Europa und USA werkeln an Freihandelszone


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Tach,

ich weiß nicht, ob Sie es wussten, aber Europa und die USA besprechen sich aktuell wegen einer transatlantischen Freihandelszone. Konkret könnte das heißen: Bald zollfrei in amerikanischen Online Shops (Gitarren) einkaufen.

Beide Seiten gehen davon aus, dass man sich in Kürze einigen wird. Die Regelung KÖNNTE sogar noch im Februar inkraft treten.

Ich bin mal gespannt....für mich, als Großraum Köln/Bonn-Bewohner, der von allen Musikläden im Umkreis von 150km in puncto Beratung/Service schwer enttäuscht ist, könnte das heißen, dass man demnächst zumindest günstig kaufen kann (auch wenn hier gleich wieder die Moralaposteln mit dem Thema "Garantie" um die Ecke kommen...).

Quelle ist u.a. hier.

MfG
Noel
 
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Dann bliebe nur zu hoffen, dass der Euro stark bleibt und der Dollar aufweicht. Dauerhaft ist das aber auch nicht gut, wir wollen ja schließlich auch nach Dollarland exportieren, gelle? ;-)
 
frank
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Hi Noel,

Noel schrieb:
Konkret könnte das heißen: Bald zollfrei in amerikanischen Online Shops (Gitarren) einkaufen.
Ind der vor Dir zitierten Quelle kann ich nichts über "zollfrei" finden. Habe ich etwas überlesen?

Noel schrieb:
Ich bin mal gespannt....für mich, ... könnte das heißen, dass man demnächst zumindest günstig kaufen kann
Na, wenn du im Falle des Falles mal nicht enttäuscht sein wirst.
Der Zoll beträgt nach meiner Erinnerung bei Gitarren pp. lediglich 2,5 %.
Das reicht nicht mal, um die Transportkosten für eine Gitarre zu decken.
 
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Wenn der Zoll weg fällt bringt das nicht soviel. Bei Gitarren sind das ca. 3-4% auf den Kaufpreis.

Die 19% Einfuhrumsatzsteuer auf Kaufpreis und Frachtkosten werden wohl bleiben.

Gruß,
 
auge
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Lieber wäre mir wenns die Typisierungsvorschriften bei den Autos und Motorrädern an USA angleichen würden.
Gitarren? Da gehts ja um nix. Die kann man jetzt schon problemlos rüberholen aus USA!
Und Gebraucht rentiert sich das auch oftmals.
 
Gerrit
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Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich solche Einigungen nicht kurzfristig erzielen lassen.
Besonders nicht zwischen zwei der größten Wirtschaftsräume weltweit ...
 
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frank schrieb:
Noel schrieb:
Konkret könnte das heißen: Bald zollfrei in amerikanischen Online Shops (Gitarren) einkaufen.
Ind der vor Dir zitierten Quelle kann ich nichts über "zollfrei" finden. Habe ich etwas überlesen?

sunburst schrieb:
Wenn der Zoll weg fällt bringt das nicht soviel. Bei Gitarren sind das ca. 3-4% auf den Kaufpreis.

Die 19% Einfuhrumsatzsteuer auf Kaufpreis und Frachtkosten werden wohl bleiben.

Gruß,

In der hiesigen Lokalzeitung wurde ein Amerikaner zitiert, der alle Zölle abschaffen möchte. Demnach wäre Einkaufen in US demnächst vergleichbar mit Einkaufen in der EU. Muss die Zeitung morgen nochmal suchen...
 
frank
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Noel schrieb:
In der hiesigen Lokalzeitung wurde ein Amerikaner zitiert, der alle Zölle abschaffen möchte. Demnach wäre Einkaufen in US demnächst vergleichbar mit Einkaufen in der EU. Muss die Zeitung morgen nochmal suchen...

