Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

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Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

Moin.

da ich als "alter" Gibsonmensur/Humbuckerspieler auf den Strat-Geschmack gekommen bin, habe ich lange nach einer passenden Strat gesucht. Zur Auswahl standen u.a. eine Squier Vintage Vibe und eine MiM Fender Classic Player.

Es wurde dann aber doch eine Billig-Kopie, nämlich die Richwood.
Grund: ich will die Strat an meine Bedürfnisse anpassen, und bei einem Billigteil ist die Gefahr geringer, zu viel Geld in den Sand zu setzen, wenn das "Pimping" in die Hose geht.

Warum Richwood?
Weil die einen guten Ruf haben (stammen angeblich aus der selben fabrik wie die gelobten SX-Teile) und weil die optisch naturgetreuer aussieht als viele andere preiswerte Kopien.

Eigentlich sollte es die RE-62-FR werden mit Goldhardware, aber in D-Land sind die offenbar nicht mehr erhältlich. Ein Händler meinte, dass vermutlich Fender dafür gesorgt hätte, dass die originalgetreuen Richwoods hier nicht mehr verkauft werden können. Die aktuell erhältlichen Richwood-Strats haben weder eine originalgetreue Koprusform noch Kopfplatte.
Also wurde es die RE-50, denn die konnte ich noch bei iBäh ergattern,
siehe http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=140261775266

Sodele, das Dingens kam dann auch wohlbehalten, mit Billigkabel, 2 Inbusschlüsseln und (kurzem) Tremoloarm.

Erster Eindruck: sieht gut aus, gute Lackierung, die Kopfplatte sieht auch gut aus. Sie ist leicht (geschätzt so um die 3 Kilo), der Korpus klingt beim Abklopfen aber knackig, tönt also nicht nach Linde, Pappel oder Agathis. Die Werkssaiten machten wider Erwarten einen guten Eindruck, waren mir aber zu dünn (009er, auf Strats spiele ich aber 010er und auf Paulas 011er).
Die Saitenlage war ab Werk eher hoch, aber noch spielbar, die Oktavreinheit stimme erstaunlicherweise.
Das Vibrato ist mit 3 Federn eher hart, nach oben vibrieren ist nicht viel, ich habe es aber noc hhärter eingestellt.

Der akustische Grundklang ist erstaunlich gut. Präsent, knackig, twangig, höhenreich, die Bass-Saiten knacken richtig gut twängig. Insgesamt ist sie akustisch eher laut und nach-vorne-gehend als leise und dezent.
Der knackige Ton beim Abklopfen des Korpus setzt sich also fort ...

Hoppla, das war mehr als erwartet.

Dann Saiten runter, Schlagbrett weg um zu gucken wie die Innereien sind.
Und da auch gleich zwei Überraschungen: anstatt einer Poolfräsung (wie erwartet) sehe ich eine saubere SSH-Fräsung, und innen scheint jede Menge Grundierung zu sein, so dass man das Holz bzw. die Maserung leider nicht richtig sieht.

So, dann also neue Saiten rauf und stimmen.

Da kamen dann die ersten Minuspunkte.
Die Tuner taugen nicht wirklich viel und arbeiten nicht wirklich gleichmäßig. Aber mit Stimmgerät geht das Stimmen. Und der Plastiksattel ist alles andere als gut gemacht. Die Saitenlage ist ne Spur zu hoch auf den ersten Bünden, und der Plastiksattel sieht richtig pfuschig gemacht aus.
Nachdem die neuen Saiten sich gesetzt haben, hält sie aber die Stimmung, so lange man nicht zu wild das Vibrato benutzt. Der billige Butterfly-Stringtree (nur für hohe E- und H-Saite) ist sicher auch nicht gut für die Stimmstabilität beim Vibrato-Gebrauch.

