Single-Coil-Einstreuungen auf der Bühne - krasses Erlebnis (mit Lösung)

martin

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Hallo ihr Lieben,

neulich habe ich in einem Theater im Ruhrgebiet Musik gemacht. Der Orchestergraben war hoch gefahren, damit man die Band gut sehen kann. Ich saß mit meiner Strat direkt vor der ersten Stuhlreihe, somit also schon fast im Publikum.

Als Amp kam ein Kemper mit einer dazugehörigen Box zum Einsatz (vom Haupt-Gitarristen, für den ich Aushilfe gespielt habe, ich musste auch seine Presets nutzen).

Als ich meine Gitarre im Drive-Kanal ein bisschen aufgedreht habe fing es sofort an zu pfeifen. Im ersten Moment dachte ich mir "so ein Mist, die Pickups müssen besser gewachst werden". Dann merkte ich aber, dass auch bei ganz zurückgedrehten Volumepoti der Gitarrensound merkwürdig out-of-phase war. Leise klang es also schlecht und dünn, laut hat es sofort gepfiffen.

Und jetzt kommt der Oberhammer: bei aufgedrehter Gitarre kamen die Stimmen von der Bühne und auch alle anderen Instrumente aus meiner Gitarrenbox! Der komplette Main-Out vom Saalmischpult kam aus meiner Box!

Die Ursache:
Es gab in diesem Theater einen besonderen Service für Träger von Hörgeräten. Der Main-Mix-Output vom Mischpult wird angezapft von einer Anlage, die das Signal in elektromagnetische Wellen umwandelt. Anscheinend kann man neue Hörgeräte per App umschalten auf den Empfang dieser Wellen. Da das ähnlich ist wie bei der Spule eines Lautsprechers (nur ohne die Membran) bedeutet das aber auch, dass die Single-Coil-Pickups dieses Signal super gut empfangen und dann eben auch an den Gitarrenverstärker übertragen. Da der Output vom Kemper direkt auf das Mischpult ging und der Kanal auch aufgedreht war, entstand also eine Rückkopplung.

Die Lösung:
Da mein mittlerer Single-Coil Gott sei Dank reversed ist, reichte es in eine der Zwischestellungen zu wechseln. Dabei löschen sich die eingestreuten Signale perfekt aus. Ein krasses Gefühl, wenn du bei aufgedrehter Gitarre von absoluter Stille mit einem Klick zu einer heftigen Rückkopplung wechseln kannst! :)

Nachdem ich das Prinzip durchschaut hatte habe ich dann auch meine ES 335 mit Humbuckern ausprobiert. Mit denen hat das auch ganz gut funktioniert, aber überraschenderweise löschen sich die Störsignale bei zwei weiter entfernt liegenden Single-Coils etwas besser aus als bei einem Humbucker (wo sie ja direkt nebeneinander liegen).

Wenn wir unten im Graben gesessen hätte es vielleicht gar keine Einstreuungen gegeben, aber da ich ja oben direkt vor der ersten Stuhlreihe saß war das echt ein heftiges Problem.

Viele Grüße
Martin
 

Irre, was es nicht alles gibt.

Tolle Geschichte.
 
Nachdem ich das Prinzip durchschaut hatte habe ich dann auch meine ES 335 mit Humbuckern ausprobiert. Mit denen hat das auch ganz gut funktioniert, aber überraschenderweise löschen sich die Störsignale bei zwei weiter entfernt liegenden Single-Coils etwas besser aus als bei einem Humbucker (wo sie ja direkt nebeneinander liegen).
Hi Martin,
Danke für den realistischen Bericht.
Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass Gibson-artige HB nicht unbedingt gleichartige Einzelspulen seriell verschalten. Sprich haben unterschiedliche Wicklungen und somit Werte.
So ist die Auslöschung nicht zu 100%, da unterschiedliche Spulen.
Auch sind ja einige Gibson Vintage-HB nicht gewachst.

Zu brummfreien Single-Coils könnte ich DIMarzio Stacks oder Kinman empfehlen.
Ich kenne sie leider nicht, aber hab sehr viel Gutes darüber gelesen von Leuten die zum Teil auch Profis sind und Ahnung haben.
Sollen sehr authentisch klingen, und absolut brummfrei.
Vielleicht hast du die schonmal getestet, oder auch von gehört, weil die gibts ja schonlange auf dem Markt und haben sich etabliert.

Ich persönlich benutze für solche Zwecke ne modifizierte zu regelbare oder schaltbare Dummy-Spule.
Die Fender TexMex eignen sich gut dafür, wo ich gefahrlos die Magnete rausdrücke, und sind nicht so teuer.
Die passen auch gut zu den originalen Fender CS-Pu's, wie Fat50's oder 69er in der Auslöschung.
Verändern auch den Sound kaum. Nur nen bisschen weniger Höhen. ;)
Funktioniert super!
 
Zuletzt bearbeitet:

Übrigens, in dem Zusammenhang, habe ich Euch schon erzählt, dass ich die 250K-Grenze bei Potis für Singles nicht mehr akzeptiere?
Wenn man so, wie ich mit Dummy-Spulen seriell experimentiert, wird erst zufrieden sein, wenn er 500K oder höher fürs Vol-Poti verwendet. ;)

Nur mal so...
 
