Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

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Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Hallo!

Youtube schlägt mir ja gerne Videos vor und üblicherweise kommen zu Anfang er die Werbung und dann die Sätze zum Abonnieren/Subscriben. Kennen wir alle.

Ich habe eine Weile gerne That Pedal Show gesehen und auch abboniert. Irgendwann feierten die Jungs die 200.000 Abonnenten imd etwas später wurden sie so nerdig, dass ich mir das wirklich nicht mehr ansehen mag. Auffällig dabei ist die laufende Häufung von hochpreisigem Equipment im Raum und dann kommt natürlich der Satz "unser guter Freund Danish Pete hat uns das Thorpy Pedal The Dane geschickt". Danish Pete? Gitarrenvorführer bei Andertons - 600.000 Abonnenten. Ist Danish Pete schon ein Gitarrenheld unserer Zeit?

So ein Thorpy Dane kostet bei Thomann knapp 300 Euro. Wie viele von solchen Zerrern werden wohl verkauft? Wie hoch ist bei Musikinstrumenten üblicherweise die Gewinnspanne für den Händler? Wie viele Geräte bekommt so ein Signature-Künstler zur Verfügung gestellt, um sie anderen "Multiplikatoren" zu verkaufen?

Davon mal abgesehen, bekommen die Jungs ja wahrscheinlich nicht alles geschenkt. Wie viel verdienen die eigentlich, wenn ich mir so ein Youtube-Video ansehe? Was verdient ein Künstler, wenn ich einen Song bei Spotify streame? Ich habe da überhaupt keine Einschätzung zu.

Kurz gesagt: Wie viel ist da eigentlich wirklich an Ruhm, Umsatz und Gewinn drin? Bei Antworten bitte angeben, ob es sich um Wissen oder Spekulation oder "habe ich mal im Internet gelesen" handelt.

Kurz noch was anderes:

Um herauszufinden, wie nerdig ich mittlerweile geworden bin und ich welcher Filterblae ich mich befinde, benutze ich mittlerweile zwei Browser. Einen Browser benutze ich für die üblichen Seiten (insbesondere die mit Kennworten), den anderen Browser bei der Suche nach Informationen - und bei dem werden standardmäßig beim Schließen alle Cookies gelöscht. Der Unterschied ist bei Zeitungen relativ gering, dort ist es nur die geschaltete Werbung. Bei Youtube ist es immens, da ist Surfen ohne Cookies ganz anders. Die angebotenen Kosmetiktipps und Katzenvideos interessieren mich aber weniger als der Inhalt meiner Blase...

cu

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

erniecaster schrieb:
Davon mal abgesehen, bekommen die Jungs ja wahrscheinlich nicht alles geschenkt. Wie viel verdienen die eigentlich, wenn ich mir so ein Youtube-Video ansehe? Was verdient ein Künstler, wenn ich einen Song bei Spotify streame? Ich habe da überhaupt keine Einschätzung zu.

Kurz gesagt: Wie viel ist da eigentlich wirklich an Ruhm, Umsatz und Gewinn drin? Bei Antworten bitte angeben, ob es sich um Wissen oder Spekulation oder "habe ich mal im Internet gelesen" handelt.


Hi Ernie,

ich glaube, man kann deine Frage nicht wirklich beantworten, weil sie von total vielen Parametern abhängt. Die aller meisten der Youtuber sind noch in sog. "Networks" eingebunden, also arbeiten quasi mit Agenturen zusammen, die auch noch Sponsorengelder etc. in unterschiedlicher Höhe reinholen. Dazu kommt die Unterschiedlichkeit der Nicht-monetären Leistungen (wie du schon sagst: Manche kriegen halt extrem hochpreisige Sachen geschenkt, manche kriegen vielleicht einen Studioraum etc.). Je nachdem, mit welchem Network du zusammenarbeitest, ist auch die Ausschüttung von Geld pro Klick unterschiedlich, meine ich mal gelesen zu haben. Dazu kommen natürlich noch zusätzliche Provisionen von den Firmen je nach Produkt. Außerdem ist wichtig, wie viel Werbung pro Video geschaltet wird (das kann der Youtuber relativ frei bestimmen).


