Schrankwandzeit vorbei?

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RE: Schrankwandzeit vorbei?

"Weg von den 50/100 Watt Boliden" ist ein Trend der seit der Marktoffensive von AXE-FX und Kemper klar zu verzeichnen ist.
Wenn mir "just music in München" sagen, dass sie seit der Markteinführung eine 4-stellige Zahl an Kempers verkauft haben, dafür seit 3 Jahren kein einziges Boogie Top mehr unter die Leute gebracht haben, dann heißt das was.
Die einzigen 50/100 Watt Tops die da noch gekauft werden sind die JVMs.....
der beliebteste Combo ist der Fender Blues Junior....
(beide habe ich)....
Kemper hab ich noch keinen - warum auch immer. Ich hab ihm mehrfach eine Chance gegeben. Direkt auf die Marshall Box klangen die Sounds für mich alle relativ gleich. Dann verzeiht er einem fast alles und fördert ein unpräzises, eher undynamisches Spiel. Dann bietet er viel zu viele Sounds an....ich will die Vielfalt nicht. Ich steh auf wenig, dafür amtlich. Die Zeit, die man da mit Soundfieselei verbrät ist immens.... dann reagieren die Parameter (Gain, EQ) anders als im Realbetrieb (geht auch nicht anders, ein Kemper Profile ist ein Foto - welches abweichend von dem "geprofilten" Status ein Eigenleben, abseits des Originalsoundverhaltens entwickelt). Mich wundert, dass dies so wenig theamtisiert wurde.
Fazit: Ich brauch ihn nicht.

Ich bin live bei größeren Bühnen mit meinem JVM super glücklich.
und kleinere Gigs werden mit dem Tubemeister und dem Fender Blues Junior bestritten (je nach Formation).

Weniger Schleppen als Argument ist direkt proportional zur Auftrittszahl. Das ist bei mir mit 15 Gigs pro Jahr überschaubar.....ich schleppe dafür gerne mein Top, denn es klingt!

Ja, der Trend ist ganz klar abzusehen. Ja, die dicken Amps sind verhältnismäßig günstig.....
Ob es wieder eine Abkehr von diesem Trend gibt - möglich!

Schön ist, dass trotzdem jeder nach seiner Facon glücklich werden kann.
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

ollie schrieb:
"...
Weniger Schleppen als Argument ist direkt proportional zur Auftrittszahl. Das ist bei mir mit 15 Gigs pro Jahr überschaubar.....ich schleppe dafür gerne mein Top, denn es klingt!

Ja, der Trend ist ganz klar abzusehen. Ja, die dicken Amps sind verhältnismäßig günstig.....
Ob es wieder eine Abkehr von diesem Trend gibt - möglich!

Schön ist, dass trotzdem jeder nach seiner Facon glücklich werden kann.


So, genau so will ich das unterschreiben.

Lange hab ich nicht mehr grosse Bühnen bespielt, jetzt kommt ein Stadtfest auf mich zu und ich überlege echt, ob ich dafür den 120 Watt Palmer von 1987 wieder auf die 412er hieve oder doch den Red Knob TWIN mit den ultrageilen FANEs mal wieder ausführen soll.

Im Proberaum, zur Bandprobe, tönt nur die 30 Watt Tweed-Combo mit dem 15er JBL drin. Alleine werfe ich immer wieder mal den Full Stack an und lass es krachen - mein Tinnitus braucht Pflege. Meist jedoch isses bei mir gar nicht so laut, aber soundmässig ein Wellness-Bad.

Schrankwände fand ich seit je wenig chic, aber praktisch - gut zu haben.

