LANEY LC30-112 (neues Modell)

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LANEY LC30-112 (neues Modell)

Seit gestern ist er mein... ein schnuckeliger kleiner Combo (na gut , 20Kg) namens LANEY LC30-112

Zu den Fakten:
30W Leistung
Zwei Inputs, Low und High. Bis auf die Empfindlichkeit kein Unterschied im Sound.
Zwei Kanäle mit eigenen Gain / Mastervolumen
Statt Presence-Control ein sogenannter Tone-Regler, mit dem sich der Gesamtsound weicher oder schärfer einstellen lässt.
Vorstufe: 3x ECC83 TAD selected premium, 1x TAD 12AX7 High Grade in V1.
Endstufe: 4x EL84 TAD Premium
Speaker: Celestion 70/80
Anschluß für externen Speaker. 4/8 Ohm-Impedanzumschalter

Channel 1:
Vom Eindruck her sehr VOXy, allerdings mit Fender-Style Tonestack Bass, Mid, Treble. Dazu noch ein Bright-Switch (sprich Top Boost )
Der "Clean-Kanal" oder sagen wir besser Kanal 1, hat schon erhebliche Gainreserven. Wer eine Strat auch mit Brutalanschlag noch clean haben möchte, sollte den Gain nicht über 3 drehen. Ab 6 cruncht es schon ganz ordentlich und auf 10 geht's schon in Richtung AC/DC
MIt Gain auf 3 und Volume auf 7 hat man einen wunderschönen perligen Cleansound, dem die weich einsetzende Endstufensättigung einen richtig schönen "Chime" aufsetzt. Wenn man ein gutes Poti mit Treble-Bleeder in der Klampfe hat, kann man auch den Gain auf 7-8 hochziehen und mit dem Volume-Pot an der Gitarre von clean bis fat crunch fahren. Sehr schön!
Konnte mich lange Zeit von dieser Einstellung nicht mehr losreissen. Von Mark Knopfer-, Hank Marvin-, Beatles bis hin zum angesifften Animals Sound à la "House of the Rising Sun" ist alles drin.
Warme jazzige Sounds sind auch kein Problem. Das Tonestack arbeitet sehr effektiv.
Zu den Inputs kann ich nur sagen, daß Instrumente mit heftigeren Humbuckern in diesem Falle am Low-Eingang angeschlossen werden sollten, sonst kann es schnell mumpfig werden, wenn viel Gain gefahren wird. Der Bright-Switch addiert eine schöne Portion Höhen dazu, die aber nicht so heftig ausfällt, wie so ein Kondensator über das Gain-Poti, was viele ja machen. Eher dezent und nicht abhängig von der Gain-Einstellung.

Der zweite Kanal hat zwei Röhren-Gainstufen mehr als Kanal 1 und kann schon ein recht heftiges Brett abliefern. Zwar kein Recto-Territorium, aber schon reichlich! Jedenfalls noch etwas mehr als mein Trainwreck-Clone.
Das Tonestack ist auch typisch Fender. Wenn alles auf Null steht, kommt nix raus Der Regelbereich ist sehr umfangreich. Bass 7, Treble 10 und Mitten 0 ergibt sogar einen typischen "Scooped Sound" , alles auf 10 das amtliche Marshall-Brett!
Der "Modern-Switch" addiert einen Hauch mehr Mittens ins Klangbild. Ich vermute mal, daß hier die Notchfrequenz des Tonestacks verschoben wird.
Mit einem Gain auf 5 und Volume auf 6 hat man durch Kontrolle an der Gitarre das gesamte Spektrum von glasklar bis derbe Blues-Zerre. Noch höher ist dann für die Hard & Heavy-Fraktion, wobei man dann auch naturgemäß mit etwas mehr Grundrauschen rechnen muss.

Der Hall klingt sehr angenehm, ist aber nicht so laut zumischbar wie bei manchen Fender-Kollegen, wohl auch zur Vermeidung von mechanischer Rückkopplung im Combo. Keine Angst, Hall ist genug da... Da werden höchsten die Twanger der Surffraktion noch mehr wollen.
Er ist per Fußschalter deaktivierbar.
Die Kanalumschaltung werkelt knackfrei und unverzüglich. Nix zu meckern... ausser daß der Fußschalter ab Werk keine LEDs haben kann.
Dafür gibt's ne LED auf der Frontplatte.

Statt eine Presence-Potis gibts in der Amp-Sektion einen "Tone"-Regler, der im Gegensatz zum klassischen Presence die Höhen nicht nur anheben, sondern auch passiv abschwächen kann, ähnlich als wenn man an der Gitarre die Höhen wegnimmt. In Mittelstellung 5 ist er neutral. Das Ding ist sehr praktisch, um den Amp mal eben fix auf den Raum anzupassen, oder bei High-Gain -Setup auf Zimmerlautstärke die manchmal unvermeidlichen Preamp-Britzelhöhen wegzufiltern oder den doch recht breitbandigen Celestion Seventy-80 etwas mehr nach "Hanfmembrane" klingen zu lassen.
Bei höheren Lautstärken blüht die Endstufe richtig auf und klingt keinesfall harsch, eher glockiger und runder... Halt 4x EL84...

