Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

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Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Interessantes aber wohl auch schwierig zu beantwortetes Thema. Na dann will ich es mal probieren.
Ich für mich bin an diverse Kommunikationstrainings, die ich so über mich gehen lassen hab müssen, erinnert.
Da gibt es einen Kernsatz der lautet in etwa so: es ist nicht so wichtig was man sagt, sondern was ankommt.
Ich denke, dass dies auch im großen Maß für Kritik gelten kann.

Will man dass eine Kritik als konstruktiv angenommen wird, ist wohl auch etwas Empathie gefragt.
Es spielt sicherlich eine große Rolle wie kritikfähig (selbstbewußt bzw. selbstsicher) der Empfänger ist.
Kritik wird auch leichter angenommen, wenn es eine Sache oder maximal eine Verhaltensweise betrifft und nicht die Person in Frage stellt.

Kann man die Kompetenz für eine Kritik glaubhaft vermitteln?
Stehen Eigeninteressen hinter einer Kritik kann man davon ausgehen, dass dies letztlich meist durchschaut wird und damit nicht konstruktiv sein kann.

Auch so ein Kernsatz in der Kommunikation: Informationsaustausch funktioniert nur bei guter oder neutraler Beziehungsbasis auch gut.

Ich fürchte, dass die Antwort auf die Frage ob eine Kritik kontruktiv ist nicht auf Basis des sachlichen Inhaltes beziehungsweise der Art der Formulierung beantwortet werden kann.

Letztlich hängt es wohl mehr davon ab, ob beim Empfänger eine Kritik als konstruktiv ankommt und weniger ob der Sender sie so erscheinen lassen will.

Noch komplexer ist Kritik innerhalb einer Gruppe - da spielt dann auch Gruppendynamik eine große Rolle.

Klarer ist die Rolle bei professionellen Kritiker.
Die müssen sich Kompetenz und den Ruf neutral zu sein zunächst erarbeiten und dann auf Dauer auch nachweisen. (Sonst werden sie auch angreifbar)

Nachtrag: Hab grad nochmals den Thread Title nochmals gelesen. Kann sein dass ich nun das Thema verfehlt habe.
Konstruktiv und subjektiv widersprechen sich für mich nicht unbedingt.
 
Gealterter Hobbygitarrist mit gelegentlichen GAS Anfällen.
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Ich denke zunächst mal, dass jede Kritik subjektiv ist.
Was soll eine objektive Kritik sein? Natürlich kann man versuchen, sich verbal neutraler zu halten.
Konstruktiv ist dann die inhaltliche Verfeinerung, idealerweise mit Beispielen unterlegt, so dass
der andere selbst drauf kommt, was man optimieren könnte. Beispiele sind immer gut, weil sie von der
kritikausübenden Person ablenken.... und man das "persönliche" an der Kritik etwas entschärft

Meine Erfahrung ist, nicht strenger zu kritisieren, als man selber Kritik verträgt.....!
Dazu habe ich lange gebraucht, obwohl es eigentlich logisch ist...

Mit Kritik umgehen kann man lernen, nicht jeder ist da gleich gut......manche
haben damit richtig Probleme ...! Hängt auch mit den persönlichen Erfahrungen zusammen.
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Moin,

auch subjektive Kritik kann konstruktiv sein. Eigentlich will fast jeder Musiker auch, das sein Schaffen gemocht wird. Der Gradmesser hierfür ist zum größten Teil das subjektive Ermessen des Empfängers.

Wichtig ist lediglich, dass die Kritik emphatisch und wohlwollend geäussert und entsprechend deutlich deklariert wird, wie Sharry schon anmerkte.
 
Gruss, tommy
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Die Musik ist eine der wenigen Branchen, bei denen die Kritik noch nicht standardisiert wurde im Sinne eines Qualitätsmanagements bzw. Controlling. In fast allen Branchen des produzierenden Gewerbes und der Dienstleistung incl. Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser sind Controlling, Risikomanagement und Audits seit Jahren (meist gehasster) Bestandteil des Arbeitsalltags.

QM und Controlling sind ja Versuche, die Kritik zu objektivieren und zu standardisieren. Die regelmäßigen Rückmeldungen der Auditoren und Controller haben trotzdem immer einen subjektiven Charakter und die Bewertung der eigenen Arbeit wird immer auch teilweise als persönlicher Angriff empfunden - auch wenn die Kriterien z.T. objektivierbar sind (Beispiel: maximal 0,5 mm Abweichung von der Vorgabe).

Mein Eindruck ist, dass kreative Musiker überdurchschnittlich empfindsam auf Kritik reagieren. Vermutlich, weil sie mit ihrer Musik/Kunst auch etwas Persönliches preisgeben. Eigentlich tut das aber fast jeder andere auch mit seiner Arbeit, bei der regelmäßige Kritik zur Arbeit gehört. Geäußerte Kritik hat wie auch empfangene Kritik immer etwas subjektives so wie Kommunikation per se fast immer einen subjektiven Anteil hat. Das gehört zu unserem sozialen Leben dazu.
 