412er und Full Stacks im Besonderen sind für mich ein MUST HAVE - meinen hege ich seit 1967. Sic.
 
mit freundlicher Empfehlung
Verne

http://www.blues-corporation.eu
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Wenns denn reicht ... Na dann.
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Schönes Thema,
da ich da auch schon alles mitgemacht habe und auch gerade mit Umstieg auf Modeller + FRFR weiter dabei bin.
Als Schüler hat man damals mit nem kleinen Transencombo angefangen.
Dann musste es ein Combo mit wenigstens einer Vorstufenröhre sein, weil man ja wusste: nur mit Röhre klingt gut.
Tja und dann hatte mein Gitarrenlehrer damals seinen neuen Stevens 100Watt nebst 4x12er bekommen.
Und da war es um mich geschehen.
Ich bin auch der Meinung so eine 4x12er muss man mal gehört und damit gespielt haben.
Wir als Band wurden immer lauter. Wir dachten dass das dann auch besser ist.
Dann ging der Trend anders herum. Amps leise für den besseren Sound aus der PA.
Und auf einmal gab es kleine Amps die hochwertig klangen und Stompboxes die den Zerrsound der großen Röhrenboliden drauf haben.
2x12er, 1x12er, dann wieder 2x12er weil doch was fehlte ... 2x12er Combo.

Mit dem Kemper hatte ich es auch versucht.
Ich bin mit seinen Möglichkeiten auch nicht klar gekommen.
Ich sehe ihn auch nach wie vor nicht als Modeller, sondern vielmehr als Tool im Studio, ganz explizite Sounds zu konservieren.
Ich mochte auch einfach die Bedienung nicht. Das hatte rein gar nichts mit meinem Einkanaler und meinen Stompboxes zu tun.
Sicher, von seiner reinen Soundleistungsfähigkeit soll er nach wie vor der beste "Digitalamp" sein.
Wichtig: Speakersimulation macht fast mehr als die Hälfte des Sounds aus. Und das wird somit nur mit FRFR-Lautsprecher so richtig frei.
Ich hatte ihn vornehmlich nur zu Hause im Einsatz und da mochte ich zur der Zeit meinen kleinen, feinen Röhrencombo noch lieber.
Zum für mich selbst spielen brauche ich allerdings auch nicht viel. Einen sehr guten Crunch-Sound - das reicht. Somit wurde der Kemper auch wieder überflüssig.


Tja und dann kam dieses Headrush Pedalboard, welches ich zunächst nur mal so rein aus Interesse als Ersatz zu meinen aus Einzeleffekten zusammengestellten Pedalboard für die Band nutze. Also kein Modelling, sondern nur die Stompboxes. Super! wahnsinng klar und ohne Soundverluste und Störgeräusche. Keine unzähligen Kabelverbindungen die man regelmäßig prüfen muss, ob auch wirklich alles richtig gesteckt ist und sich nichts gelöst hat seit dem letzten Transport. Kein gezicke! Alles programmierbar. Und doch nutzbar als hätte man einzelne Stompboxes. Super easy zu bedienen und genau so übersichtlich. Das Konzept überzeugt mich immer noch.
Auf einmal raucht der Amp ab. Doch mal den Modeller im Gerät nutzen und siehe da es klingt gar nicht mal schlecht.
Nun noch das ganze mal weiter verfeinert und die Vorteile überwiegen nun für mich.

Mit dazu kommt auch der Trend, dass immer mehr zum In-Ear-Monitoring übergehen.
Das wird immer bezahlbarer und reizvoller. Wer braucht mit IRs live noch einen dicken Röhrenboliden mit 4x12er um den Sound gescheit einzufangen, wenn man ihn isoliert durch das InEar eh nicht mehr richtig hört. Oder anders gesagt. Einen Röhrenboliden bekommt man doch live so gut wie gar nicht lautstärkemäßig dahin wo es gut klänge, dass die echte Mikroabnahme nun tatsächlich einen Vorteil gegenüber IRs hätte. Das ist für mich entscheidend.

