Profimusik im Prekariat

Seite 1 von 5
Verfasst am:

Profimusik im Prekariat

Hier ein Artikel:

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/sendung/hr/sendung_vom_15092013-110.html

Musik und Kultur generell kann unsere Gesellschaften zusammenhalten und einen Gegenpol zum Extremkapitalismus bilden.
Hjer geht es um Bildung und nicht nur Ausbildung.
Musik ist Integration, ist Therapie, ist Empathie und viel mehr....wir sollten nicht unsere Banken retten sondern unsere (die) Kunst/Kultur generell.

Was denkt ihr?

Lg
Auge
 
...Genau!
Meine Live Projekte:
Auge Music - Qualität zählt!

Reiseblog: http://experience.augustyn.at
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Hallo!

Den Filmbeitrag habe ich jetzt noch nicht gesehen, nur den Text gelesen. Meiner Meinung nach muss man sehr stark differenzieren.

Ein Studium ist grundsätzlich keine Garantie, eine gewisse Einkommenshöhe zu erreichen. Das erst einmal vorneweg. Es wäre skurril, wenn ein "studierter Musiker" mit dem letzten Examen quasi ausgesorgt hätte. Hier gibt es keine Automatik und die darf es auch nicht geben.

Dazu kommt, dass ich bei einigen "Künstlern", die sich mit Unterricht über Wasser halten, auch manchmal etwas überrascht die Augenbrauen hochziehen muss. Über wieviele Wochenstunden reden wir hier denn eigentlich? Wer an jedem Arbeitstag vier Stunden unterrichtet, hat am Ende der Woche eben auch "nur" 20 Stunden Arbeitszeit hinter sich. Bei allem nötigen Respekt ist ein gutes Einkommen mit 20 Wochenarbeitsstunden einfach schwer zu erzielen.

Das im Beitrag bejammerte Nettoeinkommen von 11.500 € im Jahr - also einem runden Tausender im Monat - ist übrigens ein Traum für jede Friseurin, Rechtsanwaltsgehilfin und Blumenhändlerin.

Grundsätzlich bin ich ebenfalls der Ansicht, dass Musik zu billig geworden ist, auch Live-Musik. Das ist aber ein anderes Thema als die Bezahlung von Musiklehrern.

Gruß

erniecaster
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Wer an jedem Arbeitstag vier Stunden unterrichtet, hat am Ende der Woche eben auch "nur" 20 Stunden Arbeitszeit hinter sich.


Falsch. Vorbereitungszeiten, Schulkonzerte etc etc - da bist Du schnell bei 40h. Und die wenigsten Friseurinnen haben ein abgeschlossenes Studium, in so fern trifft der Vergleich nicht mal ansatzweise...

Gruß Jergn
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Hallo Jergn,

dann einfacher: Sind es wirklich Woche für Woche 40 Stunden, die der typische Musiklehrer arbeitet? Ich glaube es nicht wirklich, sorry. Und ich habe diverse gescheiterte Musiker, die von Unterricht leben und über den Verdienst jammern, kennen gelernt.

Was die Friseurinnen, Blumenhändlerinnen und Rechtsanwaltsgehilfinnen angeht, haben diese alle eine dreijährige Ausbildung hinter sich. Ich sehe gar keinen Grund, dass jemand mit einem Studium per se mehr verdienen sollte.

Für seine Berufswahl ist letzten Endes jeder selbst verantwortlich - und das gilt auch hinsichtlich des Verdienstes.

Gruß

erniecaster
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Hallo Ernie,

wenn Du auf einfach stehst:

der Kollegen, von dem ich rede, hat die erste halbjährige Zwangspause wegen Burnout hinter sich, da Wochenarbeitszeiten von >80h mit Gigs immer noch nicht ausreichen, um etwas die löcherige Karre am Laufen und die Familie satt zu halten.

Wenn Du implizit faule Mucker unterstellst, die sich im Proformastudium herumgedrückt haben, frage ich mich, wo Du das hernimmst.

Ein Geologe mit Schwerpunkt Bergbau wird mehr kosten als ein Tankwart, auch wenn beide "Öl fördern". Ein Facharzt für Hirnchirurgie wird mehr kosten als ein Metzger, obwohl beide in Schädeln herumstochern. Kriterium ist die Qualifikation und der Aufwand, den man hatte, um die Qualifikation zu erreichen. Während die Blumenverkäuferin ab 16 voll verdient, bist Du nach dem Studium gut 10 Jahre später dran.
Die Erwartungshaltung erscheint mir also nicht überzogen, nach einem Studium ein halbwegs vernünftiges Auskommen finden zu wollen.

