Basteln mit dem großen G...

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Basteln mit dem großen G...

Hallo Gemeinde,
nach dem ich immer wieder über die Jahre von verschiedenen Leuten hier in der GW-Gemeinde gehört hab, das sie zwar nicht permanent aber immer wieder Grund zur Beanstandung bei der (Verarbeitungs)Qualität mit Gitarren des großen G's hatten, hab ich inzwischen auch so einen Fall, an dem ich euch einfach mal teilhaben lassen wollte. Bilder sind weiter unten!

Story:
Obwohl ich eigentlich keine weitere Gitarre mehr brauchte und ich auch keine Band mehr hatte sowie auf Grund verschiedener privater und berufl. Gründe das Gitarrenspielen quasi eingestellt hatte, hat mit meine Frau dazu ermutigt 2016 bei einem Besuch in einem großen deutschen Musikalienhandel nun doch eine rote Gibson SG Standard mit zunehmen.
Sie wusste um den Umstand, dass so eine Gitarre quasi vor 18 Jahren der Auslöser war mit dem Gitarrenspielen anzufangen und nie das Geld für's Original da war und als es durch glücklichen Umstand doch mal so war (ca. 2008/2009) ausgerechnet Vertriebsprobleme mit Gibson am Start waren und der Musikalienhändler meines Vertrauens nur noch eine SG Special in Schwarz da hatte. Sie ist zwar Meine geworden und wie sich herausstellte auch ein guter Kauf gewesen. Aber es war halt nicht "diese Eine".
Nun hatte ich sie endlich. Der Tech im Laden hat extra Überstunden geschoben, damit er sie mir noch auf Wunsch einstellen konnte. War toll.

Zu Hause angekommen, ausgepackt und fest gestellt, dass sie nicht mehr die Selbe wie im Laden war. Verstimmt, Einstellung dahin irgendwie komisch.
Ich hab das mit der stundenlangen Heimfahrt im heissen, nicht Klimatisierten Auto erklärt. Dann schlugen oben erwähnte private und berufliche Umstände zu und ich habe sie lange nicht mehr in die Hand genommen.
Dieses Jahr dann endlich das Jahr wo ich meinen "Gitarrenhaushalt" (samt Fähigkeiten) wieder in Schuss bringen will/wollte. Eröffnungs-Projekt war dieses da:
https://www.guitarworld.de/forum/viewtopic.php?t=51799
Ich wollte mich aber, da zwar kein geübter Handwerker aber auch nicht mit zwei linken Händen behaftet, ganz vorsichtig auch ins eigene Doing hineintasten, statt alles einem Tech zu übergeben.

Die "Traum"-SG hatte ich wieder raus geholt und im Zuge des oben verlinkten Projekts, hat sie auch zwei Häussel P90 bekommen und mich somit dem Traum einer P90 SG näher gebracht. Denn die Standard - PU's erwiesen sich als Schrill, leblos und irgendwie unpassend in dieser Gitarren. Interessanterweise sollen in meiner SG-Special von 2008/2009 die selben drinn sein und dort harmonieren sie prima.

Aber:
damit nicht genug. Neben einer insgesamt nicht gerade zufrieden stellenden Stimmstabilität waren G- und H- Saite völlig unbenutzbar. Nach ein paar Minuten spielen, völlig verstimmt. Beim Nachstimmen stets ein "Ping".
Meiner Meinung nach etwas, dass ich vom "rennomierten großen G" nicht erwarten dürfen sollte. Also -wie man das heute so macht- gegoogelt und festgestellt, dass das wohl eine bekannte Krankheit ist. Auch gelesen, dass das mit ein bischen nachfeilen des Sattels sowie Bleistift-Graphit und Austausch von Tunern behebbar sein sollte.

Neben des grundsätzlichen Unmuts, erschien mir dies als die perfekte Aufgabe etwas mehr Praxiserfahrung in ""Gitarrentechnik" zu erlangen. Überschaubarer Aufwand bei überschaubar notwendigem Skill.

Also:
Locking-Tuner samt Adapterhülsen bei Rockinger bestellt (Wahnsinns positiver Kontakt und Support!) sowie ein Sattelfeilenset bestellt.

Sattelfeilen - kein Problem
Tunertausch kein Problem. Allerdings vielen mir da schon die enormen Druckstellen im Lack hin zum Sattel sowie die unsauberen Kanten am Bohrloch auf. Zudem erschien mir die ganze Konstruktion irgendwie eigenartig, wenn ich mir vorstellen sollte, wie die Saitenzugkräfte auf die Konstruktion wirkten. Egal. Tausch erledigt.
Anbringen der Adapterhülsen: das kam mir wackelig vor. Aber hey. Bist kein Profi. Vielleicht wird das noch was.
Saiten gespannt: Ping war weg. Die Lockingtuner haben auch begeistert. ABER: noch nicht ganz fertig gespannt, sind quasi schon die Adapterhülsen raus "gepoppt" bzw. haben sich raus gebogen.

