Transistor-Boutique-Amps

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Transistor-Boutique-Amps

Hallo liebe Soundtüftler,

da ich mit meinem Sound und den Möglichkeiten des PCL-SM30 sehr zufrieden bin, möchte ich mein Wissen im Transistorbereich gerne erweitern. Die Meisten reden über Röhren und kaum über die (Weiter-)Entwicklung der Transistor-Amps.

Angeregt, darüber nachzudenken, wurde ich zum Einen durch meinen SM30, anderseits auch über eine Info meines Schwagers. Er macht schon seit 40 Jahre Musik und meinte, früher gab es durchaus ernstzunehmende Amps mit Mosfet-Technik. Ich weiß nicht mehr genau, welche Firma da Vorreiter war, ich glaube sogar, dass es Mesa Boogie gewesen sein soll.

Meine Frage an Euch: gibt es diese Weiterentwicklung auf hohem Niveau, so wie es Jürgen Rath oder PCL machen, oder ist die Transistorentwicklung auf dem - ich sag mal - Durchschnittsniveau hängen geblieben. Ausnahmen sind da vielleicht noch die Tech21-Produkte.

Dabei geht es mir auch nicht um die ganze Modeling-Szene, die ja auf digitaler Technik bzw. Sampling-Technik aufbaut. Mich würde interessieren, ob es echte Entwicklungsarbeit gibt, die sich mit dem Nachbilden des Röhrenverhaltens auf Transistorbasis (auch Endstufensättigung) beschäftigt, und das auf hohem Niveau. Klar, es gibt Kemper. Aber mir geht es um den puristischen Amp, so wie den klassischen Roland JC, der ja auch immer noch von Profis eingesetzt wird. Ich meine, dass Rammstein auch schon mal einen Tech21 PSA gearbeitet haben.

Wer von Euch hat sich denn mit dem Thema schon mal intensiv auseinandergesetzt? Gibt es so etwas, wie Transistor-Boutique-Amps?

Ich sag schon mal danke und wünsche einen stressfreien Tag!
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Moin.
Ich habe einen alten Stramp Transitor Amp. Rory Gallager soll sowas mal gespielt haben. Der klingt toll, ist aber alt. Die Firma war aus Hamburg und gibt es nicht mehr. Meiner zickt leider etwas und muss dringend zum Techniker. Der hat aber nichts mit neuen Entwicklungen zu tun.
Matrix Amps fallen mir ein, die sind aber mMn für die Verstärkung von Modellern gemacht.
Tech21 ist auch schon länger auf dem Markt und der Sansamp ist ein Spitzenwerkzeug wenn man sich damit befasst. Neben den erwähnten Jungs von Rammstein gibt es noch Clawfinger aus dem HardnHeavy Bereich, die das Ding viel genutzt haben. Die Characterpedale darf man auch nicht vergessen.
Randall hat auch Transitoramps die klingen.
Blackstar hat mit der ID Serie was Feines im Programm, den habe ich am Wochenende gerade im Laden gespielt und kam da gar nicht von weg.
Orange Crush gibt es inzwischen mit mehr Watt und somit Rockbandtauglich. Der Hall war nicht so meins, aber ausprobieren sollte man den auf alle Fälle. Für mich ein Highlight auf dem Markt.
Und dann noch die kleinen Caliberkistchen von Elektroharmonix.
Ich habe mich nach Weihnachten durch ein paar Musikgeschäfte gespielt. Ich sollte einen Amp für ein Schülerbandprojekt empfehlen. Ich schließe da Modelling(Fender Mustang) und Röhre auch nicht aus, aber von den aktuellen "Transen" war keine richtig mies. Das kenne ich schlimmer. Gerade die Orange Amps und die Blackstars fand ich toll.
Gruß
Ugorr
 
Status Series 1 5Saiter sucht ein neues Heim.
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Nun, man sollte bedenken das es Transistoren auch schon sehr lange gibt.
Die Weiterentwicklung von analogen Transistoren Amps ist hier die Einbringung digitaler Technik oder halt voll digitale Verstärker (Modeling).
Wobei hier digitale Endstufen noch nicht oder kaum zum Einsatz kommen.
Glaub einige Bassamps wo viel Leistung benötigt wird, gibt es mit digitalen Lautmachern.
Ob es bei Transistoren mal eine Weiterentwicklung geben wird bezweifle ich.
Sie werden höchstens immer kleiner und billiger

Einer der Vorreiter in Sachen gut klingende Transistorenamps war mit Sicherheit Peavey, später dann bekannt durch den Namen Transtube-Technik.
Was soviel wie "Transistorenschaltung die nach Röhre klingen tut" heisst.


Zuletzt bearbeitet von Noisezone am 09.01.2014, insgesamt einmal bearbeitet
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Re: Transistor-Boutique-Amps

rittertrio schrieb:
Gibt es so etwas, wie Transistor-Boutique-Amps?


Retro Channel ......?




Gruß
 
"Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen
das tut, was ihm gefällt.“ - Bob Dylan
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Ugorr schrieb:
Ich habe einen alten Stramp Transitor Amp. Rory Gallager soll sowas mal gespielt haben. Der klingt toll, ist aber alt. Die Firma war aus Hamburg und gibt es nicht mehr.


