Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

gitarrenruebe schrieb:
ollie schrieb:
Gibson und Fender schreiben rote Zahlen.....wo führt das hin...

Auch das hat mMn eher nicht ausschließlich mit schwindemden Absatz von Gitarren an sich zu tun, sondern damit, dass heute die Konkurrenz viel größer ist, die angebotenen Modellpaletten zu unübersichtlich sind, neue Modelle gerne mal (das hat schon Tradition) floppen, und und und ...

Fender hat neben Fender die Marken Guild Guitar, Sunn Amplifier, SWR, Jackson, Tacoma und Charvel im Bestand.
Hamer, Genz Benz und Ovation gehörten zu Fender, sind aber inzwischen tot oder verkauft.
Fender hat oder hatte neben Zupfinstrumenten auch Blasinstrumente, Streichinstrumente, Klaviere und Drums verkauft.

Gibson hat in den letzten Jahren die Marken Philips, Onkyo, Teac, Cerwin Vega, Stanton Magnetics, KRK Systems, Baldwin Piano und Cakewalk gekauft.

Das sind alles keine Geldbringer, die die beiden Firmen da zusammengeklaubt haben.
Und das ehemalige Kerngeschäft ist plötzlich nur noch ein Problem unter vielen: Der Fokus fehlt.

Gruß,
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Mit den Modellern ist es ähnlich wie mit den DAWs bzw. den Heimstudios und wie halt generell mit der Digitalisierung.

Es ist einfacher und vor allem billiger geworden.
Ich kann heute selber ein ansprechendes Video zusammenschneiden und beschriften dun vertonen. Ich kann im Heimstudio ansprechende Aufnahmen machen und bearbeiten.

Als wir damals im 96er Jahr ein Musikvideo machen mussten hat das für einen Song richtig viel Geld gekostet. Heute nix.

Ähnlich ist das mit den Modellern. Man hat zugriff auf mehr Optionen ohne sich eine Palette an Amps udn Cabs zulegen zu müssen.

Meiner Ansicht nach ändert das aber nix an der kreativen Seite, an der handwerklichen Seite und an der Seite, dass man sich beschäftigen muss.
Ich höre genau so viele schlechte wie gute Sounds (meines Geschmackes) wie früher als mehr Amps gespielt wurden. Es benötigt immer noch geschick aus einem Modeller feine Sounds zu bekommen. Und es benötigt immer noch ein gewisses Können mit diesen Sounds auch spielen zu können.

Ergo: Die Leistbarkeit hat sich geändert. Sonst nicht viel.

LG
Auge
 
Traurige Erkenntnis:
...Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht...
...Andere zu stalken und auf die Füße zu treten bedeutet nicht besser zu sein sondern sich besser zu fühlen...
Homepage: http://www.AugeundSo.at
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Sollte ja eigentlich keine Diskussion zum Thema "Ist Modelling gut?" werden.

Ich habe nur das Gefühl, es geht manchmal etwas die die klangliche Konsistenz verloren.

Nicht Spielweise.

Klang.

Ich würde gerne mehr hören, dass z.B. Gitarristen einen durchgehenden Sound haben. So wie ein Sänger eine wiedererkennbare tonale Farbe hat.
Da möchte man ja auch den Sänger immer erkennen können.

Gitarristen aber - so mein Eindruck - greifen jetzt mehr auf eine weite Palette typischer Sounds zurück die vielleicht geil sind und passen aber mir irgendwie auch vorkommen wie ein Kostümfest und die in der Auswahl auch sehr vorhersehbar sind. Britpop = Vox, Blues = Tweed, etc...

Das ist natürlich praktisch für alles was im weitesten Sinne "Auftragsarbeit" ist oder Spaß zuhause, aber ich finde dieses häufige Bäumchen-Wechsel-Dich so als Sound-Konzept für Bands eher irritierend.

(Für Cover-Bands: Ja, bitte, wenn es muss. Für Eigene-Musik-Bands: meist irritierend.)

