Ein kluger Artikel über die Dauerbeschallung


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erniecaster
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Hallo!

In der altehrwürdigen FAZ klagt jemand darüber, dass immer und überall Musik läuft:

http://www.faz.net/s/Rub5A6DAB001EA2420 ... ntent.html

Da fiel mir ein, dass ich gestern noch zwei Menschen gesehen habe, die nebeneinander her gingen und sich unterhielten. Einer hatte diese kleinen Ohrhörer drin. Das fand ich schon sehr merkwürdig.

Gruß

erniecaster
 
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erniecaster":2lyxqw0m schrieb:
In der altehrwürdigen FAZ klagt jemand darüber, dass immer und überall Musik läuft:
Ich klage darüber, dass Millionen von weg gebeamten Individual-Beschallern in Parallel-Universen wie Komapatienten aneinander vorbei schlurfen.
Das Standardbild in unserem Alltag ist inzwischen das Mädel mit Eipödschen in der einen, Handy in der anderen Hand und den Augen auf dem Display beim Überqueren der Kreuzung.
Ob da Musik läuft? Keine Ahnung! Wenn ja, dann irgendwas sehr schädliches für das Gehirn!
 
A
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Jupp, Musik immer und überall. In schlechter Audio-Qualität aus technisch noch schlechteren Lautsprechern. Ganz zu schweigen von technisch noch schlechterer Vorverstärkung, Signalkette, usw.
Ob es vielleicht nur auf den Inhalt ankommt? Teilweise schon. Teilweise ist es sicherlich nur eine Art Fahrstuhlmusik, die halt den ganzen Tag läuft. Menschen mit Tinnitus freuen sich, dass sie nicht mehr die einzigen sind, bei denen den ganzen Tag Musik vor sich hinplätschert.
Musik ist Alltag. Was gefällt, wird gehört. Und die Auswahl ist gigantisch. Für Geld und ohne. Teure Tonstudioqualität ist nur bei wenigen gefragt. Deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen als Band-Musiker. Wichtiger sind gute Songs, am besten sogar noch in der Muttersprache, damit ich es verstehe und mitsingen kann.
Soweit die Gedankenkette zum Abend, Musik für alle.
 
A
Anonymous
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Die Songs die ich mag laufen bei mir eh stückweise den halben Tag lang durch den Kopf , warum also nicht ganz am Stück als mp3 hören.

Irgendwie klingt das für mich so , wie man früher darüber diskutiert ob ein Telephon oder gar Strom ,denn wirklich in jedem Haushalt erforderlich ist , da man so ja immer gestört werden könnte....


Es ist doch letztlich jedem das seine ,wer mobiles Internet ,ständige Erreichbarkeit und 24h Msik haben will ,gut.
Wer nicht , auch gut.
Keiner wird doch (abgesehen von kaufhäusern / Fahrstühlen) dazu gewzuwngen das Radio aufzudrehen.

Gruß
Matze
 
Monkeyinme
Monkeyinme
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Moin,
hab zwar den Artikel nicht gelesen, aber ich hab nichts gegen meine eigene Musik den ganzen Tag auf, mit Verlaub, meine Ohren. Besser als Auto's, Gesprächen der Menschen um mich rum, bessere Steuerung der Hintergrundkulisse (Großraumbüro), übertönt den Tinnitus, find ich klasse.

Wenn mich jemand darauf aufmerksam macht, das ihn die Musik stört, mache ich selbstverständlich leiser.

Wenn ich an einem Strand sitze und den Wellen zuhören kann, oder irgendwo in einem Wald bin, dann brauch ich auch keine Musik auf'm Ohr.

Ciao
Monkey
 
A
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Monkeyinme":2do1rxfa schrieb:
Wenn ich an einem Strand sitze und den Wellen zuhören kann, oder irgendwo in einem Wald bin, dann brauch ich auch keine Musik auf'm Ohr.
Ich schon, finde ich angenehmer als die Autobahnen um die Ecke.
 
