Der Tag danach in Deutschland

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Der Tag danach in Deutschland

Hallo,

traditionell gehts in unserem Stammtisch hier ja auch durchaus mal ums Politische.

Ich wage eine Prognose:
Es kommt Jamaika, es wird 2 Jahre ein Hängen und Würgen, danach fliegt der Laden auseinander. Dann kommt entweder eine GroKo (ohne Merkel, die geht dann als Juncker-Nachfolger nach Brüssel) oder Neuwahlen, auch hier ohne Merkel als Spitzenkandidat.
Gespannt sein darf man über die Ressortverteilung und die Namen; da Frau Merkel im Gegensatz zu Kohl lernfähig ist und weiss dass ihre Uhr langsam abläuft, muss sie jetzt die CDU in Stellung bringen.

Wenn sie clever ist nimmt sie die CSU stärker in die Pflicht (Innenministerium? Aussen?) und rammt damit einen Pflock nach rechts ein und holt damit vielleicht viele der 60% AfD-Protestwähler zurück.
Warum nicht auch sogar mal einen CSU-Kanzler nach 2 Jahren…damit würde die AfD für viele obsolet.
Zu Gutenberg kam ja passenderweise gerade reumütig, abgebüsst und in den USA bestens vernetzt zurück auf die Bühne.

Spannend wird sein wer CDU-intern auf das Nachfolgerennen losgelassen und positioniert wird; Von der Leyen? AKK? Kauder? Altmeier?
Die Ressortverteilung dürfte einen Hinweis darauf geben wer im Moment in der Gunst vorne liegt.

Die SPD Strategie liegt ziemlich klar auf der Hand. Deutlicher Linksruck (damit ein zukünftiges Problem bei den Linken!), mit dem Finger auf Jamaika zeigen und hoffen so in den nächsten Jahren durch harte Opposition in den Ländern wieder nach oben zu kommen und via Bundesrat von hinten mitzuregieren.

Die FDP muss schauen dass man ausser Lindner und Kubicki noch mehr von der Partei kennt sonst bleibts ein Strohfeuer.
Und die Grünen haben hoffentlich gelernt dass sie besser ohne einen Herr Trittin verhandeln und handeln.

Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.

Es bleibt spannend.

Gruss

Michael
 
Die Gewohnheit ist der Sieg der Zeit über den Willen!
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Re: Der Tag danach in Deutschland

juergen2 schrieb:
Ich wage eine Prognose:
Es kommt Jamaika, es wird 2 Jahre ein Hängen und Würgen, danach fliegt der Laden auseinander. Dann kommt entweder eine GroKo (ohne Merkel, die geht dann als Juncker-Nachfolger nach Brüssel) oder Neuwahlen, auch hier ohne Merkel als Spitzenkandidat.
[...]

Die SPD Strategie liegt ziemlich klar auf der Hand. Deutlicher Linksruck [...]


Meine Meinung: Das widerspricht sich, deine Prognose eines Linksrucks und dann Eintritt in eine GroKo in 2 Jahren. Vorausgesetzt, Du meinst mit GroKo eine aus CDUCSUSPD ...
 
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RE: Der Tag danach in Deutschland

Hallo,

ich denke dass beide Parteien, sowohl CDU/CSU als auch SPD, gerne regieren. Die SPD muss jetzt durch eine Khatarsis, kann aus der Konstellation Opposition und sich zerfleischende Jamaika bestimmt profitieren (und in den Landtagswahlen Stimmen hinzugewinnen/Regierung stellen) und das bei deutlich linkerem Profil und damit nenebie Schwächung der Linkspartei.

Wenn also nach 2-3 Jahren Jamaika Geschichte sein könnte, dann ist die Frage für die SPD, lieber GroKo mit deutlich linkerem Anspruch (falls das die CDU mitmacht) oder eben Neuwahlen mit besserer Ausgangslage.
Ich denke ob dann Neuwahlen oder Neuauflage GroKo kommt hängt dann von der Konstellation Bundesrat und Umfrageergebnisse ab.

Gruss

Michael
 
Die Gewohnheit ist der Sieg der Zeit über den Willen!
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Re: Der Tag danach in Deutschland

juergen2 schrieb:
Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.

Es bleibt spannend.

