Review: AMT SS-30 Transistor-Preamp

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Review: AMT SS-30 Transistor-Preamp

Hallo Guitarworld'ler!

Nachfolgend möchte ich euch meine Eindrücke vom AMT SS-30 Preamp schildern. Die technischen Details erspare ich mir, die könnt ihr hier nachlesen:
http://amtelectronics.com/products/ss-series-3-channel-tube-or-jfet/amt-electronics-ss-30-bulava-3-channel-jfet-guitar-preamp/.

Kaufgründe

Anforderung 1: Preamp im Pedalboard-Format
Mir fallen in diesem Segment nur eine Handvoll Anbieter ein: neben AMT noch Randall, Koch, Tech21 und ADA.
In der Band spielen wir ohne Intrumenten-Boxen auf der Bühne und hören uns nur über Bühnenmonitore ab.
Haupteinsatzgebiet ist daher der Betrieb direkt in den PA-Mixer.
Der SS-30 ist mein Backup für meinen Röhrenamp (TubeMeister 18), mit dem ich über ein Palmer PDI-03 direkt in die PA gehe.
Obwohl ich einen Röhrenamp spiele, lasse ich mich von Marketing-Begriffen wie „JFET-basiertes Tube Overdrive Modelling“ nicht locken, am Ende zählt nur der Sound.
Ein Transistor-Preamp reicht mir als Backup, JFET sollte es für mich aber schon sein. Und auf ein Pedalboard sollte er passen.
Das tut er: er ist schnuckelig klein, und obwohl er nur etwas mehr als Handteller-groß ist, kann ich alle Regler gut bedienen.
Ein Metallbügel verhindet, daß man beim Treten der Kanal-Taster versehentlich an die Regler stößt.

Anforderung 2: Serieller FX Loop
Der ist für mich grundsätzlich zwingend, weil ich das Master Volumen über ein Volumenpedal im FX Loop fernsteuere.

Anforderung 3: getrennte Clean- und Zerr-Sektion

Der Preamp soll zudem noch als Backup für mein Zerrer-Pedalboard dienen, d.h. ich muß per Fußtaster zwischen Clean- und Zerrkanal wechseln können.
Der SS-30 hat 3 Kanäle (Clean – Crunch – Lead), die über Fußtaster abrufbar sind. Jeder Kanal hat seinen eigenen Gain- und Volumen-Regler.
Hätte der SS-30 noch ein Master Volumen, wäre das für mich perfekt, es geht aber auch ohne.
Während der Clean-Kanal seine eigene 3-Band-EQ-Sektion hat, teilen sich die beiden Zerrkanäle ebenfalls einen gemeinsamen 3-Band-EQ.
Getrennte EQs für Clean und Distortion sind wgen ihres sehr unterschiedlichen Charakters Gold wert – die wünschte ich mir auch für meinen TM18.
Jeder Kanal hat noch einen eigenen Tone Shift Taster für eine stärkere Höhenbetonung.

Sonstige Features (für mich nicht kaufrelevant, aber nice to have)

Der SS-30 hat 2 Ausgänge: einen für den Betrieb an einem Amp (Dry-Signal) und einen frequenzkorrigierten Speaker Sim-Out für den direkten Mixer-Anschluss.
Beide Ausgänge können einzeln, aber auch parallel betrieben werden – gedacht für Gitarristen, die in die PA gehen und sich gleichzeitig über einen Bühnen-Amp abhören.
Der Ausgang zum Anschluß eines externen MIDI-Konverters ist für mich uninteressant.

Praxis

Allgemeine Eindrücke
Der SS-30 reagiert sehr feinfühlig auf die Tonabnehmer meiner Gitarre und gibt die Nuancen der 5 PU-Positionen detailreich wieder.
Egal, an welchem Regler des SS-30 ich auch immer drehe, es hat deutliche Auswirkungen – der hat keine Attrappenknöpfe.
Wer nur eine leichte Zerre im SS-30 sucht, kann das am ehesten im Clean-Kanal mit voll aufgedrehtem Gain erreichen.
Es geht aber auch im Crunch-Kanal über entsprechende Tonabnehmer-Positionen an der Gitarre.
Der SS-30 komprimiert im Zerrbereich recht schnell, schon so ab ca. 9-10 Uhr, der Volumenregler meiner Gitarre hat daher nur begrenzte Auswirkungen.
Hard Rock Rhythm geht prima im Crunch-Kanal, der Lead-Kanal hat noch mehr Gain und produziert einen singenden Solo-Ton, der mir gut gefällt.
Mit 1 Fußtritt kann ich damit dank der getrennten Volumen-Regelung vom Rhythmus- in einen lauteren Solo-Sound wechseln.

Betrieb am Amp
Der SS-30 soll die komplette Preamp-Sektion eines Amps ersetzen und ist daher primär für den Einsatz direkt im FX Return konzipiert.
Dort klingt er für meine Ohren auch in der Tat am besten, vor dem Amp ist nicht seine Stärke, ist aber auch noch ok.
Der Clean-Kanal klingt überraschend gut: glockig-transparent und perlend, dem Clean-Sound meines TM18 überraschend ähnlich.
Die Zerr-Sektion dagegen klingt ganz anders als der Clean-Kanal: viel mittiger und bassiger, sie hat ihren ganz eigenen Charakter.
Dennoch kann der SS-30 auch im Zerrbereich gut mit mithalten und klingt ähnlich cremig wie mein TM18, wenn auch nicht so luftig-transparent.