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tommy
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Moin,

dieser Artikel ist eine Punktlandung für mich!

Bis vor ca. 10 Jahren war es für mich ein immer wiederkehrender Genuss, meistens Samstag nachts, gute Platten aufzulegen und bei einem Colawhisky in Musik zu schwelgen. Das ganze wiedergegeben über eine hochwertige Hifianlage.
Ferner war es für mich undenkbar, ohne Musik Auto zu fahren.

Dieses Verhalten habe ich fast vollständig eingestellt.

Heute genieße ich es zunehmend, meine Ruhe zu haben, bin aber auch traurig über den o.g. Verlusst.

Diesen Umstand habe ich bisher meinem vorangeschrittenen Alter zugeschrieben.

Aber je länger ich darüber nachdenke, stelle ich fest, dass tatsächlich diese unsägliche Dauerberieselung in übelster, dynamikglattgebügelter Form, der ich oft unverschuldet ausgesetzt bin, für mein Ruhebedürfnis verantwortlich ist.

Genauso geht es mir übrigens beim TV-Sehen. Dieses hirnverflüssigende Geblitze in ultrakurzen Schnitten ala MTV/Viva, welches zunehmend auch von anderen Sendern (ausser natürlich Arte) übernommen wird, finde ich extrem anstrengend. Auch hier schalte ich oft ab.

Es geht m.E. überwiegend nur noch darum potenzielle Konsumenten, von was auch immer, weichzuklopfen.

Warum schreib ich das jetzt eigentlich alles?

Keine Ahnung, musste mich einfach mal ausko....! Scheint ein Trauma zu sein! Danke für die Anteilnahme!
 
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tommy":z23xe7fw schrieb:
Bis vor ca. 10 Jahren war es für mich ein immer wiederkehrender Genuss, meistens Samstag nachts, gute Platten aufzulegen und bei einem Colawhisky in Musik zu schwelgen. Das ganze wiedergegeben über eine hochwertige Hifianlage.
Willkommen im Jahr 2010. ;-)

Ich mag Apple aus diversen Gründen nicht. Sei es der iMac (bei dem das
"i" sinnigerweise hauptsächlich noch für "internet" stand) dieses MacBook
oder nun der Sektenartige Kult um Steve Jobs' iPod und das iPhone.

Was die Dauerbeschallung aus solchen Tröten angeht.. Na und?

Das schmälert mein Musikvergnügen nicht und auch schätze ich einen
Hort der Stille. Sehr viel schlimmer als schlecht klingende Handymusik
finde ich die ständige Geräuschbelastung durch Fahrzeuge/Autobahnen.
Wenn ich durch die Natur gehe, habe ich diese Kulisse ständig im Ohr.

Bei scheiß Musik, die auch mies klingt ist es hingegen ganz einfach:
"In das eine Ohr rein, durch das andere wieder raus." - Fertig.

Das hat wohl jeder mal praktiziert, wenn er das Radio laufen hatte
oder in der ein- oder anderen Kneipe seinen "Colawhiskey" trank. :)
 
A
Anonymous
Guest
Ein interessanter Artikel.

Vor ein paar Jahren war es für mich undenkbar, nur eine Minute des Tages ohne Musik zu verbringen. iTunes lief von morgens bis abends, meistens auf "Random". 30 Tage Musik, ohne den selben Song zu hören klingt beeindruckend.
Irgendwann merkte ich dann, dass ich all die abertausenden Songs nicht wirklich brauche, geschweige denn die Willkür eines Programms, die mir auch noch vorschreibt, was ich gerade hören will. Die Musik ist bei mir irgendwann inflationiert, so dass ich teilweise vergessen hatte, welche CDs ich mir in den letzten 4 Wochen gekauft hatte.
Musik unter 128 kbit/sek find ich ohrenschädlich, mit Song-Klingeltönen komm ich immer noch nicht klar.