Gruss

Michael


Kann man unter Unterdrückung eines Würgereizes so unterschreiben!
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RE: Der Tag danach in Deutschland

Wenn die SPD wie angekündigt wirklich Opposition durchziehen will, wird es spannend.

Im Moment ist Jamaika dann ja wohl das letzte realistische Szenario (neben Neuwahlen), obwohl ich glaube, dass die Grünen sich damit keinen Gefallen tun würden. Stress in der Koalition selbst bei vorheriger Einigung quasi vorprogrammiert und Sitze-mäßig nicht in der Lage, entscheidende, exklusiv-grüne politische Inhalte einbringen zu können.

Für die SPD wird es jetzt aber interessant. Ich könnte mir vorstellen, dass vier Jahre in der Opposition dazu beitragen können, endlich wieder eine klare sozialdemokratische Kante unter Beweis stellen zu können, die sie dringend nötig hat, wenn sie langfristig wieder in die Situation kommen will, abseits einer großen Koalition Regierungsverantwortung zu tragen.

Wenn die SPD aus der Opposition ein gutes Stück nach links rutscht, wird auch der Wahlkampf nächstes mal glaubwürdiger und unter Umständen wäre bei inhaltlicher Annäherung vielleicht sogar rot-rot-grün eine denkbare Möglichkeit, vor allem vor dem Hintergrund, dass die regierende Jamaika-Koalition sich 4 Jahre zerfleischt und die schier übermächtige Merkel nicht der Gegner sein wird.

Wird spannend.

Zur AFD: Ja... keine Ahnung. Ist wohl auch schon alles gesagt worden. Ein letzter Fitzel Hoffnung bleibt, dass sie das Problem von selbst löst, siehe Petry.
 
"Ein Lothar Matthäus hat es nicht nötig, von sich in der dritten Person zu sprechen." (Lothar Matthäus auf die Frage bei einer Pressekonferenz, warum er öfter von sich in der dritten Person spreche)
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RE: Der Tag danach in Deutschland

Moin, ich weiß noch nicht so recht, wie ich mit diesem Ergebnis umgehen soll.
Kotzen kann ich allerdings jetzt schon. Hier ist die Nazi-Alternative über 20%! Unglaublich...
Ich glaube nicht, das Jamaika die Legislaturperiode nicht überstehen sollte. In Hessen haben sich die Schwarzen und die Grünen nach Schlammschlacht im Wahlkampf in eine fürchterliche Harmonie verwandelt. Was es alles gibt.

Wir werden sehen...

Ciao
M
 
D'oh!

On sale:
Multicore 16/4
Mischpult mit Knöpfen ohne Computer Yamaha MG16/6fx
Mixercase mit Aufsteller extra tief!
Behringer graphischer EQ 3102
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RE: Der Tag danach in Deutschland

So sehr die SPD auch von ihren politischen Gegnern dafür gescholten wird, denke ich auch, dass der Weg in die Opposition ihre einzige Chance ist, sich wieder eigenständig zu positionieren, nachdem sie in den Jahren der Groko deutlich Federn lassen musste.

Was die AfD angeht, bin ich verärgert, aber auch ein wenig gelassen. Offen gestanden hatte ich nach den Prognosen (die sich ja überraschend nah am Wahlergebnis befanden) die Befürchtung, dass die AfD deutlich mehr Stimmen holt.

Anfangs des Jahres auf der Wintersession hatte ich mich noch mit dem Jacuzzi-Michael über das Thema unterhalten, und sofern ich mich trotz der zwei Biere korrekt erinnere, waren und sind wir beide der Überzeugung, dass unsere Demokratie zum einen solche Erscheinungen aushalten kann und muss, zum anderen ein Einzug in den Bundestag eine Chance bedeutet; nämlich dahingehend, dass die Partei aus ihrem "Wir könnten, würden, täten, wenn …" heraus und wirklich liefern muss. Und ich bin guter Dinge, dass es enden wird, wie der Böhmermann es besingt.

 
Gruß & Grooves,
Andreas
--

Tu Deinem Admin was Gutes.
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Re: Der Tag danach in Deutschland

Max schrieb:
juergen2 schrieb:
Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.

Kann man unter Unterdrückung eines Würgereizes so unterschreiben!

Ich finde es extrem unproduktiv, die Fan-Basis dieser Partei derart abzustempeln.

Bitte tut diese Gruppe nicht ab als "die sind dumm" und gebt euch schön mit dieser arroganten Sichtweise zufrieden.