Und daß wir Musiklehrer brauchen, steht ja wohl außer Frage. Nicht ganz so evident wie Altenpfleger,
aber das ist eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so krasse Situation.
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Mir gehts auch um die generelle Frage wie eine Gesellschaft, ein Staat mit nicht kapitalistisch sofort nutzbaren Ressourcen umgeht.
Wie die Schwerpunkte der Bildung gesetzt werden.
Wie das Arbeitsrecht hier greift wenns keine starke Lobby gibt?
Es geht nicht um die leidige Diskussion ob Lehrer genug arbeiten...

Ja. Berufswahl is jedem seine eigene Entscheidung ohne wenn und aber.
Aber wollen wir eine Kunst/Musiklose Gesellschaft weils nix bringt??
 
...Genau!
Meine Live Projekte:
Auge Music - Qualität zählt!

Reiseblog: http://experience.augustyn.at
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Hallo Jergn,

was ich weniger unterstelle als sehe sind Arbeitszeiten von weniger als 40 h - und zwar bei einer ganzen Reihe von Leuten, die "selbstständig" sind und über zu wenig Geld klagen.

Ich wiederhole auch gerne nochmal: Ein Studium hat bezüglich der Einkommenssituation höchstens einen indikativen und statistischen Wert. Will sagen: Studierst du, hast du eine größere Chance, mehr Geld zu verdienen als jemand, der nicht studiert hat.

Jergn schrieb:
Kriterium ist die Qualifikation und der Aufwand, den man hatte, um die Qualifikation zu erreichen.


Das stimmt so nicht. Bloß weil es vielleicht schwierig und aufwändig ist, irgendeinen himmelschreienden Unsinn zu studieren, muss es dafür hinterher nicht viel Gehalt geben. Gehalt ist der Preis für Arbeit, Preise bestimmen sich durch Angebot und Nachfrage.

Wenn wir anstelle des von dir skizzierten Metzgers tatsächlich einen Kopfschlachter mit einem Facharzt für Hirnchirurgie im Lebensvergleich (vielleicht sogar abgezinst) betrachten, wird es für den Facharzt vermutlich eng, den Kopfschlachter zu überholen.

Böse formuliert: Wenn jemand jammert, dass er studiert hat und trotzdem wenig verdient, dann muss man mit dem Finger draufzeigen und wie Nelso rufen: "HAHA, du hast das Falsche studiert!"

Gruß

erniecaster
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Hi,

ich möchte ernie Recht geben.

Ein Studium als solches ist noch keine große Leistung. Ich war selbst Student und hätte zu keinem Zeitpunkt mit einem Bauarbeiter tauschen wollen ...

Und nach dem Studium gibt es eine Nachfrage nach qualifizierter Leistung.
Und diese Nachfrage bestimmt den Preis, z.B. bei Hirnchirurg vs. Metzger.

Für Musikunterricht können und wollen die Menschen eben nur begrenzt
den Preis bezahlen, den ein Akademiker gern einnehmen würde. Ich
bezahle selbst für 2 Töchter Klavierstunden der örtlichen Musikschule
und weiß wovon ich rede.
Wenn jetzt auf diese - sagen wir mal - zaghafte Nachfrage ein Überangebot von Unterrichtsanbietern trifft, dann sinken die Einnahmen eines Lehrers.
Natürlich wird diese Problematik durch die knapper werdenden Zu-
schüsse aus öffentlichen Kassen verschärft und Musik heute live wie
aus der Konserve nicht mehr gut honoriert.

Aber es gibt auch eine große Zahl von Rechtanwälten (bin selbst keiner)
und nicht jeder von denen verdient viel Geld. Ein Studium allein reicht
nicht. Jeder einzelne muss seine Leistung auch "verkaufen", d.h. selbst
aktiv sein, um einen Preis dafür zu erzielen.

Oder was anderes machen. Und da sind - nur meine persönliche
Erfahrung - viele Musiker oder gar Künstler kompromissloser als
andere Berufsgruppen. Viele beharren sehr darauf, mit Musik ihren
Lebensunterhalten verdienen zu wollen anstatt einen Brotberuf zu
haben und ein Hobby. (So war das z.B. beim Mathematiker Gauss ...)