Ja, Rory hatte des öfteren einen kleinen Stramp am Start, u.a. bei einem Großteil der Auftritte im Beat Club. Wenn man sich die Auftritte am Stück reinzieht bekommt man quasi seinen direkten Vergleich zwischen Stramp und Vox AC30. Wobei der Stramp bei den letzten Aufnahmen noch einmal deutlich zulegen kann. Es spielt eben auch eine Rolle, was der Toning. draus macht...


Zwo5eins schrieb:
hier baut eine Firma reine Transistoramps:
http://www.quilterlabs.com/index.php/products/aviator/

Leider gibt es keine Vertrieb in Deutschland.
Das Modell mit dem 15" Speaker würde mich sehr interessieren.


Die Quilter-Amps erfreuen sich bei den Surf-Gitarristen zunehmender Beliebtheit und sind zumindest in Teilen wohl auch auf diese zugeschnitten: Matt Quilter, der einige Demovideos für die Amps angefertigt hat, spielt bei The Reventlos und anderen Surfbands. Und auf einem Konzert von Bang!Mustang aus Leipzig habe ich den MicroPro auch schonmal in Aktion erleben dürfen. Fantastischer Sound, aber eben auch nicht ganz billig...

Ich bin ja nach wie vor davon überzeugt, dass sich Transistorenverstärker vor allem deswegen noch immer nicht richtig durchsetzen konnten, weil sie von den Herstellern in erster Linie als Möglichkeit verstanden wurde, schnelles Geld mit billigen Produkten zu machen. Dementsprechend wurde in den meisten Fällen zu wenig Arbeit in die Entwicklung gesteckt und 90% der Amps klingen dann auch so. Anders hingegen beim Roland JC und einigen weiteren Amps.

Mein Ratschlag wäre übrigens, sich nicht zu sehr auf den Boutique-Gedanken zu versteifen, sondern eher einen der guten älteren Amps gebraucht zu kaufen: Ich spiele immernoch sehr gerne über meinen H&K Edition Silver und habe im Sommer noch einen alten Fender Princeton Chorus dazugekauft, den ich nun eine ganze Weile bei Proben gespielt habe. Das schöne an diesen Amps ist auch, dass sie nicht nur gut klingen, sondern (außer dem Roland JC) auch halbwegs günstig zu bekommen sind...

Ich bezweifle auch, dass es da demnächst noch zu einem Imagewandel kommen wird und Transistoramps auf einmal das nächste große Vintage-Ding werden. Die Vorurteile sitzen einfach zu tief! Und in den Augen der meisten Gitarristen ist doch inzwischen das digitale Modelling die Alternative zur Röhre, nicht der schnöde Transistor...
 
aloha sagt simon
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Es ist für mich z. B. auch verblüffend, dass es ein "Baldringer Dual Drive" gibt, das wohl ultimative Röhrenamp-Simulationsgerät. Aber scheinbar niemand auf die Idee kommt, so etwas Gutes in einen Amp zu verbauen und als Komplettpaket anzubieten.

Außer eben Jürgen Rath bzw. die Jungs bei PCL (und Jürgen Rath als Teammitglied). HK kommt zwar aus dem selben Ort, hat sicher auch gute Entwickler, aber so wie ich das einschätze, werden deren Transistoramaps eher im Einsteiger-Segment platziert.

Accept greift auch mal gerne auf die PCL-Serie zurück.
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RE: Transistor-Boutique-Amps

rittertrio schrieb:
Es ist für mich z. B. auch verblüffend, dass es ein "Baldringer Dual Drive" gibt, das wohl ultimative Röhrenamp-Simulationsgerät. Aber scheinbar niemand auf die Idee kommt, so etwas Gutes in einen Amp zu verbauen und als Komplettpaket anzubieten.


AMT hat da ein paar Sachen am Start. Gespielt habe ich die aber noch nicht.

MfG

JerryCan
 
Ich mag H&K - besonders die MP7.
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Pearce Amps kann ich empfehlen. Der Pfälzer mag die auch. Und Phil Keaggy hat sie ganz lange gespielt. Dan Pearce war vor Gründung seiner eigenen Firma mitverantwortlich für die beliebten LAB-Amps von Gibson. Hier gibt's was dazu zu lesen:
http://www.travis-hartnett.com/Pearce_Amps/Pearce_Amps/Home.html

Wenn man so einen Amp kriegt, ist das ne sichere Bank. Jede Menge Ausstattung (Hall, Compressor, div. Boost-Switches) und sehr röhrenartiger Sound.
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
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RE: Transistor-Boutique-Amps

therealmf schrieb:
Pearce Amps kann ich empfehlen. Der Pfälzer mag die auch. Und Phil Keaggy hat sie ganz lange gespielt. Dan Pearce war vor Gründung seiner eigenen Firma mitverantwortlich für die beliebten LAB-Amps von Gibson. Hier gibt's was dazu zu lesen:
http://www.travis-hartnett.com/Pearce_Amps/Pearce_Amps/Home.html

Wenn man so einen Amp kriegt, ist das ne sichere Bank. Jede Menge Ausstattung (Hall, Compressor, div. Boost-Switches) und sehr röhrenartiger Sound.

