Kurzreview Boss ME70 Multieffektpedal

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Kurzreview Boss ME70 Multieffektpedal

Seit etwa 3 Wochen ist es meins, das neue Boss ME-70 und es hat jetzt schon drei Livegigs gut gearbeitet.

Zu den Features gibt's ja schon tonnenweise Infos im Netz, daher hier nur ein kurzer Abriss:

Vollkommen analoges Feeling bei der Bedienung. Jede Funktion hat ihre Regler, wie man's von separaten Effektgeräten kennt.
Neu zum Vorgänger ist eine Amp-Sektion mit 5 verschiedenen Modellen oder alternativ einem 4-Band EQ.
Obwohl das Ampmodelling bei der Anschaffung eher nebensächlich war, hat mich die Tonqualität jedoch von den Socken gehauen, besonders bei aktiver Speaker-Emulation, die durch EInstecken eines Blindsteckers in die Kopfhörerbuchse auch für den Line-Out aktiv wird.
Die Amp-Modelle sind sehr dynamisch spielbar, d.h. man kann eine Menge mit dem Volume-Pot der Gitarre anstellen, viel besser als beim meiner bisherigen J-Station bzw. Line6-Bohne älterer Bauart.
Komischerweise habe ich über meinen Laney LC30-Amp den besten Sond, wenn ich mit eingeschalteter Speaker-Sim in den Effekt-Return des Amp gehe. Egal, wie man es dreht, es klingt einfach einen Tick voller und fetter als ohne. Mein Setup der letzten Gigs: Den Laney-Amp (Fx-Return)am Phones-Ausgang angeschlossen (als Stage-Monitor für mich) und über die Stereo-Line-Outs in die PA.
7 Effekte bzw. Bearbeitungsmodi sind gleichzeitig möglich.
Man kann sie sich als Wah/whammy-Pedal, 4 Stompboxen + Amp + Hallgerät vorstellen

Die Kette sieht so aus:
1.Pedal: Wah/ Whammy oder Volume (auch Parameter für Delay und Modulation schaltbar)
2.Switch1: A.Solo-Booster mit Klangregelung , B. Compressor, C. Auto-Wah, D. Filter Humbucker-Y SingleCoil und umgekehrt, dazu dann noch ein Defretter und Violin-Effekt.
3.Switch2: Diverse Verzerrer Stompboxen von Boost bis Fuzz
4.Switch3: Mod-Sektion mit Chorus, Phaser, Flanger, Univibe und auch einem kombinierten Chorus+Delay + Pitch-Shifter und Harmonizer.
5.Switch4: Delay-Sektion, analog, digital, reverse, auch ein chorused Delay und natürlich die Looper-Funktion.
Mit einem externen Doppelfußtaster dann noch..
6. Switch5: Amp bzw. EQ Ein/aus
7. Switch6: Reverb ein aus.

Der Reverb hat nur einen Drehregler. Dieser beeinflusst die Intensität und schaltet auch zwischen verschiedenen Hallarten um. Nicht editierbar, aber praxisgerecht.

Zur Speicherung von Sounds stehen je 9x 4 Presets zur Verfügung (36 feste Factory-Sounds in den P-Banks und 36 freie Plätze auf den U-Banken). Bis auf die Stellung des Fußpedals wird alles in einem Preset gespeichert, was man auch einstellen kann.

Wer eher ein Freund der diskreten Stompbox ist, ruft ein Preset auf, drückt dann gleichzeitig Taster 3+4 und landet im Edit-Mode. Hier lassen sich alle Effekte in alter Manier an- und ausschalten. So kann man sich quasi 36 vordefinierte Pedalboard-Szenarien ablegen. Geile Sache.
Beim Aufrufen sind die Pedaltaster so gesetzt wie zum Zeitpunkt des Abspeicherns.
Separate Fußtaster waren für mich ein Muß (Ein Doppeltaster mit Stereoklinkenstecker ist das). Im Preset-Modus schaltet man damit die Bänke rauf und runter. Für Stompboxer bieten sie dann halt noch den Zugriff auf EQ (oder Amp-Model) und den Hall.

Weitere Features findet man im Netz...