Das kann ja jeder machen wie er will - nur das Gejammer nervt halt.

Grüße R.
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Hallo allerseits,

kurz zur Nebendiskussion:

Ein Architekt verdient bisschen mehr als ein Speditionskaufmann.

Es sei denn, der Architekt hat bekannte Referenzprojekte, dann kann er im Prinzip richtig Asche machen.

In der Musik ähnlich: der studierte Musikus unterliegt Angebot und Nachfrage, es sei denn er hat vielleicht Referenzen (zB heisst Peter Weihe oder Steve Lukather und spielt bei Millionen Produktionen = vermutlich erzielt er andere Stundenpreise wenn er unterrichtet).

Auf die Frage von Christian wie es denn gesamtgesellschaftlich aussieht; was sind wir als Gesamtheit bereit in Kultur zu investieren, ohne direkten Profit oder return on investment?

das ist eine sehr schwierige Frage...oder auch ganz einfach. Das weiss jeder selbst: Geht es einem (finanziell) gut (= man hat sein Auskommen), gibt man gerne auch mal Geld für Theater oder Konzert aus. Geht es einem finanziell schlecht (zB arbeitslos, schlecht bezahlter Job oder was auch immer) ist vermutlich das Kulturelle eines der ersten Streichobjekte, einfach weil nicht zwingend überlebensnotwendig.

Das dürfte in der Volkswirtschaft genauso sein; geht es den Städten, Gemeinden, Bund und Länder schlecht(er), wird ziemlich oft im kulturellen Sektor der Rotstift angesetzt (Unterstützung von Vereinen, Theatergruppen etc).
Ist ja auch irgendwo nachvollziehbar.

Wie geht die Gesamtheit damit um? Der Mensch hat ein Kulturbedürfnis um zufrieden zu sein. Mehr oder weniger stark ausgeprägt.
Ist ein Mensch zufrieden, ist er nach gängiger Theorie) eher bereit den Zustand zu erhalten, etwas dafür zu tun, sprich zu arbeiten, Steuern zu zahlen, damit dieses Zufriedenheitsmodell weiterexistiert.

Umkehrschluss wäre, wenn jemand unzufrieden ist, ist er weniger leistungsbereit, womit eine Abwärtspirale in Gang gesetzt würde. Weniger Kultur = unzufriedener, weniger Leistung = noch weniger Geld für Kultur.

Ich denke diese Phänomen kann man ganz gut bei den grossen Kunstmäzen sehen; diese haben genug Geld, ein Kulturbedürfnis und investieren darin.

Die Gefahr ist da natürlich dass Kultur hauptsächlich aus einem elitären Blickwinkel im grossen Stil stattfindet.

Sehr schwieriges und komplexes Thema.

Viele Grüsse

Michael
 
Die Gewohnheit ist der Sieg der Zeit über den Willen!
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

juergen2 schrieb:
.....


das ist eine sehr schwierige Frage...oder auch ganz einfach. Das weiss jeder selbst: Geht es einem (finanziell) gut (= man hat sein Auskommen), gibt man gerne auch mal Geld für Theater oder Konzert aus. Geht es einem finanziell schlecht (zB arbeitslos, schlecht bezahlter Job oder was auch immer) ist vermutlich das Kulturelle eines der ersten Streichobjekte, einfach weil nicht zwingend überlebensnotwendig.

Das dürfte in der Volkswirtschaft genauso sein; geht es den Städten, Gemeinden, Bund und Länder schlecht(er), wird ziemlich oft im kulturellen Sektor der Rotstift angesetzt (Unterstützung von Vereinen, Theatergruppen etc).
Ist ja auch irgendwo nachvollziehbar.

Wie geht die Gesamtheit damit um? Der Mensch hat ein Kulturbedürfnis um zufrieden zu sein. Mehr oder weniger stark ausgeprägt.
Ist ein Mensch zufrieden, ist er nach gängiger Theorie) eher bereit den Zustand zu erhalten, etwas dafür zu tun, sprich zu arbeiten, Steuern zu zahlen, damit dieses Zufriedenheitsmodell weiterexistiert.

Umkehrschluss wäre, wenn jemand unzufrieden ist, ist er weniger leistungsbereit, womit eine Abwärtspirale in Gang gesetzt würde. Weniger Kultur = unzufriedener, weniger Leistung = noch weniger Geld für Kultur.