Sofort wieder die Saiten entspannt um nicht noch mehr Schaden anzurichten.
Das Ganze dann noch genauer betrachtet. Mal noch mit der Schiebelere nachgemessen. Die Adapterhülsen waren korrekt. 10mm. Jede einzelne!
Wie sich heraus stellt, waren die Bohrlöcher größer. Zwar nicht exorbitant. Aber ausreichend damit das Ganze zum Tode verurteilt war.
Größere Adapterhülsen konnte ich nicht auftreiben und einleimen wollte ich nicht. Auch irgendwie rum tricksen mit Verdickung der Hülsen z.B. mit Klebeband drum rum erschien mir irgendwie "unwürdig".

Die genauere Betrachtung der Originalmechaniken sowie die Konstruktion beim Verbau erschütterten irgendwie mein Laienverständnis davon, wie die Saitenzugkräfte auf die Kopfplatte verteilt wurden. Kann sein, dass ich mich jetzt in die Nesseln setze. Aber irgendwie empfinde ich es nicht als "richtig", wenn die Zugkräfte alleine auf die Drehachse der Mechanik und dann durch das Verbiegen dieser via Unterlagsscheibe in Lack und Holz gehen. und das mit signifikanter Luft zwischen Achse und Scheibe, welche es erst noch zu überwinden galt.

Die Druckstellen in der Kopfplatte sprachen ihre eigene Sprache. Und an einem Loch ist sogar etwas Lack abgeplatzt. Vielleicht auch wegen meiner Umbauarbeit. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

Da ich mir meiner Analyse nicht sicher war und auch generell nicht mehr weiter wusste, bin ich zu meinem Groß-Cousin. Industriemechaniker-Meister.
Auch von seinem fachlichen Standpunkt empfand er das nicht als eine zufriedenstellende Konstruktion. Weder im Original noch mit den Ersatzmechaniken.
Also haben wir gemessen, er hat gezeichnet und dann haben wir auch noch einen Dreher gefunden.

Dann war Urlaub angesagt. Nach Rückkehr ging's dann an die Installation.

Auch wir waren nicht perfekt. Ursprünglich wollten wir Maßanfertigung für jedes Loch betreiben, da jedes Loch eine andere Lochbreite hatte. Da aber auch Unten breiter als Oben war und es insgesamt recht komplex wurde, haben wir ein Einheitsmaß genommen, welches insgesamt ein klitzekleinwenig dicker war als die meisten Löcher. Dies erforderte später etwas ausschleifen der Bohrlöcher.

Auch gab es einen Fertigungs- oder Mess-fehler was die Tiefe der Hülsen anging. Sie waren 1 mm zu tief, sodass die Mechaniken nichtmehr angeschraubt werden konnten. Aber lieber zu viel als zu wenig. Auch dass lies sich weg schleifen.

Zudem wurde die Überdeckung des Loches (also was im Original die Unterlagsscheibe war) etwas größer dimensioniert um die Druckstellen und Lackschäden zu überdecken.
Ich kürze an dieser Stelle jetzt ab und schicke noch ein paar Bilder dazu.

Am Ende habe ich jetzt eine stimmstabile Gitarre, welche unserer Meinung nach die Saitenzugkräfte wesentlich besser auf die Kopfplatte verteilt (weniger Spiel und sitzfeste Hülsen) und eine Gitarre, welche unverkennbar "Meine" ist. Optisch hatte ich erst bedenken. Mit den Tunern drinn und Saiten drauf gefällt es mir aber inzwischen sogar sehr. I

Ich hoffe ich konnte den geneigten Leser etwas unterhalten, informieren und habe keinem Gitarrenbauer oder erfahrenen Techniker/Modder die Zehennägel hochrollen lassen. Interessanterweise (ich habe nicht gewogen) blieb die von mir befürchtete, erhöhte Kopflastigkeit aus. Vielleicht ist der Gurt auch einfach rau und breit genug...

Brennend interessieren würde mich, wie Gitarrenbauer / Erfahrene Techs das machen, sprich Tuner installieren/einpassen.

Hier noch ein paar Bilder der Aktion:

Oben: neue Lockingtuner mit 10mm Adapterhülsen


Oben: Ohne Adapter und nach messen.


Oben: Neue Ersatzhülsen


Oben: Entgraden


Oben: neue Hülsen eingesetzt von hinten


Oben: teilmontiert von vorne


Oben: Fertig 1


Oben: Fertig 2
 
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und NEIN Leute; Ich bin KEIN Schwabe... !
Und es heisst Badner NICHT Badenser
Wir sagen auch nicht Heilbronser... oder Frankfurzer..
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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Re: Basteln mit dem großen G...

karlchen schrieb:
... hat mit meine Frau dazu ermutigt .... Sie wusste um den Umstand, dass so eine Gitarre quasi vor 18 Jahren der Auslöser war, mit dem Gitarrenspielen anzufangen.


