Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

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Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Hier einfach mal zwei Solo-Spots aus verschiedenen Songs verschiedener Bands und Jahrgänge herausgeschnitten.
Eins 23 Sekunden, eins 27 Sekunden.

Zufällig beide mit Wah. Sorry. Hat sich so ergeben.
Ich habe mich aber bemüht, ähnlich schnelle Songs zu nehmen.

Ich bitte um Anmerkungen, zum Beispiel zu Überladenheit oder Notenwahl, Atmosphäre, Klischees, Spannungs- oder Ödnis-/Angeber-Faktor, Angemessenheit und ob das eine gelungener ist (keine Ahnung wie.... vielleicht irgendwie packender oder passender) als das andere.
Am liebsten Kritik. Also gerne negativ. Mein' ich ernst: am liebsten Kritik.
Kritik (weil sie konkreter ist und Schwachstellen zeigt) ist oft hilfreicher.


Details spielen keine Rolle. Nur die Soli selbst. Möglichst unbefangen. Nur soviel: Beide Songs und Bands sind nicht mehr aktuell.

https://soundcloud.com/user-89351619
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Das zweite Solo hat in meinen Ohren melodische Anteile und Struktur. Würde ich als anhörbare Musik bezeichnen. NR 1 eher nicht so meine Baustelle. Würde ich als Krach einstufen....kann aber auch so gewollt sein. Wah im Solo ist eigentlich ein Fluchtweg oder?
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Danke, rolli, erstmal.

Dass beides sowieso nicht dein Geschmack ist sondern eher scheppernde Zumutung, ist ja eh klar.

Aber eher 2 als 1. Weil melodischer und Struktur. Okay.


mr_335 schrieb:
Wah im Solo ist eigentlich ein Fluchtweg oder?


Naja, zweimal Wah auch noch ist halt Zufall hier.

Finde die Diskussion "Fluchtweg" oder "Hilfsmittel" immer etwas müssig.

"Klingt es gut/geschmackvoll/sinnvoll oder nicht?" sollte eigentlich die Frage bei jeder Musik sein.
Die Frage nach Mitteln oder gemachter Mühe (wegen Fluchtweg) ist eher für das untere Musiker-Kommissariat.

Wir könnten aber relevante Fragen draus machen, die deinen impliziten Vorwurf an Wah-Einsatz treffen:

1. Ist denn der Einsatz des Wahs selbst gelungen, wo es nun schon mal da ist. Auch ein Wah kann man gut oder nervig einsetzen (wie gesagt, hier gleich 2x Wah, sorry. Bitte berücksichtigen, dass die mal in ansonsten wah-freien Liedern eingebettet waren).

2. Wären die Soli (oder eines davon) deutlich weniger gut (sinnvoll/interessant/passend/blabla...) wenn kein Wah drauf wäre. Und nur das Wah rettet sie?
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Mir geht's wie Rolli. Das 2. Solo ist mir symphatischer, weil ruhiger, mit Melodie.
Mit dem 1. Kann ich wenig bis nichts anfangen, weil nicht meine favorisierte Musikrichtung. Ist das das ältere Solo?
 
Gruss
frank
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

groby schrieb:
Finde die Diskussion "Fluchtweg" oder "Hilfsmittel" immer etwas müssig.

"Klingt es gut/geschmackvoll/sinnvoll oder nicht?" sollte eigentlich die Frage bei jeder Musik sein.
Die Frage nach Mitteln oder gemachter Mühe (wegen Fluchtweg) ist eher für das untere Musiker-Kommissariat.

Wir könnten aber relevante Fragen draus machen, die deinen impliziten Vorwurf an Wah-Einsatz treffen:

1. Ist denn der Einsatz des Wahs selbst gelungen, wo es nun schon mal da ist. Auch ein Wah kann man gut oder nervig einsetzen (wie gesagt, hier gleich 2x Wah, sorry. Bitte berücksichtigen, dass die mal in ansonsten wah-freien Liedern eingebettet waren).

2. Wären die Soli (oder eines davon) deutlich weniger gut (sinnvoll/interessant/passend/blabla...) wenn kein Wah drauf wäre. Und nur das Wah rettet sie?


