Das Endprodukt

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Das Endprodukt

Hallo Freunde,

Guitarworld hat mich jetzt über ein Jahr lang bei meinen ersten Home-Recording Versuchen begleitet und unterstützt. Ich hatte versprochen, eine Zusammenfassung meiner Erfahrungen zu schreiben, damit auch andere Interessierte etwas davon haben. Außerdem möchte ich den Beweis erbringen, dass man auch mit einem minimalen Budget einen ordentlichen Sound hinbekommen kann, wenn man sich nur in die Materie vertieft.

(Noch eines vorweg: mir ist klar, dass nicht jeder hier auf Viking Metal steht. Soundbeispiele findet ihr trotzdem auf www.menosgada.net).

Meine Ausgaben waren:
ein Tascam US-122 (120 Euro) incl. Cubase LE
ein Paar Nahfeldmonitorboxen „nEar 05“ (150 Euro)
ein Großmembran-Kondensatormikrophon von T-Bone (160 Euro)
eine DI-Box von Behringer (40 Euro)

Ich hatte bereits:
meine Gitarren (Epiphone Les Paul und Ibanez S540 Custom Made, Yamaha APX 6A)
einen V-Amp 2
Einen Laptop (2 Jahre alt)
Gute Freunde, die einen unglaublichen Job bei Drum-Programmierung, Bass und Gesang gemacht haben.

Alle sonstigen Dinge (Drum-Samples, Synthies etc) waren Freeware aus dem Internet.

Mein erstes Problem war, wie ich einen ordentlichen Gitarrensound auf die Festplatte bringen sollte (http://www.guitarworld.de/forum/die-gitarre-in-den-rechner-aber-ohne-abnahme-von-der-box-t6269.html). Die Abnahme meines Marshalls über 4x12er Boxen war nicht möglich, da ich die Aufnahmen in meiner Mietwohnung durchführen wollte. Am Schluss habe ich mich für eine reine Amp-Simulation entschieden. Dafür habe ich die Rhythmus-Parts nicht nur gedoppelt, sondern mit zwei unterschiedlichen Sounds praktisch „quadrupelt“. Das war viel Arbeit, hat sich aber gelohnt.

Die Drums sind komplett am Computer entstanden. Ein befreundeter Schlagzeugstudent hat jeden (!) einzelnen Schlag per Hand bearbeitet, so dass es sehr natürlich klingt. Allerdings kommt mir die Art der Musik dabei entgegen. Ich weiß nicht, ob ich ein so gut klingendes Jazz-Schlagzeug hinbekommen hätte.

Den Bass haben wir über eine DI-Box abgenommen – war kein Problem.

Auch mit dem Gesang war es nicht so schwer. Einzig der Vorverstärker des Tascam hat natürlich keine hohe Qualität.

Die akustischen Gitarren habe ich auch über das Kondensator-Mikro abgenommen. Es war etwa auf den 15. Bund gerichtet. So bekommt man einen schön perkussiven und dennoch vollen Klang.

Die sonstigen Klänge (Flöten, Akkordeon, Streicher usw.) habe ich komplett am Computer programmiert, da ich kein Keyboard spiele. Dazu musste ich zunächst herausfinden, in welchen Lagen die einzelnen Instrumente üblicherweise spielen. Das hat gerade beim Akkordeon ein bisschen gedauert.

Dann ging es an das Mixen. Ein Tipp vorweg: fast alles, was ich darüber weiß, habe ich aus Recording Magazinen. Auch dieser Thread hier war sehr hilfreich: http://www.guitarworld.de/forum/wider-den-matsch-homerecording-t8876.html
Im Laufe der Arbeit ist mir als Anfänger erst langsam bewusst geworden, dass der EQ das wichtigste Instrument beim Mixen ist. Für meine Musik ähnlich wichtig ist der richtige Umgang mit dem Kompressor, den ich auch erst langsam lernen musste. Reverb, Delay etc kommen erst ganz zum Schluss.
Denkt daran, euren Mix immer wieder über eine Anlage gegenzuhören, die ihr gut kennt. A/B Vergleiche mit Vorbild-CDs sind hilfreich. Und vergesst auch nicht, eure Songs mal auf einer richtig schlechten Anlage zu hören. Ich hatte da so ein Urerlebnis, das mich dazu gebracht hat, die Gitarren komplett neu abzumischen. Wenn ihr wie ich eure Musik über das Internet vertreiben wollt, hören viele Leute die Songs zum ersten Mal über schlechte Computer-Boxen. Auch da sollte der Sound nach etwas klingen.

