Kleines Realtone Review

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Kleines Realtone Review

Haben ja einige mitbekommen.
Aus Gründen der Frequenzüberschneidung mit unserem Harper [an 3 verscheidenen Speakerpaarungen] hatte ich mich ja entschlossen den Guytron GT100 abzugeben.
So schade, aber was nutzt ein noch so toller Amp, wenn er nicht in unser Bandgefüge passt ?

Ein Realtone stand lange auf dem Zettel, scheiterte aber bisher immer am angehängten Preisschild von 3300€ zzgl. 280€ für ein Flightcase.

Den Wert oder Ton oder was auch immer aussen vor -das ist für einen puristischen Amp der 33Watt Liga schon echt ein Wort. PtP hin, edle Komponenten her... für 3600€ nur für ein Topteil muss Vati lange stricken und mit einem kleinen Sohnemann im Haus liegen die Prioritäten doch eher auf LtL [Lego to Lego] anstatt PtP.

Hinzu kommt dann noch eine Idealbesetzungsbox mit 2x Celestion Blue AlNiCo, die schon alleine 350€ das Stück verschlingen.
Also regulär nochmal einen guten 1000er drauf.

Schied also schon rein aus Vernunftsgründen aus.


Just als ich den Guytron aktiv zum Verkauf anbot tauchte ein 33 Watt Realtone zum Verkauf auf.
Hm, beide möchten etwas verkaufen und ich lauerte schon lange auf einen Realtone.
Also dachte ich mir "warum nicht mal versuchen"

Darauf hin den Verkäufer angeschrieben, ob er nicht tauschen mag und siehe da er mochte.

Was dann hier ankam: Amp optisch in Bestzustand, das Endröhrenpaar hat den Versand nicht so gut überstanden und quittierte alsbald den Dienst.

Erste Tests mit meiner alten G12M65 Box... klingt gut, aber nicht perfekt.
Der Amp ist an sich nicht sonderlich grell im Klangbild, die G12M65 aber auch nicht.
Im Gegenteil - das sind DIE Speaker um bissige Marshall Leadsounds etwas aus dem Reich der Gehörgangfräse zu holen.

Also auch gleich die komplette Box verkauft und ein neues Cab bei Tubetown geordert.

TT ist für mich sowas wie eine Boxenreferenz geworden.
Alle Cabs vom Dirk klangen bisher wirklich gut und das ganze auch noch zu erschwinglichen Preisen.

Zudem die Blauen als Erweiterung zu einem Boxenkauf beim Dirk doch sehr erschwinglich werden.
Somit konnte ich gleich noch zwei der Schlümpfe mady by Celestion mitordern.

Amp:

Klassisches Plexi Headshell JTM45 Größe, schwarzes Tolex, goldes Piping.
Dazu das Realtone typische hinterleuchtete Logo.

Einkanliger Aufbau mit Hi und Low Input

Faceplate Belegung von Links nach Rechts:

Netzschalter, Stand By, Master, Reverb, Bass, Mid, Treble, Volume, Inputs

Ein kleines, aber liebenswertes Detail: legt man erstmal nur den Netzschalter um erstrahlen das Logo und die hinterleuchtete Faceplate.
Die bernsteinfarbene Pilotlamp hingegen bleibt dunkel.
Erst wenn man den Stand By umlegt erstrahlt auch diese.

So weiß man immer ob man auf einer Session oder der Probenpause
den Amp auch auf Standby stehen hat.


Hinten hat er Sicherung, Ersatzsicherung, Netzstecker, Boxenanschluß, Impendanzwahlschalter und einen Einschleifweg der über ein Stereo Y-Kabel genutzt werden kann.

Die meisten Realtone werden ja mit EL84 geordert.
2 Stück für die 18er, deren 4 für die 33er.
Sonderbestückungen wären 2x6V6 für die 18er.
Und eben die eher etwas selteneren Amps mit EL34 Bestückung wie auch die Freischlader Signature Amps.