Also so mit Kommissar-Ohren würde ich sagen Nr.2 ist recht geschmackvoll und auf den Punkt gespielt. Beim 3 Hören von Nr. 1 fand ich das dann auch nicht mehr so grottig. Aber wie soll man bitte ein Solo vernünftig beurteilen/einschätzen/einordnen,wenn man den Kontext nicht kennt. Was ist vorher, was kommt danach. Das entscheidet dann, ob es musikalisch ist oder nicht. Zumindest ist das meine Sichtweise.

Fluchtweg Wah? Tja, ich kenne nur max. ne Handvoll Soloeinsätze von Wahs, die ich bereichernd finde. Der Fluchtweg ist meine eigene Erfahrung von vielen Jahren als Gebrauchsmucker. Wenn mir nix mehr eingefallen ist oder ich müde war, habe ich das kleine schwarze Gaspedal gedrückt. Alles Geschmackssache. Ich liebe das Wah wohldosiert im Rhythm-Bereich. Aber jeder Jeck ist anders.
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Hallo groby,

ohne Kontext ist es natürlich schwierig.

Mein erster Eindruck war der hier:

Solo 1 klingt für mich erst einmal wie das Gegniedel, das man in einer Band am Ende eines Songs raushaut, während man sich innerhalb der Kapelle umsieht und wartet, dass der Schlagzeuger endlich auf das Zeichen des Sängers aufs Becken haut, damit Feierabend ist.

Solo 2 wirkt durchdacht mit viel Willen zu Melodie und dem Wunsch "clever" zu spielen. Das ist prima.

Das war mein erster Eindruck. Ich habe mir beide Soli dann noch zweimal angehört, jawohl. Und jetzt denke ich anders.

Solo 1: Ich warte darauf, dass etwas passiert. Ich höre hin und bin gespannt. Es ist kein Solo wie Solo 2 und das gefällt mir.

Solo 2: Himmeldieberge, das ist wirklich okay. Das ist sogar gut gemacht. Ich kann jeden Ton nachvollziehen und würde nicht mal ausschließen, dass ich das ähnlich spielen würde. Prima. Ja, nett. Nur - letzten Endes zucke ich hier mit den Schultern, denn es ist für mich blutarm und ich habe das tausend Mal gehört. Es ist "schöner" als Solo 1 aber abgedroschen. Als Musikerpolizist schiebe ich die Unterlippe vor und nicke leicht. Alles gut. Ordentliche Currywurst. Aber ich habe es halt schon oft gehört und bin nicht gespannt.

Ein bisschen erschütternd ist für mich, dass Solo 2 alles hat, was ich an meinen eigenen Gitarrensoli kritisiere.

Wenn der Kontext passt, ist Solo 1 gelungen, vielleicht sogar ein essentieller Teil eines Songs. Solo 2 klingt für mich wie der typische Baustein für "wir brauchen hier noch ein Gitarrensolo vor dem letzten Refrain".

Ich mag Solo 1 lieber.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Hi

Ich konnte mit Solo 1 erst gar nichts anfangen, aber Ernie hat mir echt nen guten Blick darauf eröffnet !!
Bei Solo 1 (ist mMn gar kein Solo sondern eher nen positiver Soundklecks)wartet man darauf was danach,
als Auflösung/Weiterführung kommt. Solo 2 ist handwerklich 1a, aber von Sexyness keine Spur.
Das ist mir zu kontrolliert bis vorhersehbar ......
 
"Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen
das tut, was ihm gefällt.“ - Bob Dylan
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

...versteh grad gar nicht, was die ganzen Chefkritiker hier alle haben:

Ich höre zwei ziemlich geile Soli, cooles Wah, schöne In-die-Fresse-Attitüde, gute Technik, irgendwie heraushörbarer Stil. Alles voll amtlich. In Nr. 2 sogar noch bisschen mit den Harmonien mitgegangen: Was will man mehr.

Wenn man Sologitarre spielt, dann bringt man es in einem durchschnittlichen Lebenslauf ja wahrscheinlich locker zu hunderten, vielleicht sogar tausenden von Soli, die man irgendwann mal abliefern muss. Und davon ist, zumindest bei mir, eh das meiste Ausschussware. Wie sollte es auch anders sein. Wir nennen es "Improvisation", weil das irgendwie nach Geheimwissenschaft und Kunst klingt, dabei wissen wir aber alle, dass man meistens nur verzweifelt versucht, sich gerade an irgendwas zu erinnern, was man irgendwann mal gekonnt hat. Verglichen damit haben die beiden Beispiele Kraft & Gesicht.