Betrieb am PA-Mixer

Über seinen Mixer-Out direkt in die PA bleibt der SS-30 für meine Ohren deutlch unter seinen Möglichkeiten.
Der Sound ist muffig, mittig-quäkig, ich vermisse perlenden Höhen. Der Clean Kanal mag in diesem Modus vielleicht gerade noch so durchgehen.
Die beiden Zerr-Kanäle dagegen sind für meinen Geschmack vor Publikum tendenziell fast unbrauchbar, ehrlich gesagt.
Andererseits ist der Mixer-Betrieb für mich die eigentliche Hauptanwendung, also war ich im ersten Schritt ziemlich konsterniert und ratlos.
Ich habe erst mal ein Bierchen geköpft und nachgedacht, was ich nun mache.

Nach einigem Grübeln und Abwägen der Vor- und Nachteile habe ich mich für den Kauf einer externen DI-Box mit Speaker-Sim entschieden.
Das heißt: ich verzichte auf den Mixer-Out des SS-30 und gehe vom Amp-Out über die DI-Box direkt ins PA-Pult.
Aufgrund des Klangs und der umfangreichen Features kam für mich spontan eigentlich nur das Palmer PDI-09 in Frage.
Dennoch habe ich mir eine TAD FANTA zum direkten Shoot-Out geholt. Geblieben ist wie erwartet die Palmer-Box, die hat klar gewonnen.
Was soll ich sagen? Wow, ein Unterschied wie Tag und Nacht: der SS-30 klingt nun mit der Palmer DI-Box auch ins Pult so gut wie am Amp.

Der Sound ist für meine Ohren sogar so gut, daß ich den SS-30 nicht nur als Backup, sondern ab sofort auch als „kleines Gig-Besteck“ direkt in den PA-Mixer nutzen werde.
Ein kleines Stagg-Köfferchen, in das ich neben den SS-30 und der DI-Box noch ein TS Klon packe, der bei mir ungenutzt rumliegt, und ggf, noch ein Zoom MS70.
Würde ich ein komplettes Rig wollen und eine Box haben, würde ich eine 44-Watt-Endstufe im Bodentreterformat (EHX 44 Magnum) antesten – fertig.
Voila, kleiner, unauffälliger und feiner geht’s wohl kaum noch auf der Bühne.

Betrieb mit Zerr-Pedalen
Der Clean-Kanal des SS-30 kann richtig gut mit allen meinen 4 vorgeschalteten Zerrpedalen und gibt deren Soundfeinheiten authentisch wieder.
So lassen sich vielfältige Soundvariationen erzielen, egal ob mit Amp oder direkt ins Pult. Zerrpedale haben mir zusammen mit der Zerrsektion dagegen nicht gefallen.

Zusammenfassung


Licht:
Der AMT SS-30 ist ein kompakter Preamp im Pedalboard-Format, der alles hat, was ich brauche.
Der Clean-Kanal ist fast schon eine Wucht und klingt auch mit vorgeschalteten Zerrpedalen.
Die beiden Zerr-Kanäle liefern ein gut klingendes Rockbrett.
Der Lead-Kanal liefert einen prima Solo-Sound mit einstellbarer Solo-Laustärke auf Knopfdruck.
Der Amp-Out klingt gut, der Sound ist meinem TM18 ähnlicher als erwartet, was mich positiv überrascht hat.
Der Name SS-30 klingt an sich schon ganz nach sibirisch-russicher Machart und wird dem damit verbundenen Vorurteil gerecht: der ist gebaut wie ein Panzer.

Schatten:
Der Mixer-Out ist für mich die Schwachstelle des SS-30. Direkt ins Pult geht für meine Ohren nur über den Amp-Out in eine DI-Box mit Speaker Sim.
Mit Wegfall des Mixer-Out entfällt allerdings auch die Option zur parallelen Nutzung von Amp- und Mixer Out (das brauche ich allerdings auch nicht).
Der Lead-Kanal produziert ab ca. 13 Uhr erhöhte Nebengeräusche, hier könnte ein Noise Gate fällig werden (mir reichen allerdings 11-12 Uhr dicke).
An die Spiel-Dynamik meines TM18 kommt der SS-30 nicht ran (Transistor vs. Röhre?), ich kann damit aber im Live-Einsatz auf der Bühne gut leben.
Der SS-30 braucht 18V, ein eigenes Netzteil ist leider nicht im Lieferumfang enthalten, das mußte ich mir für 28 € separat dazu kaufen.

Fazit:
Der SS-30 bleibt und hat bei mir seinen festen Platz im Zoo meiner Gerätschaften erhalten. Allerdings kostet er am Ende des Tages nicht nur 199 €.
In Summe habe ich zusätzlich noch rund die Hälfte mehr investiert, um ihn für meine Zwecke live- und Mixer-tauglich zu machen (Netzteil + DI-Box).
Das Ergebnis war mir das Gesamtinvestment von 316 € wert - dafür habe ich nun einen gut klingenden, vielseitigen 3-kanaligen JFET-Preamp im Bodentreterformat.

Liebe Grüße
Günter
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