Wie groß die Spanne dann tatsächlich sein kann, sieht man auf der Seite Youtubers.me, die quasi auf Grundlage der Abonnenten und Videoaufrufen kalkuliert, wie viel Geld dabei rausspringen kann.
Für bspw. den User "Jared Dines", ein ziemlich erfolgreicher, eher Jugendliche ansprechender "Gitarrenyoutuber", listet die Seite auf Grundlage der o.g. Parameter mögliches Einkommen zwischen 200.000 Dollar und 1,42 Mio Dollar. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, zeigt aber auch die Schwierigkeit der Kalkulation.

Zu dem zweiten Satz im Zitat fällt mir auch noch was ein: Wie viel Ruhm, Umsatz und Gewinn in der Gitarrenbranche lag, war doch eigentlich nicht erst seit Youtube unklar. Früher waren es halt Endorsment Deals oder bescheuerte Promotermine oder oder oder. Ob Slash z.B. wirklich schon immer ausschließlich Les Paul spielen wollte, weil es die besten Gitarren der Welt sind, sei mal dahin gestellt. Die Plattformen haben sich halt geändert, das Prinzip ist aber glaube ich gar nicht so neu.


EDIT: Ich habe nochmal zum Thema Spotify gegooglet. Auch hier gibt es wohl relativ große Spannen und die Rede ist immer von "kann" oder "bis zu" etc. Eine Einschätzung kann man sich bspw. hier holen: https://praxistipps.chip.de/spotify-so-viel-geld-bekommen-musiker-pro-stream_107590
 
"Ein Lothar Matthäus hat es nicht nötig, von sich in der dritten Person zu sprechen." (Lothar Matthäus auf die Frage bei einer Pressekonferenz, warum er öfter von sich in der dritten Person spreche)
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Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

erniecaster schrieb:
Hallo!

Was verdient ein Künstler, wenn ich einen Song bei Spotify streame? Ich habe da überhaupt keine Einschätzung zu.


cu

erniecaster


Moin,

wenn man der Frage im Netz hinterher googelt, liest man immer einen Betrag von unter einem halben Cent pro Stream.
Wenn eine Plattenfirma mit im Spiel ist, dann gehen davon ca. 70 Prozent an diese.
Bleiben dem Künstler also 30 Prozent.
Dafür muss ein stream mindestens 30 Sekunden lang sein. Wird vorher abgebrochen, wird nichts gezahlt.
Das hab ich aus dem internet.


Ich habe zwei Alben bei Spinnup komplett in Eigenregie veröffentlicht. Pro Album zahle ich dafür ungefähr 15 Euro Jahresgebühr für die Bereitstellung bei den Streaming Diensten.
Ohne jegliche Promotion und Werbung bin ich jetzt bei fast 20 Euro Einnahmen
Ich hab letztes Jahr also ca. 10 Euro draufgezahlt.

Gruß Diet
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RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Ich habe mich mal vor gut einem halben Jahr im Netz umgehört und Informationen gesammelt, was "Streams" und "View" so bringen: insgesamt etwa 1-2 Euro pro Tausend "Views" von Videos oder "Streams" bei Musikstreamdiensten. Wenn Du von Youtube leben willst (sagen wir mal 1500 Euro im Monat mindestens), solltest Du pro Monat 5 Videos mit 200.000 Views ins Netz stellen. Oder 1 Video mit 1 Mill. Views. Oder 20 Videos mit 50.000 Views usw.
Wenn Du eine spezielle Zielgruppe ansprichst, kann Du evtl. mehr verdienen, da Youtube dann zielgerichtete Werbung schalten kann.

