Gitarre zur Inspektion und Wartung

Ha.Em
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Hallo zusammen,

letzte Woche habe ich unser Auto zur Inspektion gebracht, in ein oder zwei Wochen geht das Fahrrad zur Inspektion, und ich meine mal gelesen zu haben, dass erniecaster seine Gitarren auch jährlich vom Gitarrenbauer checken läßt.

Bitte korrigiere mich, wenn das falsch sein sollte, ernie.

Meine beiden Schätzchen -Faber und PRS- haben jetzt auch ein paar Jahre auf dem Buckel.

Macht das Sinn, eine Gitarre quasi wie ein Auto zur Inspektion abzugeben, auch wenn man man keinen konkreten "Mangel" feststellt?

Gruß

Horst
 
A
Anonymous
Guest
Also so´n "Auto" hat ja ein bisschen mehr Technik an Bord, als ´ne Gitarre. Vielleicht sollte man auch darüber nachdenken, ob man in der Lage ist bestimmte Dinge, die einen Gang zum Gitarrenbauer rechtfertigen, zu erkennen. Wenn nicht, macht eine regelmäßige "Inspektion" sicherlich Sinn. Ich halte es persönlich so, dass ich einfache Sachen selber regle und bei komplexeren Dingen einen Fachmann zur Rate ziehe.
 
T
tommy
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Moin,

bei Autos und Fahrrädern geht es überwiegend um den Verschleiß teilweiser versteckter, schwer zugänglicher Teile, die die Verkehrssicherheit beeinträchtigen können. Außerdem um Betriebsmittel, deren schleichende Untauglichkeit ggf. zu teuren und auch gefährlichen Schäden führen.
Bei einer Gitarre sind diese Umstände nicht gegeben. Weder kann es gefährlich werden, noch bleiben verschlissene Betriebsmittel (Saiten) oder Teile unentdeckt und führen zu Folgeschäden. Außerdem ist der Aufbau auch nicht so komplex. Die Wartung o.g. Fahrzeuge erfordert deutlich mehr Technikkenntnisse als die reine Wartung einer Gitarre.

Insofern kann man einfach warten, bis irgendwo der Schuh drückt. Gefährlich werden (s.o.) kann da m.E. nichts.

Man kann die Gitarre aber auch jährlich zum Tech bringen. Ein schleichender Gewöhnungsprozess lässt möglicherweise gar nicht rechtzeitig zu, dass kleinere Defekte oder veränderte Einstellwerte (bspw. Halskrümmung, Saitenlage) sofort bemerkt werden. Nicht jeder ist mit Wartungsbedarfen bei Gitarren vertraut und überprüft diese regelmäßig.
So ist man auf der sicheren Seite.
 
uwich
uwich
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Ich denke, eine E-Gitarre braucht etwas Wartung, um gut bespielbar zu bleiben. Wenn man diese jahrelang auslässt, kann man dies aber nachholen, ohne dass die Gitarre nachhaltig leidet. Verschleißteile, die irgendwann ausgetauscht werden müssen bei starker Verwendung sind natürlich Saiten, seltener Potis und noch seltener Bünde. Regelmäßiges Ölen des Griffbretts und Putzen der Gitarre sind auch nicht verkehrt. Zwischendrin nach Bedarf Halsstab korrigieren und Kerben aus den Bünden feilen ist auch alle paar Monate oder Jahre erforderlich.

Das sind alles Dinge, die man je nach Erfahrung und handwerklichem Geschick selber machen kann oder machen lassen kann. Gut, zumindest Saiten wechseln sollte jeder selber beherrschen.

Wenn man gar nichts macht werden bei guter Lagerung halt mit der Zeit die Saiten und die Potis rostig/staubig und der Hals wird "trocken". Sonst passiert (nach meiner Kenntnis ) nichts Dramatisches. Oder weiß da jemand etwas Anderes?
 
Hallmarksweptwinger
Hallmarksweptwinger
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Eine HU für Gitarren wäre mir auch zu seltsam :)

Aber in der Tat habe ich auch manchmal die Gedanken, die ein oder andere Gitarre vor anstehenden Konzerten professionell durchchecken zu lassen. ...ich hatte schon mal ´nen Ausfall wegen schlecht selbstgelöterer Potis...

...ich habe eher immer wieder das Problem, daß es hier in Berlin zwar viele Gitarrenbauer gibt, ich jedoch immer weniger mein Vertrauen schenken kann...
 
E
erniecaster
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Hallo,

es stimmt absolut, dass ich jedes Jahr alle Gitarren zum Einstellen gebe und ich empfehle das durchaus.