Inzwischen ist es so, dass ich im Auto CDs höre, also gekaufte Alben, die werden auch bewusst vom ersten bis zum letzten Track bewundert, gefeiert - als Gesamtkunstwerk also.
Illegales Downloaden von Soundbrei ist tabu geworden, lieber geb ich Geld aus für gute Soundqualität und ein schönes Cover - dazu sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man vergisst, diese Musik überhaupt zu besitzen.

Seit meinem Umzug hab ich es noch nicht für nötig befunden, meine Riesenfestplatte rauszukramen, geschweige denn einen CD Player. Mein Heim ist fast komplett analog beschallt, nämlich mit Schallplatten. Seitdem setze ich mich auch wieder bewusst aufs Sofa und lausche in aller Ruhe der Musik, ohne was anderes dabei zu machen - in spätestens 20 Minuten muss ich mich sowieso wieder um die Platte kümmern, wozu also was anderes anfangen.

Dass diese Art von Beschallung nicht die hochwertigste ist, mag ich bezweifeln; klar rauscht und knackt es ab und zu, dafür meine ich auch bei neueren Aufnahmen einen Unterschied in der Dynamik zu erkennen, zum Positiven. Und die Plattencovers sind dazu noch vieeeel stylischer ;-)

Ich kann mich derzeit auf jeden Fall nicht mehr mit dem fastfoodartigem Konsum von Musik anfreunden - bevor ich bei toller Musik nicht hinhöre, schalte ich sie lieber ab.


Gruß, Marco
 
A
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Guest
Ich muss sagen ich gehöre auch zu den Eierbecher-Besitzern...einfach aus dem Grund da ich viel in Bahn und Bus unterwegs bin oder auch zu Fuß in überfüllten Städten. Die (dank schönen Sony-Ohrhörern auch klanglich sehr gute) Musik finde ich einfach besser als der allgemeine Lärm.

Zu Hause genieße ich Musik auf meine schönen Hifi-Anlage. Oft mache ich mir Musik an bevor ich mich ins Bett lege und genieße es dann mit erschlossenen Augen. Psychodelisches eignet sich dazu sehr gut.

Auf der Arbeit (Baustelle) haben wir eine Anlage Marke Eigenbau, die eine erstaunlich gute Qualität hergibt. Mit Musik arbeitet sich viel besser, es kommt einfach Schwung rein und der Tag ist nicht so schnöde sondern macht Spaß.

Von daher...ja zur Musik! :)
 
A
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Guest
Also ich gehöre auch zu denen die ständig mit Kopfhörern rumlaufen. Als Student bin ich jeden Tag mit Bus und Bahn unterwegs (oder mit Fahrrad) und dann genieße ich es einfach die Musik zu hören die mir gefällt.
Einen Verlust der Wertschätzung wie im Artikel beschrieben kann ich aber bei mir keineswegs feststellen. Das liegt aber vielleicht auch daran dass ich bewusst einen relativ kleinen MP3-Player benutze ("nur" 1 GB) und auch nur MP3s in sehr hoher Qualität höre, und dementsprechend sehr selektiv in der Musikauswahl für Unterwegs bin. Meistens hab ich da nur 3-4 verschiedene Alben drauf, die dann mindestens 2-3 Wochen rauf und runter gehört werden.
Außerdem benutze ich keine Stöpsel sondern richtige Kopfhörer.
Ich erlebe aber öfters Momente in denen ich mit Kopfhörern im Bus sitze und mir denke "Musik ist echt geil...".
Neulich hab ich mich dabei erwischt wie ichs über den Campus gelaufen bin und Paul Chambers bassline von 'So What' mitgesummt habe.