So ist auch meiner bestückt.
Sehr schön dabei - der Amp kann wahlweise mit EL34, 6L6 oder KT66 betrieben werden.
KT´s wären nochmal einen Test wert, aber 6L6 nur für Notfälle wenn mal ein Röhrensatz abraucht und keine EL34 mehr da sind.
Der Amp wird mir zu "Fendrig" mit den 6L6.... er sollte ja gerade deutlich british klingen.

Die Vorstufe reagiert vorne auf den beiden Gainstages V1 und V2 wirklich massiv auf die verwendeten Röhren.
Auch der Endstufentreiber greift nochmal dicke in´s Klangeschehen ein.

Gegen alle Erfahrungen oder Vorlieben für Vintage und NOS.... wenn man es denn mag würde der Amp auch mit billigsten No Name China AX7 klingen.
Sind nicht ganz meine Baustelle, weil sie echt ein mörder Gain liefern den ich nicht brauche, aber in Sachen Höhen, tighten Bässen und Tone war das durchaus eine Überraschung, sogar JJ EC83S passen gut rein.

Für den Einsatz als Endstufentreiber als beste Wahl in Bezug auf Preis/Leistung befunden, tickert jetzt eben eine solche JJ EC83S an der Position.

AT7 als Halltreiber: die vorhandene NOS Siemens liegt jetzt in meiner Schatztruhe alter Röhren.
Klang viel zu sehr nach Kathedrale und hatte einen Regelweg der unbrauchbar war.
Hier ist jetzt eine Allerwelts Electro Harmonix AT7 drin.

Beide Gainstages sind bei mir aus dem eher etwas schlapperen NOS Fundus belegt.
Waren da... wie oben geschrieben braucht es der Amp aber nicht.
Hier schwanke ich noch zwischen 5751 oder 7025.
Auch Mullard Reissues passen gut oder alte RCA Blackplates.

Aber nochmal - wenn ich die ganzen NOS Schätzchen nicht zufällig noch alle im Fundus haben würde, würde ich schlicht einen großen Haufen billige Allerweltsware kaufen und daraus das passendste aussuchen, da der Amp damit durchaus eine gute Figur macht.

So oder so macht es wirklich großen Spaß den Amp hier zu erleben, wie jede Röhre doch massiven Einfluss zeigt.


Der Gleichrichter ist eine TAD GZ34

In der Endstufe allerdings werkeln St. Petersburg Svetlana Winged C.
Gehen tatsächlich in die Mullard Richtung, aber sind immer noch weit weit von den irrsinnigen Preisen für NOS Bestückungen entfernt.

Ein Tipp vom Ferdi bezüglich JJ E34L, als toll klingende Billigröhre wird noch verfolgt werden.
Schließlich rennt das Ding in Class A und frisst Endröhren wie geschnitten Brot, da würden auch die Winged C ein Kostenfaktor werden.
Wenn das dann eher mit billigen JJ´s geht... nur zu.

Master: Der Master ist ein wirklich excellent funktionierender PPIMV der erst im Regelweg unterhalb 8Uhr [7Uhr wäre aus] langsam anfängt den Klang etwas bröselig zu machen.

Jaaaa, auch dieser Amp klingt mit Master ganz offen am schönsten, ist aber, sofern man ganz ohne Pedale spielen möchte auch schon ganz schön laut.

Für mich als eigentlichen Verfechter der Non Master Amps ist dieser Master wirklich eine neue Erfahrung.
So gut habe ich das noch nicht wahrgenommen.
Live wirklich mehr als brauchbar und was überbleibt ist echt geiler Sound, der den Gitarristen freut, aber auch den Wirt milde stimmt, weil man wirklich leise kann.

Lautstärke - hier muss ich revidieren.
Jetzt mit etwas Einspielen ist der Amp doch ordentlich laut.
Er hat diese analytische, klare punchige Abbildung des BF nicht, was ihn gefühlt etwas leiser macht, was er aber tatsächlich nicht ist.

Endstufensättigung im kleinen Club gäbe hier und da schon wieder Mecker.

