Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

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Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Einleitung

Nichts ist mir mehr verhaßt, als im Besitz eines Instrumentes zu sein und nichts darüber zu wissen! Wer damals - also in den späten 70ern und frühen 80ern - als Anfänger nach einer Elektrogitarre suchte, kam leicht in Gefahr, nicht wirklich etwas über seinen Kauf zu wissen. Die Begründung dafür ist recht einfach:

Zum einen hatte man als kleiner Schüler nicht das Geld, um sich eine originale Gibson oder Fender leisten zu können. Folglich kamen nur Produkte der "billigen" Hersteller in Frage. Hier war auch damals schon der Markt recht unübersichtlich und die Grenze zwischen brauchbar und Schrott war fließend. Aus dieser Zeit haben nur wenige Hersteller überlebt. Wer die "unglaublichen" Elektrogitarren von "Asco" noch kennt, ist wohl froh, daß er sie heute nicht mehr kennen muß.

Zum anderen waren, außer ein paar raren Prospekten und manchmal zweifelhaften Aussagen der Verkäufer, kaum Informationen über die Instrumente verfügbar. Darüber hinaus hat einen das in der Regel auch nicht wirklich interessiert. Hauptsache man hatte eine und sie war nicht so teuer gewesen!

Heute sieht das zum Glück ganz anders aus. Im Zeitalter des schnellen Internet hat jeder Hersteller, der auch nur ein wenig auf sich hält, eine entsprechende Präsenz, auf der man zu jeder Zeit entsprechende Informationen abrufen kann. Dann sind da noch Foren, User-Groups und diverse Seiten von Privatleuten, die sich mit bestimmten Instrumenten beschäftigen und die Ergebnisse veröffentlichen. Wer heute also unwissend einen Kauf tätigt, ist selber schuld, denn noch nie war es so einfach sich schnell Informationen und Meinungen zu einem bestimmten Produkt zu beschaffen. Man muß nur wollen!

Im Hinblick auf die Anwendung einer Elektrogitarre ist es gestern wie heute immer noch vollkommen ausreichend, wenn man das betreffende Instrument vor sich hat und am Verstärker ausprobieren kann. Wenn es gefällt, dann sind Namen eigentlich Schall und Rauch. Es gibt natürlich auch unter den Gitarristen Leute, die unbedingt "den Stern auf der Haube" oder die "Ringe am Kühler" haben müssen. Die zahlen dann mit schöner Regelmäßigkeit drauf, denn ihren Namen lassen sich die großen Hersteller gerne auch ohne zusätzliche Leistungen bezahlen!

Der Weg zur Cimar

Des Onkels erste Elektrogitarre war eine wunderschöne weinrote japanische Kopie der Fender "Stratocaster" von "Oakland", wie sie im folgenden Bild dargestellt ist:


Bild 1: Eine Oakland-Strat-Kopie von 1979

Es war der klassische Blindkauf, wie er wohl von jedem Anfänger durchgeführt wird, der einfach nur eine Elektrogitarre haben möchte und nur über beschränkte Kenntnisse und Budget verfügt. Immerhin hatte ich das Glück schon über einige Jahre "akustische" Erfahrungen zu verfügen, aber was heißt das schon? Sie klang, wie eine E-Gitarre wohl klingen mußte, sie sah gut aus (fand der Onkel zumindest) und ich konnte sie bezahlen! Im Vorwege hatte ich bereits schon einige andere Strats in einem lokalen Musikgeschäft ausprobiert (ja, so ein typischer Provinzladen mit Orgelunterricht und Hohner-Kindergitarren), aber die sagten mir alle nicht zu, was nicht nur am Preis lag.

Mit 595 DM lag die Oakland schon am oberen Ende der Einsteigerklasse, die damals bei 250 DM begann. Daß man für so einen Preis nur teures Feuerholz erhielt, hatte ich glücklicherweise schon begriffen. "Fender" und "Gibson" waren gut, daß hatte ich ebenfalls schon gelernt. Leider konnte ich auch lesen und wußte, was sich in meinem Portemonnaie befand. Also...