Und nun ab an den Amp.
Da klingt sie mir deutlich zu höhenreich. Um nicht zu sagen schrill und klingelig.
Die TA haben zwar für Singelkeulen ganz guten Output (mehr als Leosound Redhouses), aber das ohnehin knackig-höhenreiche akustische Grundbild bekommt quasi noch mal nen zu starken Trebleboost, und das ist mir eindeutig zu viel.
Das Volumepoti ist brauchbar, die Toneregler arbeiten aber erst am letzten Drücker, richtig fein eintellen kann man damit nicht.
Am Amp also die Höhen zurückgeregelt, und nun klingt es ganz brauchbar, aber nicht annähernd so gut wie trocken.

So, also die To-Dos:
neuer Sattel (Graphtech Tremnut ist schon geordert, 8 Euro),
andere Tonabnehmer (ein Dimarzio 79 Euro ist schon geordert, in den Steg kommt ein Humbucker, den ich eh rumliegen habe).
Neues Schlagbrett (Tortoise, wegen Optik und Hss), 25 Euro.
Neue Potis (18 Euro, inkl. Wunschkondensator und Treble-Bleed-Capacitor).
macht: rund 265 Euronen.
Wenn noch neue Mechaniken nach Austausch des Sattels nötig sind, und Roller String-Trees dazukommen, sind es ca. 300 Euro.

Das wären dann 300 Euro, inklusive Bastelspaß.
Also der Preis einer Squier Vintage Vibe, allerdings mit meiner Wunschoptik (Tortoise-Pickguard), Wunschsattel (Tremnut) und meinen Wunsch-PUs und HSS.
Die Holzsubstanz ist wie gesagt prima.

Für den Newbie ohne Bastelambition ist vermutlich die Vintage Vibe die bessere Wahl.
Für mich rechnet sich aber die Richwood, zumal ich eh vorhatte, mir meine Wunschstrat zu basteln. Die Richwood ist dabei für mich eine sehr kostengünstige und brauchbare Basis (Hals, Body, Vibrato).
So, ich berichte mehr, wenn das erste "Pimping" erledigt ist.
Dann kommen auch Bilder.

Nachtrag:
Der Hals ist eher schlank, aber nicht zu dünn und lässt sich gut spielen. Wirklich gut.
Die Bünde sind schmal und subjektiv empfunden etwas höher als Vintage-Bünde, was ich angenehm finde. Die Bundbearbeitung ist sauber. Nicht perfekt, aber akute Nacharbeiten sehe ich nicht als nötig.
Schlecht fand ich, dass die Halskrümmung nicht korrekt eingestellt war (sie war zu gering). Mit dem mitgeliefertem Imbus war das schnell korrigiert, für Anfänger ist das aber problematisch.

Tschö
Stef


Zuletzt bearbeitet von nichtdiemama am 07.11.2008, insgesamt einmal bearbeitet
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Nachtrag I

Hoi Loite.

So, nun habe ich die Richwood schon eine Weile, und ich bin nach wie vor begeistert von ihr.

Modifikationen bisher: Austausch des Sattels gegen ein Graphtech Tremnut; Austausch der Butterfly-Saitenniederhalter gegen Roller-String-Trees.
Kosten: etwas 12 Euro ohne Porto.

Geplant: Tortoise-HSS-Pickguard ist schon da, an den Steg soll ein Burny-PAF, der eh bei mir rumliegt.
Bessere Potis sind auch da, dito ein besserer Kondensator und ein "treble-bleed capacitor".
Bestellt war ausserdem ein DiMarzio DP 414, aber offenbar will den kein Onlinehändler zügig liefern ... na ja, DiMarzio halt.
Geplant war: am Steg der HB, in der Mitte der (angeblich P9-ähnliche) DP414 und am Hals ein gemäßigt heißer Vintage-SC (gerne auch brummfrei).
Nu, mal gucken was sich da noch ergibt.

