Fender Ampmodelle - ein paar Fragen


Bierschinken
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Am Freitag konnte ich während eines Jams in meiner Schule ganz kurz nen Fender Champ spielen. Das Teil fand ich richtig klasse!
Ein richtig schöner sauberer Cleansound, toll.

Die Ferien stehen vor der Haustür und verlangen nach beschäftigung, also dachte ich mir ich könnte 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen - ich baue mir nen Champ selber.

Ich hab mich dann mal durch ein paar Schaltpläne von Fendermodellen gewühlt und dabei sind mir dann ein paar Fragen gekommen...

1. Was ist der Brownface- oder Blackface- oder Tweedsound?
Es gibt ja gar keine Modelle die diese Bezeichnung tragen, sondern es müssen ganze Produktionsreihen sein!?
So gab es z.b. alleine vom Champ eine Tweedversion, eine Blackfaceversion und dann eine Silverfaceversion.

Kann mir da jemand Licht ins Dunkle bringen?
 
A
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Fender hat von den 50ern an verschiedene "serien" für all seine amps gehabt... die bezeichnungen beschreiben in erster linie nur das äußere... tweed halt die gehäuseverkleidung der frühen amps aus tweedstoff, brown und blackface waren anfang bis mitte der 60er an der reihe, danach, als Fender übernommen wurde, gab es meines wissens nach die silverface-amps.

zu jeder Era wurden auch die Schaltungen etwas verändert. Diese habe eine etwas kryptische bezeichnung - die meisten DIY-Projekte tragen eben diese Namen. Aus dem Stehgreif kann ich die auch nicht zuordnen. Die Unterschiede kann ich dir auch nicht qualitativ beschreiben - am besten selber hören und vergleichen, aber das ist natürlich leichter gesagt als getan. was für einen champ hast du denn angespielt?

lg Oli
 
68goldtop
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hi bierschinken!

hier:

http://www.ampwares.com/ffg/

gibt´s einen ganzen haufen tolle infos zu den verschiedenen amps + baureihen. blätter dich mal durch + frag ruhig weiter wenn´s mehr zu fragen gibt ;)

cheers - 68.
 
A
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Hi,

lies Dich mal durch die Beschreibungen auf
http://www.ampwares.com/ffg/
Hier wirst Du über die einzelnen Modelle informiert und hast die entsprechenden Schaltpläne zur Verfügung.

Grundsätzlich war der Champ (früher Champion) das Schülermodell von Fender und mit einem 6" Lautsprecher (Ausnahme Champion 800) ausgestattet. Die Leistung lag zunächst bei 4W, später bei 6W. Mit der Blackfaceserie änderte sich das Aussehen (Controlpanel vorn), ein 8" Lautsprecher und Klangregelung wurde eingeführt. Später kam noch eine Vibratosektion hinzu. Die Silverfacechamps waren technisch identisch, ebenfalls mit und ohne Vibrato. Beim Champ II stieg die Leistung Anfang der 80er auf 18W, ein 10"er wurde verbaut und erstmals ein Solidstate Recitifier verwendet. Außerdem hatte er einen Midboost über Push/Pull Poti und Mastervol. Der Super Champ hatte zusätzlich Reverb und einen Leadkanal. Ende der 80er kam mit dem Champ 12 der letzte Vollröhrenamp mit 12"er Speaker und Reglern für Drive und Gain.

Fender hat gerade ein Tributemodell des Champion 600 aufgelegt. Dazu gibt es hier einen eigenen Thread:
http://www.guitarworld.de/forum/fender- ... 11146.html
Mir haben klanglich bislang die Tweedchamps am besten gefallen.

EDIT: 68 war etwas schneller, hat aber auch weniger geschrieben ;-)
 
68goldtop
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ok, dann mach ich noch´n kurzen tweed/brown/blackface rundown ;)

tweed: ca. 1948 bis 1960 (champ bis 1963)

die frühen tweeds waren SEHR einfach aufgebaut und hatten meist nur einen lautstärke und einen tonregler (die kleinen hatten nicht mal den tonregler) - später wurden die modelle aufwändiger und "gipfelten" im ´59er bassman und em hi-power twin - für viele immer noch 2 der besten gitarrenamps aller zeiten. hier gab es schon treb/mid/bass und presence regler!

die tweed-amps verzerren generell sehr schön + bereitwillig. das versuchte leo fender nach und nach zu "verbessern", denn er wollte eigentlich einen möglichst cleanen sound erzeugen. insgesamt klingen die amps wärmer/mittiger als spätere serien - wobei es halt auch in dieser frühen zeit schon zahlreiche modelle gab die sich teilweise stark unterscheiden.

brownface: 1960-63

die ersten fenders bei denen die knöpfe vorne angebracht waren - so wie noch heute bei den meisten amps!
die amps haben größtenteils 2 kanäle mit separater klangregelung und einen vibrato (eig. tremolo) effekt. lediglich die kleinen amps (princeton + deluxe) haben weiterhin nur eine einfache tonblende - sie sind klanglich sehr nahe an den tweed-vorgängern. die größeren amps sind deutlich cleaner/heller ausgelegt, verzerren aber immer noch ganz schön wenn man sie aufdreht.
1963 erscheint mit dem braunen "vibroverb" fenders erster amp mit eingebautem federhall! der amp wurde 1989 als eines der ersten reissues herausgebracht!

blackface: 1963-67

der "klassische" fender-sound. runde bässe, glasige höhen und - endlich - REVERB bei den meisten modellen!
hier war herr fender sicher sehr zufrieden, denn die amps gelten bis heute als DER standard wenn´s um cleane sounds geht - dafür verzerren die amps leider nicht mehr so schön wie früher... aber dafür gibt´s ja od-pedale ;)

silverface: 1967-82

die amp-modelle blieben weitgehend die gleichen. 1967 wurde zunächst nur die optik, anschließend aber auch einiges an den schaltungen geändert - je nach modell unterschiedlich viel. die kleineren amps (champ, princeton, deluxe) blieben weitgehend unverändert.
grundsätzlich blieb fender (inzwischen unter der regie von CBS) dem motto clean=prima treu und die meisten sf-amps klingen sehr ähnlich wie die blackface-vorgänger. allerdings baute fender in dieser zeit erheblich höhere stückzahlen und die bauliche qualität litt schon darunter...

soviel erstmal für heute ;)

cheers - 68.
 