So als ob ein Sänger sagt, hier beim etwas getragenen, pathetischeren Song stelle ich mein Gesangs-Effektgerät auf die Klangformanten von Pavarotti ein damit meine Stimme schön authentisch knödelt. Klingt gut und die Leute fahren drauf ab.

Naja.
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

groby schrieb:
Sollte ja eigentlich keine Diskussion zum Thema "Ist Modelling gut?" werden.

Ich habe nur das Gefühl, es geht manchmal etwas die die klangliche Konsistenz verloren.

Nicht Spielweise.

Klang.

Ich würde gerne mehr hören, dass z.B. Gitarristen einen durchgehenden Sound haben. So wie ein Sänger eine wiedererkennbare tonale Farbe hat.
Da möchte man ja auch den Sänger immer erkennen können.

Gitarristen aber - so mein Eindruck - greifen jetzt mehr auf eine weite Palette typischer Sounds zurück die vielleicht geil sind und passen aber mir irgendwie auch vorkommen wie ein Kostümfest und die in der Auswahl auch sehr vorhersehbar sind. Britpop = Vox, Blues = Tweed, etc...

Das ist natürlich praktisch für alles was im weitesten Sinne "Auftragsarbeit" ist oder Spaß zuhause, aber ich finde dieses häufige Bäumchen-Wechsel-Dich so als Sound-Konzept für Bands eher irritierend.

(Für Cover-Bands: Ja, bitte, wenn es muss. Für Eigene-Musik-Bands: meist irritierend.)

So als ob ein Sänger sagt, hier beim etwas getragenen, pathetischeren Song stelle ich mein Gesangs-Effektgerät auf die Klangformanten von Pavarotti ein damit meine Stimme schön authentisch knödelt. Klingt gut und die Leute fahren drauf ab.

Naja.


Das wollte ich eigentlich ausdrücken.
Es hat sich nix geändert.
Ich klinge immer recht ähnlich. Ob das jetzt langweilig oder ein Signature Sound ist mögen andere beurteilen.
JCM 800, Silver Junilee, Engl Vintage 210, Engl Powerball, Vintage Amp, AFX. POD HD oder auch im NI Guitar Rig im Studio. Ich schraube bis der Sound im Kopf mit dem im Ohr übereinstimmt. Das Feeling passt dann fast immer auch.
Fertig.
Soundfindung geht wie immer. Hab ichs nicht im Kopf kommts auch nicht raus. Ich hab zum Beispiel nie einen wirklich guten angeknusperten Sound. Warum? Weil ich ihn nicht hören kann im Kopf. Egal womit ich mich herumschlage.
 
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Ich gebe dem Auge völlig recht.

Ergänzung: Ich finde eher erzeugt eine andere Klampfe andere Soundideen und man fühlt sich inspiriert, sich auch
musikalisch neu zu öffnen. So war es bei meiner ersten Hallowbody bzw. Tele.....auf einmal wollte ich mehr Jazz und Country Licks lernen....

Der Sound an sich wird mit dem gefühlten Sound immer abgestimmt.

Irgendwie habe ich zwar schon seit langem Bock auf den Kemper (primär zwecks Recording) und die Sounds die ich bis dato gehört habe klingen alle sehr überzeugend (z.B. die Profiles von dem Top Jimmy sind Klasse).
Gestern habe ich dann wieder ein Stück aufgenommen und mein Guitar Rig 5 angeworfen und gedacht, was soll`s, klingt auch....reicht doch....

Warum also immer Neues?

Die Eigenständigkeit bei den bekannten Guitar Heroes, oder sagen wir die Unverkennbarkeit korrespondiert immer mit einem ganz speziellen Sound....z.B. Mark Knopfler, Van Halen, Jeff Beck......DAS geht durch die neuen Möglichkeiten sicher etwas verloren.....
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Mal anders herum argumentiert.

Welche Gitarristen mit eigenem kreativem Sound kennt ihr, die spielen, seit es Modelingamps gibt?
 
"Wir essen jetzt Opa!" - Interpunktion rettet Leben!
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

groby schrieb:
Sollte ja eigentlich keine Diskussion zum Thema "Ist Modelling gut?" werden.