Über den Hersteller "Oakland" wußte ich damals nichts und es hat mich ehrlich gesagt auch nicht interessiert. Also her mit dem Teil, einen Koffer noch dazu und 10 Meter Kabel und dann pleite nach Hause. Heute ist mir zumindest bekannt, daß viele Oakland-Gitarren ebenfalls in der japanischen Gitarrenmanufaktur Matsumoku produziert wurden. Es wäre aus heutiger Sicht sicherlich interessant, sich diese Strat genauer anzusehen. Leider habe ich sie 1981 verkauft, um auf meine Aria Pro II ES-700 umzusteigen zu können.

Gleichwohl ich mit der ES-700 nach wie vor sehr zufrieden bin, ging mir die Strat doch nicht aus dem Kopf. 1983 habe ich dann zufällig eine braune Stratocaster-Kopie bei Zinngrebe in Hamburg entdeckt. Aufgrund eines Lackschadens, war der Preis von 650DM auf 495DM runtergesetzt worden. Daß da noch mehr "im Busche" war, was mir damals aber mangels Erfahrung nicht auffiel, ist hier nachzulesen.

Ich muß wohl etwas zögerlich gewesen sein, denn der Verkäufer beeilte sich mir mitzuteilen, daß "Cimar" ein Ableger der japanischen Marke "Ibanez" sein und daß diese Strat baugleich mit der Blazer-Serie wäre. "Ah!", dachte ich, denn sowohl "Ibanez" als auch die "Blazer" waren mir ein Begriff und da mir das Instrument sowohl vom Klang, als auch von der Handhabung her gefiel, habe ich sie eben gekauft. Hier ist sie:


Bild 2: Die Cimar-Strat von 1983 im baulichen Zustand vom Oktober 2008

Seitdem ist sie für mich immer die "Cimar-Strat" gewesen. Wie man dem Bild entnehmen kann, befindet sie sich nicht mehr im Originalzustand. Sie hat bis heute insgesamt 3 Modifikationen über sich ergehen lassen müssen.

Die Entwicklung der "Stratocaster" bei "Cimar"

Wer nach Informationen über "Cimar" sucht, der wird auch heute leider feststellen, daß das Angebot sehr dünn ist. Es gibt im Internet nur sehr wenige Seiten auf denen die entsprechenden Instrumente erwähnt werden. Sie stehen häufig im Zusammenhang mit "Ibanez" und werden in der Regel nur am Rande erwähnt. Es gibt leider keine Community, die sich die Instrumente von "Cimar" auf die Fahne geschrieben hat. Wer also noch ein Forschungsgebiet im Bereich der Gitarrengeschichte sucht, der findet hier ein anspruchsvolles Tätigkeitsfeld.

Unlängst sind mir jedoch ein paar Informationen zugeflogen, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Ganz offensichtlich handelt es sich bei "Cimar" um eine durchaus eigenständige Marke hinter der sich vermutlich auch ein eigener Hersteller verbirgt. Gleichwohl man über die Jahre eine ganze Reihe von Instrumenten findet, die eine direkte Nähe oder gar eine absolute Vergleichbarkeit mit bestimmten Modellen von "Ibanez" aufweisen, existieren auch eine ganze Reihe anderer Gitarren, die man so niemals bei "Ibanez" findet.

Nach Aussage von Jeff Hasselberger, einem ehemaligen Elger-Mitarbeiter, der von 1973 bis 1982 auch maßgeblich an der Modellentwicklung bei "Ibanez" beteiligt war, hat "Cimar" für "Ibanez" einige einfache Kopien verschiedener Fender-Instrumente produziert. Im Gegenzug vertrieb "Hoshino" als Eigner der Marke "Ibanez" unter dem Label "Cimar by Ibanez" einige Modelle aus dem Einsteigerbereich. Damit erklärt sich auch die teilweise identischen Modelle beider Hersteller. Hinzu kommt, daß damals wie heute nur eine handvoll Fabriken existierte, die Instrumente für verschiedene Marken produzierten. Es ist also durchaus wahrscheinlich, daß die "gleichen" Modelle von "Ibanez" und "Cimar" auch aus der gleichen Fabrik stammen.

In meinem Datenbestand finden sich erste Hinweise auf Cimar-Instrumente im Jahre 1975. Letzte Informationen stammen aus dem Jahre 1983. Hinweise auf diese Instrumente findet man sowohl im deutschen Sprachraum als auch in Australien. Damit ist gesichert, daß der Hersteller oder die Marke "Cimar" für zumindest 8 Jahre auf dem Markt durchaus auch weltweit akiv war. Es handelt sich also definitiv nicht um eine Hausmarke, die speziell für den deutsch Markt geschaffen wurde, wie in einigen Quellen zu lesen ist.