Moin,
Interessanter Fehler, ich kann mir den Adrenalinpegel vorstellen als das aufgetreten ist. ;)

Ciao
Monkey
 
Man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen.
Wäre ich an Martins Stelle, wäre ich schon längst auf Noiseless umgestiegen.
Authentizität hin oder her. Das Risiko ist zu groß.
Gibt ja reichlich erstklassige Auswahl auf dem Markt. :rolleyes:
 
(vom Haupt-Gitarristen, für den ich Aushilfe gespielt habe, ich musste auch seine Presets nutzen).

Es war/ist ja ein Aushilfsjob. Ob es sich dafür lohnt die PUs zu tauschen?

Wenn mal jemand ein ähnliches Problem hat und eine Suchmaschine bemüht, kann ich mir gut vorstellen, dass er auf Martins Beitrag stößt und ihm dadurch geholfen wird.
 
Na super. Und ich hatte mir gerade mühsam eingeredet, dass die Singlecoils in meiner Tele kein Problem seien.
 
Hallo,

ich habe mich grundsätzlich von vielen Jahren davon verabschiedet, dieses unnütze Single-Coil-Gebrumme zu akzeptieren.

Ja, Noiseless-PUs klingen (etwas) anders. Daran habe ich mich aber sehr schnell gewöhnt, weil ich z.B. den Sound der NFs von Bill Lawrence erfreulicherweise ganz hervorragend finde. Ebenso waren für MICH die brummfreien Varianten von Kinman, DiMarzio Areas und von GFS völlig in Ordnung. Seit einiger Zeit habe ich in einer Strat (jetzt in der zweiten Strat, das PU-Set ist umgezogen) ein EMG David Gilmour Set, welches anders, aber auch klasse ist.

Spätestens, wenn man mal in einer Location unmittelbar an einer Bahnlinie gespielt hat und die Einstreuungen einer Oberleitung erleben durfte wird man sich glücklich schätzen, ohne echte Single Coils unterwegs zu sein.

Kurz: Es gibt gibt für alle das richtige Produkt. Bei mir gewinnt immer Noiseless, aber ich klinge eh immer gleich durchschnittlich.
 
... Als Amp kam ein Kemper mit einer dazugehörigen Box zum Einsatz (vom Haupt-Gitarristen, für den ich Aushilfe gespielt habe, ich musste auch seine Presets nutzen). ...

Da muss man aber echt Glück haben, damit das funktioniert / Spaß macht (also allen, auch den Zuhörern).

...Nachdem ich das Prinzip durchschaut hatte habe ich dann auch meine ES 335 mit Humbuckern ausprobiert. Mit denen hat das auch ganz gut funktioniert, aber überraschenderweise löschen sich die Störsignale bei zwei weiter entfernt liegenden Single-Coils etwas besser aus als bei einem Humbucker (wo sie ja direkt nebeneinander liegen). ...
Ja, schon interessant, dass Fender-Zwischenpositionen quiter sind als klassische Humbucker.

Dieser "Hörgeräte-Loop" ist aber auch ein ekliges Problem.

60-Cycle-Hum bzw. Nebengeräusche generell, hat man ja mittlerweile gut im Griff, dadurch das die Noisegates (Kemper, Axe etc.) so gut sind.
Wenn es heftiger wird ist dieses Brummen egal, da leiser als das Nutzsignal. In ruhigeren Passagen passt ohnehin oft die Zwischenposition besser.

Bei deinem Issue hilft dir das natürlich nicht - übel. Gezwungenermaßen den ganzen Gig über Zwischenpositionen und das noch mit fremden Presets zu spielen ist schon krass.
 
Bei deinem Issue hilft dir das natürlich nicht - übel. Gezwungenermaßen den ganzen Gig über Zwischenpositionen und das noch mit fremden Presets zu spielen ist schon krass.
Ich habe dann doch die ES 335 genommen und am Kemper nur ein einziges Preset mit relativ viel Drive/Gain benutzt. Der reagierte gut auf das Volumepoti der Gitarre, für halbwegs clean halt Volume auf 2-3, Volume 5 für Powerchords und voll auf für die Lead-Passagen.

Damit das alles passt brauchte ich nur das Mastervolume am Kemper kräftig aufdrehen, dann hat das mit meinen Sounds und der Lautstärke im Mix gut gepasst. Nur das Gate am Kemper war dann zu stark eingestellt, wenn ich auf Volume 2 untergeregelt war bin ich immer ausgeblendet worden. Das hat mir dann aber netterweise der andere Gitarrist auf meine Bedürfnisse eingestellt.

Das klang sogar überraschend gut :-)
 
Die absolute Edellösung wäre wahrscheinlich, mit Herrn Kloppmann zu sprechen?
Soweit ich weiß, bietet er maßgeschneiderte Noiseless-Lösungen seiner Schaltungen an.
Basierend auf seinen Pickups entsprechende Dummy-Spule, und angepasste Potiwerte.
Wär vielleicht ein Versuch wert @martin?
Bist doch auch Kloppi-User? ;)

P.S.: Hat nicht Thomas Blug auch...? :unsure:
 
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