Ich habe nur das Gefühl, es geht manchmal etwas die die klangliche Konsistenz verloren.

Nicht Spielweise.

Klang.

Ich würde gerne mehr hören, dass z.B. Gitarristen einen durchgehenden Sound haben. So wie ein Sänger eine wiedererkennbare tonale Farbe hat.
Da möchte man ja auch den Sänger immer erkennen können.

Gitarristen aber - so mein Eindruck - greifen jetzt mehr auf eine weite Palette typischer Sounds zurück die vielleicht geil sind und passen aber mir irgendwie auch vorkommen wie ein Kostümfest und die in der Auswahl auch sehr vorhersehbar sind. Britpop = Vox, Blues = Tweed, etc...

Das ist natürlich praktisch für alles was im weitesten Sinne "Auftragsarbeit" ist oder Spaß zuhause, aber ich finde dieses häufige Bäumchen-Wechsel-Dich so als Sound-Konzept für Bands eher irritierend.

(Für Cover-Bands: Ja, bitte, wenn es muss. Für Eigene-Musik-Bands: meist irritierend.)

So als ob ein Sänger sagt, hier beim etwas getragenen, pathetischeren Song stelle ich mein Gesangs-Effektgerät auf die Klangformanten von Pavarotti ein damit meine Stimme schön authentisch knödelt. Klingt gut und die Leute fahren drauf ab.

Naja.


Na, eben Naja;

manche, die sich's leisten können, stellen sich halt drei veschiedene Amps auf die Buehne wie Carlos Santana, der fuer cleane Sachen einen JC120 benutzt und fuer Lead und Rhythmus Bludotones und Mesa Boogies. Und klingt trotzdem immer nach Santana.
Ich glaube, es ist gar nicht mal so ungewöhnlich, dass man grade fuer dezidierte Cleansounds eine extra Transe mit auf der Buehne sieht. Ich hab bei meinem favorisiertem Setup einen Starfield SVA-1 Head + Lautsprecher fuer clean/crunch/rhythm und fuer Lead einen Kitty Hawk Custom. Das ist aber immer eine elende Schlepperei (gut, bei dem fuenf Auftritten im Jahr auch ohne Roadie möglich, aber ich werde auch älter und mein Ruecken macht manchmal Probleme) und hin und wieder kämpft man trotz Trenntransformator dann doch mit interessanten Herausforderungen in Sachen Brummschleifen.

Deshalb versuche ich gerade auf Modeller umzusteigen. Bezeichnenderweise habe ich jetzt zwei Exemplare, die nicht vorgeben, irgendwelche speziellen Amps zu modeln (Yamaha DG80-210 und Roland GA112 - ich brauche einfach die WYSIWYG interface), und ich habe mir die Patches so zurechtgeschraubt, dass das so ähnlich klingt wie in meinem Lieblings-setup.

Ich glaube ich habe das zu so 90% getroffen - ganz zufrieden bin ich nicht, aber ich bezweifle, dass das jemand im Publikum hört (interessanterweise hatte ich mehr und schneller Erfolg mit dem Yamaha, der 15 Jahre älter ist als der Roland) - und eine sehr kompakte Lösung, fuer die ich nur einen Amp schleppen muss.
Ich kenne eigentlich niemand, der durch alle 33 sims während eines Gigs durchstepped; die meissten werden doch halt ihre drei, vier Lieblings-sims haben, die benutzt werden. Im Prinzip ist das dann auch nicht anders als mit einem Mesa Roadking, nur zu einem zehntel des Preises.

Kreative, neue Sounds könnte man sicher mit Amp sims machen - aber halt nicht grade mit einem VoxVT, Peavey modeller, einem Line6, YamahaTHR, Kemper oder selbst einem Axe-FX, weil die ja doch eigentlich nur schon bestehendes wiederkäuen, wenn auch in einigen Fällen auf sehr hohem Level.
Um was neues zu machen, muesste man dann vielleicht mit einem guten Audio Interface in einen schnellen Rechner spielen, der als Host fuer iZotope Trash, Ohmforce Ohmicide oder einen Synth agiert. Ob man da dann aber einen einzigen Signature Sound fuer sich machen wird?
Ich kenne ehrlich gesagt niemanden, der das macht (Pat Metheny hat in den 80ern Gitarrensynths manchmal sehr interessant eingesetzt), aber ich lebe halt auch in meiner persönlichen Filterblase, so wer weiss...