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Wenn man Musik als Branche betrachtet gibt es wohl Kriterien die im Sinne eines Qualitätsmanagement standardisiert sind. Ich denke da an Umsatz, Verkaufszahlen, Reichweite und Aussicht auf weiteren Gewinn etc.
Sicherlich Dinge die auch für den Musiker wichtig sind, aber wenig über die künstlerische Qualität und den menschlichen Beziehungen aussagen.

Der Ausdruck Kritik, für den es eigentlich keinen Euphemismus gibt, hat irgendwie einen negative Grundbedeutung, die eigentlich nur durch ein positives Adjektiv (gut, wohlwollend, konstruktiv etc) einen positiven Eindruck hinterlassen kann. (Ob es so empfunden wird entscheidet der Kritisierte.)
Es wird der Ausdruck Kritik auch meist nur bei Bereichen eingesetzt die sich einer quantitativen Bewertung entziehen.

Ich teile die Aussage, dass Kritik immer auch einen subjektiven Hintergrund hat (auch bei professioneller) der letztlich von der Beziehung zum Kritisierten beeinflusst ist. Es schadet nicht sich dessen bewusst zu sein und sich auch nicht einredet, man will ja nur das Beste. Unangenehmes wird dann am besten aufgenommen, wenn die Beziehung positiv ist.
Es gibt da eine Analogie, die etwas überspitzt die Thematik illustrieren könnte: Eine g'sunde Watsch'n gibt es nicht!
 
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Ich sehe es anders. Kritik (auch negative) ist grundsätzlich positiv und eine Art der Anerkennung. Leute, die mir egal sind, kritisiere ich nicht. Ich kritisiere nur Leute, bei denen mir daran gelegen ist, dass sie es besser machen.

Das Ding ist ja, dass man bei negativer Kritik diese in Gedankenform und gefühlt in sich hat. Ich kann diese Kritik jetzt für mich behalten und damit das Gegenüber im Unklaren lassen, was unser Verhältnis aber belastet. Oder ich teile meinem Gegenüber die Kritik mit und gebe ihm/ihr die Chance, etwas zu verbessern.

Kritik ist Anerkennung und hat mit Vertrauen zu tun. Wenn ich offen kritisiert werde, ist das erst einmal ein Vertrauensbeweis.

Beispiel: einen Mitarbeiter, den ich nicht kritisiere, obwohl er trotz klarer Ansage nicht so arbeitet, wie ich es erwarte, habe ich innerlich schon abgeschrieben und warte auf die Gelegenheit, ihm kündigen zu können. Den Mitarbeiter, in den ich Hoffnung setzte, fördere ich durch Kritik, besser zu werden.
 
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

uwich schrieb:
Ich sehe es anders. Kritik (auch negative) ist grundsätzlich positiv und eine Art der Anerkennung. Leute, die mir egal sind, kritisiere ich nicht. Ich kritisiere nur Leute, bei denen mir daran gelegen ist, dass sie es besser machen.


Also dass empfinde ich etwas abgehoben und letztlich nur auf sich selbst fixiert.
Das funkt ganz gut bei Abhängigen, aber ansonst würde ich meinen, dass damit kein großer Freudeskreis zu gewinnen ist.
 
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

uwich schrieb:
Ich sehe es anders. Kritik (auch negative) ist grundsätzlich positiv und eine Art der Anerkennung. Leute, die mir egal sind, kritisiere ich nicht. Ich kritisiere nur Leute, bei denen mir daran gelegen ist, dass sie es besser machen.


Also dass empfinde ich etwas abgehoben und letztlich nur auf sich selbst fixiert.
Das funkt ganz gut bei Abhängigen, aber ansonst würde ich meinen, dass damit kein großer Freudeskreis zu gewinnen ist.
 
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Man kann natürlich sagen: "Das kackt so etwas von ab, daß es nur so rauscht" sei keine Kritik. Aber ich würde das schon unter Kritik - wenn auch destruktiv und nicht wohlwollend - einordnen.

Konstruktive Kritik setzt für mich eine bewusste Formulierung voraus, die so gewählt ist, daß sie der Kritisierte auch sehr wahrscheinlich annehmen und etwas damit anfangen kann. Ich nenne diese Art der Kritik lieber Feedback, und das muss ja nicht zwangsweise und ausschließlich negativ sein. Ganz im Gegenteil, mit Lob verknüpft kommt es oft viel besser an. Hier im Forum kann man das ja durchaus manchmal sehen (z.B. bei ChrisShreds Videos): "Deine Musik ist zwar nicht meins, aber ich finde deine Technik beeindruckend. Den oder den Part könnte man aber noch sauberer/in besserem Timing spielen" vs. "80 Metal finde ich generell kacke und dein Gepose lächerlich".
 
Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem...
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Eine Frage für mich ist noch nicht geklärt, wann wird Kritik eigentlich ausgesprochen.
Wird man um die Meinung gefragt, macht es keinen Sinn Honig ums Maul zu schmieren.
Hier sollte man seine Meinung ehrlich äußern und kann diese mehr oder minder höflich formulieren.
Auch eine Meinungsäußerung kann durchaus verletzend formuliert werden.
Ich bin mir da gar nicht sicher, ob so ein Fall als Kritik im Sinne des Wortes bezeichnet werden kann oder soll.
Wenn hier jemand etwas hereinstellt, so erwartet er wohl Feedback.

