Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Seite 2 von 2
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Ich selbst habe so eine Haßliebe zu solchen 'Neuerungen'.
Meine letzte Erfahrung diesbezüglich im letzten Jahr war: Meine Gitarre plus ein neues Boss SY-300.

Wie ich es empfunden habe:
Tag 1+2: Super Tracking, läßt sich wunderbar alles so spielen wie sonst. Abgefahrene Sounds, aber hallo, so abgefahren klang meine Gitarre ja noch nie!
Tag 3+4: Irgendwie vermisse ich aber ja doch meinen Gitarrensound. Die abgefahrenen Sounds klingen ja doch bißchen nach Plastik. Ach egal, Boss gestattet mir ja, meinen analogen Gitarrensound dazuzumischen.
Tag 5+6: Perfekt, ich höre da wieder meinen Gitarrensound im Signalweg, klingt ja geil, nur dieses Synthetische im Hintergrund stört.
Tag 7: Das Ding geht zurück.

Mit dem Teil, das Groby vorgestellt hat, würde es mir original genauso gehen, da bin ich sicher. Und ja klar, EINE Nummer von MUSE oder Tom Morello könnte ich mir schon vorstellen, damit zu hören, aber nicht mehr, dann zurück zur konventionellen Gitarre bitte.
Konservativ? Meinetwegen.
 
www.beatcrazy.eu
LOWBRIDGE - das aktuelle Album:
http://www.beatcrazy.eu/lowbridge---new-album.html
---------------------------------------------------------
Ich bin Beta- Tester für Kemper GmbH
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Doc Line6forum schrieb:
Und ja klar, EINE Nummer von MUSE oder Tom Morello könnte ich mir schon vorstellen, damit zu hören, aber nicht mehr, dann zurück zur konventionellen Gitarre bitte.
Konservativ? Meinetwegen.


Ist halt eine Frage, was man daraus macht.. in dem Video sehe ich auch mehr effekthascherisches Spielzeug als eine wirkliche musikalische Innovation. Aber Potential ist schon da durch die zusätzlichen Controller. Ist ein wenig wie mit Sachen wie Vibrato, Wah-Wah etc. : Man kann's für sich schnell abnutzende vordergründige Effekte benutzen, aber dann gibt's auch Leute wie Jeff Beck, die das vollkommen organisch in ihr Spiel integrieren, ohne das es aufdringlich wirkt, und Sachen damit machen, die sonst einfach nicht gehen. Ob das bei dem System der Fall sein wird, werden wir sehen.
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Stardustman schrieb:
Mal eine überspitzte These: Bei Keyboards hat es diese Entwicklung nur gegeben, weil die Keyboarder immer davon geträumt haben, so ausdrucksvoll spielen zu können wie die E-Gitarristen.


Nur, dass die elektronischen Keyboards schon viel älter sind als die E-Gitarre. (Und ein Trautonium (1930) ist mindestens so ausdrucksvoll wie ein Minimoog.)
 
Ohne nichts läuft nichts, geschweige denn alles.

http://soundcloud.com/jenko-nashorn
https://www.facebook.com/Sproingg
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Wir Gitarristen sind nun mal ein extrem konservatives Völkchen! Deshalb verkaufen sich ja auch Kopien von ca. 60 Jahre alten Gitarren wie geschnitten Brot. Wenn wir alle nicht wüssten, dass die Gibson Explorer und Flying V eben auch vintätsch sind (PAFs und so...), dann würden die heute wieder genauso bei der Käuferschaft abblitzen wie Ende der 50er...
Der größte - akzeptierte! -Innovator ist bis dato immer noch Charlie Christian, der die Gitarre elektrisch und damit verstärkbar gemacht hat (womit er unser größtes Leiden korrigierbar gemacht hat - wir sind nämlich notorisch zu leise.. ). Allerdings ging es dabei ja nicht um irgendwelche neuen und womöglich abgedrehten Klänge, sondern nur darum, den vorhanden Klang lauter zu machen. Dass, wenn man ganz laut macht, plötzlich Verzerrungen entstehen, war dann die Zufallsentdeckung, die aber Distortionhasser wie Leo Fender dazu gebracht haben, immer fettere, cleane amps zu bauen.
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Ich bin ein großer Fan neuer Ideen! Ich hoffe und warte ständig auf den großen, neuen Wurf. Wie aber schon einige meiner Vorschreiber feststellten, waren alle Verquickungen von Gitarre mit Keyboard ein Flop. Der große Spaß an der Gitarre scheint die physikalische Verbindung zwischen Hand und Ton zu sein. Und mit jedem Millimeter Entfernung von der Saite verliert der Erfinder immer mehr Fans..

Modeling am Amp setzt sich immer mehr durch. Modeling an der Saite ist praktisch gestorben.
 
Gruß

Walter


http://www.facebook.com/der.gitarrenbauer

Kunst ist schön - macht aber viel Arbeit
Karl Valentin
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

W°° schrieb:
Ich bin ein großer Fan neuer Ideen!

Ich auch. Eine davon konnte ich z.B. bei der Wintersession in Form der "Europa" (so hiess das Ding mit der Resonanzfrequenz auf dem E, oder?) in Deinem Laden in der Hand halten und spielen.
Das Problem liegt doch ganz woanders. Die meisten Gitarristen wollen halt genau "das" alte Ding, möglichst gut vermarktet. Wie es klingt, ob es praktisch ist, sich gut spielen lässt, völlig egal, Hauptsache nah am Original.