Im Gegensatz zu ältern LANEY LC30-Versionen, die keinen Master Tone-Regler hatten, kommt noch eine Neuerung im Effektweg dazu. Wo es früher nur einen Paralleleinschleifweg gab, gibt es jetzt einen dreistufigen Schiebeschalter, der die passenden In/Out-Pegel für Bodentreter (-10dB) oder Studiopegel (0dB) liefert oder für die Puristen den ganzen FX-Loop aus der Signalkette wegschaltet.
Hier hätte ich mir persönlich gewünscht, statt Hall An/aus den Effektloop per Fußschalter zu aktivieren. (Kommt Zeit, kommt Lötkolben )

Dem Celestion Seventy-80 habe ich anfänglich etwas skeptisch gegenübergestanden, aber er verrichtet seine Arbeit sehr gut und es besteht erstmal kein Grund für ein Upgrade. Vielleicht irgendwann mal einen Jensen Jet Blackbird (träum....)

Die Verarbeitung des Amps macht einen sehr guten Eindruck. Die Röhren sind durch ein kräftiges gewinkeltes Gitter sehr gut geschützt, nicht nur nach hinten, sondern auch nach unten.
Es klappert und rappelt gar nix. An den Röhren gibt es nix zu mäkeln. Keine Störgeräusche ausser einem weissen Rauschen bei HighGain, was völlig normal ist (Phsyik halt...)
Keine Mikrofonie, kein Bratzeln und keine Spur Brummen.
Da scheint TAD was nettes rausgesucht zu haben.

Kleiner Wermutstropfen... Ich habe mir vor einem halben Jahr den Blackstar HT-Dual Bodentreter gekauft, um meinen damaligen Einkanaler vielseitiger zu machen... Das Ding ist nun obsolet, weil die damit zu erzeugenden Sound einwandfrei vom Amp selber erzeugt werden können.
Wer also noch eine braucht, melden

Zur Zeit habe ich in den Effektweg meine Johnson J-Station eingeschliffen, da sie sehr schöne Effekte liefert und auch einige Super-Highgain Sounds sehr schön erzeugen kann, wobei ich die Boxensimulation nicht aktiv habe und den "Gain" an der Station auf Linksanschlag. Den richtigen Overdrive erzeuge ich lieber mit dem Laney.
Die J-Station macht dann das letzte Quentchen Schmutz, Scoop oder andere Frequenzgangverbiegung dazu. Ein echter Hardware-Bypass ist bei dem Ding aber schon wichtig, weil es auch ohne irgendwelche eingestellten Effekte etwas Brillianz raubt, wenn man es mit dem direkten Signalweg am Amp vergleicht.

Kurzum und Fazit: Der Amp liefert mir mit seinen zwei Kanälen 90% von allem , was ich für meine Covermucke brauche. Den Rest fügt die J-Station an Effekten hinzu.

Positives:
Sound,
Verarbeitung,
Vielseitigkeit,
Lautstärke,
Möglichkeiten des Einschleifweges.
Alle Umschaltungen knackfrei und unverzüglich.

Negatives (muß ja auch sein):
Kein Support für LEDs im Fußschalter. (FS muß zusätzlich gekauft werden)
Hätte mir gewünscht, statt Hall den Effektinsert per Fuß schalten zu können.

Strassenpreis 599 ,-

Im Direktvergleich im Proberaum lässt er einen Peavey Bandit 112S extrem alt aussehen... (obwohl der 50 Watt mehr hat...)
Selbst mit meinem Trainwreck Express-Clone kann er mithalten und auch dessen besondere Eigenschaft in Punkto Reaktion auf das Volume-Poti an der Klampfe haben mich so sehr überzeugt, daß ich den Ceriatone TWreck jetzt verkauft habe. Der gehört halt in's Studio in würdigere Hände, wo auch keine blitzschnelle Soundumschaltung etc. gefragt ist. Für Lifemucke in einer Coverband ist das wie mit'm Ferrari übern Acker. Der LANEY ist hier im automobilen Vergleich eher ein SUV .
Im Proberaum liefert er sogar mit meiner Akustikgitare (Lâg Tramontane mit Shadow Nanomag /Nanoflex) mit passender Einstellung auch ein durchaus akzeptables Klangbild ab ( O.K. Schertler , AER und Co sind da nun doch eine andere Liga, aber es klingt doch ganz angenehm)

Gruß

Stefan
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