Auftritte/Bezahlung/Gage vs künstl./politische Kompromisse


groby
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Im Gitarrengefrier-Thread gibt es gerade (warum auch immer, denn argumentativ ist es irrelevant) das Nebenthema "In der Band einer umstrittenen Person sein" (Hintergrund dort: Session-Oli ist Gitarrist von einem Böhsen Onkel)

Wo wäre die Grenze dessen, zu wem ihr bereit seid, in einer Band einzusteigen?

Eine Bitte: Klammern wir die Extreme (zum Beispiel aktive Neo-Nazis) mal aus.

Beispiele politisch:

Würden CDU-Anhänger bei einer Party der Linken spielen (bzw. umgekehrt)? Nicht bei einer Kundgebung sondern z.B. bei einer riesigen internen Feier?

Beispiel menschlich:

Würdet ihr mit jemandem den ihr privat für einen harmlosen aber unintelligenten und menschlich unangenehmen Labersack haltet in dessen Band einsteigen?

Beispiel musikalisch:


Angenommen ihr könntet die Musik zwar spielen, findet sie aber privat völlig grauenvoll, unausstehlich und die Texte peinlich (bei mir wäre PUR so ein Beispiel aber das muss sich jeder selbst vorstellen was das für ihn wäre. Um Geschmack soll es hier nicht gehen, nur um das Überwinden des eigenen). Würdet ihr euch theoretisch überreden lassen, in die Band einzusteigen?

Und sagen wir, damit wir das völlig rein durchdenken: Ihr hättet keine anderen Bands und alle diese Angebote wären auf fantasiehafte Weise irgendwie zeitlich problemlos. Ihr müsstest nicht umziehen und nichts. Das wäre alles in eurer Nähe und man würde sich zeitlich ganz nach euch richten.

Was würdet ihr noch mit Euch machen lassen und warum?

Wäre es das größere Argument, wenn der Gig euch Riesenpublikum regelmässig garantiert oder wenn er echt irre bezahlt wird oder lieber gar nichts und weiterhin künstlerisch und politisch rein aber ungehört im Hobbykeller klimpern?
 
Doc Line6forum
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Hmm...
Ich glaube, ich bin zu alt für Kompromisse.

Also konkret:
Politisch: Da ich mich keiner Partei derartig zugehörig fühle, würde ich auch für keine spielen, auch nicht für eine interne Feier.
Menschlich: Ganz einfach, mit mir unangenehmen Menschen mache ich nichts zusammen, auch keine Musik.
Musikalisch: Wenn ich mich sehr bemühte, der Musik etwas Positives abzugewinnen, wenn es mir aber trotzdem überhaupt nicht gelänge, würde ich ebenfalls absagen.

Ich glaube, ich muss im stillen Kämmerlein weiter machen.
 
Nashorn
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Irgendjemand hat mal gesagt, dass von drei Kriterien mindestens zwei erfüllt sein müssen, damit man in einer Band mitspielt.

1. Man versteht sich persönlich mit den anderen Bandmitgliedern gut
2. Die Band macht Musik, die einen musikalisch erfüllt
3. Die Band bringt Kohle

Da ich nicht vom Musikmachen leben muss/kann/will, müssen für mich die ersten beiden Kriterien erfüllt sein.

Ich habe mal eine Weile mit einem Sänger versucht eine Band zu gründen, der zwar fast wie Mike Patton singen konnte, aber persönlich eher schwierig war und außerdem sexistische und homophobe Tendenzen hatte. Da war ich froh, dass sich das Bandprojekt nach einer Weile erledigt hatte.
Jetzt spiele ich nur noch mit Leuten, die ich sympathisch finde. Und musikalisch klappt es auch gut. Viel Geld werden wir damit sicher nicht verdienen, aber siehe oben.
 
A
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Ich denke, für genug Geld würde ich alles davon machen. Ist ja nichts, was man dann sein Leben lang tun muss und so ist der "Ärger" überschaubar.

Solang man seinen eigenem Kram noch nachgehen, kann ist das relativ entspannt denk ich.