Damit sollen die allgemeinen Betrachtungen zu "Cimar" abgeschlossen sein. Beschränken wir uns nun auf die Kopien der "Stratocaster", die "Cimar" im Laufe der Jahre auf den Markt gebracht hat:

Der Reigen beginnt mit den Modellen "1940" und "1967", die nachweislich von 1975 bis 1977 produziert wurden.


Bild 3: Cimar Modelle 1940 und 1967 (mitte) aus den Jahren 1975 bis 1977

In der Spezifikation wird sich über die verwendeten Hölzer vornehm ausgeschwiegen. Lediglich beim Modell "1967" wird von einem einteiligen Ahornhals gesprochen. Bei "Ibanez" findet man aus dieser Zeit das Modell "2375" Hier wird ein Korpus aus Mahagoni mit aufgesetzter Birkendecke und Ahornhals erwähnt. Lediglich das Modell "2375ASH" bestand aus einem reinen Eschekorpus. Es ist daher nicht unwahrscheinlich, daß das Modell "1940" ebenfalls die für eine Strat ungewöhnliche Mahagoni-Birke-Kombination verwendet wurde.

Formal waren diese Cimar-Modelle aus optischer Sicht deutlich näher am Original, denn "Fender" hat noch nie eine Trussrod-Abdeckung bei der "Stratocaster" verwendet. "Ibanez" schon!

1979 hatte man der eigenen Strat ein kleines Facelifting verordnet. Der Korpus wirkte jetzt etwas gedrungener und weicht deutlich von den Proportionen einer "Stratocaster" ab. Die zwei Instrumente firmierten nun unter der Bezeichnung "XR-Serie".


Bild 4: Die Cimar XR-Serie aus dem Jahre 1979

Auch hier findet man beim Modell "2075" einen Mahagonikorpus der auch mit einer Decke aus "Judas-Wood" versehen sein konnte. Vermutlich wurde die Verwendung beider Hölzer nur durch die Verfügbarkeit bestimmt, wie man es auch noch heute bei verschiedenen Instrumenten von "Epiphone" findet. Das Modell "2076" verwendete wieder die klassische Esche. Beide Modelle wurden mit der sogenannten "XR-Bridge" ausgerüstet, einer speziellen Konstruktion, die Saitenreiter aus Messing verwendete. Auf eine Vibratoeinheit wurde, vielleicht aus Kostengründen, verzichtet, was für die nächsten Jahre bei der "Strat" wohl Programm sein sollte.

Die XR-Serie zeigt auch bei "Cimar" den seit dem Lawsuit bei vielen japanischen Herstellern zu beobachtenden Trend hin zu eigenständigen Modellen. Hier fand sich auch erstmals ein etwas schlankerer Kopf.

1980 findet sich das Modell "2077" als direkte Kopie des Originals. Auch hier wurde wieder Mahagoni oder "Judas-Wood" als Korpusholz verwendet. Eigenständigkeit demonstrierte man hingegen mit der neuen "Stinger-Serie":


Bild 5: Cimar Stinger-Serie aus dem Jahre 1980

Jetzt hatte der Korpus aus massiver Esche wieder die gewohnten Proportionen der Strat, allerdings hatte man der "Stinger" eine schlankere Taile spendiert. Erstmalig bot man jetzt mit dem Modell "2095" auch eine Version mit zwei Humbuckern an, während das Modell "2096" über die drei "klassischen" Single-Coils verfügte. Beide Modelle betraten auch aus elektrischer Sicht Neuland, denn ein Phasenumkehrschalter war bis dahin nur bei wenigen Instrumenten zu finden. Wie schon bei der "XR-Serie" wurde die "Stinger" ebenfalls mit Saitenreitern aus Messing ausgerüstet, wie es zu dieser Zeit auch bei Instrumenten vieler anderer Hersteller der Fall war.

1982 schien man sich wieder auf die klassische Form der "Stratocaster" besonnen zu haben. Allerdings wurde jetzt wieder Mahagoni für den Korpus verwendet.