Langer Rede kurzer Sinn: Amp Modeling macht einem das Leben leichter,aber fuehrt meist wohl nicht zu neuem. Ich glaube aber, dass Gitarristen ein sehr konservatives Völkchen sind. Und das ist auch vielleicht ein Grund, warum Modellers wie die Yamaha DG oder Roland GA Serien sich nicht so gut verkauft haben (obwohl der Roland ehrlich gesagt auch etwas wärme vermissen lässt - vielleicht war das keine gute Idee, einen Breitbandlautsprecher einzubauen).

Meine 5 ct

Gruesse

Alex
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Das ist ja wieder mal ne interessante (?) Diskussion. Sorry, ewig lange hier nicht mehr reingeschaut.

groby schrieb:
...
Stell dir vor, wir würden statt Musik zu machen kleine Filme drehen. Und es gäbe ein Programm, dass uns digital jeden Schauspieler virtuell errechnet und kostenfrei zu Verfügung stellt.
...


Schwafel doch nicht herum, sag doch wie es ist, die Mehrheit der Menschen ist sehr einfach gestrickt und urteilt nach dem "Ah, das Kenne ich!" Prinzip. Das fängt schon an wenn jemand irgendwo ne Klampfe ans Lagerfeuer hinlegt und dann sich jemand ransetzt und das Smells like Teen Sirit Riff spielt und die Leute drum herum "Öh geil!" sagen weil sie es sofort erkennen. Musikalisch ergibt das in der Situation zwar keinen richtigen Sinn aber man erkennt es halt. Nur darum geht es.

ollie schrieb:
...

Die E-Gitarre verliert aber ohnehin immer mehr an Bedeutung. Seit 20 Jahren ist das Gitarrensolo out außer im Metall und im Free-Jazz ! ...


Guck dir doch nur folgendes an um zu sehen was los ist:
https://www.musiker-board.de/threads/gitarren-solos-langweilig-wie-kann-man-interesse-wecken.647118/

Ja sorry, dass ich auf dieses schlimme Forum verlinke, aber das geht offenbar ab. Ein Gitarrist der einfach nicht den Sinn von Melodien versteht, aber trotzdem offenbar in den Bands wo er spielt anerkannt und gefragt ist. Leute die Musik machen und denen es offenbar nur um darum geht den Sound einer bestimmten Band zu erreichen. Es geht offenbar nicht mal um die Lieder der berühmten Bands, weil dann würde es dem Gitarristen ja wohl Spaß bringen berühmte Solos nachzuspielen, es geht nur noch um Sound.
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

ollie schrieb:
Die Eigenständigkeit bei den bekannten Guitar Heroes, oder sagen wir die Unverkennbarkeit korrespondiert immer mit einem ganz speziellen Sound....z.B. Mark Knopfler, Van Halen, Jeff Beck......DAS geht durch die neuen Möglichkeiten sicher etwas verloren.....


Ich sehe das genau umgekehrt. Viele dieser Sounds gab es nur, weil diese Gitarristen es sich erlauben konnten. Kein normaler Mensch hätte damals das Rig von Gilmour, Zappa, Beck oder Van Halen auch nur kaufen und geschweige denn ohne fremde Hilfe bedienen können, inklusive der genannten Herren selber in ihren Anfangstagen. Wenn die damals Modelling gehabt hätten, hätten sie wahrscheinlich auch unvergleichliche Sounds hinten raus bekommen - schließlich hatten sie noch das leere und weite Feld der grenzenlosen Soundgestaltung vor sich, das heute praktisch abgegrast ist.

Jetzt hat jeder alle Möglichkeiten, sich seinen eigenen persönlichen Stil perfekt auf den Leib zu schneidern. Dass das keiner tut, liegt aber nicht am Modelling sondern daran, dass die Gitarre was die Weiterentwicklung angeht seit Jahrzehnten praktisch tot ist.

