Engl Straight 50 Watt Combo

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Engl Straight 50 Watt Combo

Moinsen.

Vorneweg: der Straight wird nicht mehr gebaut, da er aber immer mal wieder bei ebay auftaucht, ist für den einen oder anderen dieses Review vielleicht interessant.

Die Front von links nach rechts:
Clean Volume, Bass, Middle, Treble, Overdrive Gain, Bass, Middle, Trebble, Overdrive Volum, Master-Presence, Master-Volume, dann Stand By und Powerschalter.
Im Clean- und Overdrivekanal ist über jedem Regler noch ein Schalter (Clean Gain Boost, Frequency Shift, Bright, Treble Boost, Clean/Lead, Lead Boost, Mid Shift, Treble Shift, Bypass).

Alter des Amps: pi mal Daumen 20 Jahre.

Röhren: 4x ECC83 für die Vorstufe, eine ECC83 als Endstufentreiber und 2 EL34.

Auf der offenen Rückseite sind die Lautsprecher-Buchsen (2 X 4 Ohm, 1 mal 8 Ohm), der Hall-Intensitätsregler und der (serielle) Effektweg. Der Speaker ist ein Celestion G12H-100.
Auf der Rückseite sind auch die Buchsen für die Fußschalter (Hall an/aus, Clean/Drive und Leadboost)

Durch den Leadboost-Schalter ist der Straight quasi ein 2,5-Kanal-Amp.

Was ich mag:
Die guten, wirklich cleanen Cleansounds, vor allem aber die verzerrten Klänge. Schon ohne Leadboost ist ein sehr ordentlicher Verzerrungsgrad erreichbar, wobei Verzerrung beim Straight niemals zu Soundmatsch führt. Komplexe Akkorde bleiben erkennbar, der Anschlag kommt noch genug durch, Dynamik bleibt erhalten.
Mit Leadboost hat man eine leichte Mittenanhebung, die aber echt gut passt und mehr Sustain und Drive. Erst wenn man den Gain-regler auf Pulle stellt und Leadboostaktiviert kann es etwas verwaschen werden.
Das Nebengeräuschverhalten ist sehr gut.
Die Zerrsounds sind allerrste Sahne, und die Klangregelung im Zerrkanal ist gut und wird noch durch denMid- und Treble-Boostschalter bereichert (bei mir sind beide immer an).
Da der Soindcharakter sic mit zunehmender Zerrintensität ändert, sind sehr unterschiedliche Sounds möglich, die vielseitige Klangregelung tut ein Übriges. Von fettem Crunch á la AC/DC bis fettesten Leadsounds mit gehöriger Verzerrungund Sustain ist fast alles drin. Was er nicht ganz so gut kann sind hochverzerrte "Nu-Metal-Sounds" mit scooped Mids und vintagemäßige Sounds mit nur leichtem Crunch. Ansonsten aber hat er jede Menge hochgradig geiler Zerrsounds drauf.
Der Clean-Kanal klingt recht neutral, fast eher wie ein Transistor-Clean. Das kann auch etwas steril rüberkommen, dafür muss man nicht befürchten, dass Cleansounds ab ner gewissen Lautstärke ungewollt anzerren. Und durch die Neutralität des cleanen Kanals kann man klanglich ungefiltert das rüberbringen, was man spielt (und nicht, was der Amp draus macht).

Der Straight klingt schon bei Zimmerlautstärke wirklich gut. Er ist kein Weichzeichner, sondern bringt (clean wie verzerrt) das rüber, was man reinsteckt. Ich hatte vor dem Engl nen High-Gain-Vollröhren-Marshall und war anfangs ziemlich entsetzt, als der Engl Spiel-Schludrigkeiten offenlegte, die der Marshall schlicht verdeckt hatte (clean wie verzerrt). Doch durch diese Genauigkeit des Engl habe ich mir rasch ein wesentlich saubereres Spielen angewöhnt ...
Und der Engl klingt 2 Klassen besser als der Marshall ...

Wa sich nicht mag:
einige der Switches scheinen keinen Effekt zu haben (z.B. Frequency Shift im Clean-Kanal),was aber auch altersbedingte Deffekte sein können. Leicht angezerrte Sounds sind nicht sein Ding.

Edit:
die Switches funzen, man hört das aber erst wenn man lauter aufdreht. Sie haben halt eine eher subtile Wirkung.

Geht zwar, klingt aber nicht ganz so gut (finde ich). Entweder Clean oder fetter Crunch (oder mehr). Der Clean-Kanal dürfte nen Tick mehr Röhrenkompression haben, finde ich. Sind aber alles winzige Kleinigkeiten, mit denen ich prima leben kann.
Was mir wirklich nicht so gut gefällt:
Der Federhall nimmt zu viel Höhen und weicht das Signal zu sehr ein, sprich, nimmt zu viel Klang weg. Der Effektweg ist seriell; wenn das Effektgerät nicht ganz so toll ist, dann klingt das nicht so gut und man hat eventuell Pegelsprung-Probleme beim Effektwechsel. Ein paralleler Effektweg wäre hier besser.
Der Bypass-Schalter im Leadkanal (schaltet alle Klangregler ausser Mid- und Trebleswitch) ab erzeugt mir ein zu mittiges Klangbild.

Service: kann ich nix zu sagen.

Verarbeitung: hab keine Mängel entdecken können.

Haltbarkeit: trotz rund 20 Jahren ist er noch recht gut in Schuß; nur einzelne Potis kratzen minimal. Ob die Schalter,wie oben erwähnt vielleicht deffekt sind ode nur ab Werk wenig Einfluß haben, kann ich nicht sagen.

Fazit: ein echt geiler und recht vielseitiger Vollröhrenamp für Freunde des härten Blues, des Rock und klassichen Metals bis hin zu Thrash. Auch wer nen sehr neutralen und wirklich cleanen Röhrenamp für Cleansounds will, sollte mal nen gebrauchten Straight anchecken, wenn auch die wahre Stärke des Engl der verzerrte Bereich ist. Was mir auch gefällt ist, dass der Engl weder nach Marshall- noch nach Fenderkopie klingt und schon gar nicht wie ein Rectifier, sondern eben nach Engl.

Pics:
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Ciao
Steve
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