(Wär dann natürlich evtl. noch interessant, um die wievielten Versuche es sich jeweils handelt, und vor allem, wie die ganzen anderen Versuche geklungen haben, hihi... aber Bismarck hat ja bekanntlich sinngemäß ungefähr gesagt, dass man zwei Prozesse besser nicht öffentlich macht: Wie die Wurst entsteht, und wie das Gitarrensolo gemacht wird.)

Yeah,

M.
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Michael (Jacuzzi) schrieb:
...versteh grad gar nicht, was die ganzen Chefkritiker hier alle haben:

Danke für deine netten Worte (Du Schuft, du), aber: Kritische Anmerkungen waren ja extra erwünscht. Am liebsten hätte ich verboten, dass irgendwas positives kommt, weil es um Verbesserung und allgemeine Probleme von Soli geht, nicht darum, groby zu tätscheln.

Michael (Jacuzzi) schrieb:
(Wär dann natürlich evtl. noch interessant, um die wievielten Versuche es sich jeweils handelt, und vor allem, wie die ganzen anderen Versuche geklungen haben, hihi...

Da sage ich mal später was zu, aber die Frage geht Richtung Prozess und Fähigkeiten. Mir geht es aber nur um das Produkt. Ganz für sich.

Gitarristen neigen ja gerne dazu, mit einem lapidaren Macho-Ton zu prahlen, dass irgendwas "first Takes" sind, damit alle "oooh" und "aaahhh" sagen.
Sowas ist mir aber als Zuhörer egal. Ich will geile Musik hören, egal ob Take 1 oder Take 89 oder meinetwegen am Sampler zusammengestückt.

Ich löse das aber nachher mal auf, erzähle was zu den Umständen und sage, was meine eigenen erheblichen Probleme mit den Soli sind.

Ich hoffe, dass es mir gelingt, das so zu formulieren, dass auch jeder was für seinen eigenen Umgang mit seinem Spiel herausziehen kann.
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Tja, 2x mal gute Soli, die stimmig, also zur Situation passend rüberkommen - so kommt das zumindest bei mir an.

Da wäre ich mit meiner Analyse auch schon zu Ende.

Was soll man weiter analysieren, um vielleicht doch noch ein "Haar In der Suppe" zu finden.

Wenn du mit der musikalischen Darbietung ein Problem hättest, dürfte das nicht an der musikalischen Darbietung liegen, da kann ich dich beunruhigen.
 
LG
Uwe
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Die Attitüde der beiden Soli fühlt sich ja grundsätzlich recht verschieden für mich an.
Das Einser auf der "wilderen" Seite das Zweier etwas "kontrollierter" aber immer noch mit Eiern.
Beim Einser hab ich halt den Eindruck du bist Ö-Ton "übern Häfn" gefahren. Das heisst es war etwas "schneller" als es eigentlich geht. (Der Ausdruck kommt vom Motorradfahren und bezeichnet eine Fahrt bei der man nur noch tlws. die Kontrolle hat. Im MotoGP Kommentar heisst das Chaosrunde...kann aber muss nicht genial sein). Dadurch ergibt sich der Eindruck der Wahllosigkeit der Noten. Alelrdings hat das (s.o.) meiner Ansicht nach wieder sowas wie eine eigene Attitüde und klingt nicht ungewollt.

Das Zweier will da etwas kontrollierter sein. Will funktionieren. Tut es auch. Hat aber dann eine andere Attitüde.

Alles Geschmacksache. Ohne Kontext des Songs würd ich jetzt nicht sagen können ob es meinen Geschmakc trifft.

LG
Auge
 
Traurige Erkenntnis:
...Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht...
...Andere zu stalken und auf die Füße zu treten bedeutet nicht besser zu sein sondern sich besser zu fühlen...
Homepage: http://www.AugeundSo.at
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Danke erstmal.

Hier Hintergründe.

--------------

Solo 1 ist eigentlich nur ein Nach-Gedanke nachts am Ende der Gitarrenspuraufnahme. "Komm', Outro-Solo bis zum Fadeout. Bisschen Action. Uuuuuund Los!".
Das erklärt warum es zielloser/konzeptloser klingt. Ich dachte auch erst, es käme unter den Gesang.
Es war - glaube ich - der zweite Take. Mehr als drei gab es auch nicht.
Als Outro-Action-Bonus finde ich das Ding sogar okay.
Eigentlich gerade wegen des (von auge beschriebenen) "es könnte gleich aus der Kurve kippen"-Gefühls. Ich empfinde das hier eher als Plus.

