Review Mesa Boogie 5/25 1x10 Combo und 1x12 Combo

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Review Mesa Boogie 5/25 1x10 Combo und 1x12 Combo

So, Leute,

ich habe ihn getestet, sogar beide, den Express 5/25, 1x10 Combo und für mich völlig überraschend auch als 1x12 Combo, von dem ich bis dato gar nicht wusste, dass es ihn gibt.

Zum Test habe ich eine Gibson 336 benutzt. Wie er sich mit einer SingleCoil-Gitarre verhält vermag ich nicht zu sagen.

Auf den ersten Blick:
Die Verarbeitung ist tadellos. Der Amp wirkt sehr wertig.
Beide Combos sind sehr kommod in den Abmessungen und nicht zu schwer. Der 1x12er ist erwartungsgemäß ein wenig schwerer, aber fraglos gut zu tragen.
Technisch sind die beiden Amps bis auf die Lautsprecherbestückung identisch. Diese hat jedoch ihre Auswirkungen.

Der 1x10-Combo:
Der 1x10 stellt sich für mich, wie auch schon erwartet, als eine Rappelkiste dar. Er klingt bei leiseren Lautstärken ziemlich dünn. Wenn’s lauter hergeht, fängt er an zu rappeln und blendet die mittigen und bassigen Frequenzen eher aus. Der kleine Lautsprecher wird mit dem, was der Amp da anliefert, nicht so richtig fertig.
Der 1x10 Combo ist ein Fehlgriff, würde ich sagen.

Der 1x12-Combo:
Er verhält sich ganz anders. Er entwickelt den richtigen Druck, und alle Frequenzen sind auch da.

Aber auch beim 1x12 habe ich Trebble ganz schön zurückgeregelt, Mid und Bass unerwartet weit aufdrehen müssen, um einen vollen Sound, wie man ihn im Clean- und Crunchkanal gemeinhin von Mesa erwartet, zu bekommen. Aber immerhin, ein ordentlicher Sound ist möglich.

Die Features:
Der Clean-Kanal kann per Switch auf Clean oder Blues eingestellt werden und wirkt sich auch nur im 1. Kanal aus.
Clean-Modus sagt alles, im Blues-Modus läuft er eben bluesig und zwar schon mit nur wenig Gain.
Clean klang gut, Blues fand ich gewöhngsbedürftig.

Im 2., dem Zerrkanal, kann ebenfalls per Switch auf Crunch oder Burn voreingestellt werden.
Im Crunch-Modus läuft er quasi als Clone des Clean, aber eben schon von Haus aus mit mehr Gain. Der Sound war ok.
Im Burn-Modus erzeugt der Amp recht schöne, charaktervolle Zerrtöne, die je nach Gain-Einstellung sehr lange ausklingen können. Und das hat mich dann doch erstaunt, Soustain bis zum Abwinken - jedenfalls mit meiner 336, die allerdings von Haus aus ganz ordentlich Soustain hat.

Man kann den Express auch schön zum clippen bringen, also ein kontrolliertes Feedback erzeugen.

Ansonsten springt der Amp schnell an, hat also Attack.

Zur weiteren Technik:

2 Kanäle mit eigener Klangregelung und Reverb.

Der 5/25-Watt-Wahlschalter befindet sich auf der Rückseite. Der eingestellte Modus wirkt sich immer auf beide Kanäle aus. Eine kanalweise unterschiedliche Einstellung ist damit unmöglich. Das finde ich blöd; denn damit ist die Möglichkeit des langen Cleantons (oder ausreichend Headrooms) im Clean-Kanal im 25-Watt-Modus und der gleichzeitig frühen Röhrenzerre im Zerrkanal im 5-Watt-Modus unmöglich. Entweder/Oder lautet hier die Devise. Schade!

Im 5-Watt-Modus (und nur dort) kann der Amp per Wahlschalter auf Class A geschaltet werden. Ich habe es getan, aber keinen nennenswerten Unterschied gehört.