Ich denke diese Phänomen kann man ganz gut bei den grossen Kunstmäzen sehen; diese haben genug Geld, ein Kulturbedürfnis und investieren darin.

Die Gefahr ist da natürlich dass Kultur hauptsächlich aus einem elitären Blickwinkel im grossen Stil stattfindet.

Sehr schwieriges und komplexes Thema.

Viele Grüsse

Michael


Du sprichst das Richtige an. Man könnte auch anders Fragen. Ist es richtig, dass zuerst bei der Kultur bzw. der Musikausbildung gespart wird?
Warum nicht im Sport?
Bei den Banken?
you name it?

Lg
Auge
 
...Genau!
Meine Live Projekte:
Auge Music - Qualität zählt!

Reiseblog: http://experience.augustyn.at
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Wo sind wir den hier, im Propaganda Büro der FDP?

Den Arbeitsmarkt und die Chancen ein Einkommen über dem Harz Satz zu erzielen auf die darwinistische Formel "Angebot und Nachfrage" zu reduzieren ist Raubtierkapitalismus.

Nach dem Prinzip Angebot und Nachfrage würden wir immer noch in Höhlen sitzen, weil nämlich sich niemand mit zunächst unnützen Dingen hätte beschäftigen können. Warum auch, zum überleben, war ja alles da. So hätte man keine Erkenntnisse gewonnen oder Zusammenhänge verstanden, weitergedacht, entwickelt, keine Evolution zum modernen Menschen eingeleitet. Natürlich ist eine moderne, vor allem westlich geprägte Gesellschaft, differenziert und vielschichtiger und damit komplexer aufgebaut, als einen Höhlensippe.

Der Mensch funktioniert so nicht, Angebot und Nachfrage. Der Mensch ist was er ist, will sagen nur die wenigsten können von Hirnchirurg zu Metzger oder umgekehrt wechseln, nur weil gerade im anderen Metier mehr Nachfrage ist. Menschen, die nicht sich gebraucht oder gewollt fühlen werden entweder passiv - eine Verschwendung von Ressourcen. Oder sie radikalisieren sich in der einen oder anderen Richtung. Ebenso ein Problem, wenn Menschen etwas tun müssen, was sie nicht überhaupt wollen, aber müssen. Wer wollte hier nicht mit einem Bauarbeiter tauschen?
Beides ist eine direkte Gefahr für die Art zu Leben, die wir wohl alle schätzen. Aber nur in einer so komplexen Welt stehen uns all die Möglichkeiten zur Verfügung. Ich könnte das jetzt in epischer Breite ausrollen, aber da hier ja alle schlau sind, werde ich wohl verstanden.

Zu guter Letzt könnte man noch philosophische Dinge erörtern. Zum Beispiel, das Studium primär weder etwas mit Einkommen noch Beruf zu tun, sondern mit Wissenserwerb. Wissen ist ein Wert an sich. Jemand der sein Wissen anderen nutzbar macht ist folglich etwas wert - aber das ist eine andere Vorlesung.
 
Stay tuned and may the TWANG be with you!

www.prima-audio.de
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

auge schrieb:
Du sprichst das Richtige an. Man könnte auch anders Fragen. Ist es richtig, dass zuerst bei der Kultur bzw. der Musikausbildung gespart wird?
Warum nicht im Sport?
Bei den Banken?
you name it?

Lg
Auge


Die Antwort auf die Geldverteilung bei der kulturellen Förderung ist: dies wird regelmäßig demokratisch auf den Haushalts- und Stadtratssitzungen in Deutschland und Österreich per Beratung und Abstimmung geklärt.
Auf diese Geldverteilung kann man durch Wahlen und ggf. aktive politische Mitarbeit Einfluß nehmen.