Charme: Ja da geht eine Menge Feeling flöten! Wenn man es noch kennt. So ohne Amp mit dicker Bock in der Ecke ist schon komisch. Aber für uns mittlerweile alten Säcke hat ein leichtes Gepäck und keine Rückenschmerzen mehr ebenso viel Charme.
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Moin,

ich brauche einen Amp auf der Bühne! Es gibt bei unserer Kapelle kein nennenswertes Monitoring, nur die Sänger haben eins. Und damit ich, und bei kleinen GIgs auch das Publikum, mein vorzügliches Spiel auch hören können, geht es nur mit eigenem Amp.

Gibt es also auch noch.

Für die einmal jährliche Rockformation gilt das gleiche.
Für eine ständige Formation würde ich auch über IEM nachdenken.

Ciao
Monkey
 
D'oh!

On sale:
Rote PRS Gitarre
Squier Strat VII
4 Kanal Komp/Gate/Limit/etc


Zuletzt bearbeitet von Monkeyinme am 09.07.2019, insgesamt einmal bearbeitet
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

in ear - dagegen wehre ich mich aus besagten Gründen...
Dann kann man in der Tat auf komplett digital umsteigen....
muss jeder selbst wissen.
Eine Band die das von mir fordert ware nicht meine Band - da bin ich ehrlich!
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Ich habe in den letzten Jahren einen verbastelten 100W Super Lead restaurieren lassen und dann ist mir eine 1979er 4x12 zugelaufen.
Wer behauptet, das sei ungeil, lügt.

In Sachen Bühnenpraxis:
Im englischsprachigem Raum gibt es den Begriff der "function band".
Wer also covert und/oder für Publikum Fleisch zu seinem Gemüse macht, ist mit Modellern und möglichst unauffälligen Kleinamps gut bedient.

Wer aber inspiriert eigenen Kram machen will, muss schauen, wie er oder sie die Muse zum Küssen bekommt.
Und da ist, finde ich, jedes Mittel recht.


Ich persönlich habe mehrere Amps, damit ich die Wattzahl und die Funktion des Amps auf der Bühne dem Gig anpassen kann.
Im Proberaum und auf kleinen Bühnen benutze ich im Allgemeinen große, offene 1x12-Boxen mit Neodym-Speaker.
Das ist handlich, projiziert wenig und ich kann damit auch kleinere Räume aus der Backline einigermaßen beschallen, ohne mir oder der Band auf der Bühne den Kopf abzureißen mit Lautstärke. Die Gesangsanlage ist dann eine Gesangsanlage.
Die Neodyms machen in dem großen Gehäuse einen Transienten der von einer 4x12 nicht soooo weit weg ist, vorausgesetzt, die Endstufe kann die Kalotte hinreichend beschleunigen. 5 Watt tun das nicht.

Open Air auf großen Bühnen wäre es für mich der Marshall mit der 4x12 als side fill.
Die 4x12 projiziert dann quer über die Bühne, ohne in Mikrofone einzustrahlen oder eine Schneise ins Publikum zu brüllen und ich habe nicht nur einen anämischen Monitor um für Interaktion zwischen Gitarre und Speaker zu sorgen.



Ich glaube ja, dass an der vielbeschworenen "Krise der elektrischen Gitarre", von der man ja immer mal wieder liest, der Trend zur ungeilen Lautstärke erheblich beteiligt ist.
Nicht, dass ich eine Gitarrendiva wäre, die andere Leute im Probenraum taub spielt.
Aber damit der Ton auch mal stehen und atmen kann braucht es Lautstärke.
Und mit Gain kann man das nicht kompensieren.
Gain is not Volume, Carl!

Viele Grüße,
woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

ollie schrieb:
in ear - dagegen wehre ich mich aus besagten Gründen...
Dann kann man in der Tat auf komplett digital umsteigen....
muss jeder selbst wissen.
Eine Band die das von mir fordert ware nicht meine Band - da bin ich ehrlich!


Ich sag mal so: Led Zeppelin haben nicht in ear gespielt. Sie täten das auch heute nicht. Und täten sie es doch, wären sie nicht Led Zeppelin.