Ich benutze den ME-70 auch für meine Akustikgitarre, wobei ich dann statt des Ampmodellings den 4-Band-EQ nutze.
Im Amp-Bypass bzw. EQ-Betrieb ist die Speaker-Emu natürlich inaktiv.
Sogar Bass geht geil, wobei ich da allerdings Amp und EQ aus habe, da dessen Einsatzfrequenzen eher für Gitarren gedacht sind.
Alle anderen Fx arbeiten auch prima mit meinem 5-Saiter!


PROs:

Die Qualität der Ampmodelle gefällt sehr. Die Klangreglung erweist sich wesentlich effektiver als bei den "Originalen". Zu jedem Modell gibt es auf Wunsch eine optimierte Factory-Einstellung, die schon einen sehr guten Grundsound liefert und man den Rest durch Tweaking optimiert. Das gilt auch für alle Effekteinstellungen.

Die Qualität der Effekte ist auf typischem Boss-Niveau und brauchen sich hinter den analogen Vertretern nicht zu verstecken. Sie stammen ja hier auch aus dem großen Bruder GT10. Die Modulator-Effekte sind genial, der Compressor arbeitet sehr sauber. Die Pitch/Harmonizer-Effekte haben keine spürbaren Latenzen.
Stompbox-Modus mit quasi 6 schaltbaren "Boxen"

Intuitive Bedienung.
Das dicke Handbuch habe ich bisher nie gebraucht. Es gibt im Netz bei Boss-Music.de bzw. SoundsDerHelden eine Kurzanleitung von zwei Seiten, die ALLES abdeckt, was man wissen muß. Toll gemacht!


Kontra:
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Kritisch:
Leute mit großen Füßen (wie ich) sollten beim Betätigen der Taster aufpassen, daß sie nicht versehentlich nebeneinanderliegende Taster betätigen, weil hier Doppelfunktionen draufliegen. Taster 2+3 aktiviert den Tuner-Mode, Taster 3+4 schaltet in den Edit-Mode und 1+2 dient zur Bankumschaltung. Schon doof, wenn man für 's Solo z.B. von 1 auf 2 umschalten möchte und dann im Tuner-Mode landet....
Hier hätte ich mir einen Modus gewünscht, der die Doppelfunktionen auf Wunsch deaktiviert... Muß man halt gucken, wo man hintritt...

Gewöhnungsbedürftig:
Der Tuner-Modus schaltet das Gerät auf Bypass, nicht auf stumm!
Da das Volume-Pedal aber aktiv bleibt, muß man es beim Stimmen halt zurücknehmen.

Wer's mag...
Der Violin-Effekt (Slow Gear) ist gewöhnungsbedürftig und es kann beim anschlagen der Saiten zu Patsch-Effekten kommen... Allerdings.. Wozu hat man aber ein Volume-Pedal?

Ansichtssachen...ob Kontra oder nicht...
Der Schalter unter dem Volume-Pedal zur Aktivierung der Sonderfunktion (Wha, Whammy etc.) läßt sich von Hand so gut wie gar nicht bedienen, wenn man sich nicht mit vollem Körpereinsatz draufstämmt... Dafür ist aber ein versehentliches Auslösen beim Fußeinsatz praktisch ausgeschlossen.

Das Gerät hat keine Midi- oder USB-Schnittstelle.
Presets sollte man also in alter Weise irgendwo aufschreiben.
Ein normales diskretes Pedalboard hat immerhin auch keine Speichermöglichkeiten
Einen PC-Editor gibt es zwangsläufig auch nicht...
Allerdings sagen die Boss-Philosophen: "Wenn man schon einen PC-Editor oder ständig das Handbuch braucht, haben wir was falsch gemacht"
Das Gerät ist auch nicht für PC-Frickler gedacht.

So... für ein Kurzreview ist's doch wieder recht lang geworden.

Fazit: Ich möchte das Teil nicht mehr missen. Wer die unzähligen Möglichkeiten des GT10 nicht braucht, aber auf die Effektqualität nicht verzichten will und eine klassische Bedienoberfläche haben will, ist meit dem ME-70 bestens bedient. Der Preis von rund 260€ ist kein Pappenstiel, aber es ist jeden Cent Wert!

Gruß

Stefan
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