt noch:
Wir meinen es wäre möglich, musikalische Qualität und in diesem Kontext auch Musikalität bzw. musikalische Intelligenz rein kognitiv zu ergründen und zu beurteilen/bewerten.

Howard Gardner geht davon aus, dass
die musikalische Intelligenz sich nach eigenen Regeln und Gesetzen entwickelt und nicht mit der linguistischen oder logischen mathematischen Intelligenz in Verbindung gebracht werden kann.
Wenn man bedenkt, dass keine Intelligenzform früher erkennbar ist als die musikalische Intelligenz, kann ich dieser Theorie durchaus was abgewinnen...

http://www.preludio.biz/musikalische-intelligenz-nach-howard-gardner/

Die Frage ist, kann man dann überhaupt "kognitiv" Aussagen über musikalische Qualität machen?
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Hallo,

da möchte ich auch mal klugscheißen. Ich darf das, ich habe ein Zertifikat, nach dem ich mich Qualitätsmanager nennen darf, jawohl.

Im Rahmen des Qualitätsmanagements und der dazu gehörenden Zertifizierung nach ISO 9001 wird Qualität in der ISO 9000 wie folgt definiert:

„Vermögen einer Gesamtheit inhärenter (lat. innewohnend) Merkmale eines Produkts, eines Systems oder eines Prozesses zur Erfüllung von Forderungen von Kunden und anderen interessierten Parteien.“ Das bedeutet in kurz auf hochdeutsch: Das muss so sein, wie man das erwartet. Klingt erstmal einfach, ist es aber gar nicht, weil es mit dem umgangssprachlichen Qualitätsbegriff nicht viel zu tun hat.

Nehmen wir beispielsweise ein Küchenmesser aus dem T€DI für einen Euro. Dort erwartet man, dass das einigermaßen schneidet, nicht gleich durchbricht, sich in der Geschirrspülmaschine nicht der Griff auflöst. Wenn das Teil nach einem halben Jahr stumpf ist, wirft man es weg. Mehr erwartet die Mehrzahl der Menschen von so einem Produkt nicht und damit erfüllt dieses Produkt die Qualitätsanforderungen. Bei einem wirklich hochwertigen Küchenmesser sind die Erwartungen ganz andere. Es kann durchaus sein, dass damit die (nach Norm definierte) Qualität eines T€DI-Küchenmessers höher ist als die eines hochwertigen Küchenmessers.

Auch ein Essen bei McDonalds (die übrigens zertifiziert sind) erfüllt die Erwartungen/Forderungen. Wer sich da was bestellt, erwartet keine gute Küche, keine wirklich knusprigen Pommes oder gar Frische und Vitamine. Qualitätsansprüche erfüllt.

Die Erfüllung von Qualitätsansprüchen und somit das Vorhandensein von Qualität wird übrigens laufend empirisch statistisch durch Kundenbefragungen etc. geprüft. Wenn also von 100 Kunden von McDonalds 99 mit labberigen Pommes zufrieden sind, ist die Qualität in Ordnung. Hier wird also tatsächlich objektiviert!

Zertifizierbar nach diesen Normen sind Produkte und Dienstleistungen - für Kunst war das nicht gedacht. Wenn wir Musik als Produkt und eine Show als eine Dienstleistung ansehen, dann kann man das dennoch übertragen. In "Fleisch ist mein Gemüse" wird das sehr schön formuliert: Du must abliefern. AC/DC tun das, die Stones tun das, bei Modern Talking war das Abliefern dessen, was man erwartet hat, regelrecht beispielhaft.

Wenn wir jetzt von Musik als Kunst ausgehen, bin ich sehr bei grobys Aussage, dass letztlich nur wichtig ist, dass es den Hörer bewegen muss. Damit hätten wir aber auch schon wieder eine "Forderung von Kunden".

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

erniecaster schrieb:
Hallo,

da möchte ich auch mal klugscheißen. Ich darf das, ich habe ein Zertifikat, nach dem ich mich Qualitätsmanager nennen darf, jawohl.

Im Rahmen des Qualitätsmanagements und der dazu gehörenden Zertifizierung nach ISO 9001 wird Qualität in der ISO 9000 wie folgt definiert:

„Vermögen einer Gesamtheit inhärenter (lat. innewohnend) Merkmale eines Produkts, eines Systems oder eines Prozesses zur Erfüllung von Forderungen von Kunden und anderen interessierten Parteien.“ Das bedeutet in kurz auf hochdeutsch: Das muss so sein, wie man das erwartet. Klingt erstmal einfach, ist es aber gar nicht, weil es mit dem umgangssprachlichen Qualitätsbegriff nicht viel zu tun hat.

Nehmen wir beispielsweise ein Küchenmesser aus dem T€DI für einen Euro. Dort erwartet man, dass das einigermaßen schneidet, nicht gleich durchbricht, sich in der Geschirrspülmaschine nicht der Griff auflöst. Wenn das Teil nach einem halben Jahr stumpf ist, wirft man es weg. Mehr erwartet die Mehrzahl der Menschen von so einem Produkt nicht und damit erfüllt dieses Produkt die Qualitätsanforderungen. Bei einem wirklich hochwertigen Küchenmesser sind die Erwartungen ganz andere. Es kann durchaus sein, dass damit die (nach Norm definierte) Qualität eines T€DI-Küchenmessers höher ist als die eines hochwertigen Küchenmessers.

Auch ein Essen bei McDonalds (die übrigens zertifiziert sind) erfüllt die Erwartungen/Forderungen. Wer sich da was bestellt, erwartet keine gute Küche, keine wirklich knusprigen Pommes oder gar Frische und Vitamine. Qualitätsansprüche erfüllt.