Bei den Andersons ist es sicher so. Die verdienen an der zwischengeschalteten Werbung für die speziellen Gucker, die potentiell alle G.A.S. haben und die man anfixen kann. Und es scheint zu funktionieren, sonst hätten die das schon eingestellt. Werbung, als Unterhaltung getarnt und mit zusätzlichen Werbebotschaften garniert: Check! Eine Win-Win-Situation, da der Gucker (also wir) unterhalten wird, dann im Forum seinen Erfahrungsbericht posten kann und damit Anerkennung erhält und später Spaß am Weiterverkauf mit all seinen Abenteuern hat.
 
"Wir essen jetzt Opa!" - Interpunktion rettet Leben!
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RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Wie ist es mit Foren wie diesen hier, rechnet sich das? Man hat sicher gut damit zu tun, das Portal (was es wohl ist)zu pflegen. Werbung wird auch geschaltet, ist das eher Liebhaberei, oder doch lohnenswert? Falls die Frage erlaubt sein sollte.
 
kann Spuren von Ironie, Sarkasmus oder eigener Meinung enthalten, der Genuss für Musiker ist unbedenklich
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Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Hallo,

Julle schrieb:
Wie groß die Spanne dann tatsächlich sein kann, sieht man auf der Seite Youtubers.me, die quasi auf Grundlage der Abonnenten und Videoaufrufen kalkuliert, wie viel Geld dabei rausspringen kann.


Da habe ich jetzt mal ein paar Youtuber eingegeben, die aus meiner Filterblase stammen - ergo mit Musik zu tun haben. Selbst vergleichbare Klickzahlen und Abos und völlig unterschiedliche Zahlen. Entweder das stimmt so nicht oder es ist total wirr.

Jedenfalls scheint das insgesamt wohl schwierig zu sein, das als alleiniges Standbein zu nutzen.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
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Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

[quote="erniecaster"
Jedenfalls scheint das insgesamt wohl schwierig zu sein, das als alleiniges Standbein zu nutzen.

[/quote]

Jo. Also es kommt darauf an. Die Leute, die wirklich innerhalb des Kosmos "berühmt" sind (sagen wir mal so alle ab 1 Mio Abonnenten) leben davon denke ich gut bis sehr gut.

Die Realität ist aber, dass diese Leute in Relation zum Durchschnitts-Youtuber eben Champions League spielen, während die aller meisten nur in der Kreisliga A kicken.

Außerdem kommt es ja auch darauf an, ob Youtube quasi nur ein Abfallprodukt des sonstigen musikalischen Schaffens ist, oder die Leute wirklich ausschließlich von Beruf "Youtuber" sind. Meistens unterscheiden sich nämlich die Frequenz der Videos dementsprechend. Außerdem achten die Leute, die nur von Youtube leben auf monetarisierbaren Content, während bspw. der Künstler das nicht zwangsläufig tut, weil er keine Lust hat, sich Worte wie Scheiße kacke Pisse Pimmel verbieten zu lassen (Schimpfwörter machen die Monetarisierung bei Youtube schwierig).
 
"Ein Lothar Matthäus hat es nicht nötig, von sich in der dritten Person zu sprechen." (Lothar Matthäus auf die Frage bei einer Pressekonferenz, warum er öfter von sich in der dritten Person spreche)
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Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Mein Kanal war mal monetarisiert. Das war mehr ein Experiment. ich hatte eine Mindestzuschauerzahl dazu und da boten die das an. Da habe ich das mal gemacht.

Es ist auch für Youtuber nicht ersichtlich, was genau wieviel Geld abwirft.
Youtube sagt am Ende des Monats, du kriegst xy Dollar.
Warum? Keine Ahnung. Das ist ein absichtlich nicht erklärter Mix aus Klicks, jeweils geschaute Dauer, Art der Monetarisierung und -neuerdings- Zuschauerklientel.