Tonestack:
die Regler beeinflussen sich gegenseitig deutlich, wobei der Amp immer "gut" klingt.
Nur für seinen persönlichen Sound muss man eine Weile fummeln.
So musste ich erst wieder lernen, das der alte Fender von Haus aus Monstermitten hat - die man eher etwas wegdreht.
Der Realtone aber mag eher etwas angehobene Mitten und setzt sich damit deutlich im Bandkontext durch.
Bässe dürfen so zwischen 9 und 11Uhr sein, also schon deutlich abgesenkt.
Aber lieber weniger, weil den Bass ja bitte der Bassist erledigen soll.

Höhen nach Gusto... ich als Klingeling Liebhaber hab das gerne zwischen 13 und 14Uhr.

Volumen.... schwierig.

Je nachdem was man möchte.
Wenn man etwas lauter spielen darf ist die Variante Volume auf 14-15Uhr absolut der Hammer.
Gitarre, Kabel, Amp - liefert selbst mit der Strat schon einen wirklich schönen, dichten Leadsound, der sich mit dem Volumenpoti bis Clean wegdrehen lässt.
Da der Amp sich aber auch blendend mit Tretern versteht ginge auch die Variation Volumen auf 9Uhr, vielleicht bis 10 - so bleibt der Amp auch mit Humbuckern Clean.
Mit Treter davor ist der Leadsound dem puren Ampzerren sehr ähnlich, wenn auch etwas "bedeckter".

Kann man Klang beschreiben.. schwer - daher beschränke ich mich auf grobe Richtungsbeschreibungen und erste Erfahrungen vom ersten Gig mit dem Apparat.

Das alles habe ich bisher meist nur mit dem Volumenpoti der Gitarre geregelt.
Eine funktionierende "Anti-Höhenklau Einrichtung" ist bei so einem Amp unbedingte Pflicht, weil es sonst Clean nicht mehr nach Plexi und AC30 sondern nach Pappe und Mullbinde im Speaker klingt.


Clean: Irgendwo zwischen altem Plexi und Vox AC30.
Sehr räumlich, tief und rund mit viel Anschlagsdynamik und "Knack"
Allerdings nicht so brachial punchy wie der Super Reverb, aber "zahm" wäre anders.

Crunch: Von leichter Krokantglitzerhülle um den Clean bis zum AC/DC Brett geht alles.
Ich würde mich auf einer der nächsten Sessions mal über eine Paula mit P90ern an dem Amp freuen... das müsste der Hammer sein.

Leadsound: sehr harmonisch, sehr dicht. Die singende tonale Qualität von einem alten JTM mit dem Biss eines alten Plexis und der Tiefe eines aufgerissenen Vox.
Hier ist dem Andreas ein echt schöner Ton gelungen, den bisher noch keiner meiner Amps so abgeliefert hat.

Ohne Pedal davor und selbst auf Vollaufriss zerrt der Amp zwar mächtig, bildet aber den Anschlag sehr deutlich ab und legt keinen Mantel des gnädigen Matsches über das Spiel.
Wer pfuscht fällt auf.

Im Bandkontext ist der Amp stets da. Auch leise gespielt setzt er sich durch und grenzt sich durch seinen Brit-Charakter schön vom Super Reverb unseres Sängers ab.
Macht den Sound damit schön luftig.

Fazit: wollte ich haben, alle im Laden erspielten Erfahrungen haben sich im Bandeinsatz bestätigt.
Aber auch ein Schatten - Hand auf´s Herz.. ohne den Verkauf der Box und den Tausch gegen den Guytron wäre mir der Amp erheblich zu teuer gewesen.

Das ist echt eine Hausnummer, die für Realisten, Familienväter oder einfach arme Leute schon etwas sehr weit oberhalb von Gut und Böse liegt, egal wie gut das nun alles klingt.
Da macht man doch besser Sommerurlaub mit der Familie

Nun - ich weiß was ich damals für den Guytron bezahlt habe und was mich meine neue Box an Aufpreis gekostet hat, bzw. ich für die alte bekommen habe.
Das Gesamtpaket ist dann so eine Liga, wo sich auch Amps vieler Großserienhersteller sei´s Fender oder andere tummeln und somit für mich ok.


More to come incl. Soundfiles wenn die Speaker mal ein wenig eingespielt sind.

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Grüße
MIKE
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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