Zuletzt das Mastern. Ich wäre fast verrückt geworden. Am Schluss stand die Einsicht, dass ich mit meinen Möglichkeiten nicht viel ausrichten kann. Also habe ich noch ein bisschen den Mix optimiert und dann den Pegel über einen Limiter angehoben. (http://www.guitarworld.de/forum/summenkompression-t9338.html)

Achz... jetzt hab ich schon ganz schön viel geschrieben und immer noch einiges zu sagen. Vielleicht warte ich einfach auf Nachfragen.

Gruß und nochmals Dank an alle, die mir geholfen haben,
Michael
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RE: Das Endprodukt

Danke für die umfassende Zusammenfassung. Sehr cool!
Ich bin mir nicht sicher, da ich in dem Genre nicht wirklich Ahnung habe, aber mir macht das Schlagzeug für Deinen/Euren Stil einen sehr authentischen Eindruck. Respekt.
Auf den Laptop-Lautsprechern klingt es sehr ordentlich.

greetz
univalve
 
I will burn your brain with my fuzz.
Verfasst am:

RE: Das Endprodukt

Hi Michael.

Auch wenn das eigentlich so gar nicht meine Musik-Sparte ist (nach dem Abnehmen der Kopfhörer dudelt mir aus meiner Anlage wieder gemütlich Yonderboi entgegen ) finde ich es trotzdem sehr gelungen! Sowohl kompositorisch, soweit ich das beurteilen kann, als auch von der technischen Seite. Natürlich klingen die Melodie-Instrumente nach Computer, aber ich denke für die zur Verfügung stehenden Mittel hast Du wirklich sehr viel rausgeholt, Respekt!
Verfasst am:

RE: Das Endprodukt

Hi

Da ich auch einmal versucht habe zu "Homerecorden" ziehe ich vor deinem Endprodukt respektvoll den Hut

Bis auf die "künstlichen" Instrumente (Hintergrund) find ich es sehr gut erarbeitet ! RESPEKT !

lg,RockMe
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Re: Das Endprodukt

Hi,

das ist schon echt amtlich für eine Produktion unter den
gegebenen Möglichkeiten. "Das Horn" gefällt mir gut, habe
mir bei den Miditröten eben etwas Dudelsack vorgestellt.
Ist ein brauchbares Demo geworden, was die Midisounds
anbetrifft, würde ich allerdings nochmal dran arbeiten.
Oder am Besten direkt echte Musiker einladen. Höre "das Horn"
schon das zweite Mal, klasse Parts, gute Komposition ... Respekt!

Ist übrigens auch nicht meine Mucke ... macht aber ja nix.
Ich denke, dafür gibt einen Markt und auch Fans.
 
VG, Sven

Spiele bei den SONIC HEADS feine SIGN GUITARS und den Shiva vom Bogner's Reinhold!
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RE: Das Endprodukt

Hey Doc,

danke, das bedeutet mir echt viel (von den anderen natürlich auch)! Ich musste schon immer auf die Kompositionen setzen, weil ich einfach kein sonderlich guter Gitarrist bin. Dass diese Art von Musik nicht jedem gefällt, ist ja klar. Umso schöner, wenn trotzdem Lob kommt. Es läuft gerade wirklich gut an. Ich hab schon einige CDs übers Internet verkauft und ein Festival mit vielen Szene-Größen hat auch schon angefragt, ob wir bei ihnen spielen wollen. So kann's weiter gehen.
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RE: Das Endprodukt

Moin Michael,

das gefällt. Besonders Mooooond Taaaaaaaanz

Schönes Erstlingswerk. Damit hast Du vielen Leuten gezeigt das es auch mit schmalen Equipment möglich ist seine Musik aufzunehmen um sich damit entsprechend zu präsentieren. War ja anscheinend nicht immer ganz einfach. Klasse !

Ansonsten sind mir die Gitarren zu laut und die 'Naturinstrumente' via Midi sind wirklich schrecklich Einfach mal 50 €uro in eine amtliche Ethno Sample CD investieren und das Ganze wird nochmal um einiges aufgewertet.