Diese Leute haben gewählt aus Gründen und aus Emotionen heraus. Es geht darum, diesen Gründen und Gefühlen vernünftig zu begegnen und diese Menschen zurück zu gewinnen.

Das ist Arbeit aber das ist Demokratie.

Alles andere ist nur der Versuch, Menschen auseinander zu dividieren.
Das ist erstens undemokratisch, zweitens menschenfeindlich, und drittens: Das ist ja genau das, was an der AfD so ablehnenswert ist.

Nein, kein Kuschelkurs. Kein Anbiedern.
Aber auch kein Aufstacheln, kein inhaltsleeres Beleidigen und kein pauschales arrogantes Abwatschen. Das wollen sie ja eigentlich, sie wollen ja abgelehnt werden weil die unterdrücktes-Opfer-Rolle zu ihrem Selbstverständnis gehört. Sie freuen sich über Angriffe und schreien ja schon Zensur an allen Ecken. Daraus legitimieren sie erst ihre Aggression.
Dieser Nährboden muss weg.

Gegen Hetze und Ablehnung gewinnt man nicht mit Gegenhetze und Abstempeln.
Man handelt in gutem Vorsatz, verrät dabei aber jene Ideale, die man verteidigen will.
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Re: Der Tag danach in Deutschland

groby schrieb:
Max schrieb:
juergen2 schrieb:
Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.

Kann man unter Unterdrückung eines Würgereizes so unterschreiben!

Ich finde es extrem unproduktiv, die Fan-Basis dieser Partei derart abzustempeln.

Bitte tut diese Gruppe nicht ab als "die sind dumm" und gebt euch schön mit dieser arroganten Sichtweise zufrieden.

Diese Leute haben gewählt aus Gründen und aus Emotionen heraus. Es geht darum, diesen Gründen und Gefühlen vernünftig zu begegnen und diese Menschen zurück zu gewinnen.

Das ist Arbeit aber das ist Demokratie.

Alles andere ist nur der Versuch, Menschen auseinander zu dividieren.
Das ist erstens undemokratisch, zweitens menschenfeindlich, und drittens: Das ist ja genau das, was an der AfD so ablehnenswert ist.

Nein, kein Kuschelkurs. Kein Anbiedern.
Aber auch kein Aufstacheln, kein inhaltsleeres Beleidigen und kein pauschales arrogantes Abwatschen. Das wollen sie ja eigentlich, sie wollen ja abgelehnt werden weil die unterdrücktes-Opfer-Rolle zu ihrem Selbstverständnis gehört. Sie freuen sich über Angriffe und schreien ja schon Zensur an allen Ecken. Daraus legitimieren sie erst ihre Aggression.
Dieser Nährboden muss weg.

Gegen Hetze und Ablehnung gewinnt man nicht mit Gegenhetze und Abstempeln.
Man handelt in gutem Vorsatz, verrät dabei aber jene Ideale, die man verteidigen will.


Dieser Kurs der Wählerabwatschung hat Ö eine FPö (Grob vergleichbar mit der AFD) rund um 25-30% mitbeschert.
Aber wir hier sind erst nach dem WahlWoE im Oktober gscheiter diesbezüglich.

PS.: AFD 27% und 1. Platz in Sachsen. Oida....
 
Traurige Erkenntnis:
...Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht...
...Andere zu stalken und auf die Füße zu treten bedeutet nicht besser zu sein sondern sich besser zu fühlen...
Homepage: http://www.AugeundSo.at
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Re: Der Tag danach in Deutschland

groby schrieb:
Max schrieb:
juergen2 schrieb:
Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.

Kann man unter Unterdrückung eines Würgereizes so unterschreiben!

Ich finde es extrem unproduktiv, die Fan-Basis dieser Partei derart abzustempeln.

Bitte tut diese Gruppe nicht ab als "die sind dumm" und gebt euch schön mit dieser arroganten Sichtweise zufrieden.

Diese Leute haben gewählt aus Gründen und aus Emotionen heraus. Es geht darum, diesen Gründen und Gefühlen vernünftig zu begegnen und diese Menschen zurück zu gewinnen.

Das ist Arbeit aber das ist Demokratie.