Bild 6: Cimar Modelle 2070, 2071 und 2072 aus dem Jahre 1982

Damit sind wir auch schon im Jahre 1983 angelangt. Jetzt tragen die Strat-Kopien die Bezeichnungen "2100", "2105" und "2125" und gehören zur "Cimar Electric Guitar-Series". Der Korpus hat wieder eine leichte Modifikation bei den Cutaways erfahren. Er wirkt, zumindest auf den Fotos, wieder etwas gedrungener.


Bild 7: Cimar Modelle 2100, 22105 und 2125 aus dem Jahre 1983

Im Katalog kann man über diese Serie folgendes lesen:

...getting back to a basic guitar without all the special electronic circuitry and fancy flashing lights, just pure and simple electric guitar...


Hier findet sich in den Modellen "2105" und "2125" erstmalig wieder eine Vibratoeinheit. Die Saitenraiter aus Messing wurden ersatzlos gestrichen und durch solche der normalen Bauform ersetzt. Gleichwohl man sich damit wieder deutlich in Richtung originaler "Stratocaster" bewegte, blieb der interessierten Kundschaft der Korpus aus Mahagoni generell erhalten. Interessanterweise wurde hier auf die bei der Strat übliche zweite Tonblende verzichtet.

Wer sich diese Modelle genauer ansieht, dem fällt sofort eine große Ähnlichkeit mit der "Blazer" von "Ibanez" auf, die um 1981 erstmalig auf dem Markt erschien.


Bild 8: Ibanez BL-100TV

Neben dem Korpus besteht die größte Gemeinsamkeit bei der Kopfplatte. Hätte man auf einen Hals des Modells "2100" das Decal der "Blazer" aufgebracht, so würde man wahrscheinlich keinen Unterschied bemerkt haben.

Damit ist unser kleiner Ausflug in die Geschichte der Cimar-Strat (vorerst beendet).

Das Geheimnis wird gelüftet

Wer bis jetzt aufmerksam gewesen ist, der wird beim Betrachten von Bild 6 gedacht haben: "Hoppla, die kenne ich doch!" So erging es auch dem Onkel! Und tatsächlich ist in diesem Bild meine "Cimar-Strat" abgebildet. Es handelt sich also um das Modell 2070MH aus dem Jahre 1982. Das paßt, denn ich hatte die Strat ja 1983 gekauft. Nachfolgend die Spezifikationen der Modelle 2070 und 2071 laut Katalog:


Tabelle 1: Spezifikation der Cimar 2070 und 2071

Als ich damals meine 2070 gekauft habe, hatte der Händler auch eine Version mit Vibrato im Angebot. Der entsprechende Katalog scheint also nicht vollständig zu sein. Aber vielleicht hilft ja die Zeit...

Was ha'm wir denn?

Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man sich nach nunmehr 25 Jahren erstmalig so richtig mit seinem Instrument beschäftigt! Aber wie heißt es doch so schön? "Besser spät, als nie!" Fangen wir also an:

Mechanisches:

Von der Optik her ist klar, was man da vor sich hat: Einen waschechten Klon der "Stratocaster". Lediglich der Kopf wurde etwas modifiziert und statt der Vibratoeinheit verfügt die 2070 über eine "Fixed Bridge" mit Saitenreitern aus Messing. Nimmt man das Instrument in die Hand, so fällt einem sofort das Gewicht auf. Mit 4,2kg ist die 2070 ein echtes Schwergewicht, was mit Sicherheit dem massiven Korpus aus Mahagoni zuzuschreiben ist.

Der einteilige Hals besteht aus Ahorn mit einem aufgesetzen Griffbrett aus dem gleichen Holz. Die Breite beträgt gut 40mm am Sattel und 55mm am unteren Ende des Griffbretts. Der Sattel selber besteht aus Plastik, wie es bei einem Instrument dieser Preisklasse durchaus nicht ungewöhnlich ist.


Bild 9: Die Halsbreite am Sattel und am Ende des Griffbrett

Der Hals ist meiner Meinung nach eines der bemerkenswerten Features dieses japanischen Instrumentes. Meine Oakland hatte einen richtigen "Prügel", vermutlich ein fettes C-Profil. Die 2070 verwöhnt den Musiker mit einem relativ dünnen und flachen D. Die Dicke des Halses beträgt am Sattel rund 18mm und wächst bis zum 12. Bund auf 20mm an. Insgesamt also eine sehr bequeme Sache, was seinerzeit für mich der Hauptgrund des Kaufes war. Der Hals liegt einfach gut in der Hand!