In der elektronischen Musik gibt es noch extrem viel Potential für die Gitarre, was auch reichlich genutzt wird, aber das ist ja dem ach so progressiven "fünf Töne über drei Akkorde in zwölf Takten"-Gitarristen nicht kreativ genug.

Oder um mal ein Zappa-Zitat abzuwandeln: "Die Elektrogitarre ist zwar noch nicht tot aber sie riecht schon komisch".

uwich schrieb:
Mal anders herum argumentiert.

Welche Gitarristen mit eigenem kreativem Sound kennt ihr, die spielen, seit es Modelingamps gibt?


Welche Gitarristen mit eigenem kreativem Sound kennt ihr, die spielen, seit 1980?
 
Eines Mannes Hose ist seine Burg
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Dass Innovation nicht mehr möglich ist, dachte man schon vor Tausenden von Jahren....

Aber damit ein Setup auch mal anders klingt,

....muss es entweder durch Not oder Zufall so klingen (z.B. weil man nichts anderes zur Hand hat und dann ein Metal-Album mit einem Fender Twin einspielt (Beispiel Kerry King) oder Marshall spielt weil nur Marshall als einziger Anbieter im Moment laut genug ist (Beispiel damals The Who, Jimi Hendrix).

... oder jemand muss einen Sound tatsächlich *vorher* im Kopf haben und danach erst mit den Millionen AxeFXKemper-Optionen basteln statt durch die Presets oder Sound-Bibliotheken zu scrollen wie durch ein McDonalds-Menü.

Die erste Möglichkeit wird durch Besitz eines Modellers im weitesten ausgehebelt und die zweite greift hier nicht, denn wer keine eigene Idee hat, der findet zwar mit einem Modeller eine Fix-&-Fertig-Lösung aber kreativ macht ihn das Gerät nicht.
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Moin,

für mich sind Modeler ein schönes Mittel, verschiedene Sachen zu probieren ohne viel Geld und Zeit zu investieren. Es ist die Vielfalt, die mich interessiert. Das hat dazu geführt, das ich heute einen anderen Sound verwende als das früher der Fall war. Auch mein Spiel hat sich verändert.

Aber letztendlich benutze ich einen Grundsound, und variiere diesen mit dem Volumenregler, dem Tonpoti, der PU Position und ab und zu mal ein paar Effekten. Also wie früher, nur gefällt mir der Sound deutlich besser und ist dynamischer.

Neulich auf einem Konzert hat mein Line6 DT25 ausgesetzt, und wurde von einem Egnater Rebel20 ersetzt. Kein Riesenunterschied. Die Grundeinstellungen sind ähnlich (Röhrentyp, Taktung, Gain), also würde mir der kleine Ami auch reichen. Mein Sound war übrigens anders als bei den Kollegen, ein anderer Gitarrist kam mit meinem Set null zurecht. Also glaube ich nicht an die Gleichmacherei. Mein Bruder hat im gleichen Konzert neben mir mit dem gleichen Amp gestanden, und klang völlig anders.

Abschließend kann man sagen, Modeler ohne Röhren sind eh Teufelszeugs!

Ciao
Monkey
 
D'oh!

On sale:
Multicore 16/4
Mischpult mit Knöpfen ohne Computer Yamaha MG16/6fx
Mixercase mit Aufsteller extra tief!
Behringer graphischer EQ 3102
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

Rome schrieb:
ollie schrieb:
Die Eigenständigkeit bei den bekannten Guitar Heroes, oder sagen wir die Unverkennbarkeit korrespondiert immer mit einem ganz speziellen Sound....z.B. Mark Knopfler, Van Halen, Jeff Beck......DAS geht durch die neuen Möglichkeiten sicher etwas verloren.....