Bierschinken
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Suuuper, danke Leute! :-D
Das hat schonmal weitergeholfen. Ich weiss jetzt dass ich schon desöfteren nen Silverface-Champ gespielt habe.

Also, ich habe desöfteren gelesen dass die Tweeds mehr zerren und schöner zerren als zum Beispiel Silverfaces. Kurzum, je jünger die Serie, desto weniger Zerre. Könnt ihr das unterstreichen?

Goldtop, ich hab gelesen du hast nen Tweed-Champ?!
Wieviel Zerre kannst du aus dem Amp rausholen? Reicht das für ne gute Blueskelle, geht da evt. auch noch moderater Rock?

Bis wo bleibt der Amp Lautstärkemäßig clean und wann fängt er an zu zerren? (Hat doch nen 6" -Speaker oder?)
 
A
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Tag,
klares NEIN.
Die Tweeds sind rotzig und rauh, die Blackface eher schön und elegant in der Zerre und die Siverfaces werden wieder rotziger als die Blackface.
Das die BF wenig Zerre haben würde ich so auch nicht unterschreiben.... diese Amps zerren nur später, aber zerren tun sie auch ordentlich.
 
68goldtop
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hi bierschinken!
ja, für die "klassische era" stimmt das in etwa - je neuer die serie destoweniger verzerrung. aber es gibt auch ausnahmen - und fender hat ja auch seit 1982 und dem ende der silverface-era noch amps gebaut ;)

mein champ (modell 5F1) hat einen 8" speaker. er bleibt bis knapp über halb einigermaßen clean - das ist schon recht laut für zuhause - dann fängt er an zu zerren und steigert bis 12 kontinuierlich die zerr-intensität. maximalstellung hört sich schwer nach neil young + crazy horse an. das ist schon deutlich jenseits von gepflegtem blues - vorausgesetzt man spielt humbucker oder p90. mit strat/tele ist er deutlich zahmer...

ich hatte vor dem tweed-champ einen sf vibro-champ und der tweed gefällt mir erheblich besser!

cheers - 68. :)
 
68goldtop
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hi 7enderman!
wenn man die einzelnen modelle und serien durchgeht (tweed-champ vs. bf-champ, tweed vs. brown vs. bf/sf princeton, tweed deluxe vs. brown vs. bf/sf deluxe etc.pp.) stimmt die aussage absolut. die neueren modelle haben jeweils deutlich weniger verzerrung.

cheers - 68.
 
A
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Guest
Hi Bierschinken,
ich liebe ja auch den Tweedsound: noch nicht so lange her habe ich einen Tweed Deluxe 5E3 gespielt, gefertigt aus einem Bausatz von TAD. Als Speaker war ein Jensen P12R online.
Dieser kleine Tweedamp hats wirklich in sich - sofern man den 'knochigen' Sound halt mag. Er kommt z.B. mit ner Paula recht früh in den satten Bereich und singt dann auch sehr bluesig rockig. Die 16 Watt (2x 6V6) können ganz böse drücken bei Bedarf. Ich denke, den solltest du mal testen ;-)

Es gibt in USA die gleichen Bausätze für viel weniger Kohle. Kollege Univalve kann dir darüber sicherlich mehr berichten.

Einen Tip noch: Ich hatte mal nen Fender Pro Junior (Tweedserie), den mir ein Bekannter ein wenig getuned hat (Kathodenbias, ec.). Dieser kleine Amp war danach ein richtig gutes Tonmonster und hatte mit der Serie nur noch wenig zu tun. Den P.J. bekommst du ja auch recht günstig ;-)
 
univalve
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Magman":16hhrxcw schrieb:
Es gibt in USA die gleichen Bausätze für viel weniger Kohle. Kollege Univalve kann dir darüber sicherlich mehr berichten.
Nein, kann er leider nicht, da er ihn nicht selber gebaut hat (siehe mein Gear-Galerieeintrag). Aber ein 5E3 Tweed Deluxe ist Pflicht - ein wirklich super klingender Verstärker der mich noch nie im Stich gelassen hat und von Bossa bis Hardcore alles mit macht (ohne Vorschaltpedal).
Als Upgrade empfehle ich übrigens Paper'n'oil Widerstände. Das bringt für die Graswachsen-Hörer nochmals einiges.

greetz
univalve
 
Bierschinken
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Okay soweit.

Demzufolge wäre es evt. ganz nett von "Tweed" auf "Blackface" umschalten zu können!?
- Sehe ich das richtig, dass dazu nur das NF schaltbar gemacht werden muss?

Wie groß ist der Unterschied zwischen dem Hi und dem Lo Eingang?
Lohnt es sich beide zu verwenden oder reicht der Lo-Eingang und aus dem Eingang mach ich nen "heisseren" Kanal?

PS: Da hier auch ein paar technisch versierte bei sind. Hat jemand eine Reverbschaltung bei der nur 2 Triodensysteme gebraucht werden?
 

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