Der Kommunalpolitiker hat auch im Hinterkopf, daß ein gutes kulturelles Angebot auch eher hoch qualifizierte Arbeitnehmer und Firmengründer in eine Stadt zieht und damit mittelfristig die Gewerbesteuereinnahmen steigen und damit das Stadtbudget wieder steigt............
Da konkurriert die Kulturförderung aber in aller Regel direkt mit den örtlichen Schwimmbädern, den Bibliotheken, den Schulen und Kindergärten, der Stadtreinigung und den Sportvereinen.
Die Banken werden natürlich nicht kulturell gefördert, nur durch direkte und indirekte Steuervorteile und ggf. Rettungsfonds, dies ist aber ein anderes Thema.
In meinem Wohnort, einer Kleinstadt in Nordwest-Deutschland mit relativ großem Krankenhaus ist es in Zeiten des Ärztemangels ein großes Thema. Beispiel: Da ist der bauchchirurgische Chefarzt wieder auf dem Absprung, da seine Frau "in diesem Kaff, in dem nichts los ist" nicht wohnen will. Jetzt wohnen die in der 60 km entfernten "Großstadt" und immer, wenn er Hintergrunddienst hat, muss man ca. 50 min warten, bis der Chefchirurg auch in der Klinik ist. Das gibt natürlich auch Ärger und ist nicht immer im Interesse der besten Patientenversorgung. Dies ist nur eines von mehreren Beispielen aus unserer Klinik.
Heute war eine Feierstunde wegen dem Abschluß einer größeren Baumaßnahme am Krankenhaus mit der niedersächsischen Sozialministerin sowie Vertretern des Landkreises und der Kommune, die alle Reden geschwungen hatten. Da war auch die kulturelle Förderung im Sinne der "Rahmenbedingungen" eines Krankenhausstandortes ein Thema.
Zu diesen Rahmenbedingungen gehört aber viel, halt die gesamte Infrastruktur einer Region incl. Schulen, Kinderbetreuung, Sicherheit, Straßenreinigung, Sportmöglichkeiten, Nahverkehr und und und.....

Da steht die Förderung der Musikkultur irgendwo auf Platz 35 bis 243 auf dem kommunalen Plan. Nur durch stetige politische Mitarbeit ist es möglich, sich da weiter nach vorne zu arbeiten. Musiker sind aber häufig nicht bei den politischen entscheidenden Parteien aktiv (ich auch nicht) und haben damit wenig Einfluß. Und da es keinen "Bundesverband" oder ähnliches gibt, wird es auch nicht besser. Da sind DFB und ADAC schon erfolgreicher.
 
"Wir essen jetzt Opa!" - Interpunktion rettet Leben!
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

juergen2 schrieb:
Ein Architekt verdient bisschen mehr als ein Speditionskaufmann.

Es sei denn, der Architekt hat bekannte Referenzprojekte, dann kann er im Prinzip richtig Asche machen.

In der Musik ähnlich: der studierte Musikus unterliegt Angebot und Nachfrage . . .


Hallo zusammen,

so ist es. Einige ehemalige (Architektur-) Studienkollegen verdingen sich als schlechtbezahlte Bauzeichner; der größte Teil ist allerdings -so wie ich- in studienfremden Berufen unterwegs.

Dort, wo ich jetzt tätig bin, stellen sich auch immer wieder frisch gebackene Ingenieure und Doktoren vor, manchmal stellen wir einen ein.
Bleiben tun sie meist nicht lange.
Recht schnell werden die meisten von der Realität und überzogenen Gehaltsvorstellungen eingeholt, denn in vielen Unternehmen wird, hat man keine Referenzen vorzuweisen, nach Leistung bezahlt. Und was man zu leisten vermag, muss man erstmal demonstrieren. Man kann sich allerdings sehr schnell hocharbeiten. Ein summa cum laude einer Elite-Uni genießt zwar große Vorschusslorbeeren, aber ohne messbaren Erfolg sind diese auch schnell aufgebraucht.

Warum soll es dem geneigten Musicus besser ergehen wie dem Ingenieur oder dem Metzgergesellen? Und wer ist so privilegiert, dass er tatsächlich nur 40 Stunden arbeitet? Und wer entscheidet, welche Kunst und welcher Künstler gefördert werden sollte?

Gruß

Horst


Zuletzt bearbeitet von Ha.Em am 04.06.2014, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

dr no schrieb:
Für Musikunterricht können und wollen die Menschen eben nur begrenzt
den Preis bezahlen, den ein Akademiker gern einnehmen würde. Ich
bezahle selbst für 2 Töchter Klavierstunden der örtlichen Musikschule
und weiß wovon ich rede.