Gruß,
Jacques
 
Nominator
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Ich habe mich noch nie interessiert wenn ich mit jemand Musik mache ob derjenige CEO, Professor, Doktor, Penner, Fließbandarbeiter, Lehrer oder was auch immer beruflich macht, noch welcher Partei angehört oder welchen Gott er anbetet oder auch nicht oder ob er ein Grammy Star oder nicht ...

Einzig und allein ist für mich in erster Linie entscheidend wie ich zusammen mit ihm die Musik machen kann die MIR Spaß macht. Natürlich ist der menschliche Aspekt nicht ganz außer acht zu lassen - wenn dieser den musikalischen Aspekt deutlich negativ beeinflusst war's das mit der Zusammenarbeit - und fertig ist die Laube - dann such ich mir neue Musiker - und da gibt's genug.

Und ich habe schon mit Musikern gespielt bei denen ich am Anfang in der Tat eine gewisse Skepsis hatte, die aber dann im Laufe der Zusammenarbeit total verschwand und derjenige sich als ein außerordentlich netter Mensch entpuppte mit dem man durchaus mal über die Musik hinaus Berührungspunkte hatte.
 
A
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groby schrieb:
Beispiel menschlich:

Würdet ihr mit jemandem den ihr privat für einen harmlosen aber unintelligenten und menschlich unangenehmen Labersack haltet in dessen Band einsteigen?




Sehr schwierige Frage, da der Mensch gemeinhin immer dazu neigt, die ungerechte und ungleichmäßige Verteilung von Unintelligenz bei anderen zu vermuten. Auch die unterstellte Kombination von unintelligent mit unangenehmen Labersack erschließt sich mir nicht. Meine Erfahrung ist eher, dass die Kombination von Gitarrist und intelligent nicht zwingend ist.

Vieleicht sollte man sich dann an der Kohle orientieren. Das spricht i.Ü. nicht gegen Intelligenz oder politisch korrekte Einstellung.

Happy xmas.
 
uwich
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In der aktuellen Situation, in der ich mit Musik kein Geld verdienen muss, mache ich nur geringe Kompromisse in musikalischer und menschlicher Hinsicht. Politisch und religiös bin ich sehr tolerant, und wenn mein Gegenüber auch tolerant ist, spielt es für mich keine Rolle, welcher Partei, Religion oder Nationalität der/die Andere ist.

Sollte ich gezwungen sein, mit der Musik den Lebensunterhalt für meine Familie und für mich zu finanzieren und hätte ich keine Alternativen, dann wäre ich musikalisch für kaum etwas zu schade. Da ist die finanzielle Sicherheit meiner Familie wichtiger als mein persönlicher Musikgeschmack.
 
A
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Ich verabschiede mich meistens wieder schnell von Projekten, wenn es dort jemanden gibt, er die ganze Zeit nur von seinen Instrumenten und sonstigem Equipment labert, zu jedem auch ´ne Story weiss, was er hier oder dort noch tunen muss, damit es so klingt wie meint es müsse klingen, etc. Ich möchte dann doch eher Musik machen und möchte mich nicht über die Technik definieren.
Am gruseligsten ist es für mich persönlich dann, wenn mein Zeugs auch begutachtet wird und mir dann gesagt wird, das ich eigentlich noch dies oder das brauche oder jenes besser nicht mehr mitbringe weil man "...das ja so nicht machen kann".

Politisch würde ich auf jeder, von einer nicht extremen Partei organisierten Veranstaltung spielen. Gegen Gage. Ich würde mich allerdings nicht für eine Partei vor den Karren spannen lassen, so nach dem Motto, die spielen für uns, die stehen für unsere Werte.

Die inneren Werte meiner Mitmusiker sind mir relativ egal,(Jeder hat halt so seine Macken.) solange es nicht Extrem-Arschlöcher sind oder mir ihre jeweilige Sichtweise permanent auf die Nase binden wollen.
 