Mit diesem Eindruck stehe ich anscheinend nicht alleine, denn bei Harmony-Central kann man in einem Review lesen:

The neck and the action are the strong points of this guitar, just beautiful to plan and as good to play as a USA Fender.... the action is a dream and guitar is pretty well finished.

Da die Kopfplatte etwas breiter als der Hals ist, wurde hier ein Stück Ahorn angeleimt, was vermutlich bei vielen Strats so gemacht wird. Er ist deutlich schlanker, als beim Vorbild und in dieser Form auch bei einigen Instrumenten von Ibanez zu finden.


Bild 10: Der Kopf der 2070

Die Saiten werden von sechs einfachen Mechaniken gehalten, die lediglich durch eine Staubschutzkappe geschützt werden. Das verwendete Material scheint jedoch über eine vernünftige Härte zu verfügen, denn die Mechaniken arbeiten auch heute noch einwandfrei. Der Achsdurchmesser einer Mechanik beträgt 6mm und wird in einer Einpreßhülse gelagert, die in einer 8,5mm Bohrung steckt.


Bild 11: Die Mechaniken der 2070

Der Korpus besteht vollständig aus Mahagoni. Wenn man sehr genau hinsieht, dann ist zu erkennen, daß insgesamt drei Teile verwendet wurden. Das einlagige schwarze Pickguard wird mit insgesamt 8 Schrauben am Korpus befestigt. "Fender" benutzt hier bekanntermaßen 11 Schrauben.


Bild 12: Der Korpus der 2070 im Dezember 2008

Elektrisches:

Auch im Hinblick auf die verwendete Gitarrenelektronik weicht die 2070 nicht vom Original ab: Ein Lautstärkeeinsteller und je eine Tonblende für den Hals-und Mitteltonabnehmer. Der stets höhenlastige Stegtonabnehmer braucht ja bei "Fender" schließlich auch kein "Tone".

Die Tonabnehmerauswahl erfolgt mit dem bekannten Blade-Switch mit fünf Positionen, der die für eine Strat typischen Tonabnehmerkombinationen ermöglicht.

Im Inneren findet man drei Potentiometer mit einem Kennwiderstand von 250kOhm und logarithmischer Charakteristik. Irgendwelche Abschirmmaßnahmen sucht man, wie bei so vielen "Stratocasters", leider vergeblich.

Bei den drei Tonabnehmern fällt auf, daß sich auf der Unterseite ein großer "Klotz" befindet. Hier finden wir also eine erste wesentliche Abweichung, denn Cimar verwendet hier, vermutlich aus Kostengründen, balkenförmige Ferritmagnete. In den Spulen selber sitzen also keine AlNiCo-Magnete, sondern jeweils sechs einfache Weicheisenkerne.


Bild 13: Ein Single-Coil der 2070

Man sollte diesem Unterschied allerdings keine so große Bedeutung beimessen. Natürlich hat das Magnetfeld einen leicht anderen Verlauf. Vergleichende Simulationen haben jedoch gezeigt, daß sich die klangrelevante magnetische Breite nicht signifikant verändert. Lediglich die Weicheisenkerne führen zu einem hörbaren Unterschied, denn aufgrund ihrer Leitfähigkeit entstehen dort Wirbelströme, die sich als Dämpfung der Güte auswirken und so die Spitze der Resonanz etwas verringern.

Die Wicklung ist ziemlich massv ausgeführt und offensichtlich gewachst oder in Lack getaucht worden. Mikrofonie kennt dieser Single-Coil also nicht. Das bekannte Brummen natürlich schon, aber wie kann man immer lesen: "Wenn es nicht brummt, ist es kein richtiger Single-Coil!", eine Meinung, die ich übrigens nicht unbedingt teile!

