Sind Keramik-PUs die bessere Wahl? (Merkwürdigkeiten)


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tommy
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Moin liebe Gemeinde,

ich wende mich hier an die Experten:

Gestern hatte ich nur mal so eine billige Stagg Strat an einem H&K Edition Blond. Hammermäßiger, lauter, total cleaner Stratsound.

Danach dann zum Vergleich eine ältere Mexiko Strat. Diese klang deutlich leiser und nicht clean sondern leicht angezerrt. Wie kann das denn angehen? Müsste sie nicht eigentlich lauter sein als die Stagg? Anzerren ist doch eigentlich m.E. ein Zeichen für mehr PU Output und eine Übersteuerung des Ampeingangs.

Beide Strats haben ein Palisandergriffbrett. Die Stagg hat Keramik- die Fender Alnicomagneten.

Vielleicht könnte mir das jemand erklären.

Darüber hinaus hat mich die Erkenntnis, dass die Stagg (Flohmarktpreis 35.- Euro) deutlich authentischer und schöner klang als die Fender Mexico, total umgehauen.
Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon einmal. Mich erschleicht langsam das Gefühl, dass es in preiswerten Bereichen mit Keramik PUs einfacher ist, einen authentischen Ton hinzubekommen.

Ich werde noch Keramik Billig-PU Fan! :shock:
 
Blues-Verne
Blues-Verne
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tommy":o0bug37r schrieb:
Ich werde noch Keramik Billig-PU Fan! :shock:

Hi Tommy,
du liegst ganz richtig. Die Mär, dass Magnetmaterial Sound-entscheidend sein soll, wir immer wieder kolportiert und ist fast (!) kompletter nonsense.

Ich habe hier eine richtig tolle 1969/70er Esche/Maple-Strat mit DEM Signatur-Strat Sound, natürlich Alnico-Pups.

Daneben steht eine gut hergerichtete niegelnagelneue China-Ausführung mit Ferritmagnetbarren-Pups, die der Vintage-Ikone nix, aber auch gar nix nachgibt in Sachen authentischer Strat Ton.
Ist alles nur eine Frage der Spulen- und Schaltungsdimensionierung, Widerstands- und Kondensatorwerten.
Siehe auch die sehr gute Zusammenfassung des Onkels (such das hier mal raus).

Bei einem längeren Gedankenaustausch während der MuMesse 2009 mit Willi Stich aka Bill Lawrence, hatten wir auch das Thema Magnetmaterial und beide gut was zu lachen.

Seine bzw. Fenders neue Noiseless-Pups nutzen Samarium-Kobalt, ich habe in einigen meiner Pickups Neodymium.

Letzten Endes entscheidet das Gesamtkonzept.
Und wenn die Japaner, Koreaner (designed by Duncan!) und Chinesen das passende Menu wählen, stimmt am Ende auch der Ton. Wenn dann das Holz noch gut ist ...voilá
!
 
A
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Guest
Ich kann das Verhalten von Keramik-PUs auch so bestätigen.
Ich hatte mal eine 91er Fender Prodigy (quasi die erste Serie HSS-Strat) hier zur Überarbeitung. Sie hat statt AlNiCo auch Ferrite Bars unter den Single Coils. Sie klangen deutlich frischer und in meinen Ohren stratiger als die SSL in meiner Lâg. Zudem kam da auch noch ein ordentliches Pfund an Pegel heraus.

Meine früherer OLP-Silhoutte hat auch irgendwelche China-Pickups drin, die aber ebenfalls erstaunlich guten klangen. Zusätzlich waren die SCs noch vollständig geschirmt. Schöne Sache.
Bei den markenähnlichen Teilen "Duncan Designed" oder noch schlimmer "EMG-Select" sind die Unterschiede allerdings eklatant.
Dann schon lieber ein guter Noname, der klingt, als ein Billigteil, was mit einem XY-Designed-Namen gesegnet wird, der dann 90% der Produktionskosten ausmacht...
Die Teile sind wohl in erster Linie dafür "designed", sie schnellstmöglich gegen die Richtigen aus USA auszutauschen und dann ein echtes Aha-Erlebnis zu haben...

Gruß

Stefan
 
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Hi Tommy,

Du hast auf Deine Ohren vertraut und eine lustige Erfahrung gemacht.
Vertrau bloß weiter Deinen Ohren!!!
Das meine ich absolut ernst, da wir defacto und aus völlig nachvollziehbaren Gründen ja verarscht werden.

Sicher, es gibt grottige PU´s! ...oft auch schon allein deshalb, weil gutes Material unprofesionel verarbeitet wurde. Ein günstiger PU mit Flachmann drunter, muß nicht zwanghaft schlecht sein. Auch ich möchte in diesem Zusammenhang gerne auf "den Onkel" verweisen, da Er in den Kernaussagen einfach recht hat.

Stagg ist übrigens eh derbe unterbewertet. Hatte 2 Strats aus der Vintage - Serie, beide noch mit F-Head und sie waren beide toll verarbeitet und klangen richtig super. Wie man sich ne Strat halt eben auch vorstellt.
Lustig war aber das die PU´s ziemlich varierten. In einer hatten sie meßbar mehr Bumms. Gut, das liegt halt an der Produktion. Da gibt es halt grad in dem Segment sicher eine ziemliche Flexibilität. In Castro-Rauxel hiesse es:
"Frieda, wiee sieht´n aus im Kupper-Laascher?"

Toll, daß Dein Instrument Dir taugt und der Sound gefällt.
Ich hab ne 129 EUR Collins Tele die mich völlig sprachlos macht, da werd ich auch die PU´s drin lassen. Sie klingen so authentisch, das ich nix vermisse.

Viel Gruß

Blaubarschbube
 
A
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Blues-Verne":3ltrui18 schrieb:
Letzten Endes entscheidet das Gesamtkonzept

So isses.
Ceteris paribus klingt ein PU bei Auswechseln des Magneten schon (ein wenig) anders, aber ein Ferritmagnet muss nicht schlechter klingen als z.B. Alnico5. Das Gesamt-Konzept ist es was zählt unterm Strich. Das Konzept und der Klang zählt, nicht das Magnetmaterial, und der Preis auch nicht.

Tschö
Stef
 
A
Anonymous
Guest
André Waldenmaier (Staufer-Gitarren) hat dazu mal in einem Artikel was geschrieben. Ein Kunde kam mit einer bestimmten Soundvorstellung zu ihm, AW empfahl einen Keramikmagneten, der Kunde bestand auf Alnico - und war am Ende nicht zufrieden, weil der PU eben nicht so klang, wie er wollte...
 
A
Anonymous
Guest
Dass das Konzept entscheidet, ist mir auch schon seit längerem klar, da in den G&Ls abgesehen von der Legacy, Tonabnehmer, im von Leo Fender so genannen "Magnetic Field Design", verbaut sind. In diesen finden Keramikmagnete Anwendung und diese TAs sind meiner Meinung nach den Abnehmern mit Alnicos einen Schritt voraus, sie klingen lebendiger.

Dazu passend, dieses Video:

http://www.youtube.com/watch?v=o1uba8foudk

Und vor allem dieses, das diese 2 Arten von Tonabnehmern in 2 praktisch identischen Gitarren vergleicht, obwohl das nicht heißt, dass man über Klangregelung vor allem am Verstärker aus beiden Gitarren der annähernd selbe Klang herauszuholen wäre:

http://www.youtube.com/watch?v=fVR7zt08SK4
 
 

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