Ich sehe das genau umgekehrt. Viele dieser Sounds gab es nur, weil diese Gitarristen es sich erlauben konnten. Kein normaler Mensch hätte damals das Rig von Gilmour, Zappa, Beck oder Van Halen auch nur kaufen und geschweige denn ohne fremde Hilfe bedienen können, inklusive der genannten Herren selber in ihren Anfangstagen. Wenn die damals Modelling gehabt hätten, hätten sie wahrscheinlich auch unvergleichliche Sounds hinten raus bekommen - schließlich hatten sie noch das leere und weite Feld der grenzenlosen Soundgestaltung vor sich, das heute praktisch abgegrast ist.


Du sprichst hier einen anderen Aspekt an...und zwar die neuen Möglichkeiten, Sound nachzuahmen bzw. auch zu kreiieren. Aber es geht primär um den Sound und nicht um den Spieler....früher war es umgekehrt.

Seltsamerweise führt es zu keinen neuen HEROES.....da der Sound ja auch nur Mittel zum Zweck ist und keinen Zweck für sich alleine darstellt. Man bezieht sich bei den Modelleren (man lese nur die Namen der Werksounds) immer auf die altbekannten Verdächtigen, Hendrix, Santana Lead Sound, Angus Young Lead und Eddie Van Halen Lead....weil das Trademarksounds sind, da hat der Gitarrist sofort was im Ohr was seine Erwartung formt....

und deshalb komme ich wieder auf die Begründung für dieses Phänomen zurück, weil die Gitarre seit mehreren Jahrzehnten ein reines Vintage Dasein führt, es lebt von den immer noch als kultig gefeierten Stilblüten eines Hendrix, Van Halen und Steve Lukathers.....aber was wirklich neues, eigenes mit richtig musikalischer Substanz ist rein gitarristisch nicht nachgekommen...

ausser im Akustikbereich.....

Schaut doch auf You Tube nach, jahrelang waren es irgendwelche "Jungasiaten" die Malmsteen und Van Halen gecovert haben, jetzt ist es auf die "Girlies aus dem Top Modell Heft meiner 8 jährigen Tochter" übergeschwappt......
man verzeihe mir diese nicht ganz politisch korrekte Pauschalisierung.....und alle spielen das gleiche...ab und zu gibt es welche, die können einen kompletten Song (Bass, Drums und Gitarre) auf einem Instrument reproduzieren, das ist dann zwar handwerklich erste Sahne, aber immer noch der gleiche altbekannte Sumpf.....

Frei nach Valentin... "es ist alles schon gespielt, nur noch nicht von jedem"....


Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

ollie schrieb:
Man bezieht sich bei den Modelleren (man lese nur die Namen der Werksounds) immer auf die altbekannten Verdächtigen, Hendrix, Santana Lead Sound, Angus Young Lead und Eddie Van Halen Lead....weil das Trademarksounds sind, da hat der Gitarrist sofort was im Ohr was seine Erwartung formt....

Einerseits ja: Wir sind ja - als Musikkonsumenten der Rockmusik - durch jahrelanges Hören auf bestimmte Sounds "konditioniert". Die "Gnade der frühen Geburt" fehlt, ich bin dann geboren, als Hendrix schon auf den Bühnen der Welt seine Gitarren verbrannte.

Aber MEINE Erfahrung ist, dass die Ohren bessere Soundratgeber als die Augen sind. Titel irgendwelcher Ampmodels lassen mich unbeeindruckt, ich schraube meine Sounds nicht aufgrund irgendwelcher Presetnamen. Beim L6 Spider Valve, den ich lange und gerne gespielt habe, war mein "marshall-esquer" Sound mit irgendeinem sogenannen Highgain-Amp und sehr niedrigen Gainsettings gemacht, auch meine "Vox"-Sounds kamen nie von einem entsprechenden Amp-Model. Ist heute auch so, meine Vox-artigen Sounds - gut auflösende low-Gain Rhythmusgeschichten mit einer gewissen Höhenstruktur und nicht zu ausladenden Bässen - mache ich nicht mit den entsprechenden Amp/Cab-Models. Ist ja auch egal, Hauptsache, es klingt so, wie ich mir das vorstelle. Und da sind wir bei Auges Aussage: Wenn Du einen Sound im Kopf hast, bekommst Du den idR mit den verschiedensten Rigs realisiert. Wie hochwertig sich das dann anhört/anfühlt, ist nochmal ein anderes Thema.