Der Thread handelt augenscheinlich nur von einer Gitarrenreparatur aber es stecken allgemeinere Weisheiten über Partnerschaft und Kundenbindung drin, wenn nämlich deine Frau deine Liebe zur Gitarre mehr respektiert als die Firma Gibson das tut.

In nur einer dieser beiden Beziehungen lohnt sich Treue.



Absurde Reparatur aber schöne Story.

Glück auf.
Verfasst am:

Re: Basteln mit dem großen G...

groby schrieb:
karlchen schrieb:
... hat mit meine Frau dazu ermutigt .... Sie wusste um den Umstand, dass so eine Gitarre quasi vor 18 Jahren der Auslöser war, mit dem Gitarrenspielen anzufangen.


Der Thread handelt augenscheinlich nur von einer Gitarrenreparatur aber es stecken allgemeinere Weisheiten über Partnerschaft und Kundenbindung drin, wenn nämlich deine Frau deine Liebe zur Gitarre mehr respektiert als die Firma Gibson das tut.

In nur einer dieser beiden Beziehungen lohnt sich Treue.



Absurde Reparatur aber schöne Story.

Glück auf.


Merci (auch an Ernie). Ich schätze mich durchaus glücklich, was meine Frau angeht ...

Bei dem von mir fett markierten ("absurde Reperatur"), würde mich durchaus das "warum" interessieren.
 
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Re: Basteln mit dem großen G...

"Absurd" weil sie erstens schon drastische Maßnahmen erforderte die auch den wenigsten Endverbrauchern normalerweise zur Verfügung stehen.

Und "absurd" weil die Maßnahmen etwas beheben, was eigentlich schon an einer Harley Benton peinlich wäre, ganz zu schweigen von der Marke, die preislich ein vielfaches dessen verlangt und behauptet "Only [our product] is good enough".
Verfasst am:

RE: Basteln mit dem großen G...

Moin,
Ich sehe das auch als unfassbar an. Eine neue Gitarre, und auch nochmal vom Tech eingestellt, die "Ping" macht? Echt nicht, das geht besser.
Mal abgesehen von unterschiedlichen Bohrungsdurchmessern, wie kriegen die das hin? Stemmen statt bohren?

Neulich habe ich eine Akustik aus dem Koffer geholt, wo diese seit zwei Jahren lag. Mit ordentlich Temperatur unterschieden. Stimmte noch. So kenne ich das...

Naja, egal.
Viel Spaß mit der Gitarre!

Ciao
Monkey
 
D'oh!

On sale:
Rote PRS Gitarre
Squier Strat VII
4 Kanal Komp/Gate/Limit/etc
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Re: Basteln mit dem großen G...

groby schrieb:
"Absurd" weil sie erstens schon drastische Maßnahmen erforderte die auch den wenigsten Endverbrauchern normalerweise zur Verfügung stehen.

Und "absurd" weil die Maßnahmen etwas beheben, was eigentlich schon an einer Harley Benton peinlich wäre, ganz zu schweigen von der Marke, die preislich ein vielfaches dessen verlangt und behauptet "Only [our product] is good enough".


Da sind wir voll auf einer Wellenlänge. Ich habe mich bewusst mit "Kritik" zurück gehalten und wollte (halbwegs, weil nicht gänzlich möglich) "emotionslos" berichten.
Ich dachte es wäre eher auf die Ausführung bezogen, da das 100% improvisiert war und wir das bar jeder gitarrenbaulichen Expertise gemacht haben..

@Monkey:
jepp. Kann ich nur zustimmen...
 
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RE: Basteln mit dem großen G...

Na gut, es musste für dich diese rote SG sein, Ja, nur eine rote SG ist eben eine SG.

Ich hatte vor vielen Jahren einen ähnlichen Fall. Ich musste unbedingt eine G haben. Bin in den Laden und habe mir eine LP Junior rausgezogen. Ich mag diese spartanischen Sachen.
Da ich grundsätzlich alles selbst einstelle, habe ich nicht weiter auf Saitenlage etc. geachtet, ich war glücklich eine G zu haben.
Zuhause kam dann aber die große Ernüchterung. Der Hals war für meinen Geschmack zu konkav (Bow). Ich an den Halsstab ran, keine Wirkung. Weder in die eine, noch in die andere Richtung. Am nächsten Tag war ich wieder im Laden, habe den Umstand vorgetragen, habe überspitzt auch gesagt, entweder bekomme ich hier eine vernünftige G, oder ich will mein Geld zurück. In meiner jungendlichen Wildheit habe ich wohl so einen Wirbel gemacht, dass ich mir die höherpreisigen Heritage ansehen durfte und die Differenz nicht draufbezahlen musste.
So bin ich bei Heritage gelandet und bin mit dieser Gitarre echt glücklich.
So gehts natürlich auch.
Alles gute mit deiner SG.
 
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