Alles andere ist nur der Versuch, Menschen auseinander zu dividieren.
Das ist erstens undemokratisch, zweitens menschenfeindlich, und drittens: Das ist ja genau das, was an der AfD so ablehnenswert ist.

Nein, kein Kuschelkurs. Kein Anbiedern.
Aber auch kein Aufstacheln, kein inhaltsleeres Beleidigen und kein pauschales arrogantes Abwatschen. Das wollen sie ja eigentlich, sie wollen ja abgelehnt werden weil die unterdrücktes-Opfer-Rolle zu ihrem Selbstverständnis gehört. Sie freuen sich über Angriffe und schreien ja schon Zensur an allen Ecken. Daraus legitimieren sie erst ihre Aggression.
Dieser Nährboden muss weg.

Gegen Hetze und Ablehnung gewinnt man nicht mit Gegenhetze und Abstempeln.
Man handelt in gutem Vorsatz, verrät dabei aber jene Ideale, die man verteidigen will.


Hi Groby,

ich gebe dir da voll recht.
Mit einer Einschränkung: Die "Fan-Basis" sind die 2 Millionen ¨Überzeugungswähler". Die wollen in diese Opferrolle (gerade heute morgen gings ja in der Pressekonferenz wieder nur darum).
Die kann man nur mit Sachthemen und Aufforderung sich an einer öffentlichen Debatte um Inhalte zu beteiligen demaskieren. Da bin ich mal ganz bei Lindner.

Die 4 Millionen Protestwähler aber sind m.M.n. keine Fans; das sind Verunsicherte mit diffusen Ängsten oder Nachplapperer die sich anscheinend keinen anderen Rat wussten als dann hier Extreme zu wählen.
Kann man machen, aber wie hat einer geschrieben, das ist wie in der Kneipe aus dem Klo trinken weil vorne das Bier nicht schmeckt...

Auf diese Wähler bezog sich mein Kommentar mit IQ usw. Wenn diese (laut Unfrage) mit dem Parteiprogramm einer Partei nicht einverstanden sind, sie aber trotzdem wählen weil ihnen die aktuelle Politik der GroKo nicht passt, dann wähle ich doch nicht so!
Dann wähle ich strategisch, also eine der Kleineren mit denen ich die grösste Schnittmenge habe, also FDP, Linke, Grüne, je nach Interessenlage.
Aber doch nicht die mit denen ich mich (laut Umfrageergebnissen) vom Parteiprogramm her nicht identifizieren kann.

DAS ist nicht sonderlich clever. Von wegen Folgeschäden komplett ausblenden usw.

Gruss

Michael
 
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Re: Der Tag danach in Deutschland

juergen2 schrieb:
Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.


Tja, das meinst du so ein bisschen polemisch-witzig, gell?

Es gibt nicht ganz abseitige Stimmen, die dafür sind, den Wahlvorgang an so eine Art Bildungstest zu koppeln. Dann musst du erst mal ein paar Grundfragen richtig beantworten, und dann darfst du erst dein Kreuzchen machen.

Spooky.

Nee nee: Da draußen laufen eine Menge Leute rum, die vieles ganz anders sehen als ich, und das nervt mich zwar, aber es ist am Ende gut so. Wenn wir nach dem 2. Weltkrieg und den 68ern irgendwann so getan haben, als seien wir eine durchweg aufgeklärte, tolerante und moderne Gesellschaft, dann war das schon immer Augenwischerei und Vogel-Strauß-Denken. Wär ja auch ganz eigenartig: so kurz nach dem 3. Reich und so nah zu anderen Ländern, in denen es auch völkisch-nationalistisches Denken, Unaufgeklärtheit und Intoleranz gibt. Das ist alles ganz normal und schon immer so gewesen. Nur sind diese Leute bislang einigermaßen zuverlässig vom rechten Rand der Union abgeholt worden. Da war der Gauland ja auch, und damals passte er in das Klischee "konservativer Intellektueller", was nichts anderes bedeutete, dass die damals schon genau so gedacht haben, es nur weniger Anlass dazu gab, das öffentlich zu äußern, weil man seine Kinder noch schlagen durfte, in der Ehe keine Vergewaltigung möglich war, Schwule sich strafbar gemacht haben und die ganzen Ausländer nicht zu uns wollten, außer ein paar Türken ans Fließband. *Das* ist es, was sich geändert hat, nicht "die Leute". Die sind nicht plötzlich rechts geworden, sondern waren immer da, mit ihren ganzen Ressentiments und Feindbildern. Nicht nur in Dtl. Nur: die Union holt sie jetzt nicht mehr ab, weil die nämlich (mehrheitlich) auch begriffen hat, dass sie sich modernisieren muss. Aber diese Menschen, auch wenn ich sie vielleicht doof und hässlich finde, müssen abgebildet werden: sie müssen gehört werden, sie müssen Diskursraum kriegen und sie müssen *parlamentarisch* abgebildet werden, so weh's auch manchmal tut. Sie sind ein Teil von uns. Darum müssen die ganzen linksgrünversifften Elitär-Gutmenschen, die ja immer noch die politische und kulturelle Mehrheit stellen, diese Leute integrieren: auch die rückwärtsgewandten, ungebildeten, integrationsunfähigen und -unwilligen Leute gehören in diese Gesellschaft und Rechtsordnung. Dafür gibt's die AfD, und das ist dann auch gut so.