Dass ich in einem Modeller idR noch einen ganzen Sack Kram verfügbar hätte, den ich idR nicht brauche, ist doch Wurst. Dann lässt man das halt links liegen. Meine Presets wurden einmal vor 5 Jahren erstellt, und sind seitdem weitgehend unverändert. Aber wehe, Du jammst mit der Band im Proberaum, und der Bassist sagt: "Jetzt mal sowas ganz kaputtes von der Gitarre, wär schon geil" und Du wirfst dann den Ringmodulator mit dem Fuzz und dem Reverse Delay oder einfach nur den Synth mit dem AutoWah an und siehst am Gesicht des Bassisten "Hätte ich doch mal die Fresse gehalten ..."
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

ollie schrieb:
Seltsamerweise führt es zu keinen neuen HEROES.....da der Sound ja auch nur Mittel zum Zweck ist und keinen Zweck für sich alleine darstellt. Man bezieht sich bei den Modelleren (man lese nur die Namen der Werksounds) immer auf die altbekannten Verdächtigen, Hendrix, Santana Lead Sound, Angus Young Lead und Eddie Van Halen Lead....weil das Trademarksounds sind, da hat der Gitarrist sofort was im Ohr was seine Erwartung formt...


Yup, ein "Robert Fripp" preset habe ich noch nicht gefunden. Aber der hat ja dann doch eben keinen Signature sound sondern eine Reihe abgefahrener sounds, die ich dann aber oft nicht unbedingt als ästhetisch empfinde (was auch vom Erschaffer auch nicht so gewollt wäre, denke ich).
A propose neue Heroes: also ich denke da an Matt Bellamy von Muse, der recht kreativ UND erfolgreich ist. Aber obwohl es Matt Bellamy Gitarren gibt, gibt's halt DEN Matt Ballamy Sound nicht, oder?

So ist vieles im E-Gitarrenbereich kanoninsiert und deshalb vielleicht auch ein bischen langweilig fuer die neue Generation, weil's das Original von 70-jährigen gibt, und das von inzwischen schmerbäuchigen 50-järigen Epigonen (ich bin einer davon) weitergenudelt wird. Die Hausmusik des neuen Milleniums. Rebellisch geht halt anders.

Gruss

Alex
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

nochmal....
es geht nicht um die individuelle Geschichte, wie jeder mit den Sounds für sich persönlich umgeht. Ich dreh auch an den Presets rum bis sie mir gefallen. Ich habe ca. 7-8 Plug Ins zu Hause im Einsatz und stoße aber immer auf die "üblichen Verdächtigen" (Marshall Plexi mit Booster für Soli und Fender Twin/Blackface für Clean...und für das Heavy Brett ein Mesa Klon) und das war`s...(btw. einen Kemper, der genau diese 3-4 Sounds in Perfektion abbildet und keine unnötige Profiling Funktion anbietet, die eh fast keiner nutzt, aber dafür lediglich 799 € kostet, würde ich sofort kaufen).....

nein, mir ging es um die "Systemfrage".....wie werden wir durch die Produkte konditioniert, wie wird uns der "Kultsound" verkauft und was verbindet man mit den "Heroes" für einen Sound, wie prägt uns das und was kommt Neues nach....und verändert moderne Technik das Spielverhalten und die Individualität des Musikers....

noch was? Ich glaub das war`s....
Verfasst am:

RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

ollie schrieb:
nochmal....
Ich habe ca. 7-8 Plug Ins zu Hause im Einsatz und stoße aber immer auf die "üblichen Verdächtigen" (Marshall Plexi mit Booster für Soli und Fender Twin/Blackface für Clean...und für das Heavy Brett ein Mesa Klon) und das war`s...(btw. einen Kemper, der genau diese 3-4 Sounds in Perfektion abbildet und keine unnötige Profiling Funktion anbietet, die eh fast keiner nutzt, aber dafür lediglich 799 € kostet, würde ich sofort kaufen).....

nein, mir ging es um die "Systemfrage".....wie werden wir durch die Produkte konditioniert, wie wird uns der "Kultsound" verkauft und was verbindet man mit den "Heroes" für einen Sound, wie prägt uns das und was kommt Neues nach....und verändert moderne Technik das Spielverhalten und die Individualität des Musikers....

noch was? Ich glaub das war`s....