Professionelle Künstler (nicht nur Musikdienstleister) sehe ich aber in kleinen Läden allweil mit 1x12 oder 2x 1x12 oder 2x12 und eher kleinen Aggregaten von Orange über Fender bis Egnater. Joey Landreth z. B. neulich (wobei der einen Two Rock über 2x12 spielte), Dan Baird & Co. und viele andere. Und auch bei großen Acts wie Eagles, Keith Urban, Allman Brothers oder Cold Chisel stehen kleinere Combos, meist dann aber diverse.
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Wir hatten vor ein paar Jahren komplett auf IEM umgestellt. Hat unbestritten Vorteile, aber irgendwie ging es allen Bandmitglieder gleich: der Spaß blieb auf der Strecke. Da konnte selbst ein "Open" Mic nichts ändern. Nach ca. 1 Jahr haben wir geschlossen entschieden, doch wieder mit Monitoren und PA zu proben und zu spielen. Nur unser Lead-Sänger verwendet es noch häufig, vor allem bei schwieriger Akustik.

Mein persönliches Fazit: für Profis und professionelle Anwendungen sicherlich in manchen Situationen fast Pflicht. Aber mir als purem Amateur geht da einfach die gesamte Interaktion ab, mit dem Instrument, den Bandkollegen, dem Publikum. Ob mit (nur noch 1x12 ) Amps oder AX8 + FRFR entscheide ich nach Lust und Laune. Wobei zunehmend Amps nur noch meine Lösung fürs alleine Spielen und Üben sind, für alles andere nehm ich mittlerweile meistens den AX8.
 
Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem...
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Bin bei Bandscheiben schonenden Modellern mit FRFR Nahfeld-Monitor (inkl. Vocals) gelandet.
Ansonsten geht alles über PA.
Ich vermisse das Hosenbein föhnen nicht und könnte sogar mit der Strassenbahn zum Gig fahren (so eine in der Nähe wäre).
Ich halte mich nicht für einen Spitzengitarristen, war aber früher mit den Schrankwänden auch nicht besser - nur jünger
Es spielt sich wohl viel auch im Kopf ab.

Ich jedenfalls genieße nun die ruhigere und Tinitus schonende Bühnenathmosphäre ohne Verlust der Spielfreude.
 
Gealterter Hobbygitarrist mit gelegentlichen GAS Anfällen.
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Ich spiele seit langem fast nur kleine Amps u.a. Vox AC 4, AC10, Brunetti Singleman, Fender Deluxe Reverb und z.b. 1 Watt Blackheart "Killer Ant". Das macht Spaß und beim aufnehmen ist das auch vollkommen ok. Aber live war immer die 4x12er mit Topteil das geilste und hat am meisten Spaß gemacht... Und wenn ich höre wie der Blackmore heute klingt mit seinem Engl-Combo.. nee, bei Classic-Hardrock bitte immer volles Besteck für mich.
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Ma ehrlich - Scheiss auf's Schleppen bei 'nem Gig auf gescheiter Bühne. Lass dir einfach helfen…
Es geht doch nix übber 100 W Topteil mit einer oder zwei 4x12er Box - wenn's zur Mukke passt.
In meiner Hauptband geht das gar nicht anders und das MUSS so.
(Wir haben just einen Gig abgelehnt weil wir für die Backline-Boxen hätten zahlen sollen - und die Band, die nach uns spielen sollte alles über IE und Digi-Ämps macht…)

In meinem Zweitprojekt genügt der 5e3, der bei Bedarf zusätzlich über die PA geht.

Also - best of both worlds sozusagen…
 
Too old to die young...
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RE: Schrankwandzeit vorbei?

Freitag auf großer Bühne in der Donauarena: 4 Stunden gerockt.
JVM + 212 Bogner Box....und die neue Burny Paula dazu - Mördersound.

Das ganze jetzt mit ner Digitallösung - vergiss es.....
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Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
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