Youtube stellt sich frei, alles zu jedem Zeitpunkt zu entmonetarisieren, zu löschen, zu sperren oder sonstwie einzuschränken. Ohne Angaben von Gründen. Oder nur grob "gegen die Richtlinien verstoßen". Welche? Keine Ahnung. Einsprüche werden mit automatischen Schreiben abgefertigt. Das hört man auch von höhergestellten Youtubern.
Youtube stellt sich frei, zu jedem Zeitpunkt, oft ohne Warnung, ihre Bedingungen zu ändern.

Bei mir hieß es auch irgendwann, nein, wir erhöhen die Schwellen-Bedingungen zum Eintritt in die Monetarisierung derart, dass eigentlich kein Aufsteiger da mehr hinkommt und Sie, mein lieber Herr groby, kriegen auch nichts mehr. Auch nicht das, was sie schon angesammelt haben, weil die Summe ab der wir erst neue Schecks ausfüllen, nicht erreicht ist. Das verfällt also. Aber danke für die Werbeklicks.

(Das waren ein paar Dutzend Dollar, also nicht schlimm, aber: hey!)

Youtube heißt, du bist deinem gesichtslosen Konzern und seiner oft absurden Willkür vollkommen so ausgeliefert, dass du alles akzeptieren musst was ihnen beliebt und trotzdem kann morgen alles wegfallen.

Da sieht man zu, dass man was abkriegt.

Als jemand, der schon eigene Entscheidungen trifft und auch schon Schleife machen kann, stört mich der Werbe-Mumpitz nicht. Dafür werde ich nett unterhalten. Mein Anschauen zahlt denen aber nicht die Miete und ich selber arbeite auch nicht umsonst. Also bitte schön, dann zeigt mir meinetwegen Danish Petes Pedal damit das jemand kauft, das doofe Endorser-Ding. Finde ich nicht schlimm.

Ich war mal befreundet mit einer in Deutschland in der bestimmten Szene bekannten [ModerneGitarrenFirma]-Endorserin.
Was hat die gekriegt?
Insgesamt zwei Gitarren und ein Photo im Katalog.
Was musste sie als Gegenleistung tun?
Mit dem deutschen Vertriebsleiter schlafen.

Nun, das möchte nicht jeder, so viel Zeit hat man nicht.
Der Vertriebsleiter vermutlich auch nicht.
Muss man eben bisschen anderswo Gegenleistung machen.
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Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

erniecaster schrieb:
Wie hoch ist bei Musikinstrumenten üblicherweise die Gewinnspanne für den Händler?


Kann ich dir sagen. Früher war das mal eine gefälschte 1.5er. Gefälscht, weil: Netto x 1.5 = Brutto (inkl. MwSt)
Heißt im Endeffekt, etwa 30% Marge. Bedeutet: Eine Gitarre im Laden kostet 1500 Euro, ungefähr 1000 im Einkauf, 200 Steuern, 300 Rohertrag. 1.500 Euro werden bewegt und 300 bleiben in der Kasse. Das geht aber nur, wenn der Kunde nicht handelt. "Ey, mach ma zehn Prozent, Alter!" Ok, nicht mehr fünfzehnhundert sondern: 1.350,- Davon 20% Steuer: 270,- bleiben 1080,- Einkauf bleibt mit 1000 gleich: 80 Euro Rohertrag.
Das ist schon blöd, geht aber natürlich überhaupt nur, wenn der Preis anfänglich so war, dass was ging. Spätestens, wenn der Fendervertreter dir freudestrahlend mitteilt, dass man da ja ne einzvierer dran habe (so erlebt!), weiß man, was in der Branche los ist. Ein Gutes hat das immerhin: man braucht den Verkaufspreis nicht kalkulieren. Das, was auf der Thomannseite steht, gilt. Maximal.