An dieser Stelle: Der 5-Watt-Modus ist keinesfalls von der Qualität, wie ich ihn vom Lonestar Special kenne.
In der 1x10 Combo ist der Sound richtig mies, im 1x12 gerade noch so akzeptabel.
Dieses Feature hätte Mesa sich an diesem Amp schenken können, zumal der Amp auch im 25-Watt-Modus in gemäßigter Gangart noch brauchbare Töne von sich gibt.

Und dann existiert noch das Contour-Potie. Er ersetzt den Presence-Potie und und je nach Einstellung verdichtet sich der Sound oder wird luftiger. Mesa selbst spricht von einem 5-Band Equilizer mit nur einem Potie.
Da jeder Kanal sein eigenes Contour-Potie hat, ist eine kanalweise Einstellung möglich. Diese Contour-Einstellung ist per footswitch ein- und auszuschalten. So weit, so gut.

Aber was bringt der Contour? Nichts Hörbares! Die Wirkung ist recht lasch und kaum wahrnehmbar. Ich habe den Amp nicht bei voller Leistung testen können. Möglicherweise entwickelt Contour erst dann Qualitäten. Zunächst würde ich sagen, das Contour-Konzept geht nicht auf. Der klassiche Presence-Regler wäre mir lieber gewesen.

Was es auch nicht gibt:

Beim Special schätze ich die fußschaltbaren Output-Regler für den Normal- und Solobetrieb, die gerade zum Solo für beide Kanäle die voreingestellte Lautstärke abrufen. Und außerdem kann die für beide Kanäle bereits über die Master-Poties abgestimmte Lautstärke gleichmäßig und vor allem schnell angehoben oder abgesenkt werden.

Solche Output-Regler gibt es beim Express nicht.

Mein Fazit:

Der Express-Combo, egal mit welcher Lautsprecherbestückung eignet sich Dank seiner rückenfreundlichen Abmessungen und des Gewichts vor allem für daheim, die kleine Session um die Ecke, allenfalls für die leise Bandprobe oder kleine Gigs.
Da man jedoch auch oder zusätzlich externe Boxen anschließen kann, dürfte der Einsatzzweck sich vergrößern. 25 Watt sind nun mal nicht unbedingt leise. Aber letztlich käme das dann doch noch auf einen Test an.

Obwohl der Express ein ausgeprägtes Zerrvermögen aufweist, dürfte er sich nicht für die härtere Gangart eignen. Rock & Blues, das ist wohl eher sein Ding.

Wenn überhaupt, wäre der 1x12 die richtige Wahl für mich; denn der 1x10 ist eine Plärrkiste, die immerhin knapp 1600 € Straßenpreis kostet. Zuviel Geld für miesen Sound.

Der 1x12-Version (und natürlich auch dem 1x10er) fehlen einige Features, an die ich mich gewöhnt habe, und die ich nicht mehr missen will.

Ich finde, mit einem Preis von 1788 Euro Straßenpreis ist der 1x12-Combo schlicht zu teuer. Für den 1x12 Lautsprecher 200 € Aufpreis? Das finde ich schon heftig.

Über einen gebrauchten Express 1x12-Combo würde ich nachdenken. Ich fürchte, der Express wird recht schnell einen ziemlichen Wertverlust erleiden; denn das, was ich an ihm bemängele, wird auch anderen auffallen.

Mit Einführung des Express ist die F-Serie entfallen. Also soll wohl der Express der Einsteigeramp von Mesa sein.
Meines Erachtens ist er für die meisten Einsteiger deutlich überteuert. Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, dass sich Mesa mit dieser Serie zu diesem Preis keinen wirklichen Gefallen getan hat.

Wer sich von Euch mit dem Gedanken trägt, einen 5/25-Express als Zweitamp anzuschaffen, dem lege ich einen ausführlichen Test dringend ans Herz. Es ist nämlich nicht so, dass der Amp keine Qualitäten hat. Aber die Medaille hat auch eine Kehrseite. Und die sollte man erkennen und dann entscheiden, ob man sich damit anfreunden mag.

@Marcello: Ja, ja, ist klar, mit dem frank kann man nur über Gibson oder Mesa reden...
 
Gruss
frank
Verschoben: 07.05.2008 Uhr von Banger
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