Ich habe die Tonabnehmer vor einiger Zeit im Labor mit Hilfe einer Meßbrücke charakterisiert und dabei folgende Daten ermittelt:

  1. Induktivität: 2,77H
  2. Kapazität: 82pF
  3. Gleichstromwiderstand: 4,74kOhm

Mit der typischen Beschaltung und einer kapazitiven Last von 700pF ergibt sich eine Resonanzfrequenz von 3,155kHz mit einer Spitze von 4,7dB, was einer Güte von 1,67 entspricht. Damit liegt dieser Single-Coil gleichauf mit dem "Tex-Mex Strat Pickup (Middle)" von "Fender". Seine Resonanz liegt unter der gleichen Bedingung bei 3,162kHz / 4,3dB. Wenn man sich vor Augen führt, daß "Fender" in den Tonabnehmern seiner Mexico-Modelle ebenfalls Weicheisenkerne mit zwei darunterliegenden Balkenmagneten verwendet (P-90-Aufbau), dann wird klar, daß die beiden Tonabnehmer absolut vergleichbar sind.

Wie es klingt

Tja, wie klang die 2070 denn damals im Jahre 1983? Heute sind andere Tonabnehmer nebst einer umfänglichen Modifikation der Elektronik im Instrument enthalten. Es ist also nicht einfach den originalen "Sound" zu beschreiben.

Fakt ist, daß ich die Cimar damals gekauft habe, weil ich den Klang einer "Stratocaster" wieder haben wollte und denn hat sie, trotz Mahagonikorpus, auch gebracht. Sie ist nicht so grell schreiend wie eine alte Strat aus den 50ern, was man auch schon den elektrischen Daten der Tonabnehmer entnehmen kann. Ich habe sie in den letzten Jahren immer dann eingesetzt, wenn ich den besonderen Sound einer Strat benötigte. Alte Aufnahmen von diesen Einsätzen habe ich im Moment leider nicht gefunden.

Allerdings gibt es ein Tondokument aus dem Jahre 1984. Hier habe ich die 2070 zusammen mit einem Mesa Boogie Mark II im Ougenweide-Studio in Hamburg im Rahmen eines Chorprojektes kurz gespielt. Hier die Aufnahme:

2070 goes Solo

Das war zugegeben nicht ganz "mein" Sound, aber Wolfgang Henko, der das Projekt damals als Tontechniker betreute, wollte das so haben.

Fazit

Mit einem Neupreis von 650 DM gehörte das Modell 2070 von "Cimar" damals schon zur "Upper Class" der Kopien. Verglichen mit meiner "Oackland" war sie für mich ein deutlicher Fortschritt und hat mich auch zurück zur Strat gebracht. Vergleicht man diese Strat mit der etwas teureren "Blazer" von "Ibanez", so ist festzustellen, daß sich die 2070 keinesfalls verstecken muß!

Wer heute speziell nach einer Mahagoni-Strat sucht, der findet hier ein gutes Instrument. Allerdings ist eine Beschaffung heute nicht mehr ganz einfach. Zum einen ist das Angebot auf dem Markt relativ klein und zum anderen scheinen doch einige Leute über die Qualität dieser Instrumente informiert zu sein. Ganz billig wird man also nicht zum Ziel kommen, sondern man sollte sich auf 150 bis 300 Euro gefaßt machen.

(Der vollständige Artikel ist ebenfalls in der Knowledgebase der Guitar-Letters zu finden.)

Ulf
 
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Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Hi Ulf,

ne Cimar hatte ich auch mal. Ganz in natur, wie das Modell hier in der Mitte - incl. dem 'Aschenbecher'
Damals, ich glaube es war '78, oder '79 neu gekauft im Angebot. Ich weiß nur noch, dass ich heftig auf dem extrem hochglanz lackierten Hals regelrecht rumgerutscht bin - starker Handschweiß eben. Das ging nicht lange gut und ich hab sie gegen eine Luxor Strat eingetauscht. Der damalige Kollege hat sie heute immer noch, er spielt sie mit abgebeiztem Hals

Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Super Recherche- Arbeit! Danke!
Bei der Erwähnug der Blazer kommt bei mir etwas Wehmut auf und ich wünschte, ich hätte meine BL350 damals nicht verkauft...


Zuletzt bearbeitet von Doc Line6forum am 11.12.2008, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Lieber guter Onkel!

Vielen Dank für diesen tollen Bericht!!! Jetzt weiß ich auch mehr über meine Cimar Strat. Es ist demnach eine 2070, allerdings mit einem vintage Trem und damals verchromten Reitern.
Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Sascha´s Strat schrieb:
Jetzt weiß ich auch mehr über meine Cimar Strat. Es ist demnach eine 2070, allerdings mit einem vintage Trem und damals verchromten Reitern.