Das Mono-Head hab ich mir im Mai 1990 von meinem Zivi-Entlassungsgeld
beim Koblenzer Prosound gekauft und war dann eine ganze Zeitlang mein Hauptamp.
Der Sound von Clean bis Hardrockoverdrive war klasse, insofern ein sehr guter Transitoramp.

Aber: Die Flachbahnkabel innen sind nach einer Zeit sehr anfällig.
Die Pearce-Amps sind alles andere als Wartungsfreundlich vom Aufbau.
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Hat jemand mal die ersten Fender Solid State Amps aus den 60ern persönlich gehört? Man liest ja nur Schlechtes. Vielleicht stimmt das ja gar nicht und wir verpassen was? (ist übrigens nicht ironisch gemeint)
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Die aus den 60ern nicht. Aber in den späten 80ern gab es mal ne Serie, die einen sehr guten Ruf hatte (Yale, Montreux, Studio Lead, Stage Lead). Aber ich glaube eigentlich, daß heutige Amps wie der Mustang dem weit überlegen sind. Insofern ist das eher nostalgisch relevant.
 
Gruß
Markus


"Communication is the problem to the answer" (Eric Stewart)
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RE: Transistor-Boutique-Amps

therealmf schrieb:
Aber in den späten 80ern gab es mal ne Serie, die einen sehr guten Ruf hatte (Yale, Montreux, Studio Lead, Stage Lead)

Die sind aus den frühen 80ern. Aus der "Rivera-Ära", die von 1981 bis 1984 dauerte. Ich besitze zwei aus dieser Epoche (Stage Lead und Montreux), der eine davon ist Bj. 1983, glaube ich. Ein Kollege aus UK hat sich hier die Mühe gemacht, alle Daten zu diesen Amps zusammenzutragen.
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Danke schon mal für eure Tipps. So wie es scheint, gibt es recht wenig lokale Anbieter mit aktuellem Produktportfolio.

Da lobe ich mir doch die PCL-Schmiede, die treu seit Jahrzehnten ihre Amps weiterentwickelt hat. So wie man hört, gibt es ja bald einen neuen Webauftritt. Toll wäre dann ein Webshop oder Ähnliches. Man darf gespannt sein. Ein Vertriebsnetzwerk mit Antestmöglichkeiten wäre auch cool, nicht jeder möchte und kann zum Testen nach St. Wendel fahren.
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Der Threadtitel nennt sich Boutique Transistor Amps und dazu zähle ich in erster Linie Retro Channel sowie PCL Vintage Amp. Darf man ZT Amps mit ihren Lunchboxen noch dazuzählen. Nein glaube nicht.

Da JR von PCL seit Jahrzehnten zu meinem engeren Freundeskreis zählt weiß ich wie schwer es ist besonders heutzutage reine Solid State Amps an den Mann zu bringen. Ich denke die Modeler und Mini Tubeamps haben daran am meisten Schuld. Viel Sound für wenig Geld eben.
Nicht desto trotz ist Jürgen gerade dabei einen neuen Amp zu entwickeln, bzw den SM weiter zu entwickeln. Ich wünsche PCL weiterhin viel Erfolg, denn die Amps sind wirklich gut und gerade Jürgens Transen (Spitfire) waren die allerersten die wirklich nach echter Röhre klangen. Man wird jedenfalls konventionell bleiben und keine Effekte in die Amps einpflanzen.

Ich habe mittlerweile auch mal nen RR1 anspielen dürfen. Superflexibler und äußerst hübscher Amp der richtig gut klingt. Aber nicht wirklich sooo viel besser als z.B. ein Stagemaster. Da steckt auch ein wenig Hype dahinter und hätte der gute Lance Keltner diese Amps nicht entsprechend gefeatured gäbe es sie schon länger nicht mehr. Teure Boutique Transen verkaufen sich halt sehr sehr schlecht!
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RE: Transistor-Boutique-Amps

Ich hatte mal einen Gallien- Krueger 250RL, die Topteil- Variante des legendären 250ML.
An 2 Boxen hatte dieser Amp wirklich einen sehr ansprechenden Sound, und das in Stereo. Den habe ich Ende der 80er relativ lange genutzt.

Man muss die Kirche aber im Dorf lassen.
Verglichen mit heutigen Errungenschaften, aktuellem Modelling oder Profiling, wo ganz klar die Zukunft liegt, klang er doch unterlegen, und manche Attribute diesbezüglich sind auch ein bißchen nostalgisch gefärbt.
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RE: Transistor-Boutique-Amps

@Magman: sehe ich genauso wie Du. Aber gerade deswegen bin ich so froh um meinen SM30 und liebe die Entspannung ohne Röhrenadministration. Ich hoffe auch für PCL dass sie es schaffen, ihre Produkte in Deutschland weiter zu platzieren. Ich habe immer wieder mal den Retro 20 laufen und bin jedesmal über die Dynamik und den Sound verblüfft. Auch wenn es "nur" ein Übungsamp ist.
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