Ich bin sehr froh, das ich quasi keine Handelware mehr habe und die Leute, die bei mir kaufen WEIL sie bei mir kaufen, zahlen den Katalogpreis. Dafür wird die Ware geprüft und eingestellt.

Grüße,
Jab
Verfasst am:

Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

jab schrieb:
Ein Gutes hat das immerhin: man braucht den Verkaufspreis nicht kalkulieren. Das, was auf der Thomannseite steht, gilt. Maximal.


Ich weiß von einem uns allen bekannten Zupfinstrumentenmacher Meister in Dübelhausen, dass Elixier-Saiten zum EK teurer sind, als bei Thomann.


Viele Grüße,
woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde
Verfasst am:

Re: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Woody schrieb:
Ich weiß von einem uns allen bekannten Zupfinstrumentenmacher Meister in Dübelhausen, dass Elixier-Saiten zum EK teurer sind, als bei Thomann.


Salve Gereon,


Da sollte vielleicht noch angebracht werden, dass es eben wie überall auch hier eine Rabattierung geben wird, gestaffelt nach Abnahmemenge. Zudem hat man ja als Händler in der EU die Möglichkeit dort einzukaufen, wo es für einen am billigsten ist, sofern man natürlich die Infrastruktur besitzt, was bei einem kleinen oder Kleinstbetrieb natürlich nicht möglich sein wird. Da könnte etwas helfen wie eine Preisbindung, oder das, was die Amerikaner mit ihrem MAP machen. Der gilt dann für alle online, nur nicht im Laden, oder am Telefon. Das würde extrem viel Preisdruck aus der Sache nehmen, aber natürlich die Waren teurer machen.
Und Kunden jammern ja gerne auch dann noch, wenn man etwas unter EK verschleudert vor dem Hintergrund von Verschwörungstheorien, wonach der Handel ja mindestens 400% Gewinn macht und eh nur Centbeträge für alles bezahlt. Das ist schwer bis gar nicht vermittelbar, dass dem nicht so ist.
Und wir reden ja von einem emotionalen Produkt, Hobby. Dass man hier so dermaßen auf den letzten Cent achtet, finde ich immer wieder bemerkenswert. Klar, manche Leute haben eben wenig Geld zur Verfügung (und hey, da arbeiten auch eine ganze Menge Leute davon im Musikalienhandel, btw.), aber zeige mir einen Durchschnittsgitarristenhaushalt, in dem nur ein Effekt, ein Amp, ein Kabel und eine Gitarre vorhanden wäre. Da wird es nicht viele geben. Und mehr braucht man ja nun eigentlich nicht.

Alles Gute!

Jonas
Verfasst am:

RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Hallo Jab,

danke für die klare Antwort (die ich jetzt nicht zitiere, weil in deinem Rabattbeispiel ein Rechenfehler steckt).

Dass Thomann die Marktpreise faktisch festlegt, hat sich auch schon zu mir rumgesprochen. (Als ich in einem Laden mal nach einem Gerät gefragt habe und es nicht vorrätig war, hat mir der Mitarbeiter vorgeschlagen, es doch bei Thomann zu bestellen und nach dem Ausprobieren zurück zu schicken. Würde mich ja nichts kosten und wenn es mir gefallen würde, könne ich es bei ihm zum Thomann-Preis kaufen...)

Eigentlich müsste man Thomann hassen. Aber die machen wirklich einen guten Job und der Laden ist einfach sympathisch.

Gruß

erniecaster
 
Ziegenkäse ist Rassismus!
Verfasst am:

RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Aus Jux habe ich mal eine längere Zeit die Kanäle solcher Leute wie Pietro Lombardi, Gil Ofarim, Jeanette Biedermann, Hubert Kah und Ella Endlich verfolgt. Bewusst nicht die von Topleuten wie Peter Maffay, Fanta4, Ärzte oder Sarah Connor, sondern von denen dahinter.