M.
Verfasst am:

RE: Der Tag danach in Deutschland

Banger schrieb:
Anfangs des Jahres auf der Wintersession hatte ich mich noch mit dem Jacuzzi-Michael über das Thema unterhalten, und sofern ich mich trotz der zwei Biere korrekt erinnere, waren und sind wir beide der Überzeugung, dass unsere Demokratie zum einen solche Erscheinungen aushalten kann und muss, zum anderen ein Einzug in den Bundestag eine Chance bedeutet; nämlich dahingehend, dass die Partei aus ihrem "Wir könnten, würden, täten, wenn …" heraus und wirklich liefern muss. .....


*Zwei* Biere?

Ich glaube, du erinnerst dich an gar nichts mehr.

Abgesehen davon: Nur ungefähr. Wenn ich sage, dass die Rechten in die Parlamente hineingehören, dann liegt das nur in zweiter Hinsicht daran, dass die sich dort evtl. selbst demaskieren. Das ist auch gar nicht so wünschenswert, denn nachdem sich DVU, NPD, Republikaner, Dritter Weg und was-weiß-ich-nicht-wer am laufenden Band selbst demaskiert haben, sind die Leute ja nicht weg, die sich dort aufgehoben fühlen. Die wandern nur weiter.

Nee: Die gehören in die Parlamente, weil sie mit ihren Haltungen und Positionen ca. ein Siebtel der Bevölkerung abbilden. Kann man doof finden, aber zumindest kurz- und mittelfristig nicht ändern. Dafür haben wir ja die Parlamente. Ist vielleicht auch besser als rechte "außerparlamentarische Opposition", vor der es mich eher gruseln würde.

M. (J.)
Verfasst am:

RE: Der Tag danach in Deutschland

Michael (Jacuzzi) schrieb:
....


Mmmmh....

Die Akzeptanz z.B. der AfD als parlamentarisch wichtige, anteilige Volksmeinung ist zwar gut und notwendig...

... aber es kaschiert, dass dies dann doch nicht einfach nur unschöne oder persönlich missfällige Meinungen sind die man dann großmütig liberal hinnimmt, sondern dass dort Werte vertreten werden und ein Systemverständnis gezeigt wird, die schon gefährlich nahe an einem Widerspruch mit einer freiheitlichen Demokratie entlang schlittern.

Sobald diese Grenzüberschreitung Programm wird, wäre das ein Fall für das Verfassungsgericht.

Aber Programm ist sie nicht. Offiziell.

Die Haltung dahinter - da so im Schatten - wirft aber weite Verästelungen über die Grenze hinaus.

Was die AfD so gefährlich macht, ist nicht das, was die CDU sonst früher aufgefangen hätte. Nämlich: ein paar rechte oder rechts-tendenzielle Meinungen. Was sie so gefährlich macht ist ein gesellschaftliches Systemverständnis. Ein Umgang mit Regeln, anderen Meinungen und der Presse zum Beispiel.

Das ist der Unterschied zwischen "rechts" und "alt_right".

Das hieße:
Rechts ginge. Könnte man anteilig eingliedern. Ist halt Demokratie.
Alt_Right hingegen ist system-zersetzend. Und neu.
Verfasst am:

RE: Der Tag danach in Deutschland

groby schrieb:
Das hieße:
Rechts ginge. Könnte man anteilig eingliedern. Ist halt Demokratie.
Alt_Right hingegen ist system-zersetzend. Und neu.


Sehe ich genau so. Solange jemand die Spielregeln (der Demokratie in diesem Fall) akzeptiert, ist es ok, selbst wenn es u. U. nervt. Aber wenn beim Fußball jemand partout nicht nach den Regeln spielen will und z.B. ständig den Ball in die Hand nimmt, dann hat es keinen Sinn und Toleranz auch keinen Platz.

Inhaltliche Diskussionen sind mit den überzeugten Alt_rights völlig sinnlos, das hat beinahe etwas von einer Religion. Und jedes gegenteilige Argument ist sowieso wahlweise *fake*, "Hetze" (sic!) oder wird mit irgendwelchen zweifelhaften Quellen (sehr beliebt z.B. RT) gekontert. Beleidigungen und Untergriffe sitzen locker, selbst ist man sofort beleidigt und gekränkt. Ich kenne leider so ein Exemplar in meinem näheren Umfeld.
 
Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem...
Verfasst am:

Re: Der Tag danach in Deutschland

groby schrieb:
Bitte tut diese Gruppe nicht ab als "die sind dumm" und gebt euch schön mit dieser arroganten Sichtweise zufrieden.

Diese Leute haben gewählt aus Gründen und aus Emotionen heraus. Es geht darum, diesen Gründen und Gefühlen vernünftig zu begegnen und diese Menschen zurück zu gewinnen.

Das ist Arbeit aber das ist Demokratie.

Alles andere ist nur der Versuch, Menschen auseinander zu dividieren.
Das ist erstens undemokratisch, zweitens menschenfeindlich, und drittens: Das ist ja genau das, was an der AfD so ablehnenswert ist.

Nein, kein Kuschelkurs. Kein Anbiedern.
Aber auch kein Aufstacheln, kein inhaltsleeres Beleidigen und kein pauschales arrogantes Abwatschen. Das wollen sie ja eigentlich, sie wollen ja abgelehnt werden weil die unterdrücktes-Opfer-Rolle zu ihrem Selbstverständnis gehört. Sie freuen sich über Angriffe und schreien ja schon Zensur an allen Ecken. Daraus legitimieren sie erst ihre Aggression.
Dieser Nährboden muss weg.

Gegen Hetze und Ablehnung gewinnt man nicht mit Gegenhetze und Abstempeln.
Man handelt in gutem Vorsatz, verrät dabei aber jene Ideale, die man verteidigen will.


das unterschreibe ich zu 100%!
Verfasst am:

RE: Der Tag danach in Deutschland

Diese Leute haben gewählt aus Gründen und aus Emotionen heraus. Es geht darum, diesen Gründen und Gefühlen vernünftig zu begegnen und diese Menschen zurück zu gewinnen.


Sorry, dass ich die Harmonie hier etwas störe, aber die Position halte ich für naiv, und würde gerne Folgendes zu bedenken geben:

(1) Jede Wahl, auch die der Linken oder der Grünen, ist von Emotionen bestimmt. Dahinter steckt oftmals eine politische Orientierung, die einem von einem sozialen Umfeld (Eltern, Freundeskreis, Institutionen) mitgegeben ist oder für das man sich irgendwann in seiner Jugend (oder später) entschieden hat. Von daher darf man das Thema "Emotionen" nicht auf "Rechts" reduzieren.

(2) Demokratie lebt nicht nur von Überzeugung, sondern auch von Kompromissen. Das bedeutet, dass man Andersdenkende nur dadurch "zurückgewinnen" kann, indem man ihren Positionen Verständnis entgegenbringt und ihnen inhaltlich entgegenkommt. Wer das von vornherein ausschließt, meint es nicht ernst.

(3) Ausgehend von (2) wage ich sogar zu behaupten, dass die bloße Diskussion der gegensätzlichen Positionen ohne inhaltliche Annäherung die bestehenden Gräben offenlegt und vertieft.
Verfasst am:

RE: Der Tag danach in Deutschland

Guten Morgen,

ich bin durchaus auch bei Michael / Jacuzzi, es gab immer schon rechtere Leute in unserem Land. Sie waren bis dato eher bei den Reps, NPD und dergleichen eher im Verborgenen. Jetzt ist die AfD, auch durch Pegida und Medien gehypt, etwas salonfähiger und sie trauen sich aus der Deckung.

