Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

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Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Hallo zusammen,

mal wieder eine theoretische Frage.

Wenn mich jemand fragt: "Welche Töne sind im Bm7-Arpeggio?"

Dann hätte ich geantwortet: " B - D - F# - A - B " (ich rede hier vom amerikanischen B, also dem deutschen H, nur so nebenbei bemerkt, bevor Verwirrung aufkommt -------- hätte ja auch ein anderes Arpeggio nehmen können -- naja, egal, jetzt ist's zu spät

" B - D - Gb - A - B " wäre wahrscheinlich als Antwort genauso richtig. Aber das genau ist meine Frage:

Wenn man über Akkorde / Arpeggios spricht und deren Noten, dann gibt es doch quasi keine "korrekte" Notenzusammenstellung im Sinne einer enharmonischen Verwechslung wie z.B. bei Skalen, oder?

Wenn ich z.B. G-Dur nehme, dann habe ich ein F# als Vorzeichen und müsste demnach immer F# sagen, und Gb wäre falsch (obwohl es ja der gleiche Ton ist).

Ich freue mich von euch zu hören.

Viele Grüße

Exxman
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RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Hallo Exxman,
das kommt auf den Zusammenhang an.
Du kannst auch immer von Fx sprechen, statt von G.
Aber Freunde machst Du Dir damit wenige...
Gruß,
Woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde
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RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Exxman schrieb:
" B - D - Gb - A - B " wäre wahrscheinlich als Antwort genauso richtig. Aber das genau ist meine Frage


Die Antwort wäre falsch, denn Gb ist numal nicht im Bm7 enthalten, da hier von Akkorden die Rede ist, die aus Terzenschichtung entstehen. Da passt Gb nicht hinein. Würde man mit o.g. Tönen eine Terzenschichtung durchführen läme man auf Gb-B-D-(F)-A, also einen Dreiklang mit None, sowie übermäßiger Terz und Quinte. Nichteinmal in meinem Jazz-Lehrbuch ist mir sowas bis jetzt begegnet.

Je nach Kontext schließen sich an die Benennung der Töne auch Themenkomplexe wie Stimmführung an: Würden wir z.B. von B7 (B-D#-F#-A) reden, so ist D# ein Leitton zu E, der bei der Aufkösung nach E nach oben geführt werden muss (klassische Harmonik) oder oder als Septime eines Emaj7 liegen bleibt (Jazz).

Die Benennung der Töne ist nicht willkürlich, sondern hat ihren Zweck. Das wird vor allem dann ersichtlich, wenn man sich an die Analyse von Stücken setzt oder sich mit Akkordumdeutungen befasst, bei denen einige Töne eines Akkordes verändert und andere dazu passend enharmonisch umgedeutet werden.

Was Skalen angeht: Akkorde entstehen in der Regel aus Einzeltönen einer dazu passenden Skala in Terzschichtung und müssen deswegen wie in einer Skala enharmonisch fest sein. Die Akkorde sind soz. Skalenausschnitte und müssen den selben Gesetzen gehorchen.

So, genug Klugscheißerei für heute...
 
aloha sagt simon
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RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

HI

Danke für eure Antworten.

Akkorde entstehen in der Regel aus Einzeltönen einer dazu passenden Skala


Genau das habe ich mir gedacht. Man würde quasi nie nach einer Zusammenstellung eines Akkordes / Arpeggios fragen, ohne dass man die Skala "abklärt"?

Wenn dich also einer fragen würde "Welche Töne sind in einem XYZ Akkord?" dann würdest du zurückfragen "Hängt von der Skala ab, welche willste denn?" ??

Viele Grüße

Exxman
Verfasst am:

RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Ich würde nicht zuerst nach der Skala fragen, denn für manche Akkorde gibt es da tatsächlich mehrere Möglichkeiten (für m7 z.B. dorisch oder phrygisch), sondern einfach Terzen schichten: Grundton+Terz+Quinte+Septime. Und Gb ist nunmal nicht die Quinte zu B, sondern die verminderte Sexte: gr. Sexte = G#, kl. Sexte = G etc.

Mit keiner mir bekannten Skala, würdest du bei Bm7 auf Gb kommen, ganz einfach, weil Akkorde durch Terzenschichtung entstehen.