Huhu Noel,

Du bist immer noch auf dem falschen Dampfer. Mir scheint, Du verwechselst Zoll mit MWSt.
Zoll auf Instrumente liegt bei 3,5 % auf den Kauf- und Transportpreis berechnet.
Und dann kommt der wirklich dicke Brocken, nämlich 19 % Einfuhrumsatzssteuer, sprich MWSt, die auf den obigen Betrag draufgeschlagen wird.

Kurze Rechnung:
Beim Einkauf in den USA bezahlt man derzeit für z.B. eine Gitarre mit Kaufpreis von umgerechnet 1000 €:
1000 € + Transport 100 €, = 1100 €.
Darauf den Zoll (3,5 %) = 38,50 €, Zwischensumme 1138,50 €.
Darauf 19 % MWSt = 1354, 82 €.

Käme die Zollunion, sparst Du also an Zollkosten 38,50 € und blätterst gleichzeitig 119 € für den Transport incls. MWSt hin. (Transport ist eine Dienstleistung, die mit 19 % MWSt berechnet wird - egal, wo der Transport gebucht worden ist.)

Und wenn man's mit wirklich spitzem Bleistift rechnen will, muss man auch noch die Überweisungskosten dazu addieren. Und da ist Paypal der absolute Spitzenreiter.

Wo bleibt da die wesentliche Ersparnis, wenn Zoll wegfällt?

Mal ganz abgesehen davon, dass sich alle europäischen Staaten über die Zolleinnahmen finanzieren. Dagegen sind MWSt und Lohnsteuer pp. ein echter Klacks.
Fiele Zoll weg, holt sich der Staat die entgangenen Einnahmen auf anderem Weg, z.B. durch Erhöhung der MWSt.

Nein danke, dann lieber keine Freihandelszone.
 
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Ich bin mir auch nicht sicher, wem es was bringen soll. Für mich wäre es vorteilhaft, vor Ort VAT-frei groß einkaufen oder überhaupt die VAT Geschichte ausklammern zu können. Großbetriebe (wie Autobauer, etc.) profitieren vmtl. noch mehr. Für den Endkunden wird sich vermutlich nicht viel ändern.
 
frank
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Checkpoint Guitars schrieb:
Für mich wäre es vorteilhaft, vor Ort VAT-frei groß einkaufen oder überhaupt die VAT Geschichte ausklammern zu können.

Hi Check,
das kannst Du auch ohne vor Ort zu sein, sprich online. Ob Privat oder gewerblich ist Wurst.

Preise sind in den USA überall und immer ohne VAT und andere (lokale) Steuern, die stets dazukommen, ausgewiesen. Sie werden erst an der Kasse dazugerechnet.

Wer Waren exportiert, muss die Steuern gar nicht erst zahlen. Den Export kann der Händler beim Online-Kauf leicht nachweisen. Er braucht dazu nur die Empfängeranschrift anzugeben. Wer vor Ort kauft, legt zum Nachweis sein Flugticket mit Ausreisedatum vor.

Nur um die hiesigen Einreisekosten kommst Du nicht herum.
 
groby
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Bin ich der einzige der das Ganze eher skeptisch sieht?

Was wird passieren wenn auf Druck der Industrie zwei verschiedene Klassifizierungssysteme oder Umweltregulierungen aufeinandertreffen, z.B. Kennzeichnungspflicht betreffend gentechnisch veränderter Lebensmittel.

Glaubt ihr dass hier die härtere, konsumentenfreundlichere und umweltfreundlichere Regelung siegen wird? Oder fällt eine Einigung eher zu Gunsten der eher kennzeichnungsscheuen Industrie, aufgrund deren Bestrebens dieser Prozess ja erst stattfindet.

Vieles was zum Thema Globalisierung gefeiert wird, schmeckt mir häufig danach, dass die Industrie versucht, mir ihre Errungenschaften und Vorteile als unser aller Errungenschaften und Vorteile zu verkaufen.

So als ob wir alle uns immer nur das wünschen sollten, was wirtschaftlich gut ist. Hauptsache, wirtschaftlich gut.
 