Aber, waren das immer schon 13%? Oder wie in Sachsen stärkste Kraft?
Dem Osten muss man zugute halten (oder wenigstens als Erklärung gelten lassen) dass sie 40 Jahre lang auf Parolen gedrillt wurden und ausser ein paar Russen und Koreanern kaum eine Chance hatten sich an andere Kulturen zu gewöhnen, erst recht nicht an ein miteinander, so wie wir es seit den 60er im Westen überwiegend als völlig normal (und bereichernd) empfinden.

Insofern kann man diese diffuse Angst fort verstehen; diese wird halt von Parolendreschern gnadenlos ausgenutzt und weiter geschürt. Gepaart mit wirtschaftlich grösserer Unsicherheit dort und sicherlich mehr gebrochenen Lebensläufen dort ist das was dort passiert zumindest erklärbar.

Und ja, eine Demokratie muss auch diese Leute mit einsammeln und sich vertreten lassen, aber die Wortwahl bei einigen lässt da vermuten dass die Demokratie nur das Vehikel sein soll um höhere Ziele zu erreichen...was wir sicherlich nicht nochmal brauchen hier.

Gestern habe ich irgendwo einen recht klugen Kommentar gehört; eigentlich gibt es ja 3 AfDs:
die Lucke-AfD (ein bisschen wie CSU, nur noch bisschen strammer und gegen den Euro),
dann jetzt die Petry-AfD (erzkonservativ und rückwärtsgewandt, aber zumindest äusserlich auch bereit zu Sachthemen Stellung zu beziehen, wie hanebüchen die Ansätze auch immer sein mögen)
und die Gauweiler-AfD, die unumwunden rechts, braun und ohne Inhalte einfach nur die Extreme darstellen.

Wenn jeder dieser 3 Gruppen 5% darstellt und rund 5% jeder holt wäre alles in Butter.

Jetzt haben wir die Situation dass 13% die Gauweiler-AfD gewählt haben und davon rund 8% Protestwähler sind die sonst von CDU/CSU vertreten waren.

Das ist nicht gesund oder gut. Die Gauweiler-AfD ist, bereinigt um Lucke, Petry, Protest, wahrschenlich prozentual da wo sonst NPD u.ä. waren.

Gruss

Michael
 
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Re: Der Tag danach in Deutschland

groby schrieb:
Max schrieb:
juergen2 schrieb:
Dass die AfD aus dem Stand von rund 6 Millionen gewählt wurde (davon 4 Millionen Protestwähler) heisst bei mir eigentlich nur dass das Problem darin liegt dass die Wahlberechtigung am Alter und nicht am IQ festgemacht ist.

Kann man unter Unterdrückung eines Würgereizes so unterschreiben!

Ich finde es extrem unproduktiv, die Fan-Basis dieser Partei derart abzustempeln.

Bitte tut diese Gruppe nicht ab als "die sind dumm" und gebt euch schön mit dieser arroganten Sichtweise zufrieden.

Diese Leute haben gewählt aus Gründen und aus Emotionen heraus. Es geht darum, diesen Gründen und Gefühlen vernünftig zu begegnen und diese Menschen zurück zu gewinnen.

Das ist Arbeit aber das ist Demokratie.

Alles andere ist nur der Versuch, Menschen auseinander zu dividieren.
Das ist erstens undemokratisch, zweitens menschenfeindlich, und drittens: Das ist ja genau das, was an der AfD so ablehnenswert ist.

Nein, kein Kuschelkurs. Kein Anbiedern.
Aber auch kein Aufstacheln, kein inhaltsleeres Beleidigen und kein pauschales arrogantes Abwatschen. Das wollen sie ja eigentlich, sie wollen ja abgelehnt werden weil die unterdrücktes-Opfer-Rolle zu ihrem Selbstverständnis gehört. Sie freuen sich über Angriffe und schreien ja schon Zensur an allen Ecken. Daraus legitimieren sie erst ihre Aggression.
Dieser Nährboden muss weg.

Gegen Hetze und Ablehnung gewinnt man nicht mit Gegenhetze und Abstempeln.
Man handelt in gutem Vorsatz, verrät dabei aber jene Ideale, die man verteidigen will.


Sorry aber, ein Afd Wähler ist entweder dumm oder ein Arschloch, im Zweifel beides.
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