Machen wir das mal Pi mal Daumen.
Ein Musiklehrer kann fünf Nachmittage die Woche unterrichten.
Wenn wir mal annehmen, dass an diesen Tagen 6-7 Schüler "machbar" sind, dann müssen mit diesen 30-35 Schülern die monatlichen Einkünfte gesichert sein.
Gehen wir von normaler "Fluktuation" aus, ist es vernünftiger, mit 30 Schülern den Bedarf zu decken.
Will ich also ca. 2000€ vor Steuern und Versicherungen verdienen (die Frisörin bekommt ja Arbeitgeberanteile dazu), kann ich nicht unter 70€ im Monat verlangen.

Und 6-7 Schüler am Tag sind eine verdammte Knochenmühle.
Dazu kommen weiter Unterrichtsvorbereitungen, Werbung, Akquise, Verwaltungskram, ach ja, und dann muss man ja noch selber Konzerte geben und, nicht zuletzt, üben.
Da ist man schnell bei Wochenstundenzahlen, die schwindelig machen.

Ich denke, 80-90€ muss man als Instrumentallehrer mindestens monatlich für eine Stunde verlangen, wenn man seriös guten und gut vorbereiteten Unterricht anbieten können will.
Große Sprünge macht man damit nicht.

Als Honorarkraft für private Musikschulen, davon will ich gar nicht anfangen...

Viele Grüße,
woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde


Zuletzt bearbeitet von Woody am 04.06.2014, insgesamt einmal bearbeitet
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

auge schrieb:
Du sprichst das Richtige an. Man könnte auch anders Fragen. Ist es richtig, dass zuerst bei der Kultur bzw. der Musikausbildung gespart wird?
Warum nicht im Sport?


Um das zu vertiefen:

Wir subventionieren über Steuern Theater. Denen geht es aktuell in Sachsen-Anhalt aber schwer an den Kragen.

Wir subventionieren - ebenfalls über Steuern - aber auch den Fußball, weil der Steuerzahler die Polizeieinsätze für die ganzen Hooligan-Spacken bezahlen muss. Das finde ich verkehrt.

Aber was sind einen Handvoll Opengänger denn für ne Lobby im Vergleich zu Millionen DFB-Mitgliedern bzw Hobby-Bundestrainern.

Mit Fußball wird so viel Kohle verdient. Die könnten diese Polizeieinsätze ruhig selber bezahlen.
 
mein blog: www.hans-ulrich-mueller.de
email muelrich(at)yahoo.de
www.youtube.com/muelrichmusic
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Wenn jemand Musik studiert, um reich zu werden bzw. weil er Musik so toll findet, ist er entweder ein Idiot, ein Träumer oder die Kombination aus beidem.

Wenn jemand glaubt, dass die Berufswahl (inkl. Studium) oder das Talent nichts mit dem Einkommen zu tun haben, gilt das gleiche.

Wenn Talent, richtige Berufswahl und Fleiß zusammenkommen, dann ist es IMO fast unmöglich, kein überdurchschnittliches Einkommen zu erzielen.

Studierte Musiker schneiden übrigens in Einkommensstatistiken immer recht gut ab. Das sind dann aber wohl eher die Profis, also weder die Idioten noch die Träumer ...
 
LG
Uwe
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Swompty schrieb:
Studierte Musiker schneiden übrigens in Einkommensstatistiken immer recht gut ab. Das sind dann aber wohl eher die Profis, also weder die Idioten noch die Träumer ...


Kannst du deine Quelle nennen? Meines Wissens schneiden Musik und Sozialarbeit immer am schlechtesten ab, noch hinter Sprachen und Kulturwissenschaften ...

Ich finde es übrigens völlig o.k., dass Berufsgruppen deren Einkommen knapp über Hartz IV liegt, über ihr Einkommen jammern. Warum sollte man das Piloten und Ärzten überlassen ...
 
Gruesze Ralf
Verfasst am:

RE: Profimusik im Prekariat

Mir gings gar nicht so sehr ums Einkommen. Ich selber bin ja auf der Butterseite gelandet und kann recht feines Geld mit Musik verdienen und hab trotzdem Spass. Mein regulärer Beruf fordert mich nicht sooo sehr und somit teilt sich alles schön auf.

Mir gehts um die Diskussion:
Brauchen wir Musik und Musikschaffende in unserer Gesellschaft oder nicht?
Bringt das überhaupt was?
Hat das Wert?
Ist eine Gesellschaft ohne Musikschaffen eine schlechtere?

Viele Fragen zum Nachdenken....
 
...Genau!
Meine Live Projekte:
Auge Music - Qualität zählt!

Reiseblog: http://experience.augustyn.at
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde