[REVIEW] Cort Sunset I

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[REVIEW] Cort Sunset I

Es lässt mich nicht los, und immer und immer wieder versuche ich es mit einer Semi, aber so richtig klappte es nie. Ich liebe die Optik, die klassische Anmutung, die Rundungen. Aber wenn ich dann so ne Möhre vorm Latz hängen habe, ist das leider auch meistens nur Semi …
Was hab ich nicht alles probiert:

Aria 335-Kopie, Gibson (ES 335, ES 135, ES 137, Blueshawk), Ibanez AS, Epiphone Lucille, Launhardt ES, Gretsch 6120 jr (die mit dem etwas kleineren Body), Duesenberg (Carl Carlton, Duesenberg Starplayer II und TV), keine Ahnung ob ich die alle zusammenkriege …

Irgendwas war immer: Es hat für mich immer irgendwas nicht gepasst, obwohl das durch die Bank weg eigentlich überwiegend wirklich gute Instrumente waren (ok, die Aria war nix).

Jetzt ist mir da kürzlich ein Modell über den Weg gelaufen, wo ich so für mich dachte:

    • Sieht gut aus!
    • Hat eine Ausstattung, die erstmal weitere Pimp-Arien weitgehend unnötig macht (Grovers, Bigsby, TV Jones)
    • Ist noch im preislich überschaubaren Rahmen

Tata … CORT SUNSET I

Die eigenständige Optik gefällt (mir) und entspricht weitgehend der Gretsch/TV Jones Spectrasonic, da wurde abgekupfert. Die Gitarre kommt entweder in Candy Apple Red oder in schlichtem Schwarz, jeweils mit Pickguard.
Gut, das Ding muss zum Testen her, und bei meiner Recherche, wo es die Gitarre gibt, bin ich – mal wieder – über unseren „shortsighted_stevie_b“ mit seinem Laden BarnyardBlues gestolpert (Achtung – Werbung!). Stephan und ich kennen uns schon eine Zeit, ich habe bei ihm schon – immer mit Top-Service und klasse Abwicklung – vorher zwei Gitarren gekauft. Also erstmal ein paar Infos zur Gitarre abgefragt und auch prompt ausführlich bekommen. Dann habe ich mich entschlossen, mal zu fragen, ob ein – unverbindliches – Testen der Gitarre möglich sei. Kein Problem sagt Stephan, total easy. Ich sagte ihm im Vorfeld klar, dass ich ernsthaftes Interesse an der Gitarre habe, aber nur kaufen werde, wenn es für mich 100% passt. Also, eine Sunset I war griffbereit und hat den Weg zu mir gefunden, dann wollen wir uns den Hobel mal näher anschauen:

Grundkonstruktion:
3,8 kg wiegt die Dame, und hat proppere Rundungen. Nicht so ausladend wie eine 335, aber größer als eine Duesenberg Starplayer. Body & Neck sind aus Mahagoni und miteinander verleimt. Auf dem Hals wohnt ein Griffbrett aus Rosewood mit Binding drumherum. Das Binding ist an einigen Stellen nicht ganz so penibel gearbeitet, wie man das in der möglicherweise hätte machen können, aber das sind Kleinigkeiten. Der Hals hat eine Gibson Mensur und ist kräftig, aber nicht Mörderfett. Ich finde den ganz angenehm vom Format (21mm am ersten Bund, 23 mm am 12. Bund, 12“ Radius).Ach so, 22 Jumbos, gut abgerichtet und poliert – keine Ahnung, ob das Cort-Standard ist, oder ob da der Stephan vorher nochmal mit MicroMesh dran war. Es sind sogenannte 3D-DoubleBlock-Inlays im Griffbrett, die sind nicht alltäglich, dafür aber ganz chic. Die Lackierung ist insgesamt solide, aber nicht High End, am F-Loch hat man ein bisschen geschlampt. Sieht man nur bei genauem Hinsehen, aber es soll Erwähnung finden. Und, na klar, da war noch was, bzw. eher nix: Unter dem F-Loch ist es luftig, denn der Body ist gekammert. Es ist also keine klassische Semi mit Decke-Zargen-Boden-Sustainblock-Konstruktion, sondern eine Mahagoni-Planke, die teilweise ausgefräst wurde.

Harte Ware:
Die geschlossenen Grovers tun das, was sie sollen, unauffällig und gut. Das Bigsby ist ein B-50 Licence Teil, das auch alles so tut, wie man das von so einem Oldtimer erwartet. Wie das gerne gemacht wird, wurde zum Bigsby ein Rollensattel montiert. Die sind ja u.a. ein bisschen für Soundklau bekannt, da schauen wir aber der Braut mal weiter unten ins Dekolleté. Der Sattel aus so nem GraphTech/NuBone Zeug, ist gut gefeilt und nichts hängt und hakelt. Gerade in Verbindung mit einem Bigsby ist das wichtig! So ist die Gitarre dann auch innerhalb der normalen Grenzen und des dafür vorgesehenen Gebrauchs so stimmstabil, wie sie nur kann. Zwei TV Jones (Classic Neck, Classic Plus Bridge) PUs werden über einen Toggle Switch angewählt, der an der Stelle sitzt, wo das zB auch bei einer Les Paul der Fall ist. Der Bridge PU sitzt in einem eigenen Rähmchen, der Neck PU im Pickguard, apropos: Das Pickguard ist insgesamt sauber gefräst, aber die Kontur läuft nicht wirklich parallel zur Bodykante am Cutaway. Das finde ich ästhetisch leider nur Semi-gut. Geregelt wird über zwei Potis, je einmal Volume und Tone. Und Leute, wie man werksseitig Chicken-Heads, die ich an Amps ja liebe, verbauen kann, ist mir ein Rätsel. Volume sitzt direkt unter dem Trem-Hebel, Tone zu dicht dran. Derjenige, der die Platzierung der Potis festgelegt hat, sollte sich besser einfach einen anderen Job suchen. Die Buchse sitzt in der Zarge, so muss das (die Buchse auf der Decke wie bei einer 335 ist ja wohl nur doof).

Ran an Braut !
Ein erster Check zeigt: Setup gut, Oktave stimmt, hier schon mal volle Punktzahl. Der erste offene Akkord … Ring Ring Ring … für eine kurze Mensur klingelt es das schon ganz gut, und das Sustain ist auch ganz ordentlich. Insofern scheinen hier Rollensattel und Bigsby nix kaputtzumachen. Interessant wäre es sicher, da mal als Alternative eine hochwertige ABM oder Schaller Bridge mit Messing- oder Stahlböckchen zu hören, evtl. ginge da ja in Sachen Sound noch was. Wobei auf dem Trockendock nichts fehlt, alles schön ausgewogen. Deadspots konnte ich keine finden, fein. Überraschend ist, dass die Töne auch in den oberen Lagen nicht wirklich an Kraft einbüßen. Dann lassen wir die Rubensdame im kleinen Schwarzen mal ein bisschen auf Temperatur kommen, und stöpseln uns ein: Clean. Rrring. Schimmer. Genauso, wie man erwartet. Klar, kraftvoll. Klingt am Deluxe Reverb mit etwas Hall und Tremolo dabei gleich sehr nach „staubiger Wüste“, das wird mit etwas Boost/OD davor auch gleich noch ne Ecke staubiger. Die PU Positionen sind klar unterschiedlich auszumachen: Der Steg-PU nicht schrill und hat ganz ordentlich Pegel, sehr durchsetzungsfähig und alleine auch clean gut zu nutzen. In der Mitte wird es glockiger,der Pegel fällt etwas ab, dafür mit etwas mehr untenrum, und am Hals weich, aber mit Transparenz. Dann wechseln wir doch gleich mal in meine Lieblingsregion, CRUNCH. Kabel in den AC15, fahren den ins Grenzgebiet, und freuen uns, dass bei leichten ersten Zerrungen das durch aus auch mal an alte Beatles/Stones Sounds der Mittsechziger erinnert. Mit etwas mehr Gain am Vox bekommt man astreine Petty Sounds hin (Runnin´down a dream, You wreck me). Keine Ahnung, wie die Sounds im Original gemacht wurden, aber in der Ecke landet man dann schomma recht schnell. Ok, next Crunch-Step: 2203. Ich sag´s mal so: In meinen AC/DC-Cover- Jahren hätte ich diese Gitarre haben sollen. Malcolm. Pur. Punch. Ja, und dann probier auch mal mehr Gain, da muss nun die Modelkiste ran: Geht auch erstaunlich gut! Passt, klingt nicht nach Metal, aber für Alternative Zeug könnte das wirklich sehr interessant sein.

Und?
Die Sunset I ist eine richtig feine Gitarre, die mit Ihrem Gesamtauftritt sehr positiv überrascht. Ich persönlich finde, das ist eine prima Gitarre für alles rund um CRUNCH. Leicht angeknuspert mit etwas Slapback, Rockabilly & Country. Bissi Hall & Tremolo, Calexico. FX off, bisschen mehr Gas und der Bereich von Americana a la Mellencamp & Petty wird genau so bedient wie olle Beatsachen oder gar WHO. Noch n bisschen mehr Pfund, und es rockt in bester AC/DC-Manier. Irgendwo zwischen einer klassischen Semi und den Jets von Gretsch anzusiedeln, macht die Sunset I richtig Spaß. Ich bin von der Gitarre echt schwer angetan. Mir scheint, dass ich durch die lange Entwicklung in die Tele-Richtung (ging mit der St. Blues 61 South los, die ich lange gespielt habe, danach kamen diverseste Telecasters, das gipfelt nun wohl in meinen beiden Ginas) derzeit dahingehend ziemlich „konditioniert“ bin. Ich muss mich quasi immer mal zwingen, auch anderes wieder zu probieren, als Farbklecks sozusagen - Möglichkeiten gäbe es zu genüge. Ich werde die Cort zu behalten, und folgende Kleinigkeiten für mich ändern:

    1. Es kommen andere Potiknöppe druff, Chickenheads sind da ja mal totally GAGA.
    2. Eher früher als später werden dann Locktuner montiert. Nicht zwingend erforderlich, aber ich steh auf die Dinger!
    3. Es kommen andere Gurt-Pins drauf, da ich an allen Gurten Security-Locks habe.
    4. Wenn ich Zeit und Lust verspüre, kümmere ich auch mal
darum, dass die Pickguard-Konturen angepasst werden.

Zusammenfassung:

Pro:
- Sound trocken & verstärkt
- Setup
- Ausstattung (original TV Jones PUs, Bigsby B50, Grover Tuner)
- Service & Abwicklung durch Barnyard Blues
- Preis/Leistung

Contra:
- Kontur Body/Pickguard nicht 100% parallel
- Position Potis und Chickenheads
- kleine Verarbeitungsmängel (Lack F-Loch, Binding Hals)

Ach so: Der Streetprice für die Gitarre liegt derzeit ziemlich einheitlich bei 899 EUR.
Bei Stephan ist sie deutlich günstiger, da steht vorne eine 7 ...

PS: Das war Werbung. Für genau diese Gitarre. Und für Stephans Laden und Service.
 
Grüße DeLüXe vom Rolf


Zuletzt bearbeitet von gitarrenruebe am 12.06.2014, insgesamt 7-mal bearbeitet
Verfasst am:

RE: [REVIEW] Cort Sunset I

Sehr schönes Review.

Vielen Dank.

francesco
Verfasst am:

RE: [REVIEW] Cort Sunset I

Bedankt für das interessante Review! Die Klampfe passt zu Dir.

Ralf
 
At the end of the day, a guitar is a piece of wood, and you either have good wood or bad wood. Quite often you change your pickups and electronics anyway, so really, having that little transfer on the headstock makes zero difference. (Steve Rothery)
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RE: [REVIEW] Cort Sunset I

So, optische und praktische Mini-Pimps:
1. andre Potiknöppe (vorher chickenhead, jetzt Duesenberg)
2. Chrom statt schwarzes Plastik auf dem Toggle


Doof:
Gestern gesehn, dass es für das Bigsby B5/50 ein 1:1 passendes Duesenberg Vibrola gibt ...
... ich glaub, das muss noch, die Dinger sind einfach zu gut ...
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
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