Marshall JCM900 Dual Reverb 50W

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Marshall JCM900 Dual Reverb 50W

Ich habe den JCM900 High Gain Dual Reverb 50 Watt (MR4500) und dazu eine JCM900 1960 B Box. Er ist etwa Baujahr 1990/1. Als Röhren hat er 3x ECC83 und 2x EL34. Ist also einer der alten 900er. Der hat zwei Kanäle die jeweils einen Master- und Gain-Regler für sich haben, als auch getrennte Reverb-Regelung. Beide Kanäle haben einen gemeinsam EQ mit Presence, Bass, Mid, High. Er hat einen seriellen Effektweg (wo man den Input einregeln kann) und einen Direkt out als auch einen Recording. Zwei Boxen Anschlüsse (4, 8, 16Ohm)

Wer sich diese Kiste kaufen will, sollte es sich wirklich überlegen. Man sollte sich immer erst mal das Konzept eines Amps anschauen, bevor man diesen kauft. Die 900 Serie sollte ein Amp sein der einfach gestaltet ist und übersichtlich ist. So hat dieser auch entsprechend weniger Regler dran.

Von Sound her ist dieser sehr höhenlastig. Das kommt unter anderem Daher, da bei ihm nach der Vorröhre Dioden eingebaut sind, die den Sound glätten. (Also komprimieren) Das dieser aber komprimiert klingt steht auf der Marshall-Homepage. Also wer sich genau über dieses beklagt, hat recht. Aber es ist halt das Konzept. Wer das absolut nicht will, braucht sich den gar nicht zu kaufen.

Wer einen Amp haben will der Clean und im hohem Gain fahren will, ist bei diesem Amp auch falsch beraten. Dafür ist er nicht gemacht. Er ist dafür gemacht, daß man sich im Kanal A seine Grundsound einstellt. Und den Kanal B als Lead benutzt. Drum heißt der Leadgain. Quasi ihr spielt die Begleitung in A Kanal. Und wenn ihr ins Solo geht, schaltet ihr auf B um. Man erinnere sich das zu Zeiten von Led Zep und Stevie Ray, oder auch Hendrix. Die hatten dieses Prinzip in ihrer Musik. Auch heute wird das noch so gemacht. John Fruciante beispielsweise. Wollte man die Zerre im Grundsound zurücknehmen, wurde das am Volume der Gitarre geregelt. Ein wunderbarer Effekt!

Der Theadseller bemängelte, daß der Amp erst bei hoher Mastereinstellung richtig gut kommt. Ja. Das ist aber bei allen Vollröhren so. Da die Sättigung der Endröhren bei Klangverhalten eine entscheidende Rolle spielt. Es ist ja erst der typische Röhrensound, wenn die Endröhren richtig zu tun haben. Und bei einer 50W Röhre wird es nun mal laut. Ein 100W wird halt noch etwas lauter.... Das im Wohnzimmer loszulassen, tut den Ohren gar nicht gut. (Und die Nachbarn mögen’s nicht) Die sind auch nicht für die Wohnzimmer gebaut, sondern für die Bühne. Die Sättigung der Endröhren spielt bei Vollröhren eine ganz entscheidende Rolle. Erst wenn diese ihre Kraft entfalten, bekommt die Röhre ihren typischen Klang. Und Hendrix, Clapton und Co. Haben diesen Sound halt so geprägt. Gitarristen die nicht auf Highgain fahren sondern eher weniger zerre nutzen, wie John Frusciante machen das heut noch so. Und das kann der Amp. Ob es einem klanglich zusagt, das ist wohl individuell.

Ich finde, daß er leise deshalb auch relativ gut klingt.

Um den idealen Sound zu erhalten muss man den Master voll aufdrehn und dann den Gain zuregeln. Macht man Leadgain und Master auf Max. Haut er freilich allein wegen der Lautstärke einen weg. Aber damit er halt nicht zu laut ist und die Vorröhren Zerre besser raus kommt, dreht man den Master beim Highgain etwas zurück. Macht ihn Transparenter. Laut ist der dann aber immer noch. Schwierig ist dies zu Hause auszuprobieren. Da die heimischen Wände doch recht viel Schall wieder geben und sich zu Haus der Sound hochschaukelt. Aber irgendwo muss man mal probieren... Wenn man aber weiß, was aus der Box kommt und was von den Wänden, geht’s.

Was der Amp definitiv nicht kann. Er kann einfach den Sound, wie John Petrucci oder Adam Jones ihn hat, nicht erreichen. Aber diese benutzen ja auch keine Marshall oder zumindest nicht ständig. Ich bin auch persönlich der Meinung, daß der JCM900 sehr empfindlich auf die Gitarre reagiert. Mit einer minderwertigen Gitarre, klingt er auch minderwertig. Passt nicht jede Gitarre zu ihm. Den Superhighgain kann er einfach nicht. Aber welcher Amp aus der Zeit bringt den schon im Vergleich zu den heutigen.

Es passen auch nicht alle Zerrtreter zu ihm. Hier muss man sicherlich sehr rumprobieren. Aber man kann davon ausgehen, daß generell nicht jedes Effektgerät zu jedem Amp passt. Dies würde ich an der Stelle nicht als Maßstab für den Amp betrachten.

Als weiteren Nachteil empfinde ich das er sehr höhenlastig ist. Das kann in der Zerre schon mal richtig hässlich klingen. Auch deshalb braucht er eine gute Gitarre. Aber ein solch hässlichen Sound habe ich auch schon bei anderen Marken vernommen. Aber das kriegt man durchaus in dem Griff. Die Recording und Direkt Ausgänge sind meiner Meinung nach absolut nicht zu gebrauchen. Ich bin allerdings jemand, der die Abnahme mit Mic bevorzugt.

Dem Konzept nach, ist er auch nicht der flexibelste Amp den man sich wünschen kann. Er wurde halt den damaligen Bedürfnissen angepasst (Rhythm / Lead). Aber ein absoluten universalen Amp gibt es sowieso nicht. Doch wer halt genau dieses Rhythm / Lead Prinzip umsetzen will, ist bei dem Amp an der richtigen Stelle. Dann ist es nur noch die Frage, ob der Sound passt.

Als riesigen Vorteil bei diesem Amp empfinde ich, daß die Kiste extrem Robust ist. Dafür ist Marshall bekannt. Den Kasten kann man treten und er läuft immer noch. Abgesehen von den Proti- und Röhrenabnutzung, was normale Verschleißteile sind. Hat der Amp noch nie ein Problem gehabt. Er ging immer an. Auch die Bias musste nie korrigiert werden. Dann ist er nicht ganz so kosten intensiv beim Röhrenwechsel, da er nur 5 Röhren hat. Allerdings billig ist das auch nicht. Die ganzen Röhren kosten glaub um die 120,- (lange nicht geschaut^^)

Fazit:
Ist ein Superrock Amp. Man sollte sich aber überlegen ob man diesen auch für seine Musik verwenden kann. Wenn er passt ist er schon ein recht guter Amp, auf den man sich verlassen kann.
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