Viel Erfolg, eze
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RE: Das Endprodukt

EZE schrieb:
Einfach mal 50 €uro in eine amtliche Ethno Sample CD investieren und das Ganze wird nochmal um einiges aufgewertet.

Viel Erfolg, eze


Ganz meine Meinung!
 
VG, Sven

Spiele bei den SONIC HEADS feine SIGN GUITARS und den Shiva vom Bogner's Reinhold!
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RE: Das Endprodukt

Hi,

möchte mich den anderen anschließen: klingt wirklich recht anständig, was du da produziert hast. Das mit den Midi-Klängen wurde ja bereits genannt.

Aber insgesamt bin ich sehr erfreut, dass es wieder mal bestätigt:

Wer das teuerste Equipment hat, der macht nicht unbedingt die professionelleste Musik. Es ist immer der Künstler, der mit den Gerätschaften umgeht. Und du zeigst ja wieder: man kann auch mit einem Grundgerüst an Equipment ganz vernünftige und durchaus professionelle Ergebnisse erziehlen.

Vielleicht eine kleine Anekdote von dem Recording-Workshop, an dem ich vor ein paar Monaten teilgenommen habe. Da war ein Typ, der kannte jede Bezeichung von jedem Vollröhren-EQ, allen Abhörboxen und Computerzusatzkartenequipment und schwärmte, was in den Studios für tolles Zeug rumstände. Und dann kam seine persönliche Meinung: Abhörmonitorboxen braucht man unter einem Wert von 5000 Euro gar nicht in die Hand nehmen, da alles unter diesem Wert totaler Schrott sei.

Ich bin leider nicht in den Genuss gekommen, mal von diesem Kollegen einen produzierten Song zu hören, aber er war für mich den typische Vertreter "Bevor-ich-nicht-Equipment-im-Wert-von-10.000 Euro-habe-fange-ich-nicht-an-einen-Song-zu-schreiben"

Ich habe ihm dann noch von dem allerseits bekannten Michael Jackson erzählt, der wohl einen Millionenbetrag für die Produktion seines letzten Albums augegeben hat --- und mit dem Album total gefloppt ist. Denn es nützt halt auch die beste Produktion nichts, wenn die Songs mies sind ...... das wird auch immer wieder vergessen. Dasselbe Problem wie bei der Filmindustrie. Schick produzierte Hollywoodstreifen, von denen sich keiner lohnt angesehen zu werden. Und wenn sich den immer wiederkehrenden Müll keiner mehr ansehen will, dann sind natürlich die Raubkopierer schuld. Ok. Anderes Thema.

Viele Grüße und mach weiter so!

Exxman
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RE: Das Endprodukt

Danke. Dazu gleich noch eine Anmerkung: die Nahfeldmonitore waren in der Tat der einzige Teil des Equipments, der nur eingeschränkt brauchbar war. Denn die Musik klang darauf "fetter" und ausgewogener als z.B. auf meiner heimischen Stereoanlage, so dass ich einen großen Teil des Mixings mit letzterer durchgeführt habe (die ich eben auch besser kannte - vielleicht lags auch daran). Wo die Monitore aber unschlagbar waren, war das Auffinden kleiner Fehler: wo quietscht ein Lagenwechsel, wo knärzt eine Saite...

Ob man aber gleich eine Abhöre für 5000 Euro braucht, sei aber dahingestellt.
Verfasst am:

RE: Das Endprodukt

Hi Cook,

du machst wirklich alles richtig! Manch anderer wird das vielleicht nie verstehen. Wie von dir geschrieben:

Das Wichtigste ist, dass man seine Boxen kennt (wie du deine heimische Stereoanlage - egal wie gut oder schlecht die ist). Und dass man "echte" Abhörboxen benutzt, um ALLES (besonders die Fehler) zu hören. Und dann kommen so ganz nette Produktionen raus wie bei dir.

Ich schätze mal, dass viele Leute lieber Geld ausgeben würden und dann hoffen, dass sie bei ihrer ersten Produktion gleich den Mega-Mix machen (weil's ja teure Boxen sind MUSS das ja gut werden ), dabei zählt nur eins (gilt auch für's Gitarrespielen):

Man muss ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN (Erfahrung ist leider mit Geld nicht zu erstehen, und daran wird sich in absehbarer Zeit wohl nichts ändern). In allen Dingen wird man besser, solange man sich damit beschäftigt.