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frank schrieb:
Checkpoint Guitars schrieb:
Für mich wäre es vorteilhaft, vor Ort VAT-frei groß einkaufen oder überhaupt die VAT Geschichte ausklammern zu können.

Hi Check,
das kannst Du auch ohne vor Ort zu sein, sprich online. Ob Privat oder gewerblich ist Wurst.
Das ist schon klar, auch die Einfuhrumsatzsteuer kriege ich als Händler wieder.

Wenn ich aber vor Ort, z.B. bei Sam Ash oder auf einer Guitar Show bin und von einem Händler groß einkaufen will, muss ich erstmal VAT bezahlen. Vermutlich kann man sich das über das Zentralamt für Steuern irgendwie wieder holen aber der administrative Aufwand ist einfach enorm.
 
juergen2
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Hallo allerseits,

zunächst mal ist die Freihandelszone angedacht...als nächster Schritt müsste als erstes ein Abkommen unterzeichnet werden, welches die Einführung einer Freihandelszone besiegelt.
Aber dann fangen die eigentlichen Verhandlungen ja erst an: Freihandelszone heisst ja nicht automatisch das alles auf einmal frei und unkontingentiert kreuz und quer gehandelt werden kann.

In den 50er haben wir in Europa mit den Europäischen Gemeinschaften (EGKS, Euratom, EWG) mit dem Pflänzchen Freihandel ganz zart angefangen. Es hat bis zum Maastrichter Vertrag 1992 gedauert bis wir einen wirklich zollfreien Handel innerhalb der Freihandelszone EU (die natürlich viel weitergehender als die reine Handelsvereinbarung geht) realisiert haben. Die Nicht-EU Verbrauchssteuern sowie die Einfuhrumsatz-und Mehrwertsteuern sind bis heute und auch auf absehbare Zeit hin noch nicht harmonisisert.

Insofern ist diese Ankündigung jetzt ungefähr das, was unsere Grossväter Anfang der 50er verkündet haben..."wir wollen langfristig Handelsbarrieren abbauen und fangen jetzt mal an zu überlegen wie wir das am sinnvollsten anstellen".

Also von wegen ab März mal eben ohne weiteres in den USA shoppen ist nicht.

Zur Frage von Groby:
Eben genau das sind die Themen die jetzt zuerst am grünen Tisch im Hinterzimmer und dann in der Öffentlichkeit diskutiert werden müssen. Und wie immer in politischen Angelegenheiten ist es ein Geben und Nehmen und dauert.

Eines ist aber klar: Das Erfolgsrezept unserer menschlichen Rasse im Überlebenskampf und Arterhaltung ist die intelligente Anwendung des Arbeitsteilungsprinzip.
Das fing in der Steinzeit schon an...in einer Horde gab es einen, der besonders schnell laufen konnte, aber dafür möglicherweise ein lausiger Speerwerfer.
Der andere dafür konnte gut zielen, war aber zu langsam. Also tat man sich zusammen, jagte gemeinsam und erlegte mehr Mammuts. Damit konnte man mehr Kinder ernähren...und wachsen.

Irgendwann merkt man dass die Horde im Nachbartal bessere Speere herstellen konnte, dafür keine Ahnung vom Jagen hatten...also tat man sich regional zusammen. Erweiterte Arbeitsteilung, mehr Mammuts, mehr Kinder = Wachstum.

Die ganz Cleveren konnten weder Speere machen noch jagen, hatten aber den Trampelpfad zwischen den Tälern unter ihrer Kontrolle...und verlangten einen Anteil am Mammut zur Passage. Der (Passier-)Zoll war geboren. Ein Handelshemmnis.

Im Prinzip machen wir seit 30000 Jahren nix anderes, nur dass es nicht mehr nur ins Nachbartal, sondern eben einmal rund um den Globus geht.

Und alles was dieses Arbeitsteilungsprinzip aufhält (Einfuhrzölle, Kontingente etc) ist im Prinzip eine Wachstumsbremse.
Also ist es nur logisch dass man, wenn man an einem gewissen Stillstand im Wachstum angekommen ist im Warenaustausch, sich darüber unterhält diese Handelshindernisse zu vermindern.