Ich bin sehr dankbar die Möglichkeit zu haben auch unterwegs Musik hören zu können, denn für mich ist "einfach mal hinhören" die beste Schule und bringt mir mindestens genau so viel wie am Instrument zu üben.
Im Sommer fahr ich auch sehr gerne mit "Ghettoblaster" im Fahrradkörbchen durch die Stadt. Darüber hat sich auch noch nie jemand beschwert. Im Gegenteil. Und es macht irre spaß an einem heißen Sonntag nachmittag durch die Häuserschluchten zu cruisen und sanft 'Sun is shining' zu verschallen!

Also Musik für unterwegs ist ne tolle Erfindung! :dafuer:


Wer gerne Stadtgeräuschen und Diskussionen geplagter Menschen im Bus lauscht möge mir meine Einstellung verzeihen.

Der Artikel kommt mir jedoch nicht sehr klug vor (wie das meiste aus der FAZ...)
 
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carthage":21e09vp2 schrieb:
Also ich gehöre auch zu denen die ständig mit Kopfhörern rumlaufen. Als Student bin ich jeden Tag mit Bus und Bahn unterwegs (oder mit Fahrrad) und dann genieße ich es einfach die Musik zu hören die mir gefällt.
Einen Verlust der Wertschätzung wie im Artikel beschrieben kann ich aber bei mir keineswegs feststellen.

Ich beklage einen Verlust der Kommunikation. Ich habe neulich einen Tramp aus dem Auto geworfen, der sich wie ein Sack Fleisch mit zischelnden Stöpseln auf den Beifahrersitz geworfen hatte und nun erwartete, dass ich ihn schweigend zu seinem Ziel fahre.
Ist Ansprache aus der Mode? Menschen verschießen sichtbar ihre sensorischen Zugänge um allein unter Menschen zu sein. Wenn sie nicht stolpern würden, so würden sie auch auf die visuellen Eindrücke verzichten und in der Bahn auf eine innen verspiegelte Brille sehen, auf der man vielleicht interessanteres erblickt, als profane Umwelt...

Ich verbringe sehr viel Zeit allein. Ich laufe, übe und lese unbedingt allein und genieße das sehr. Aber so, wie ich nicht im Kreise meiner Freunde mit dem Handy telefoniere, so finde ich es unmöglich, mich zwischen Menschen sichtbar zu verschließen. Aber das ist offenbar altmodisch.

Was das Behören von Musik anbelangt:
Nachdem ich alle meine CDs auf die Festplatte gezogen habe, hörte ich praktisch keine Musik mehr. Ob es das Überangebot oder die Qualität war - ich weiß es nicht. Mir ist buchstäblich der Appetit vergangen.
MP3 höre ich nur im Auto. Ich habe eigens dazu ein geeignetes Radio gekauft. Es ist toll für Hörspiele und die Quali ist im Getöse des Verkehrs egal. Wenn ich Musik hören will, so tue ich das lieber über CD. Alte bekannte Platten haben eine bekannte Reihenfolge. Allein schon die Unterbrechungen bei MP3 Ripps sind doof. Aber oftmals entstehen auf dem Stick numerische Play-Listen, die alle Interpreten durcheinander werfen. Das geht gar nicht, finde ich. Das ist, als wenn man bei einem großen Essen die Gänge durcheinander wirft... :roll:
 
Armint
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Naja, einen Verlust der Kommunikation kann ich täglich in der S-Bahn nicht feststellen. Da bin ich manchmal ganz froh, dass ich die Sülze meines Gegenübers mit meiner Sitznachbarin von mir per gasdicht sitzenden Stöpseln fernhalten kann.
Ich sehe das aber wie seinerzeit während meiner "Raucherkarriere":
Es gibt eine Zeit mit und eine Zeit ohne.
Wenn Kommunikation geboten ist (wie z.B. wenn ich als Anhalter mitführe), dann sind die Dinger halt aus, kostet mich ja keine Schmerzen "ohne" zu leben.

Viel schlimmer finde ich diese Arroganz von manchen Leuten, die glauben dass die ganze Welt an ihren Gesprächen, Telefonaten und auch an ihrer Musik teilhaben möchte.