Aber zurück zu der Richwood:
sie twängt nach wie vor "wie Sau". Wobei mir an ihr im Laufe der zeit auffiel, das sie eine Art "sweet spot" hat. Spielt man gemäßigt, klingt sie brav. Ab einer gewisser Anschlagstärke aber fängt sie an "wie sau zu twängen". Tut mich leid, aber anders kann ich das nicht beschreiben. Irgewie teleartig, aber doch auch stratig.
Das Sustain ist eher mittelmäßig, also eigentlich voll im Rahmen für ne Schraubhals-Gitte mit eher leichtem Korpus.
Das Sustain einer +4-Kilo-Customshop-Paula erwarte ich bei der Art von Gitarre eigentlich nicht.
Nee, also ich muss echt sagen, sie gefällt mir.
Clean wie angezerrt. High Gain ist eher nicht ganz ihr Metier, aber das könnte auch an den PUs liegen (ein Satz guter PUs kostet mind. so viel wie die ganze Gitte).

A propos PUs: nachdem ic hmeine Amps ein wenig angepasst habe, klingen die Richwood-Werks-PUs clean und leicht angecruncht durchaus sehr brauchbar. Erst bei heftigerer Zerre wirds undefiniert und verwaschen.

Die Bespielbarkeit finde ich nach wie vor wirklich gut, daran habe ich nix auszusetzen.
Mittlerweile etwas eingelaufen sind die Tuner nicht mehr ganz so ranzig, aber irgendwann müssen definitiv bessere drauf. Aber das eilt erst mal nicht.

Das Vibrato läst leichtes Vibrieren nach unten zu, so wie ich es es eingestellt habe, und das genügt mir.
Dive-Bombs mit nem Billig-Vintage-Vibrato brauche ich nicht.

Kurz und gut: klasse Kauf, klasse Gitarre (mit behebbaren Mängeln), guter Deal.

Sodele, das wars für heute.
Stef
Verfasst am:

RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

Moin.

So, nun sind neue PUs drin.
Am Steg ein HB aus einer Burny (MiJ), ca 13 Kiloohm, vom Output her aber eher 9 bis 10 Kiloohm, sprich knapp über vintage.
Mitte und Hals-TA sind je ein GFS Neovin 7, d.h. Humbucker mit ca 6,5 Kiloohm. Output dito knapp über Vintage-SC.

Sie klingt nun anders, klar, aber der enorme Twang, den sie akustisch hat, ist etwas gezügelter. Was sie allroundtauglicher macht. Die Hals-Mitte-Zwischenposition knopflert immer noch leicht, der Höhenabfall ist nun nicht mehr so drastisch wie bei den Werks-PUs.
Bei Steg/Mitte tritt ein Out-of Phase-Effekt auf. War ein Versehen, klingt interessant, wird aber beim nächsten Saitenwechel behoben.
Dann ersetze ich auch die 250-Kiloohm-Potis durch 500er.
Für einen Hauch mehr Höhen.
GFS emphielt auch 500er-Potis.

Mit dem Steg-PU rockt sie mächtig, das "stratige" klingt immer noch irgendwie durch.

Kurz: wirklich gutes Instrument, der PU-Wechsel war nicht nötig, um sie gutklingend zu nmachen, der Wechsel hat sie aber vielseitiger (und brummfrei) gemacht. Bei höherem Gain klingt sie jetzt deutlich besser und kontrollierter, ultraclean war sie original gleichwertig, aber "spezieller" und einen Tick charaktervoller.
Clean mit den Neovins klingt sie immer noch nach Strat, es twängt immer noch, aber sie klingt geglätteter und allroundtauglicher und nicht mehr ganz so megaperkussiv, überstratig und megatwängig wie "original".
Was besser gefällt ist Geschmackssache, ich finde beides gut und mag die neue Vielseitigkeit mit dem Humbucker am Steg.
Optisch gefällt sie mir auch jetzt besser, und der Hals ist echt fast mein Lieblingshals. Langes, krampffreies Spielen ist garantiert, der Spaß auch.