Da täten mich natürlich ein paar Bülder interessieren... ;)

Ulf
 
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Verfasst am:

Re: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

DerOnkel schrieb:

Bild 8: Ibanez BL-100TV


Exakt diese Gitarre habe ich einmal besessen. Irgendwann habe ich sie verschenkt an jemand, der ein paar Fräsarbeiten (Humbucker) daran vorgenommen hat.

Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.

Da hier von der Blazer die Rede ist noch ein kleiner Schlenker:

1997 brachte Ibanez die Blazer-Reissue heraus. Es gab zwei Modelle, die BL-850 und die BL-1050.

http://news.harmony-central.com/Newp/SNAMM97/Ibanez/Blazer.html

Völlig unterschätzte, absolut großartige Gitarren. 2-teilige, fein gemaserte Erle-Bodies, ein tolles, ziemlich fettes Halsprofil, Halsrückseite unbehandelt, Gotoh-Hardware bzw. Wilkinson-Hardware und Sperzel-Tuner.

Wem die Ibanez-Pickups (V7, V8) nicht gefallen, der baut was anderes ein, 2 P90 und einen guten SC in die Mitte, oder aber 3 SC`s.

Ich besitze eine BL-850 mit drei Leosounds-PU´s, das ist jetzt eine Strat, die ich gegen keine Fender aus aktueller Produktion eintauschen würde, das ist nicht übertrieben.

Meines Wissens beendete Ibanez mit dieser Blazer Reissue-Serie endgültig das Zeitalter der Kopien und wandte sich ausschließlich eigenen Kreationen zu.

Tom
Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

He, das ist ja geil genau so eine habe ich auch noch. Die habe ich so ca. 1980 oder 1981 mal von meiner Oma (aus dem Westen) bekommen. Ich wollte eigentlich eine Strat , ja und da kam dann diese. Das war natürlich bei uns (im Osten) der absolute Renner. Na das ist halt ein Andenken an die Großmutter und die bleibt

http://www.bilder-hochladen.net/files/6mpp-6-jpg.html

http://www.bilder-hochladen.net/files/6mpp-7-jpg.html

hab schnell mal ein Foto gemacht
VG Garry
Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

DerOnkel schrieb:
Sascha´s Strat schrieb:
Jetzt weiß ich auch mehr über meine Cimar Strat. Es ist demnach eine 2070, allerdings mit einem vintage Trem und damals verchromten Reitern.

Da täten mich natürlich ein paar Bülder interessieren... ;)

Ulf


biddesehr!

Schlumpfblau und etwas verbaut...



ich würde sie gerne in den Originalzustand zurückverstzen....
Verfasst am:

Re: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

little-feat schrieb:
Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.

Bei einer Ibanez Blazer? Da bin ich aber sehr erstaunt, denn dieses Modell stammt aus den 80ern. Da sollten solche Schandtaten eigentlich Geschichte gewesen sein!

Sascha´s Strat schrieb:
Schlumpfblau und etwas verbaut...

Von den Bedienelementen und der Farbe her, würde ich auf eine 2070 tippen. Allerdings stört mich da das Vibrato. Das führt dann zu einer 2077 aus dem Jahre 1980 die es in BK, BS und WH gab. Wenn BS für blau steht, sollte einiges klar sein. Es bleibt dann die Frage des Korpusholz zu klären. Bei der 2077 wäre das Mahagoni oder Judas-Wood. Wie letzteres aussieht weiß ich leider nicht. Vielleicht kann Walter hier ja helfen?

Frage hat Deine Cimar eine Seriennummer auf der Halsplatte?

Sascha´s Strat schrieb:
ich würde sie gerne in den Originalzustand zurückverstzen....

Dann benötigst Du einen anderen Neck-PU. Wäre interessant, wie die Dinger von unten aussehen. Bülder??

Ulf
 
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Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Die PUs sind alle nicht mehr original. Am Hals ist ein Lace Sensor Gold, ehemals der Mittel-PU einer Fender Highway One Tele, die beiden anderen sind nachträglich eingebaute Shadows mit Inbusschrauben als Polepieces.
Zwei original PUs habe ich noch.

Die Mechaniken waren damals grottig, wackelig und ungenau. Hab sie vor ein paar Jahren gegen Klusons getauscht.