LG
Armin
 
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W°°":3c1cjpyh schrieb:
carthage":3c1cjpyh schrieb:
Also ich gehöre auch zu denen die ständig mit Kopfhörern rumlaufen. Als Student bin ich jeden Tag mit Bus und Bahn unterwegs (oder mit Fahrrad) und dann genieße ich es einfach die Musik zu hören die mir gefällt.
Einen Verlust der Wertschätzung wie im Artikel beschrieben kann ich aber bei mir keineswegs feststellen.

Ich beklage einen Verlust der Kommunikation. Ich habe neulich einen Tramp aus dem Auto geworfen, der sich wie ein Sack Fleisch mit zischelnden Stöpseln auf den Beifahrersitz geworfen hatte und nun erwartete, dass ich ihn schweigend zu seinem Ziel fahre.
Ist Ansprache aus der Mode?

Da geb ich dir unbedingt recht, das klingt sehr unhöflich. Aber das liegt doch nicht an den Kopfhörern dass er so ein Esel war.
 
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W°°":grnavycx schrieb:
Nachdem ich alle meine CDs auf die Festplatte gezogen habe, hörte ich praktisch keine Musik mehr. Ob es das Überangebot oder die Qualität war - ich weiß es nicht. Mir ist buchstäblich der Appetit vergangen.

Das ist mir genauso ergangen. Ich vermisse es, vor dem Regal zu stehen unsd eine Entscheidung zu fällen und dann eventuell nach 20 Minuten die Platte umzudrehen, mache es aber nicht. Bequemlichkeit und Übersättigung haben vorerst gesiegt. Schade eigentlich.
 
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tommy
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Porridgezwerg":2fkjcp6j schrieb:
Dass diese Art von Beschallung nicht die hochwertigste ist, mag ich bezweifeln; klar rauscht und knackt es ab und zu, dafür meine ich auch bei neueren Aufnahmen einen Unterschied in der Dynamik zu erkennen, zum Positiven. Und die Plattencovers sind dazu noch vieeeel stylischer ;-)

Moin Marco,

ich weiss ja nicht ob Du mit Jazz etwas anfangen kannst aber besorg dir mal ältere Stereoaufnahmen (Ende 50 bis Ende 60) u.a. des Labels Verve (damals weit verbreitet). Vorzugsweise Aufnahmen von kleinen Besetztungen (Oscar Peterson Trio, Ben Webster, Benny Goodman Quartett, Lionel Hampton, Ella Fitzgerald etc.).
Oder aber auch modernere Sachen wie Keith Jarret in Köln oder (der Oberhammer) Jazz at the Pawnshop). Wichtig: Es muss sich um Liveaufnahmen handeln.

Ok, dann wäre da natürlich auch noch EC unplugged, aber unbedingt als Analogscheibe (Du wirfst die CD garantiert dagegen weg).

Schließlich wäre da noch alles von Linn Records, ist aber teuerer.

Ich schwöre Dir, gutes Analogequipment vorausgesetzt, das bläst Dich um! Die spielen bei Dir live im Wohnzimmer. Unglaubliche Dynamik, weil nicht limitiert.

Du glaubst nicht, wie laut und gleichzeitig leise Musikaufnahmen sein können. Das kennt man heute gar nicht mehr weil heute alles beim Bügeln
nicht stören darf und über minderwertige Wiedergabegeräte funktionieren muss. ;-)
 
little-feat
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W°°":16k11aet schrieb:
Ich verbringe sehr viel Zeit allein. Ich laufe, übe und lese unbedingt allein und genieße das sehr. Aber so, wie ich nicht im Kreise meiner Freunde mit dem Handy telefoniere, so finde ich es unmöglich, mich zwischen Menschen sichtbar zu verschließen.

Ohren verstopft, Dauerbeschallung. Handy in der Hand. Daumen auf den Tasten. Zielloses Navigieren in den Playlisten des iPod. Kopf gesenkt.