Man stelle sich mal vor, dass ein Hals so ein bisschen auf Klima und Feuchtigkeit reagiert und etwas weniger oder mehr "Bow" bekommt. Aber das geht ja nicht von heute auf morgen, das ist erst so ein wenig, dann etwas mehr. Man merkt das gar nicht und gewöhnt sich daran, dass man auf einer Banane spielt.

Die Saitenreiter werden durch den Druck der Saite etwas nach vorne gedrückt und bewegen sich unter diesem Druck eben nach vorne. Mit anderen Worten, die Oktavreinheit geht flöten. Nicht extrem, es ist nicht falsch - es ist nur nicht mehr richtig richtig.

In den Bünden bilden sich Dellen, irgendwann müssen sie abgerichtet werden. Da gibt es auch nicht nur "alles gut" und "muss auf jeden Fall abgerichtet werden", da sind Grauzonen. Der gute Gitarrenbauer schaut beim Einstellen der Gitarre danach und sagt dir was dazu.

Die Buchse knackt? Jo, manchmal, ist eben so. Dann knackt sie häufiger - ist halt so. Knackt immer - ist halt so. Man wird da betriebsblind und es ist immer prima, wenn da noch jemand mit Fachkenntnis drangeht.

Das klingt alles nicht schlimm - aber stellt euch das mal kumuliert vor. Dann wird aus einer richtig gut bedienbaren Gitarre ein Instrument, mit dem man zwar klarkommen kann aber das einfach nicht mehr komfortabel ist.

Meine Werkstatt schaut sich bei der jährlichen Inspektion auch mal drüber und drückt mir die Klampfe direkt wieder in die Hand, weil nichts zu tun ist. Ich hab aber auch eine gute Werkstatt.

Beste Grüße

erniecaster






P.S. Ich bin ganz irritiert, dass tatsächlich jemand liest, was ich hier so absondere...
 
jab
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...zumal ein Gitarrenbauer ganz anders auf das Instrument guckt.
Wie viele ablösende Stege ich schon gesehen hab, von denen die Besitzer keinen Schimmer hatten (weil da keiner hinguckt..), kann ich nicht genau sagen, aber es waren einige!
Ebenso der Zustand der Bünde. Immer wieder kommen Gitarren in die Werkstatt, deren Bünde nicht mehr zu retten sind. Dabei wäre durch rechtzeitiges abrichten (übrigens eine Arbeit, bei der ich dringend zum Fachmann rate!) oft die Lebensdauer der Bünde wesentlich verlängert worden!

Insofern kann regelmäßiges checken durchaus Geld sparen.

Beste Grüße,
Jab
 
Hallmarksweptwinger
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Oh, ok, ich nehme mir das mit dem Bündeabrichten (lassen!) dann mal zu Herzen.
 
russ
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jab schrieb:
Ebenso der Zustand der Bünde. Immer wieder kommen Gitarren in die Werkstatt, deren Bünde nicht mehr zu retten sind. Dabei wäre durch rechtzeitiges abrichten (übrigens eine Arbeit, bei der ich dringend zum Fachmann rate!) oft die Lebensdauer der Bünde wesentlich verlängert worden!

Insofern kann regelmäßiges checken durchaus Geld sparen.

Beste Grüße,
Jab

Lieber Jab,
das habe ich noch nie verstanden.
Wieso verlängert ein Abrichten der Bünde deren Lebensdauer?
Mir ist klar, daß ein Bund ein Verschleissteil ist, und ebenso gibt es nach Jahren z.B. auf einer Akkustikgitarre im ersten Bund am Ton C irgendwann eine Kerbe. Soweit sind wir einig. Aber wenn nun der Gitarrenbauer diesen ersten und dementsprechend die anderen Bünde "abschleift/abrichtet" um diese Kerbe zu egalisieren, dann nimmt er doch noch mehr Material weg, und das Bundmaterial insgesamt schwindet. Wird dann nicht die Zeit zur nächsten Bundierung verkürzt? Sprich die Lebensdauer der Bünde wird kürzer?
Soll keine Kritik sein, sondern reine Neugier.
Lg russ
 
B
Banger
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Ich könnte mir vorstellen, dass eine einmal vorhandene Kerbe dazu beiträgt, dass sich an eben dieser Stelle das Problem zunehmend verschärft, weil die Saite immer wieder in diese Kerbe rutscht und auf die selbe Stelle drückt.
Wenn die Bünde rechtzeitig abgerichtet werden, nimmt man zwar dem gesamten Bund etwas Material, verhindert aber, dass die einzelnen Kerben weiter eskalieren, bzw. man bremst den Prozess etwas aus.
 