Kritik ist für mich eine Aktivität bei der eher ungefragt eine Beurteilung über irgendwas oder irgendwem abgegeben wird.
Ich schließe da Konstruktivität bei weitem nicht aus, denke aber dass die Beurteilung über die Konstruktivität keineswegs ein Privileg des Kritikers ist.
Man kann durchaus auch die Motive eines Kritikers kritisch hinterfragen
 
Gealterter Hobbygitarrist mit gelegentlichen GAS Anfällen.
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Hallo,

bei Musik fällt mir nichts ein, was ich unter objektive Kritik einsortieren würde. Vielleicht ist das Rauschen ja ein bewusst eingesetztes Lofi-Element und der wummernde Bass soll so. Vielleicht hat sich der Sänger ja extrem bemüht, ganz leicht out of tune zu singen und die zu starke Verhallung ist ein bewusst eingesetztes Stilmittel und so weiter und so fort.

Da kann man erstmal vorsichtig fragen, ob das so soll und genauso vorsichtig sagen, dass es einem selbst so nicht so doll gefällt wenn es rauscht, wummernd und in einer Hallwolke schief gesungen wird.

Meinungsfreiheit beinhaltet auch, nicht zu allem eine Meinung haben zu müssen. Ich habe mal bei einem Gitarrenbauer jemanden getroffen, der voller Stolz die erste Rohmischung seines neuen Albums in den CD-Player warf. Naja, ich kann mit dem ganzen Metal halt nix anfangen und hab das dann auch so gesagt, nicht ohne hinzu zu fügen, dass ich mir das freiwillig auch nicht anhören würde. Naja, der Klampfer hat´s ganz gelassen genommen. Mir hat der Gitarrenbauer erst hinterher gesagt, dass das eine international und insbesondere in Japan extrem erfolgreichen Band ist, die zigtausende Alben verkauft...

Beste Grüße

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Konstruktive Kritik:

Beginne mit einer Beobachtung.
Beschreibe diese Beobachtung möglichst genau, ohne Bewertung.
Beschreibe dann, wie das Beobachtete AUF DICH wirkt. Beschreibe auch das möglichst genau und ohne eine pauschale Gesamtwirkung zu beschreiben, bleibe persönlich, verallgemeinere nicht, übertreibe nicht.
Beginne (wenn es geht), mit einer Beobachtung, die etwas positives in dir auslöst (halte dich auch hier an die Regeln von oben).

Funktioniert im Allgemeinen gut, ist aber viel Arbeit ...
 
Gruesze Ralf
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

Ich find‘s irgendwie witzig, dass manche lediglich zugestehen, dass Kritik auch etwas subjektiv ist.....
Kritik - v. a auf handwerklich/ künstlerisch bezogene Themen ist nahezu ausschließlich subjektiv, weil sie nur meine Sicht der Dinge transportiert.
Deshalb kann sie natürlich sehr sachlich abgefasst werden....
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

ollie schrieb:
Ich find‘s irgendwie witzig, dass manche lediglich zugestehen, dass Kritik auch etwas subjektiv ist.....
Kritik - v. a auf handwerklich/ künstlerisch bezogene Themen ist nahezu ausschließlich subjektiv, weil sie nur meine Sicht der Dinge transportiert.
Deshalb kann sie natürlich sehr sachlich abgefasst werden....


Bei handwerklichen Dingen gibt es sicherlich noch eher eine Objektivität, da es auch gewisse Standards gibt die vom subjektiven Empfinden nicht wahnsinnig beeinflusst werden. Eine klemmende Türe, "kreativ" verlegte Fliesen mit erheblichen Profilunterschieden und unspielbar abgerichtete Bünde (siehe den Gitarrenbauerthread) wird wohl niemand so toll finden.

Aber im künstlerischen Bereich sehe ich es wie Du: was der einer als ein paar Farbkleckse ("kann doch jeder") ansieht, ist dem anderen Dollarmillionen wert. Und das Metalgeshoute, das ich mit 20 cool fand, trieb meinen Vater in den Wahnsinn. Und gerade beim letzten Beispiel hat sich selbst meine subjektive Einschätzung über die Jahre geändert.

Die entscheidende Frage ist doch, was soll die Kritik bezwecken? Soll jemand fertig gemacht werden, oder will man jemanden aus gutem Willen helfen oder Tips geben..
 
Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem...
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RE: Konstruktive Kritik und subjektive Kritik

früher wollte man sich mit Kritik selbst behaupten, mit zunehmendem Alter wird man ruhiger und ausgeglichener, da ist Kritik ein Instrument,
eigene Erfahrungen und Weisheiten an den Mann zu bringen....ABER ich bin der Überzeugung letztlich geht es IMMER um einen selbst...
egal wie nett man sich selbst sieht...;)!
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