Körpersprache. Sieh mich nicht an. Sprich mich nicht an. Geh weg. Isolationshaft. Dem Menschen aufgezwungen nennt man das Folter. Freiwillig gewählt – ??.

Freiwilliges Einfrieren auf dem Entwicklungsstand eines Halbwüchsigen. Kein Auge und kein Ohr für die Welt drum herum. Will ich nicht hören, will ich nicht sehen. Wahrnehmung reduziert auf Negativbegriffe wie Lärm, Polizeisirenen, dummes Gequatsche anderer nerviger Menschen.

Abgeschottet in der kleinen eigenen Welt. Ein paar Quadratzentimeter trübe leuchtendes Display. Larve im Kokon. Hamsterrad. Anderer Menschen Kommunikation, ob sie gefällt oder nicht, ist Arroganz, die mir aufgezwungen wird.

Artikulation in der Muttersprache reduziert auf ein Drittel des Möglichen. Blind und taub für alles um einen herum Kommunikationsunfähig. Konfliktunfähig. Sei nett zu mir.

Vielleicht noch ein wenig Gitarre. Einziger Freund. Nitrolack, glimmende Röhren….Lustgefühle.

Eindrücke eines Menschen, der keine Ohrstöpsel besitzt. Nicht ans Handy geht, wenn er nicht will.

Der Augenblicke sammelt, jeden Tag. Schöne, anrührende, abstoßende, nervtötende. Hier und da kleine Gespräche führt an den unmöglichsten und normalsten Orten der Welt. Mit wildfremden Menschen. Beobachtet, neugierig ist. Geräusche einfängt.

Anteil nimmt. Ungefiltert.

Leben!!

Tom
 
gitarrenruebe
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Vor 25 haben sie die Teens damals mit einem schlechten MC-Walkman (und diese ersten Dinger klangen wirklich schlecht !) das Gehör versaut.
Will sagen, mobil Musik hören gibts schon länger. Damals halt maximal 90 Minuten (die C 120er haben ja nur Bandsalat gemacht), in unterirdischer Qualität.

Klar, analog klingt gut. Trotzdem ist der iPod bei mir zu Hause mittlerweile oft eingesetzt, in der Küche ne kleine Dockingstation, an der Hifi-Anlage auch, und im Laden schnell mal mit Mini-Klinke an die kleine Gesangsanlage gestöpselt, ebenso im Proberaum. Man muss dieser Dinger halt so nutzen, wie CDs oder Platten: Albumweise hören, und zwar wenn man Lust auf Musikhören hat.

Ich höre sehr selten Musik, im Radio dann lieber "Nischensender" wie HR1 oder 2, und zu Hause wird mit Bedacht Musik angestellt. Im Urlaub am Meer, geniesse ich natürlich das Naturspektakel vor mir, wobei es schon ein Ritual geworden ist, einmal (wenn wir denn am Meer sind) mit den Füßen im Sand, einem Drink in der Hand und den Stöpseln im Ohr die komplette "Quadrophenia" zu hören (immer von der Lautstärke so, dass ich die "echten" Wellen noch mitkriege - das ist "Abtauchen" der anderen Art ...)

Und ja, man spürt deutlich, dass dieses Isolieren stattfindet. Andererseits habe ich gerade letzte Woche hier wieder Gespräche mit zwei Teenies (ca. 14 waren die Burschen) geführt, die richtig klasse waren:

Beeindruckende Weitsicht für so junge Kerle, und dabei aber noch sehr viel kindliche Naivität. Ich war ein bisschen neidisch, was die Jungs in ihren nächsten Jahren noch alles vor sich haben werden, die Zeit zwischen 14 und 20 war (bei mir damals) so unglaublich ereignisreich :-D ...
 
A
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Ein Thread wie Champagner... wunderbar.