Btw. gebe ich zu, dass die Mischung von Leuten ein bisschen krude ist, mir ging es aber nicht um Genres oder Qualität, sondern um wirtschaftliche Erfolge.

Das sieht erstmal gut aus, tausende, zigtausende Follower und Likes, Kommentare usw. Chartplatzierungen finden man auch genug. Stehen auch oft in den Medien, wenn sie 30 Kilo zu- oder abgenommen haben oder ihre Stammkneipe bei RTL II abbrennt.

Guckt man etwas genauer hin, ist der Lack schnell ab. In die Charts kommt man heute schon, wenn man genug Cousins und Schwager hat, die das Album kaufen.

Wenn die Künstler Tassen oder T-Shirts anbieten, sind die Likes schnell sehr gering und die Freibier-Fans tauchen ab. Es darf halt nix kosten, vor allem nicht 7Euro90 für den Sarah-Lombardi-Entschlackungstee.

Touren werden bewusst in die Provinz gesetzt, Kurhaus Jena, Audimax FH Bottrop, Kulturzentrum Prignitz, Saal zum Hirschen Bamberg usw. Da passen dann maximal 400 Leute rein und zur Hälfte werden die Konzerte dann aus "gesundheitlichen Gründen" abgesetzt oder weil "der Künstler noch an seinem neuen Album arbeitet". In Wahrheit sehr wahrscheinlich, weil von den 35.000 Followern am Ende vielleicht 60 Geld für eine Karte ausgeben.

Das sind die wirtschaftlichen und auch kulturellen Realitäten von Musikern aus der Liga.
Verfasst am:

RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

erniecaster schrieb:
Hallo Jab,

danke für die klare Antwort (die ich jetzt nicht zitiere, weil in deinem Rabattbeispiel ein Rechenfehler steckt).

Ja, ich weiß, es geht mehr um den Bereich, in dem sich das abspielt.
Und auch, darzulegen, dass mitunter ein Rabatt einfach nicht möglich ist, jedenfalls nicht, wenn an dem Umsatz auch was verdient werden soll. Denn der Rohertrag ist ja nicht gleich Gewinn. Der Transport der Ware zu mir ist da z.B. nicht mit drin, was heutzutage echt schräg ist. (Es ist z.T. billiger, ein (deutsches) Produkt in England zu kaufen, als es direkt aus Deutschland nach Österreich liefern zu lassen.) Abgesehen von den übrigen Kosten eines Ladens. Wenn man weiß, was Läden in Innenstadtlagen kosten, kann man nachvollziehen, dass der damals größte Händler in Göttingen für Instrumente, Noten und Schallplatten, in den 90ern den Laden geschlossen hat und das Gebäude vermietet hat. Da kam mehr bei rum.

erniecaster schrieb:
Dass Thomann die Marktpreise faktisch festlegt, hat sich auch schon zu mir rumgesprochen. (Als ich in einem Laden mal nach einem Gerät gefragt habe und es nicht vorrätig war, hat mir der Mitarbeiter vorgeschlagen, es doch bei Thomann zu bestellen und nach dem Ausprobieren zurück zu schicken. Würde mich ja nichts kosten und wenn es mir gefallen würde, könne ich es bei ihm zum Thomann-Preis kaufen...)

Eigentlich müsste man Thomann hassen. Aber die machen wirklich einen guten Job und der Laden ist einfach sympathisch.