Michael (Jacuzzi)
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groby schrieb:
Beispiel menschlich:

Würdet ihr mit jemandem den ihr privat für einen harmlosen aber unintelligenten und menschlich unangenehmen Labersack haltet in dessen Band einsteigen?
Nun, diese Quote ist relativ hoch, schätze ich mal. Wer hier mit "niemals!" antwortet, sitzt wahrscheinlich irgendwann ganz alleine im Sandkasten.

groby schrieb:

Beispiel musikalisch:


Angenommen ihr könntet die Musik zwar spielen, findet sie aber privat völlig grauenvoll, unausstehlich und die Texte peinlich (...) Würdet ihr euch theoretisch überreden lassen, in die Band einzusteigen?

"Privat"? "Theoretisch"? Versteh ich nicht.

Aber egal: Dafür, grauenvolle Musik zu spielen, dürfte es nur zwei Gründe geben:

a) Man braucht Kohle.
b) Man ist verliebt.

(Sind aber gute Gründe.)

groby schrieb:
Wäre es das größere Argument, wenn der Gig euch Riesenpublikum regelmässig garantiert oder wenn er echt irre bezahlt wird oder lieber gar nichts und weiterhin künstlerisch und politisch rein aber ungehört im Hobbykeller klimpern?

"Künstlerisch rein"? "Politisch rein"? Versteh ich schon wieder nicht. Sind das nicht zwei ganz verschiedene Angelegenheiten?

Aber abgesehen davon: "Ungehört" Musik machen sollte eigentlich nichts schlechtes sein, denn die meiste Zeit macht man doch sowieso ungehört Musik? Wer das nicht genießt, würde wahrscheinlich überhaupt keine Musik machen?

Gruß aus Geht-mich-gar-nist-an,
M.
 
frank
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Ich würde ja auch für 'nen Dackelzüchterverein spielen, darum auch für jede Partei zwischen CSU und SPD. Ist doch nur ein Job, kein Ausdruck von meiner politischen Überzeugung.

Mit Menschen, zu denenich keinen persönlichen Draht finde, mache ich keine Musik. Ich denke und empfinde beziehungsorientiert. So bin ich nun mal gestrickt. Alles andere funktioniert bei mir einfach nicht. Also kann ich's gleich sein lassen.

Ich mache die Musik, die ich mag und auch bedienen kann. Themenübergreifende Experimente mag ich, aber nicht andauernd. Nur, um in einer Band zu spielen, würde ich ihr nicht beitreten, wenn Mögen und Können bei mir nicht gegeben sind.
 
mr_335
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Ich würde es auch differenzieren. Wenn ich z.B. noch Mietmusiker wäre und dies mein Grundeinkommen ausmachen würde, dann würde ich wohl auch mit Doofköppen, auf Veranstaltungen und für Leute eine Musik spielen, wo mir vielleicht auch was hoch kommen könnte. Da hat man nicht immer Einfluss drauf. Wenn ich vorher wusste, für was man mich da engagiert hat, habe ich entsprechend reagiert. Ist aber auch nie was dolles gewesen, ausser irgendwelche unsymphatischen Supereichen oder die normalen Politikgrößen. Aber das ist nur noch seltenst der Fall.

Wenn ich es um mein eigenes Zeugs geht, suche ich mir das genau aus, wo ich spiele. Und dann entsprechend meiner politischen Überzeugung. Also Grün oder Links ok, ales andere nicht. Menschlich muss ich mit den Mitmusikern gut klar kommen und musikalisch nur das machen was ich mag, ohne Kompromisse. Wobei ich lieber mit einem netten Menschen musiziere, der vielleicht nicht J.S. Bach ist, als mit einem Doofkopf der musikalisch genial ist.
 
Thorgeir
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Ich würde mich wohl nicht instrumentalisieren lassen wollen.

Auf der SPD Party "Pippi Langstrumpf" von Andrea Nahles gesungen, würde ich nicht begleiten wollen.
 
univalve
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Ich mache nur eigenes Zeug, lebe nicht von der Musik, daher vielleicht nicht der typische gebrauchsmusiker...
Ich spiele normalerweise nicht wegen der Gage.
Ich würde nie auf einer politischen Veranstaltung spielen. Egal ob das meine "Linie" ist oder nicht.
Ich spiele nur da, wo ich als Künstler respektiert werde. Alles andere ist mir zu Schade um zeit und aufwand.
Ich spiele eigentlich nur noch mit Leuten, die ich als freunde bezeichne.