Ich gelte im Kreise von meinen Bekannten zum Teil als Sonderling, weil ich es ablehne, Radio zu hören. Meine Argumentation, dass ich meinen Musikgenuss nicht dem Zufall überlassen will, können dann aber doch recht viele nachvollziehen, man habe nur noch nicht so richtig darüber nachgedacht. Im Freundeskreis ist das anders, dort treffe ich auf viel Verständnis und auch Menschen, deren Hörgewohnheiten sich nicht großartig von meinen eigenen unterscheiden:

Ein Album aus dem Schrank zu nehmen und zu hören ist eine bewusste Genussentscheidung und das bisschen Wertschätzung hat der Künstler wohl verdient. Auch ich habe meine CD-Sammlung auf Festplatte gezogen, jedoch erhöht das nur meine Flexibilität. So kann ich gute Musik auch im Büro hören, ohne dass ich mich dem Radioterror aussetze, der eine gutklingende Melodie gerne mit dem Hinweis auf die aktuellen Flitzerblitzer vergurkt.

In diesem Sinne werde ich jetzt Robben Ford "Talk to your daughter" anstellen.
Grüße aus dem Rheinland,
Ralf
 
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little-feat":m0g7ee34 schrieb:
W°°":m0g7ee34 schrieb:
Ich verbringe sehr viel Zeit allein. Ich laufe, übe und lese unbedingt allein und genieße das sehr. Aber so, wie ich nicht im Kreise meiner Freunde mit dem Handy telefoniere, so finde ich es unmöglich, mich zwischen Menschen sichtbar zu verschließen.

Ohren verstopft, Dauerbeschallung. Handy in der Hand. Daumen auf den Tasten. Zielloses Navigieren in den Playlisten des iPod. Kopf gesenkt.

Körpersprache. Sieh mich nicht an. Sprich mich nicht an. Geh weg. Isolationshaft. Dem Menschen aufgezwungen nennt man das Folter. Freiwillig gewählt – ??.

Freiwilliges Einfrieren auf dem Entwicklungsstand eines Halbwüchsigen. Kein Auge und kein Ohr für die Welt drum herum. Will ich nicht hören, will ich nicht sehen. Wahrnehmung reduziert auf Negativbegriffe wie Lärm, Polizeisirenen, dummes Gequatsche anderer nerviger Menschen.

Abgeschottet in der kleinen eigenen Welt. Ein paar Quadratzentimeter trübe leuchtendes Display. Larve im Kokon. Hamsterrad. Anderer Menschen Kommunikation, ob sie gefällt oder nicht, ist Arroganz, die mir aufgezwungen wird.

Artikulation in der Muttersprache reduziert auf ein Drittel des Möglichen. Blind und taub für alles um einen herum Kommunikationsunfähig. Konfliktunfähig. Sei nett zu mir.

Das entspricht ziemlich genau meiner Wahrnehmung. Ich bin erschrocken, dass ein Teil unserer Jugend ihre Neugier auf die Welt einfach eingestellt hat, bzw sie ausschließlich über das Display (und/oder den Bildschirm) stillt.
Neulich sah ich zwei Freundinnen, die sich etwa eine halbe Stunde sprachlos über ihr Handy beugten. Jede über ihres. Sie saßen nebeneinander in der Eisdiele und stocherten in ihrem Becher. Wäre die Kellnerin vor ihren Füßen gestorben, sie hätten nichts bemerkt. Ihr Leben fand weder miteinander, noch in der Eisdiele, sondern bei Sony Ericson statt...
Ich denke das mal weiter - Des Abends:"Schatz, was hast Du denn heute gemacht?"
 
Tomcat
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W°°":13er7b6h schrieb:
[Neulich sah ich zwei Freundinnen, die sich etwa eine halbe Stunde sprachlos über ihr Handy beugten. Jede über ihres. Sie saßen nebeneinander in der Eisdiele und stocherten in ihrem Becher.