(Obwohl die These, dass der Spieler sich gerade frech etwas übernimmt, auch völlig richtig ist. Aber am Ende hat er irgendwie Glück, blöde Sau.)

--------------

In Solo 2 höre ich nur zwei, drei gelungene Sekunden (nicht "gekonnt" sondern "Schwein gehabt"). Der Rest kotzt mich an.

Hier ist das was ich höre, vielleicht geht es ja anderen ähnlich wenn sie sich wahrnehmen.

Tonleiter-Treppe artig rauf, motorische Standardphrase Nr. 3 (von 3), Hier was melodiöses hin, Treppchen runter, Flagolett erwischt, Puuh!, Treppchen hoch, dann tiefes Treppchen hoch, schön jede Stufe, keine Experimente!, Hier billiger Trick 17 weil da was Flashiges hin soll, Treppchen rauf, Halten, Treppchen runter, Halten, zum Schluss was zum Flashen fuddeln (was dann auch völlig taumelt), und mit einem Kreisch (Schwein gehabt!) auf den Füssen landen, vorbei.

Ich höre wenig mehr als meine Standardphrasen und Abläufe mit ein paar Pausen-Noten. Das sind noch die besten. Vielleicht sollte ich mich ganz aufs Pausieren konzentrieren, meine eigentliche Stärke.

Verschlimmernt wirkt, dass es davon ein Video* gibt, so dass ich beim Bearbeiten davon mir selbst tausend Male beim Solieren zugucken musste "Ja, da wieder Standard-Lick Nr 5 (von 5), Treppchen artig rauf, hier brav runter, wie packend *gähn*."

Kann damit leben, bin aber nicht stolz drauf.
Handwerkliches Können ist egal, auch mit weniger hätte kompositorisch mehr drin sein müssen.

Zumindest - wie geht es euch beim Rückhören eurer Soli? - höre ich nur meine Sammlung eigener Klischees.

Ich habe null Abstand dazu.

Das Solo war übrigens vorgesehen, sollte Struktur und ... naja ... Dramaturgie irgendwie haben, vorbereitet hatte ich nichts, das hier ist ca. Take 8 von denen die überhaupt durchliefen, abgebrochene Versuche eingerechnet ist es vielleicht Take 38, vielleicht Take 98. Es wurde viel abgebrochen. Es wurde auch viel geflucht.

Wie geht es euch mit dem Wahrnehmen eigener Soli (Soli mal als Beispiel) und dem eigenen Abstand?



p.s.: Solo 1 ist zwei Jahre alt. Solo 2 ist 11 Jahre alt.
Außer dass der Gitarrist zwischen den Soli gelernt hat, Action mit billig zu machenden Tremolo-Picking zu simulieren (Bravo, hier ist ihr Diplom!), höre ich kein nennenswertes Wachstum.
Das kann man "stehen geblieben" nennen. Oder "sich selbst treu geblieben".


* Ein Semi-Amateur-Ding. Alt und nichts zum Angeben. War mal zu sehen in einem anderen Forum. Ich habe es gerade auf "privat" geschaltet damit mir keiner von den Altsäcken nachher diesen alten Schinken hier reinverlinkt.
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

groby schrieb:
Danke erstmal.

Hier Hintergründe.

--------------

Solo 1 ist eigentlich nur ein Nach-Gedanke nachts am Ende der Gitarrenspuraufnahme. "Komm', Outro-Solo bis zum Fadeout. Bisschen Action. Uuuuuund Los!".
Das erklärt warum es zielloser/konzeptloser klingt. Ich dachte auch erst, es käme unter den Gesang.
Es war - glaube ich - der zweite Take. Mehr als drei gab es auch nicht.
Als Outro-Action-Bonus finde ich das Ding sogar okay.
Eigentlich gerade wegen des (von auge beschriebenen) "es könnte gleich aus der Kurve kippen"-Gefühls. Ich empfinde das hier eher als Plus.

(Obwohl die These, dass der Spieler sich gerade frech etwas übernimmt, auch völlig richtig ist. Aber am Ende hat er irgendwie Glück, blöde Sau.)

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In Solo 2 höre ich nur zwei, drei gelungene Sekunden (nicht "gekonnt" sondern "Schwein gehabt"). Der Rest kotzt mich an.