Wenn ich mir das nochmals so durchlese, sollte ich die fresse halten: in den letzten Jahren hatte ich wohl verdammt Glück.
 
Nominator
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Mein allererster bezahlter Auftritt war übrigens bei einem Fest der CDU-Landjugend in einem kleinen Dorf im Norden der Republik. Ich war gerade mal 16 Jahre und'n Keks alt und es gab 50DM bar auf die Hand ( das war damals nicht wenig...) was zu Essen und reichlich zu trinken.

Und ihr könnt sicher sein dass dieser Auftritt keinen Einfluss auf mein späteres Wahlverhalten, noch auf meine politische Einstellung, noch auf irgend etwas anderes hatte - und schon gar nicht auf die Musik.

Gruß
Der Nomnator
 
groby
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Michael (Jacuzzi) schrieb:
Aber abgesehen davon: "Ungehört" Musik machen sollte eigentlich nichts schlechtes sein, denn die meiste Zeit macht man doch sowieso ungehört Musik? Wer das nicht genießt, würde wahrscheinlich überhaupt keine Musik machen?

Richtig.

Ich unterstelle aber mal keck den meisten, dass bei ihnen der Wunsch dazugehört, das eigene musische Tun auch irgendwann einmal der Außenwelt anzutragen.

Ne?


Anderer Aspekt:

Komischerweise gibt es viele Songs oder sogar Teile von Musikstilen die ich nicht gerne passiv höre aber gerne selber spiele. Mein Musikspiel- und Musikhör-Geschmack ist da unterschiedlich. Insofern kann ich mir schon vorstellen, einer Band beizutreten die ich nie hören würde aber die Spaß zu spielen macht.
 
gitarrenruebe
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Zunächst:
Ich mach das nur als Hobby. Es gab Jahre, da waren es bei mir mal richtig viele Gigs
(Gala/Soul-Funk und AC/DC Tribute), und da war es ein kleiner Teil im Einkommen.
Das ist heute nicht mehr so, auch, wg. der Fragestellung des Threads:

Zu 1)
Da würde ich differenzieren:
Bei einer Party der (Volks)Parteien, die keine Extreme bedienen, würde ich auf
einer Party (nicht auf einer Wahlkampfveranstaltung spielen), wenn -> siehe 3)

Zu 2)
Meine (Frei)Zeit ist mir zu schade, um sie mit Leuten zu verbringen, die ich nicht mag.
Und in der Zeit außenrum, also wo man nicht aktiv Musik macht, aber trotzdem
mit den Mitmusikanten zusammen ist, möchte ich auch kein Niveau-Limbo betreiben.
Hier ganz klar: Wenn ich mit jemand gar nicht auf einer Wellenlänge funke, dann mach
ich mit dem auch dauerhaft keine Musik. Es kann sein, dass man es mal versucht,
manchmal ist es ja durchaus auch so, dass es ein bisschen dauert, bis man mit jemandem "warm" ist.

Zu 3)
Geld und Publikum reizen gleichermaßen. Es gibt Musik, die ich selbst nicht höre als
Konsument, aber die (nette/gute Mitmusiker vorausgesetzt) durchaus viel Spaß machen kann.
Aber ich spiele nicht überall und alles, nur weil da viel Leute sind oder es einen Batzen Euros hagelt ...


Fazit:
Es gibt klare Grenzen in allen angefragten Punkten, wobei die mir mit fortschreitendem
Alter immer wichtiger werden:
Also der "Wohlfühlfaktor", menschlich und musikalisch, nimmt heute bei mir eine
größere Rolle ein, als das mit 18 oder 20 noch der Fall gewesen ist (wobei es auch
da schon Grenzen gab). Nur um des reinen Musikmachens oder Geldverdienens
mach ich das alles jedenfalls nicht.