Die haben sich gegenseitig SMS geschrieben... :mrgreen:
 
little-feat
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gitarrenruebe":22bcghls schrieb:
Andererseits habe ich gerade letzte Woche hier wieder Gespräche mit zwei Teenies (ca. 14 waren die Burschen) geführt, die richtig klasse waren:

Ich wollte nicht pauschalisieren. Sie sind ja Gott sei Dank nicht alle so, Nur…es werden immer mehr.

Und häufig stellt dieser freiwillige Austritt aus dem menschlichen Neben/Miteinander ein Ärgernis und eine Rücksichtslosigkeit dar.

Wenn ich nicht Auto fahren muss, dann fahre ich Fahrrad. Wir haben in Hamburg sehr viele kombinierte Fuß/Radwege.

Da nähert man sich dann von hinten einem Zeitgenossen, dem die Drähte aus den Ohren wachsen und du weißt….es gibt ein Problem.

Er hört dich nicht. Da kannst du ruhig klingeln. „Tschuldigung…darf ich mal vorbei?“ Nichts. Er würde nicht mal hören, wenn sich von hinten eine Honda Fireblade nähern würde. Früher trugen solche Wesen eine gelbe Binde mit drei schwarzen Punkten. Da wusste man wenigstens, woran man war.

Du musst absteigen und dich und dein Rad an ihm vorbei schieben. Du kannst ihn dabei gerne anrempeln. Keine Reaktion. Trottet weiter. Roboter.

Mittäglicher Spaziergang. Hamburg Innenstadt. Jede Menge Menschen. Viele Touristen.

Der Platz auf dem Fußweg ist knapp. Man sollte Rücksicht nehmen auf Andere.

Und dann kommen sie dir entgegen. Zugestöpselter, gesenkter Kopf. Handy. Sehen dich nicht. Hören dich nicht. Kein Schritt zur Seite. Queren deinen Weg. Du musst stehen bleiben. Oder ausweichen. Oder latschen dir direkt vors Auto.

S-Bahn. U-Bahn. Stehen vor der Tür. Den Rücken zum Geschehen. Starrer Blick nach draußen. Zischeln aus den Ohren. Du musst sie beiseite schieben, wenn du raus willst. Funktioniert auch. Keine Reaktion.

Wozu auch. Man trägt ja die sichtbaren Zeichen, die signalisieren: Ich bin raus, ich gehöre nicht dazu, nimm du Rücksicht.

Macht mich aggressiv. Ich hasse Rücksichtslosigkeit. Würde gerne los pöbeln. Kleiner Streit. Meinung sagen. Nix. Hören dich nicht. Verständnislosigkeit im Gesicht. Begreifen überhaupt nicht was du willst.

Mag sein, dass in einer 1,6 Millionen-Stadt das Problem geballter auftritt, als in eher beschaulicheren Gegenden. Ich zumindest habe den Eindruck, diese Typen vermehren sich wie die Karnickel.

Tom
 
Michael (Jacuzzi)
Michael (Jacuzzi)
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Na, Jungs:

Ist es nicht klasse, dass es noch ein Forum gibt, in dem man Handys, Ohrstöpselchen und sogar Apple uncool finden und dabei sogar noch in der Mehrheit sein kann?

Unsere Kommunikationsstrukturen ändern sich massis, kein Zweifel. Vielleicht verarmen sie sogar, mag sein. Aber die Möglichkeit, überall Musik in guter Qualität hören zu können, ist erst mal eine Bereicherung. Und die SMS ist das auch.

Das - hüstel - etwas ältere Menschen etwas jüngere als tendenziell rücksichtslos empfinden, ist allerdings über die Jahrhunderte nie anders gewesen und sagt zumeist mehr über die älteren als über die jüngeren aus. Das gleiche gilt für die je unterschiedlichen Kommunikationsweisen.

Viele Grüße aus und nach Altsackistan,

Michael (Jacuzzi)
 

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