Gruß

erniecaster


Klar, das ist für den Kunden zunächst mal besser. Die Folge davon ist aber, dass es quasi keinen regionalen Laden mehr gibt. In Ischl (16.000 Einwohner) gibt es keinen Musikalienhandel mehr. Als der letzte Laden schloss, hat ein Bekannter von mir gedacht, da muss doch was gehen mit dem täglichen Bedarf (Saiten etc..) und in der Stadt ein Reparaturgeschäft (für Harmonikas) und Kleinzeug eröffnet. Nachdem sich bei ihm dauernd die Leute beschwert hatten, seine Einzelsaiten (!) seien ja viel teurer als beim Thomann (50cent), hat er den Laden wieder zugemacht und repariert jetzt ohne Ladengeschäft. Das ist für Reparaturen eher wurscht, da gibt es eh keine Laufkundschaft. Wenn du jetzt also schnell mal Einzelsaiten brauchst... Tja... -achselzuck-

Ich hab auch nix dagegen, wenn Thomann mehr an den Dingern verdient, weil sein Einkauf niedriger ist. Aber durch die durchaus aggressive Preispolitik und den kostenlosen Versand drückt er eben alle anderen kleineren Läden an die Wand. Und die Vertriebe unterstützen das, weil sie nur eine Rechnung schreiben müssen und nicht zehn. Ich hab mich mal nach einem speziellen Pickup bei einem Vertrieb erkundigt und abgesehen vom Erstauftrag von 2.000 Euro hätte ich beim Thomann-Preis ungefähr 10 Euro verdient. Das geht sich nicht aus.

Johnny T schrieb:
Und Kunden jammern ja gerne auch dann noch, wenn man etwas unter EK verschleudert vor dem Hintergrund von Verschwörungstheorien, wonach der Handel ja mindestens 400% Gewinn macht und eh nur Centbeträge für alles bezahlt. Das ist schwer bis gar nicht vermittelbar, dass dem nicht so ist.


Es ist manchmal schwer zu ertragen. Vor allem, wenn man einen wirklich freundlichen Preis gemacht hat und immer noch vorwurfsvoll gemustert wird. Das macht keinen Spaß.

Johnny T schrieb:
Und wir reden ja von einem emotionalen Produkt, Hobby. Dass man hier so dermaßen auf den letzten Cent achtet, finde ich immer wieder bemerkenswert.


Tja. In der Tat, sehr schwer verständlich. Und es geht manchmal wirklich um Cents.
Da wird so erbarmungslos gefeilscht und immer wieder nachgehakt und versucht, aus angebotenen Varianten das Maximum rauszupressen...

Das wird einem ja auch immer im Fernsehen erzählt, wie überzogen alle Preise sind und das jeder Händler und jeder Handwerker dich über den Tisch zieht bis dorthinaus wenn du nicht aufpasst wie ein Luchs.

Das ham wa nu davon.


Der Handel mit Musikalien ist im Arsch.

Bei Reparaturen dagegen wird kaum gefeilscht, jedenfalls bei mir nicht.


Beste Grüße,
Jab
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RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Man kann halt nicht beides haben:
Den Laden um die Ecke und Thomann-Preise.

Viele Grüße,
woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde
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RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Woody schrieb:
Man kann halt nicht beides haben:
Den Laden um die Ecke und Thomann-Preise.


Das.

Ich finde die Argumentation, in der immer vom Schutz des Einzelhandels und des "Ladens um die Ecke" gesprochen wird. Die Realität ist doch die: Wenn es den Leuten wirklich so wichtig wäre, den Laden um die Ecke zu haben und sie die Läden auch toll finden würden, hätten sie gar keine Motivation, bei Thomann und co zu bestellen.

Es gibt halt viel mehr Auswahl, meist guten Service, es ist zuverlässig + die guten Preise.

Klar, im Bezug auf Musikalienläden gibt es noch das "antesten"-Argument, was durchaus schwer wiegt. Aber für alles mögliche andere habe ich den "Laden um die Ecke" schon ewig nicht mehr vermisst. Schlechte Beratungen gepaart mit hohen Preisen und extrem begrenzter Auswahl... nö, brauch ich nicht.

(Lustige Anekdote: Ich habe seit Jahren keine Schuhe mehr im Laden gekauft, weil es sie in meiner Größe da schlicht nicht gibt. Mir wollte dann mal jemand bei Runners Point erzählen, er könnte die Schuhe in der wahrscheinlich passenden Größe bestellen, aber dann müsste ich sie auf jeden Fall auch nehmen. Ja, ähm, nö.)
 