Lange Rede kurzer Sinn:
aufgrund meiner Erfahrungen kann ich eine Richwood RE-50 nur wärmstens empfehlen.
Inklusive Pimping hat sie mich ca. 210 Euronen gekostet.

http://bilder-hoster.de/show.php/96154_richwoodpict0432.jpg.html

Meine klingt ungepimpt gut, gepimpt auch, bei dem Grundpreis bleibt auch Spielraum für Upgrades und wenn man sie (was mir nicht passiert ist) kaputtpimpt ist das auch kein großer finanzieller Verlust.

Einziger Kritikpunkt: die niedrigste schnarrfreie Saitenlage könnte 'nen Tick niedriger sein.
Für mich ist es o.k. so, wer aber auf sehr niedrige Saitenlage steht wird mit ihr eventuell nicht happy, zumindest nicht ohne professionelle Einstellung.

tschö
Stef
Verfasst am:

RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

hi Stef,

habe gerade von dem Tortoise HSS Pickguard gelesen...wo hast du das gekauft? ich suche nämlich eins und das einzige das ich bislang gefunden habe ist original Fender, da ist die Humbucker-Fräsung aber so abgerundet, ich denke mein EMG passt da nicht rein. Irgendwelche Tipps?
Danke!
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
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RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

Hi Markus,
einfach bei eBäh danach suchen.
Da habe ich meines her.
Und wenn da nix ist, bei www.rockinger.de güggen, nisch wor?
Tschö
Stef
Verfasst am:

RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

Das dachte ich auch...aber bei Rockinger gibts keins.
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
Verfasst am:

RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

Hallo Markus,

schau mal bei Music Toolbox Shop

Viele Grüße
Eckhard
Verfasst am:

RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

therealmf schrieb:
Das dachte ich auch...aber bei Rockinger gibts keins.


So what, eBay ist voll davon.

Oder dem Tipp vom Basstler nachgehen.
Verfasst am:

RE: Kurzreview: Richwood RE-50-WH Strat-Kopie

Hi Stef,

dein Bericht war interessant zu lesen.

Ich habe mir selber damals, als sich der Hype um die SX-Modelle auf dem Höhepunkt befand, eine solche und zwar das 62er-Modell mit drei Singlecoils und Palisandergriffbrett für 140 Euro gekauft.

Ich teile deine Meinung, daß es sich bei den Richwood- und den Sx-Teilen um die gleichen Gitarren handelt, man schaue sich diesbezüglich nur mal den Hals an.
Deshalb gehe ich mal davon aus, daß der Korpus deiner Richwood ebenfalls aus Erle besteht.

Was mir auch sofort aufgefallen ist, wie unglaublich gut die gesamte Gitarre akustisch gespielt schwingt, einfach unglaublich.

Da die Basis so dermaßen gut war, habe ich mich dann auch dazu entschlossen die Gitarre zu pimpen.

Die Originaltuner wurden gegen Kluson Vintage Type getauscht.
Der Sattel gegen einen Knochensattel.
Das Vibrato gegen ein Vintage Gotoh mit Stahlblock.
Sie bekam neue Potis von CTS.
Die Tonabnehmer wurden durch ein Fender 57/62-Set ersetzt.

Die SX ist so zu einer Gitarre geworden, die mich in allen Belangen absolut begeistert und die ich garantiert nicht mehr verkaufen werde.

Was ich damit eigentlich sagen wollte: Ich kann deine Begeisterung voll und ganz verstehen und wünsche dir auch weiterhin viel Freude mit deiner Richwood.

Liebe Grüße, Olaf.


P.S.: Aber Vorsicht, die neuen Modelle von SX mit der modifizierten Kopfplatte sollen nicht mehr so gut sein wie diejenigen der ersten Serie mit der originalgetreueren Kopfplattenform.
Ich würde daher den Rat geben, von den aktuellen SX-Modellen die Finger zu lassen und stattdessen eine Richwood zu kaufen.

Sooo, das war's dann aber. Tschüssiii
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