Das mag jetzt frustriert klingen, aber es ist doch so. Steife, 3-streifige Halskonstruktion? Kann nicht gut sein, ist nicht "original". Volute? Um Himmels Willen! Irgendwas was kein Vintage Tremolo ist? Klingt kagge! Schalloch nicht in der Mitte unter den Saiten? Geht gar nicht. Ich find's okay, dass sich das ganze Synthesizer Zeug nicht durchgesetzt hat, es ist halt etwas anderes. Bei der Gitarre geht es um die Interaktion zwischen Fingern und Griffbrett, es geht um Nuancen, um Ton der aus den Fingern kommt. Wenn ich Klavier spielen will, spiele ich Klavier, wenn ich Saxophon spielen will Saxophon. Wo ist der Punkt, dass eine Gitarre wie ein Schlagzeug klingen soll?

Innovationen stehen dem nicht im Wege, nur sind sie nicht massentauglich. Der alte Kram lässt sich wesentlich besser vermarkten. Ich höre die Gemeinde schon aufschreien, wenn eine J-45 plötzlich auf dem E resoniert statt auf dem G.
 
At the end of the day, a guitar is a piece of wood, and you either have good wood or bad wood. Quite often you change your pickups and electronics anyway, so really, having that little transfer on the headstock makes zero difference. (Steve Rothery)
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Viele Punkte sind richtig, haben aber weder mit der vorliegenden Gitarre des Threads, noch mit der Europa zu tun. 3teilige Hälse sind normal bei modernen Mehrsaiter-Gtarren und über ausgerechnet eine Volute habe ich noch nie jemanden lästern hören.

Vieles, wenn man mal ehrlich ist, ist auch Image und die Erwartungshaltung anderer.

Ich finde zum Beispiel Parker Flys sehr schnieke. Elegant, federleicht, praktisch, durchdacht, flutschig, klanglich ausgewogen, präzise, super.

Aber so' Ding um den Hals weckt beim Publikum Erwartungshaltungen die ich nicht im Mindesten erfüllen könnte.
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

groby schrieb:
..und über ausgerechnet eine Volute habe ich noch nie jemanden lästern hören.

Das war genau der Ausgangspunkt meines Postings, denn kürzlich las ich tatsächlich in einem anderen Forum, dass ausgerechnet dieser Volute dazu beitrug, dass die Kopfplatten noch eher abbrachen als ohne Volute, denn er wäre an der falschen Stelle platziert. Man kann sich die Argumente auch an den Haaren herbeiziehen, wenn einem nichts anderes mehr einfällt.

groby schrieb:
Viele Punkte sind richtig, haben aber weder mit der vorliegenden Gitarre des Threads, noch mit der Europa zu tun

Ich finde schon. Ich bezog mich auf die Gitarre aus dem EP und stellte die Europa als Gegenbeispiel sinnvoller, und an der Praxis orientierter Innovation dagegen.
 
At the end of the day, a guitar is a piece of wood, and you either have good wood or bad wood. Quite often you change your pickups and electronics anyway, so really, having that little transfer on the headstock makes zero difference. (Steve Rothery)
Verfasst am:

RE: Die Gitarre "der Zukunft" - natürlich, hähä, oder doch? mmh.

Hallo,

E-Gitarren sind ja nur "halbe" Instrumente, die zweite Hälfte sind Effekte, Amps und Boxen. Wenn wir Vergleiche mit Keyboardern anstellen wollen, dürfen wir eigentlich nur die "Spielfläche" betrachten. Und da sind Gitarren durchaus weiter entwickelt worden.

Mechaniken sind viel besser als früher. Es gibt Locking-Tuner, das FR-System - lediglich selbst stimmende Gitarren haben sich noch nicht durchgesetzt.

Die Hälse sind ergonomischer geworden, die Vielfalt der Halsprofile und -radien erheblich größer und es gibt Bundstäbchen von dünn und flach bis Eisenbahnschienen. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen Bundreinheit - nicht Oktavreinheit - ein Thema war. Das gibt es schon lange nicht mehr. Der Vollständigkeit halber: Fanned frets, 7 und 8-strings, bariton.

Die Stege sind deutlich verbessert gegenüber früher. Selbst bei Akustikgitarren sind sie kompensiert. Auch hier gibt es FR und sogar einfache Wraparounds passen von der Intonation her. Für die Traditionalisten unter den Telespielern existieren Lösungen für eine saubere Oktavreinheit.

Die Schaltungsmöglichkeiten reichen von split über parallel plus Piezoabnahme. Wir werden noch mehr sehen, was Richtung Variax geht.

Zu guter Letzt schlicht Lockingsysteme für Gurte plus Sender.

Keyboarder popeln immer noch auf den gleichen schwarz-weißen Tasten rum. Hat sich da viel getan? Da gibt es auch Typen, die immer noch ihr Fender Rhodes spielen, obwohl es sich schlecht stimmen lässt und massive technische Bugs aufweist - sozusagen die Vintage-Tele unter den Keyboards.

Was das gezeigte Instrument angeht, bleibt das erstmal eine Gitarre, die sich optisch futuristisch darstellt. Ich sehe bislang keine musikalische sinnvolle Einsatzmöglichkeit für die Gimmicks. Nur mal so nebenbei brauche wenigstens ich zum Gitarrespielen beide Hände, kann also gar nicht viel während des Spielens bedienen. Ich muss schon das Umschalten von Tonabnehmern und Bedienen der Potis in die Bewegungsabläufe einbauen.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.