"Ein Lothar Matthäus hat es nicht nötig, von sich in der dritten Person zu sprechen." (Lothar Matthäus auf die Frage bei einer Pressekonferenz, warum er öfter von sich in der dritten Person spreche)
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RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

Julle schrieb:
Ich finde die Argumentation, in der immer vom Schutz des Einzelhandels und des "Ladens um die Ecke" gesprochen wird. Die Realität ist doch die: Wenn es den Leuten wirklich so wichtig wäre, den Laden um die Ecke zu haben und sie die Läden auch toll finden würden, hätten sie gar keine Motivation, bei Thomann und co zu bestellen.


Nun, seit "Geiz ist Geil" ist der Preis DAS Argument schlechthin. Der Rest (Auswahl, Service, Beratung) spielt keine Rolle. Und ja, wir hatten eine gute Auswahl (in Göttingen), besser als alle anderen weitum im Bereich akustische Gitarren, aber wir hatten fast keine großen Marken, weil die eben eine große Menge Gitarren an uns verkaufen wollten und wir wollten nur die, die uns gefallen haben. Also, keine Yamaha, keine Ibanez. Ging nicht. Wenn man aber eine Gitarre nach Qaulität gesucht hat, haben wir reichlich da gehabt.
Julle schrieb:
Es gibt halt viel mehr Auswahl, meist guten Service, es ist zuverlässig + die guten Preise.

Die Auswahl ist halt oft gekoppelt an den Lieferanten, der die besten Preise macht. Ich weiß noch, wie erstaunt der Kollege der Bassabteilung in Hannover war, als eine große Menge Bässe eines deutschen Herstellers eintrafen, die er nicht wollte, aber der Chef hatte gute Gründe, den Deal zu machen. Da standen dann eine Menge dieser Geräte rum, die die Auswahl tatsächlich eher eingeschränkt haben. Und wenn du eine ganze Wand Fender und/oder Gibson vorhalten musst, um überhaupt beliefert zu werden, schränkt das deine Auswahl schon aus Platzgründen ziemlich ein. Und von Wegen Beratung: Es wurde von der Geschäftsleitung alles getan, um die Beratung zu vermeiden. Der Media Markt war das Ziel. Der Kunde soll die Informationen selbst lesen und fertig.

Julle schrieb:
(Lustige Anekdote: Ich habe seit Jahren keine Schuhe mehr im Laden gekauft, weil es sie in meiner Größe da schlicht nicht gibt. Mir wollte dann mal jemand bei Runners Point erzählen, er könnte die Schuhe in der wahrscheinlich passenden Größe bestellen, aber dann müsste ich sie auf jeden Fall auch nehmen. Ja, ähm, nö.)


Ja, lustig, weil der Laden die Schuhe/Gitarre/Effekte eben nicht zurückschicken kann wie der Kunde. Und soo viele Kunden mit enormen Füßen/seltsamem Gitarrengeschmack gibt es halt nicht. Hier gibt es massives Ungleichgewicht zwischen dem Händler und dem Kunden. Nachdem die Vertriebe dazu eben nicht bereit sind, Sachen zur Ansicht zu verschicken, geht das nur über die Menge. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Kartons Thomann jeden Tag zurückbekommt.

Is ja aber im Grunde egal, das Ding ist durch.

Jab
Verfasst am:

RE: Reden wir mal über Geld, Zahlen und Filterblasen, ein paar wirre Gedanken

jab schrieb:
Der Handel mit Musikalien ist im Arsch.


Jepp.
Deswegen hab ich auch, ohne mir eine blutige Nase zu holen, 2011 aufgehört.
Gerade noch rechtzeitig die Bremse gezogen.
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
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