Und: Wenn man es drauf anlegt, als Hobbymusiker viel unterwegs zu sein, dann
hat das ja auch zur Folge, dass der Partner ziemlich viele Wochenenden alleine
verbringt und soziale Kontakte im Freundeskreis ziemlich leiden:
Denn wenn man zu jeder Geburtstagseinladung oder jeder Anfrage, mal gemeinsam
was zu unternehmen immer antwortet: "Du, sorry, da hab ich n Gig" stößt man
die Leute irgendwann auch vor den Kopf bzw. man bekommt dann
auch keine derartigen Einladungen/Anfragen mehr.

Ich finde, da muss halt dann jeder seine persönliche Waage finden.

Wobei ich ja die Leute mittlerweile echt lustig finde, die wg. einem Gig, der absehbar
wirklich unter "kann, aber muss nicht" (kleine Location, evtl. absehbar dass die Musik
nicht passend für das Zielpublikum ist, kleine Gage bzw. Risikogage auf Tür etc.) läuft,
ihr komplettes Privatleben darauf ausrichten, nur, um die Lebens-Gig-Statistik auch
noch durch einen solchen Gig aufzublasen.
Wenn eine Giganfrage kommt, an dem Tag noch nichts ist, und die Band kann,
dann wird (wenn die Rahmenbedingungen stimmen) zugesagt. Wenn ich da aber
zB schon ein verlängertes WE mit der Liebsten gebucht habe, werde ich einen Teufel
tun, und das wg. einer Giganfrage canceln. Die Musik ist ein Puzzleteil meinem Alltag,
das wichtig ist, aber sich ins Gesamtbild einfügen muss.
 
muelrich
muelrich
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univalve schrieb:
Ich spiele nur da, wo ich als Künstler respektiert werde. Alles andere ist mir zu Schade um zeit und aufwand.

Da kannst Du wirklich glücklich sein.

Wir haben ja nur so 3-6 Gigs im Jahr.
Aber ob beim Fest des Autuhändlers oder beim rummel-Frühschoppen:
Wir sind da "begleiterscheinung" und wenn uns von den ca 100 anwesenden Leuten eine Handvoll aufmerksam zuhört, ist das schon gut.

Es sind Gigs und keine Konzerte.
 
E
erniecaster
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Hallo!

Politisch ist das für mich relativ einfach: Keine politischen Veranstaltungen/Kundgebungen. Wenn ein Politiker oder eine politische Vereinigung beispielsweise ihr Sommerfest ausrichten will, ist das ein Auftraggeber wie jeder andere auch, so lange es sich um jemanden aus dem demokratischen Spektrum handelt.

Ich habe unangenehme, arrogante Auftraggeber erlebt. Wenn die Band "abgeliefert" hat, gab es dennoch korrekt die Gage und einen gewissen professionellen Respekt. Manche extrem freundlichen Leute insbesondere aus dem alternativen Milieu waren immer supernett - dafür wurde hinsichtlich der Gage gezickt, nach dem Motto "Das Sommerfest für den Kindergarten ist doch für einen guten Zweck". Da spiele ich teilweise wirklich lieber für rich men´s party gegen korrekte Gage.

Musikalisch bin ich zu Kompromissen bereit und ertrage zur Not auch eine Anzahl Songs, die ich eigentlich nicht mag. Das kommuniziere ich aber. In langfristig angelegten Formationen wird auf sowas Rücksicht genommen.

Kurzfristige Projekte, die finanziell oder aus anderen Gründen (große Bühne, Umfeld etc.) interessant sind, spiele ich auch mit Menschen, die ich vielleicht nicht so mag. Das händelt man dann sachlich und pragmatisch.

Bands sind bestenfalls auch Freundschaften. Ich will mich in meiner Freizeit auch nicht laufend mit Menschen umgeben, die ich nicht leiden kann.

Zum Glück ist Musik mein Hobby und ich muss nicht davon leben.