Das ist nichts neues, erleben wir regelmässig seit der Antike. Und aus der Erfahrung heraus wissen wir dass sich im Laufe der Zeit ein gemeinsamer Konsens herauskristallisiert.

Also einfach erstmal entspannen, zum einen wird es langsam kommen, zum anderen sind die Rahmenbedingungen noch nicht mal auf dem Tisch.

Viele Grüsse

Juergen2
 
frank
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Checkpoint Guitars schrieb:
Vermutlich kann man sich das über das Zentralamt für Steuern irgendwie wieder holen aber der administrative Aufwand ist einfach enorm.
Das habe ich auch mal gedacht. War aber ein Irrtum. Beim US-Zoll am Flughafen habe ich bei der Ausreise dann aber erfahren, dass die USA die einmal bezahlte VAT nicht zurückzahlen. U.a. deshalb, weil nicht nur die VAT bezahlt worden ist, sondern auch die lokal taxes, die nicht den USA bzw. dem Bundesstaat, sondern der Kommune zustehen.
 
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frank schrieb:
Checkpoint Guitars schrieb:
Vermutlich kann man sich das über das Zentralamt für Steuern irgendwie wieder holen aber der administrative Aufwand ist einfach enorm.
Das habe ich auch mal gedacht. War aber ein Irrtum. Beim US-Zoll am Flughafen habe ich bei der Ausreise dann aber erfahren, dass die USA die einmal bezahlte VAT nicht zurückzahlen. U.a. deshalb, weil nicht nur die VAT bezahlt worden ist, sondern auch die lokal taxes, die nicht den USA bzw. dem Bundesstaat, sondern der Kommune zustehen.

Oohhh, gut zu wissen! Hab' ich halt noch nicht probiert. Danke für die Info! :top:
 
frank
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Checkpoint Guitars schrieb:
Oohhh, gut zu wissen! Hab' ich halt noch nicht probiert. Danke für die Info! :top:
Ja, damals war ich auch noch unerfahren. War halt ein preiswertes Urlaubsmitbringsel. Und so hab' auch nicht sooo viel draufgezahlt. Doof war es aber schon; insbesondere, weil - so sagte der US-Zöllner, die Verkäufer sehr genau wissen, dass sie beim Export die Steuern gar nicht erst berechnen müssen.
Anders ausgedrückt, der Händler hat sich die Steuern selbst in die Tasche gesteckt.
 
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frank schrieb:
Doof war es aber schon; insbesondere, weil - so sagte der US-Zöllner, die Verkäufer sehr genau wissen, dass sie beim Export die Steuern gar nicht erst berechnen müssen.
Und wie soll der Händler sicherstellen, dass Du die Ware tatsächlich exportierst? Da könnte ja jeder kommen...
 
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Checkpoint Guitars schrieb:
Und wie soll der Händler sicherstellen, dass Du die Ware tatsächlich exportierst? Da könnte ja jeder kommen...

Genau, könnte ja jeder kommen. Kommt bestimmt auch vor. Scheint den US-Customs bzw. der Zollbehörde egal zu sein.
So wurde von mir an den Flughäfen niemals verlangt, dass ich meine Waren, die ich ausführe, vorzeige, damit sie quasi amtlich ausgeführt worden sind.
Die Amtsschimmel scheinen dort anders zu ticken.

Thema "Sicherstellen":. Z.B. wird beim Kauf direkt in den USA das Flugticket mit dem Rückreisedatum beim Händler vorgelegt + der Reisepass mit dem eingestempelten Einreisedatum und -Visum. Das kopiert er sich als Nachweis.
Beim Onlinekauf hat er die Versandunterlagen mit dem Zielort im Ausland.
Beide Varianten habe ich durchgespielt, ohne jedes Problem, weder mit dem Händlern, noch mit dem dortigen Zoll.
 
 

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