T
tommy
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Wäre es in manchen Fällen nicht eventuell zielführender, nur den/die betreffenden Bund/Bünde zu ersetzen und auf das restliche Niveau herunterzuschleifen?
 
A
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Guest
Nein, denn dann schnarrwen die Saiten am nächsthöheren Bund.

Edelstahlbünde sind übrigens 10x so widerstandsfähig. ich steh' drauf, drei meiner Strats haben welche.

Zum Thema: ich habe Walter schon mal zwei Strats geschickt, um zu gucken, ob er sie noch etwas stimmstabiler bekommt. Hat er. Ein paar lose Schrauben angezogen, das Trem auf der Unterseite etwas abgeschliffen, Mechanik ersetzt, Sattel nachgefeilt, und siehe da: besser.
 
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tommy
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ferdi schrieb:
Nein, denn dann schnarrwen die Saiten am nächsthöheren Bund.


Das verstehe ich jetzt nicht. Ich schrieb ja "ersetzen und angleichen an das restliche Niveau".


Thema "stimmstabiler machen". Das bedingt ja, dass Du einen Fehler festgestellt hast und Abhilfe wolltest.
Hier geht es aber m.E. darum, eine Gitarre jährlich zum Gitarrenbauer zu geben, ohne dass sie Auffälligkeiten oder Defekte aufweist.
 
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erniecaster
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tommy schrieb:
Hier geht es aber m.E. darum, eine Gitarre jährlich zum Gitarrenbauer zu geben, ohne dass sie Auffälligkeiten oder Defekte aufweist.

Hallo,

nein. Ohne dass der Besitzer Auffälligkeiten oder Defekte sieht. Das ist etwas anderes.

Manche Leute gehen sogar jährlich zum Zahnarzt, obwohl nichts wehtut...

Beste Grüße

erniecaster
 
auge
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zwischen Tür und Angel...
...Und wenn man mit Musik Geld verdient kann man das schön von der Steuer absetzen...

Ich finde den Check der Arbeitsgeräte und deren Einstellung wichtig. Man gewöhnt sich an jeden Blödsinn und ist nachher überrascht wie einfaches sich manches spielen lässt.

Also ich hätte Aldenhoven echt gerne näher.
 
jab
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russ schrieb:
Lieber Jab,
das habe ich noch nie verstanden.
Wieso verlängert ein Abrichten der Bünde deren Lebensdauer?

Lg russ

Es ist so, wie Banger schrob. Dadurch, dass eine Kerbe entstanden ist, fällt die Saite immer genau da rein und gräbt am tiefsten Punkt der Kerbe weiter. Je tiefer, desto schneller wird die Kerbe noch tiefer (wobei der Bund ja nach unten breiter wird, was die Kerbwirkung wieder etwas verlangsamt...). Wenn man früh genug abrichtet, gibt es eher einen breiteren Bereich, in dem die Saite auf dem Bund landet. Deshalb dauert es länger, bis wieder eine Kerbe entsteht.

Beste Grüße!
Jab
 
Ha.Em
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PUs tauschen, ein Push-Poti oder einen Kondensator einlöten ist kein Problem, Saitenwechsel sowieso nicht.

Von daher zielte meine Frage von vornherein auf "verdeckte Mängel".

Und weil's so viele überzeugende Antworten gab, gehen die beiden "Schätzchen" jetzt nacheinander zur Inspektion.

Dazu aber noch eine Frage:

Ist das unverschämt, wenn ich die Saiten selber liefere, und nicht beim Gitattenbauer kaufe? Ich hab' Vorrat für gefühlte 10 Jahre.

Gruß

Horst
 
Gitarada
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Ha.Em schrieb:
Dazu aber noch eine Frage:

Ist das unverschämt, wenn ich die Saiten selber liefere, und nicht beim Gitattenbauer kaufe? Ich hab' Vorrat für gefühlte 10 Jahre.

Gruß

Horst

Hallo!

Ich mache das so: ich frage. Auch ich habe nämlich genügend Saiten vorrätig. Mein "Gitarreninspekteur" hat nix dagegen, gelieferte Saiten aufzuziehen.

Gruß
 
Bierschinken
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Ich finde das sogar legitim eigene Saiten mitzubringen, da der Gitarrenbauer nicht jede Marka/Stärke da haben kann und man so seinen gewohnten Satz nutzen kann.
Der Hauptverdienst sollte in der Dienstleistung und seiner Expertise stecken, nicht im Verkauf von Verbrauchsmaterial.
 
E
erniecaster
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Hallo,

simple Antwort: Wenn dein Gitarrenbauer deine Saitenmarke und -stärke vertreibt, kauft man sie da. Wenn nicht, bringt man halt mit.

Leben und leben lassen.

Gruß

erniecaster
 

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