Die Erfüllung von Qualitätsansprüchen und somit das Vorhandensein von Qualität wird übrigens laufend empirisch statistisch durch Kundenbefragungen etc. geprüft. Wenn also von 100 Kunden von McDonalds 99 mit labberigen Pommes zufrieden sind, ist die Qualität in Ordnung. Hier wird also tatsächlich objektiviert!

Zertifizierbar nach diesen Normen sind Produkte und Dienstleistungen - für Kunst war das nicht gedacht. Wenn wir Musik als Produkt und eine Show als eine Dienstleistung ansehen, dann kann man das dennoch übertragen. In "Fleisch ist mein Gemüse" wird das sehr schön formuliert: Du must abliefern. AC/DC tun das, die Stones tun das, bei Modern Talking war das Abliefern dessen, was man erwartet hat, regelrecht beispielhaft.

Wenn wir jetzt von Musik als Kunst ausgehen, bin ich sehr bei grobys Aussage, dass letztlich nur wichtig ist, dass es den Hörer bewegen muss. Damit hätten wir aber auch schon wieder eine "Forderung von Kunden".

Gruß

erniecaster


Ich bin auch für Qualität in meinem Bereich verantwortlich und und kenne ISO 9001 und Konsorten. Ist aber ein anderes Thema. Qualität im Produktionsbereich bedeutet, beim Produkt konstant eine hohe Qualität und Gleichheit der Produkte zu garantieren.
Auf Musik ist das nicht anwendbar, da konstante Gleichheit hier nicht mit Qualität gleichgesetzt wird. Auf die handwerkliche Herstellung der Musik kann man es vielleicht noch anwenden, sicher aber nicht auf Kreativität und Individualismus. Das schließt sich aus. Deshalb ist der Begriff Qualität in diesem Bereich auch so schwer zu fassen bzw. zu definieren.
 
"Wir essen jetzt Opa!" - Interpunktion rettet Leben!
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Jeder Musiker möchte etwas bewegen (sorry: bei sich selbst und bei anderen - genau in dieser Reihenfolge).....
Deshalb bleib ich bei meiner Standardaussage:
es gibt nur gut gemachte und gut gemeinte Musik!

Musikmachen ist immer was Gutes, weil Musik an sich was Gutes ist.....
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

uwich schrieb:
Ich bin auch für Qualität in meinem Bereich verantwortlich und und kenne ISO 9001 und Konsorten. Ist aber ein anderes Thema. Qualität im Produktionsbereich bedeutet, beim Produkt konstant eine hohe Qualität und Gleichheit der Produkte zu garantieren.
Auf Musik ist das nicht anwendbar, da konstante Gleichheit hier nicht mit Qualität gleichgesetzt wird. Auf die handwerkliche Herstellung der Musik kann man es vielleicht noch anwenden, sicher aber nicht auf Kreativität und Individualismus. Das schließt sich aus. Deshalb ist der Begriff Qualität in diesem Bereich auch so schwer zu fassen bzw. zu definieren.


Hallo,

wir sind uns aber darüber einig, dass diverse Bands seit Jahren mehr oder weniger das gleiche Album immer wieder veröffentlichen und sich die Gigs auch kaum unterscheiden? Will überhaupt jemand Gigs von AC/DC oder den Stones sehen, die nicht so sind wie in den letzten Jahrzehnten?

Wenn jemand ein Album von beispielsweise Scooter einfach toll findet, dann ist es für ihn auch Qualität, wenn das nächste genauso klingt.

Ich stimme absolut zu, dass die Definition von Qualität schwierig ist. "Es soll mich berühren", ist ja auch nur eine Anforderung.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Jungs, diese Iso-Definition von "Qualität" ist blutleere, gequirlte PR- Scheiße, die nicht mehr bedeutet als 'Merkmal".

Wenn auf 1€-Messer und McDonald's-Menüs der Begriff "zertifizierte Qualität" zutrifft, dann ist das eine absichtlich missbräuchliche Verwendung des Begriffs, bei der es um positive Außendarstellung und eben NICHT um Qualität geht.
Positive Außendarstellung mit dem Ziel, Laien - nicht Kenner und Fachleute - zum Kauf oder Konsum zu bewegen.

Kein Koch oder Messerwerfer benutzt 1€-Messer von T€di, zertifizierte Qualität hin oder her.

Hier geht es um Qualität im eigentlichen Sinne - um hohe Qualität also.
 
Vor kurzem habe ich gesehen, dass eine Decke vor meinem Amp lag. Es war 6:57 Uhr morgens. Ich habe sie weggezogen.
Alter, da ging die Sonne auf. Das klang, als hätte jemand eine Decke vorm Amp weggezogen.

https://soundcloud.com/user-868938649
Verfasst am:

RE: Kredit für Aufnahmestudio aufnehmen

Lieber ferdi,

leider ist das keine PR sondern in vielen Bereichen von Produktion und Dienstleistung Realität und Notwendigkeit. ISO-zertifiziert sind nicht nur Autohersteller und Zulieferer, das geht bis zu Krankenhäusern aber auch Diskotheken, Hersteller medizinischer Geräte etc. Die ISO-Zertifizierung ist für einige Unternehmen schlicht notwendig geworden, weil sie sonst Aufträge verlieren würden.

Wie du siehst, ist das deutlich weniger blutleer als deine sehr akademischen Ergüsse.

Mir ging es erst einmal nur darum, die Definition und die dahinter stehende Denkweise vorzustellen. Wenn du darauf hinweist, dass kein Koch ein 1€-Messer von T€di verwendet, ist das vollkommen richtig, hat aber auch keiner behauptet.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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