Gruß

erniecaster
 
ollie
ollie
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Politisch: Da bin ich schmerzfrei und tolerant, ich würde sogar für die Linken spielen - warum nicht. Ich bekunde damit keine politische Zugehörigkeit. Meine Musik soll die Leute unterhalten.

Menschlich: Ich kann mich mit vielen Personen arrangieren. Da mir allerdings immer wieder nachgesagt wurde, selber nicht einfach zu sein, bin ich da lieber nicht zu kritisch...;-)

Musikalisch: Wenn mir die Musik nicht zusagt, spiele ich sie nicht - da bin ich konsequent. Ob ich als Profi anders agieren würde - wahrscheinlich ja!
 
Ugorr
Ugorr
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Moin.
Menschlich muss das passen. Ich verschwende keine Lebenszeit an Arschlöcher. Was auch politisch impliziert das ich nicht für extreme Spinner(FDP u.ä.) spiele. Gerade beim Duo können wir uns die Gigs aussuchen und dann verdiene ich lieber einen Hunni weniger und spiele einen Wohnzimmergig.
Wobei je nach Gruppengröße in alle Richtungen Kompromisse größer werden. Ich spiele ja auch in 2 Orchestern. Eines davon hat eben auch "Partyprogramm" mit "I sing a lied für di"und HeleneF. Gage gibt es da auch nicht für die einzelnen Musiker. ABER menschlich ist das so eine witzige und gute Truppe, da geht dann auch Helene. Ausserdem gibt es da noch die Jazznummern und "ordentliche" Konzerte.
Gruß
Ugorr
 
gwenman
gwenman
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Hi,

Politisch: Könnte ich nicht genau sagen - hab schon die ein oder andere parteifinanzierte Veranstaltung gespielt - hatte kein Problem damit. Das waren aber eher kleine lokale Gemeinde-Parteien. Gerade wenn es extrem werden würde, würde ich da vermutlich auch eher ablehnen.

Menschlich: Ich war schon öfters in der Situation, dass es menschlich nicht zu 100% passt. Die Sache geht so oder so nicht lange gut! Zu dreistes Verhalten sprech ich bei meinen Mitmusikern in der Regel sofort oder bei nächster passender Gelegenheit sehr offen an. Wenn's mit jemanden gar nicht passt, dann geht eh in der Regel er oder ich nach geraumer Zeit...

Musikalisch: Entweder man spielt nur die Musik, die man selbst mag und geht das Risiko ein, dass das niemand oder zumindest nicht sooo viele Leute gerne hören möchten, oder man findet einen Kompromiss. In meiner jetzigen Truppe ist es so. Da das Menschliche zu 100% passt, und wir halt eine Unterhaltungsband sind, die für alle was bieten soll, spielt man auch mal die nicht so geliebten Songs (bei uns z.B. Schlager). Das Publikum dankt es einem in den meisten Fällen. Das ist für mich dann der Grund, diesen Kompromiss einzugehen.
 
A
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Schönes Thema, interessante Antworten.

Politisch: Ich spiele gerne im linken Spektrum. Maifeiern, auch Wahlkampfsachen. Für Parteien, die ich nicht wählen würde, spiele ich auch nicht. Deren Schuld. Kann aber daneben gehen: Im letzten Bundeswahlkampf hatte ich eine Anfrage von den Linken. Vor Ort alles nette Leute und umkompliziert, aber dann entwickelte es sich um den Spitzenkandidaten etwas bizarr und ich war eher froh, dass die Veranstaltung abgesagt wurde.

Menschlich: Muss passen. Ich bin alt und Amateur.

Musikalisch: Ich spiele überwiegend eigenes Zeug, in der Art Dylan für Arme. Ich bewerbe mich aus Prinzip nicht um Gigs, sondern spiele (auch mit der Band) nur, wo wir gezielt gefragt werden. Dann ist auch klar, was erwartet wird. Alle sind auf der sicheren Seite und fühlen sich wohl. Wieder so ein Amateurprivileg. Auf diese Weise sind Anschlussgigs normal für uns, ohne sich mit anderen in die Quere zu kommen. Insgesamt macht das dann etwa ein Dutzend Gigs im Jahr.
 
 

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