Hier ist das was ich höre, vielleicht geht es ja anderen ähnlich wenn sie sich wahrnehmen.

Tonleiter-Treppe artig rauf, motorische Standardphrase Nr. 3 (von 3), Hier was melodiöses hin, Treppchen runter, Flagolett erwischt, Puuh!, Treppchen hoch, dann tiefes Treppchen hoch, schön jede Stufe, keine Experimente!, Hier billiger Trick 17 weil da was Flashiges hin soll, Treppchen rauf, Halten, Treppchen runter, Halten, zum Schluss was zum Flashen fuddeln (was dann auch völlig taumelt), und mit einem Kreisch (Schwein gehabt!) auf den Füssen landen, vorbei.

Ich höre wenig mehr als meine Standardphrasen und Abläufe mit ein paar Pausen-Noten. Das sind noch die besten. Vielleicht sollte ich mich ganz aufs Pausieren konzentrieren, meine eigentliche Stärke.

Verschlimmernt wirkt, dass es davon ein Video* gibt, so dass ich beim Bearbeiten davon mir selbst tausend Male beim Solieren zugucken musste "Ja, da wieder Standard-Lick Nr 5 (von 5), Treppchen artig rauf, hier brav runter, wie packend *gähn*."

Kann damit leben, bin aber nicht stolz drauf.
Handwerkliches Können ist egal, auch mit weniger hätte kompositorisch mehr drin sein müssen.

Zumindest - wie geht es euch beim Rückhören eurer Soli? - höre ich nur meine Sammlung eigener Klischees.

Ich habe null Abstand dazu.

Das Solo war übrigens vorgesehen, sollte Struktur und ... naja ... Dramaturgie irgendwie haben, vorbereitet hatte ich nichts, das hier ist ca. Take 8 von denen die überhaupt durchliefen, abgebrochene Versuche eingerechnet ist es vielleicht Take 38, vielleicht Take 98. Es wurde viel abgebrochen. Es wurde auch viel geflucht.

Wie geht es euch mit dem Wahrnehmen eigener Soli (Soli mal als Beispiel) und dem eigenen Abstand?



p.s.: Solo 1 ist zwei Jahre alt. Solo 2 ist 11 Jahre alt.
Außer dass der Gitarrist zwischen den Soli gelernt hat, Action mit billig zu machenden Tremolo-Picking zu simulieren (Bravo, hier ist ihr Diplom!), höre ich kein nennenswertes Wachstum.
Das kann man "stehen geblieben" nennen. Oder "sich selbst treu geblieben".


* Ein Semi-Amateur-Ding. Alt und nichts zum Angeben. War mal zu sehen in einem anderen Forum. Ich habe es gerade auf "privat" geschaltet damit mir keiner von den Altsäcken nachher diesen alten Schinken hier reinverlinkt.


Also eigentlich ziemlich viel Bohei um ein kleines Solo. Aber eine schöner Thread ist es und hat Spaß gemacht sich damit zu beschäftigen. Das man überhaupt noch ab 25+ an Angeben in der Musik denken kann. schöööön
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Mit "was zum Flashen" meinte ich eher "etwas mit Schmiss", nicht "zum Protzen".

Angeben war ganz früher mal. Als Postleitzahlen vierstellig waren. Geile Zeit aber anstrengend.

Älter werden: Nichts für Weicheier. Aber befreiend.
Verfasst am:

RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Für mich liegt Solo 2 recht eindeutig vorne.
Okay finde ich beide und scheiße keins.

Wie geht es euch mit dem Wahrnehmen eigener Soli (Soli mal als Beispiel) und dem eigenen Abstand?


Ein wesentliches Merkmal ist, dass ich Soli *nicht* improvisiere.
Wenn wir ein neues Stück reinnehmen, dann überlege ich mir recht gründlich, was wie da mMn passieren sollte übe das zu Hause, bis es im Rückenmark angekommen ist. Das Rezept ist

Struktur und ... naja ... Dramaturgie irgendwie
Spannungsbogen eben.

In der Repropduktion im Proberaum oder auf der Bühne erreiche ich das dann idR zu 90%.