Gb ist zwar der gleiche Ton wie F#, aber eben nicht derselbe.
 
aloha sagt simon
Verfasst am:

RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Hi simoncoil

vielen Dank für deine Hilfe!

Viele Grüße

Exxman
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RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Allns klooor.
Leudz, heute spielen wir den Folsom Prison Blues mal nicht
in C sondern in Gisisisisis.
Verfasst am:

RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Hi,

hier nochmal ergänzend:

Im heutigen Tonsystem bewertet das Ohr Kreuz- und B-tonarten gleich. Hier als Beispiel F#/Gb. Klingt immer gleich. Tatsächlich sind das aber unterschiedliche Töne! Durch die "Reformationen" des Tonsystems, also die geänderten Stimmungen, ist der Unterschied für´s Ohr verschwunden. (Ich glaube, es gab tatsächlich mal eine Klaviatur mit eigenen schwarzen Tasten für Kreuze und B´s, wer will das schon spielen?)

In der Theorie ist die Unterscheidung jedoch noch gegeben. Die Mischung von Kreuz - und B-Tonarten ist für den Theorie-"Nazi" in etwa so wie das Lesen eines Textes, der von einem Rechtschreibschwachen verfasst wurde. Die Mischung der Vorzeichen, oder deren willkürlicher Austausch sollte nicht vorkommen. Entweder "b" oder "#". Zur Orientierung kann man auf den Quintenzirkel zurückgreifen. Die Ausnahme bildet die Alterierte Skala, in der es sowohl den selben Notenwert "erhöht" und "vermindert" gibt. Z.B. "#9" und "b9"
 
Gruß

Marcello

"Mit mir selbst bin ich ohnehin selten zufrieden.
Aber das weiß ich, und es ist mir scheißegal."
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Re: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Exxman schrieb:
Wenn mich jemand fragt: "Welche Töne sind im Bm7-Arpeggio?"


Hi Exxman,

vieles ist ja schon gesagt worden. Aber vielleicht nochmal ein Versuch, das ganze etwas systematisch darzustellen.

Klar: F# und Gb sind eigentlich die gleichen Töne. Die Bezeichnung - also, wann man F# und wann Gb sagt - hängt aber von der jeweiligen Tonleiter ab.

Ganz einfach und primitiv ausgerückt ist in G-Dur der siebte Ton (gr. Septime) ein F#, weil das F zu F# erhöht wurde und nicht das G zu Gb erniedrigt, denn ein G gibt es ja noch. Sowiet klar?

Wenn Du nun nach Bm7 fragst, dann kann dieser Akkord folgende Moll-Stufen darstellen:

II = dorisch, dann wäre die "Tonart" A.

Dann ergibt sich durch Terzschichtung:

H - D - F# - A - C# - E - G# = 1 - b3 - 5 - 7 - 9 - 11 - 13

III = phrygisch (G-Dur)

H - D - F# - A - C - E - G = 1 - b3 - 5 - 7 - b9 - 11 - b13

VI = aeolisch ( dann wäre die I: D-Dur)

H - D - F# - A - C# - E - G = 1 - b3 - 5 - 7 - 9 - 11 - b13

Klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht.

Aber in allen Fällen wurde ein F# benutzt.

Hoffe, das hat weitergeholfen.
 
mein blog: www.hans-ulrich-mueller.de
email muelrich(at)yahoo.de
www.youtube.com/muelrichmusic
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RE: Arpeggios und die enharmonische Verwechslung

Hi!

@ Marcello: Genau, ich habe auch mal irgendwo gehört oder gelesen, dass z.B. Violinspieler meinen einen Unterschied zwischen F# und Gb zu hören, bzw. weil diese keine festen Töne zum Greifen haben dann angeblich ein F# anders greifen als ein Gb ....... vorstellen kann ich mir das. Ich vergleiche das immer mal mit Bendings, denn die müssen auch nach Gefühl und Wissen und Übung gegriffen werden.

@ muelrich: Vielen Dank für deine Aufstellung nach den Modi, das hat mir sehr geholfen!

Viele Grüße rundum

Exxman
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