Aber es steht einem doch offen, sich umzuschaunen. Peavey Revalver, Guitar Rig, Amplitube Sims, TH3 etc. sind hat so konzipiert, dass man Vertrautes findet und sind DIE Seller. So etwas wie Vandal, das keine spezifischen Amps simuliert, scheint nicht populär zu sein, und dass hier jemand Izotope Trash oder Ohmforce Ohmicide benutzt, bezweifle ich mal. Ich hab seit ein paar Tagen den Vocal synth from Izotope und hab den mal fuer eine Gitarrenspur missbraucht - auch interessant.

Die Tools sind da, und man braucht eigentlich gar nicht viel zu suchen, aber die Masse will das nicht, und ich weiss auch nicht, ob es jemanden gibt, der das hören will. Trash und Ohmicide werden wohl eher in der elektronischen Musik eingesetzt oder um drums, Vocals oder ganze Tracks zu verfremden, aber Gitarristen benutzen diese Plugins meisst nicht. Ich kenn niemanden,der Autotune/Melodyne etc. einsetzt um Gitarre zu verfremden,so wie das seit Jahren mit Vocals gemacht wird (Do you beli-ieve in life after Love...lalala).

Die Industrie macht, was der Markt haben möchte, das soll einen nicht Wundern. Aber: DIE TOOLS SIND DA.

Bleibt auch zu erinnern, dass viele "Kreative" Klänge durch unzulänglichkeiten des Equipments oder Missbrauch dessen entstanden sind. Leo Fender warnte seine Kunden davor, die Amps aufzureissen; der Tweed Sound den wir kennen, war nicht von ihm geplant. Die ersten Marshalls waren inakkurate Kopien von Fender Amps, Vöxe waren auch nicht primär zum uebersteuern gemacht, das erste Wah sollte eine Trompete mit Dämpfer nachahmen.

Also: abuse and misuse...

Vielleicht sind Amp sims einfach zu Perfekt. Aber fruehere Konzepte wie z.B. die erste Version von Revalver, wo man nach Lust und Liebe Module zusammenstecken konnte (Lustigerweise kam dann die Warnung "this module cannot be used in this position" konnte aber!) kamen einfach nicht an. Der durchschnittliche Gitarrist ist vielleicht ueberfordert. Ich ja auch.

Aber dass Amp sims Kreativität unterbinden glaube ich trotzdem nicht. Fuer viele macht es das Leben leichter; Kreativität findet halt zur Zeit nicht so sehr in der Gitarrenmusik statt.

Gruss

Alex


Zuletzt bearbeitet von Alex K. am 04.08.2017, insgesamt einmal bearbeitet
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RE: Modelling als game-changer der Szene -> spannende Vielfalt oder heimliche Gleichschaltung?

ollie schrieb:
nochmal....
....und verändert moderne Technik das Spielverhalten und die Individualität des Musikers....

noch was? Ich glaub das war`s....


Auf einem anderen Thread, wo jemand sich selbst Gitarre beibringen möchte, wird davor gewarnt, den falschen Fingersatz zu benutzen.
Jeff Healey wuerde laut auflachen, wenn er noch am Leben wäre. Dem hat noch nicht einmal jemand erklärt, das man die Gitarre nicht auf dem Schoss spielt, sondern dass man die sich umhängen muss.

Und Gitarrenlehrer haben frueher immer geschimpft, wenn man den Daumen sehen konnte.

Louis Armstrong fand Bebop scheisse...

Die Community hat normative Kraft, schon immer gehabt, und man braucht eine Vision, Dickköpfigkeit oder Ignoranz (vielleicht am besten alle drei) UND dazu Talent, um die Normen zu brechen und etwas neues zu schaffen.

Gruss

Alex
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