Schreib doch mal, wie es mit deiner / eurer CD weitergeht. Du hast ja schon geschrieben, dass wohl einige Anfragen kommen.

Viele Grüße

Exxman
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RE: Das Endprodukt

Ich finde, da gehört gar nicht viel dazu. Den ersten Mix habe ich mit den Monitoren gemacht. Als ich dann die Lieder auf meine Stereoanlage aufgelegt habe, war ich sehr enttäuscht. Da hatte ich schon so viel Zeit in das Projekt gesteckt - undenkbar, den Sound dann so zu lassen! Und weil ich ja keine Studio-Zeit bezahlen musste, konnte ich so lange schrauben wie ich wollte. Dieses Trial-and-Error geht mit der Zeit an die Nerven, man wird aber durch das Endergebnis belohnt. Man darf gar nich laut sagen, dass ich parallel dazu vorgestern meine letzte Magisterprüfung an der Uni hatte...

Bisher bin ich sehr zufrieden mit den Reaktionen. Das größte Kompliment ist eigentlich, dass Online-Magazine von sich aus angefragt haben, ob sie die CD zum Rezensieren bekommen könnten. In den ersten 14 Tagen habe ich (nur mit Werbung in Foren) 28 Stück verkauft - zwei pro Tag sind doch ein super Schnitt! Und ein kleines Label hat auch angefragt - das ist allerdings so klein, dass ich mit bei Promotion und 'Vertrieb' lieber auf mich selbst verlasse. Bei dem Festival, das ich erwähnt hatte, können wir vielleicht vor knapp 1000 Leuten spielen. Das wär wirklich der Hammer - ich hatte vor sechs Jahren zum letzen Mal so einen großen Auftritt.
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RE: Das Endprodukt

Exxman schrieb:
Schreib doch mal, wie es mit deiner / eurer CD weitergeht. Du hast ja schon geschrieben, dass wohl einige Anfragen kommen.

Viele Grüße

Exxman


Nachdem wir letzte Woche die Marke von 100 Bestellungen genackt haben (immernoch ohne Gigs und nur mit Forenwerbung und ein paar Underground-Reviews), dachte ich, ich vermelde mal stolz die Fortschritte. Ein Underground Label tritt inzwischen als (nicht-exklusiver) Vertrieb für uns auf und wird vielleicht auch unser nächstes Album produzieren. So in etwa hatte ich mir das mal erträumt. , aber kaum zu hoffen gewagt.
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RE: Das Endprodukt

Herzlichen Glückwunsch und weiterhin viel Erolg!!

Gruß
Ingo
 
"Der Volksmund sagt: Religion ist Opium für das Volk. Das ist irreführend. Opium ist eine bewußtseinserweiternde Droge."
Volker Pispers

"Kein Zynismus kann das Leben übertreffen."
Anton Pawlowitsch Tschechow

Mein Spielzeug
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RE: Das Endprodukt

cook schrieb:
...dachte ich, ich vermelde mal stolz die Fortschritte.


Das ist doch prima! Hoffentlich wird was draus!
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RE: Das Endprodukt

Sowas! Ich bin begeistert, das zu lesen! Und wenn Du dereinst
in Deinem Chalet-Studio vor den 50.000 Euro Montoren sitzt,
kannst Du ja mal an uns denken ... mch weiter so, da will eine
gute Instanz, daß Dein Projekt funktioniert. Zweifel also auschalten
und weiter auf den Bauch hören.
 
VG, Sven

Spiele bei den SONIC HEADS feine SIGN GUITARS und den Shiva vom Bogner's Reinhold!
Verfasst am:

RE: Das Endprodukt

Haha, dafür sind wir dann wohl doch ein bisschen zu sehr Underground. Aber immerhin ist seit ein paar Tagen die erste Auflage (150) bis auf vier Stück weg. Und die Nachbestellung ist schon in Arbeit.

P.S.: Wenn ich euch übrigens mit diesen Infos in eigener Sache ballermannmäßig nerve, dann warnt mich rechtzeitig!
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