Der Korpus scheint Mahagoni zu sein, unter den Lackplatzern schimmert es rötlich durch. Die Gitarre ist für eine Strat auch verhältnismäßig schwer- spricht ebenfalls für Mahagoni.

Eine Seriennummer ist nirgendwo vermerkt, leider.
Ich habe die Gitarre 1983 bekommen und damals als 12 Jähriger selbst im Laden aussuchen dürfen. Ich war stolz wie Oskar.


Die Gitte steht grad im Proberaum, wenn ich im Januar wieder hinkomme, nehm ich sie mit nach Hause und mach noch mal gescheite Fotos
Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

Sascha´s Strat schrieb:
Zwei original PUs habe ich noch.

GROSSE Bülda?

Sascha´s Strat schrieb:
Der Korpus scheint Mahagoni zu sein, unter den Lackplatzern schimmert es rötlich durch. Die Gitarre ist für eine Strat auch verhältnismäßig schwer- spricht ebenfalls für Mahagoni.

Das spricht dann alles für eine 2077BS aus 1980!

Ulf
 
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Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

DerOnkel schrieb:
Das spricht dann alles für eine 2077BS aus 1980!

Ulf


28 Jahre!!! Dann kann ich ja bald ein H-Kennzeichen beantragen...

Die Kopfplatte hat übrigens das typische 80er Jahre Ibanez Design. Hilft das weiter?
Verfasst am:

Re: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

DerOnkel schrieb:
little-feat schrieb:
Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.

Bei einer Ibanez Blazer? Da bin ich aber sehr erstaunt, denn dieses Modell stammt aus den 80ern. Da sollten solche Schandtaten eigentlich Geschichte gewesen sein!


Das sehe ich auch so.
Meine Blazer 350 hatte einen Erle- Body und einen one- piece- maple- neck.
Verfasst am:

Re: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

DerOnkel schrieb:
little-feat schrieb:
Der Body bestand aus bester Pressplatte, furniert und braun gebeizt.

Bei einer Ibanez Blazer? Da bin ich aber sehr erstaunt, denn dieses Modell stammt aus den 80ern. Da sollten solche Schandtaten eigentlich Geschichte gewesen sein!


Irrtum ausgeschlossen. Ich habe sogar noch ein Foto gefunden. Es war übrigens kein Schichtholz, es war eine Art Spanplatte. Zumindest von gleicher oder ähnlicher Zusammensetzung.



Das gleiche galt übrigens für eine Squier made in Japan, Fuji Gen Gakki, Seriennummer PXXXXXX.

Von den Fuji-Gitarren bin ich absolut begeistert (Fernandes, Greco, Burny usw.)

Aber diese Squiers hatte Fender wohl auf ausdrücklichen Wunsch aus Schichtholz herstellen lassen.

Die klang übrigens rattenscharf, aber ich Idiot habe sie verkauft, eben wegen dieses Papp-Bodys. Manchmal ist man wirklich zu dämlich.

Heute kann man mich, wenn es um eine Solid-Body geht, mit "Klangholz" nicht mehr beeindrucken.

Tom
Verfasst am:

RE: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

gepresstes sperrholz hat schwingungseigenschaften, die näher an ein ideales schwingungsverhalten rankommen.

das heisst aber nicht unbedingt, dass sperrholz besser als erle klingt, das hängt von den wechselwirkungen zwischen allen komponenten ab.
Verfasst am:

Re: Cimar Modell 2070MH - Das Ende der großen Unbekannten

DerOnkel schrieb:
Von den Bedienelementen und der Farbe her, würde ich auf eine 2070 tippen. Allerdings stört mich da das Vibrato. Das führt dann zu einer 2077 aus dem Jahre 1980 die es in BK, BS und WH gab. Wenn BS für blau steht, sollte einiges klar sein....

Ich muß mich doch noch einmal korrigieren. Zwei Gründe:

1. Die 2077 gab es nicht in Blau, denn BS steht für Brown Sunburst

2. Deine Cimar hat den neuen Blazer/Roadster-Kopf.

Demnach würde ich doch eher auf eine 2070BL tippen. Einziges Manko ist das Vibrato, welches im Katalog nicht erwähnt wird. Hmmm... ist halt ein schwieriges Kapitel!

Ulf
 
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Verschoben: 14.12.2009 Uhr von Schnuffi
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