Einige Soli ind übermotiviert ausgearbeitet worden und nur bei 150% Trainingsfitness wirklich ganz sauber spielbar, das ist dann doof, weil ich keine Lust habe - wer hat die schon - regelmäßig dieselben Soli zu üben. Den Fehler mache ich nicht mehr. Generell bin ich aber mit meiner Soloarbeit zufrieden. Privat - nicht in der Band - beschäftige ich mich kaum mehr mit Solospiel. Vielleicht 1x/Woche spiele ich verschiedene Skadelnpositionen über einen Jam-Track, um die mechanischen Abläufe flüssig zu halten.

Älter werden: Nichts für Weicheier. Aber befreiend.


Hugh!
 
Vor kurzem habe ich gesehen, dass eine Decke vor meinem Amp lag. Es war 6:57 Uhr morgens. Ich habe sie weggezogen.
Alter, da ging die Sonne auf. Das klang, als hätte jemand eine Decke vorm Amp weggezogen.

https://soundcloud.com/user-868938649
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

Hallo,

das Problem Gitarrensolo kenne ich zur Genüge, sogar darüber hinaus. Meine waren immer dasselbe, langweilig, überflüssig und doof. Es geht mir da also genau wie dir.

Ich habe dann angefangen, intensiv Gitarrensoli zu suchen, die ich wirklich mochte. Zu meiner Überraschung waren das deutlich weniger als ich dachte und die waren recht offensichtlich nicht improvisiert sondern vollständig komponiert. Ich bin dann einen ähnlichen Weg gegangen wie ferdi: Für den jeweiligen Song ein Solo komponieren, das dann spielen üben und dann beim Gig abrufen. Da aber das Üben dieser Soli irgendwann wegfiel, war das mit dem Abrufen nicht so einfach.

Mittlerweile sehe ich das Spielen eines Gitarrensolos wie das Erzählen eines Witzes. Die Story muss stehen, die Pointe muss sitzen. Beim Weg zur Pointe kommt es nicht darauf an, immer exakt die selben Worte zu wählen. Es ist mir unmöglich, einen Witz beim Erzählen zu erfinden - und ein gutes Gitarrensolo schüttele ich auch nicht aus dem Ärmel.

Naja, manchmal muss man ja dennoch ein Gitarrensolo aus dem Ärmel raushauen. Meine große Strategie ist, diese knifflligen Situationen möglichst selten zu halten. Am besten maximal drei improvisierte Soli und dann bin ich bei der kleinen Taktik bei rolli: Das erste mit wildem Wah-Einsatz, das zweite mit ausgefranstem Delay und das dritte mit Slide. Und wenn verdammt noch mal ein viertes Solo her muss, versuche ich, ein schönes Feedback zu erzeugen, dann feuere ich meine drei schnelle Läufe ab, tappe ein paar Triolen und gut. Damit komme ich an dem Abend dann irgendwie schon durch.

Früher, als die Welt noch aus Holz war, hat das ja auch gereicht. Gespielt, gehört, vergessen. Heute muss man ja immer damit rechnen, dass schon der schlurfende Gang zum Bäcker mit zerzauselten Haaren in der schnell gegriffenen rosa Strickjacke der Frau morgen bei YouTube auftaucht. Das macht es nicht einfacher.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

erniecaster schrieb:
...
das Problem Gitarrensolo kenne ich zur Genüge, sogar darüber hinaus. Meine waren immer dasselbe, langweilig, überflüssig und doof. Es geht mir da also genau wie dir.

Ich habe dann angefangen, intensiv Gitarrensoli zu suchen, die ich wirklich mochte. Zu meiner Überraschung waren das deutlich weniger als ich dachte .....

erniecaster


Lustig. Ich liebe es Soli zu spielen. Am Liebsten improvisiert und ausm Bauch raus. Und mir gefallen die dann auch noch. Auch auf Aufnahmen. Manchmal bekomm ich Gänsehaut bei den eigenen Soli weil was gelungen ist was ich "geil" fand.
Wenn die Sängerin "Auge Solo" ruft bin ich parat und liefere...

So unterschiedlich kanns sein.

LG
Auge
 
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RE: Solovergleich - Meinungen zu Dramatik oder Klischees, Spannungsbogen, etc....

ferdi schrieb:
Ein wesentliches Merkmal ist, dass ich Soli *nicht* improvisiere.


what nie, gar nicht .....


Also ich bereite auch mal was vor,vorallem Einstieg und Ende und einen groben
Ablaufplan. Aber ein Solo ganz ohne Freiheiten geht bei mir gar nicht.
Fände ich total öde blöde
 
"Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen
das tut, was ihm gefällt.“ - Bob Dylan
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