Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

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Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Guten Tach,

Gegenstand dieses Threads sollen die Sound Studios der Firma Nobels aus den 80ern sein; hier testen möchte ich Varianten Sound Studio 1 sowie Sound Studio 1-X, beginnend mit Erstgenanntem.

Samma Batz, biste da nicht circa 30 Jahre zu spät dran mit Deinem Test?, höre ich Dich da fragen. Tja, das ganze hat 'ne Geschichte; vor knappen 2 Wochen habe ich in den Kleinanzeigen folgendes gepostet:

„Wisst Ihr, was früher für mich das Größte war, vom "Geschenke-Faktor" so wie Weihnachten und Geburtstag in Einem?

Schule (oder später Uni) blaumachen und ab nach Köln zu Valley Arts, später dann Art of Sound.

Waren die bis dato etablierten Kölner Musikläden verwinkelt und verklüngelt, gab es hier einen hellen, großen und dennoch rockigen Laden mit frischen und freundlichen Menschen, allesamt kompetent bis in die Haarspitzen, die sich ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben.

Die meiste Zeit verbrachte ich in beiden Werkstätten, Gitarren und Amps, wo ich all mein Taschengeld und später BaföG verbrannt habe.

Oben im ersten Stock konnte man Gitarren spielen, die man so versammelt noch nicht mal in Magazinen zu sehen bekam. Das kann sich keinesfalls mit dem heutigen Store veregleichen, aber für damals war es atemberaubend und unglaublich professionell; ein Stück "positives Amerika mit Kölner Herz" hatte sich hier etabliert!

Zurück zum ersten Stock: Wenn man sich die Pfanne nicht mit runter in den Keller zu den Amps mitnehmen wollte, gab es diverse (wares es fünf? Acht...?) Rockman-Teststationen, die am Wochenende stets besetzt waren.

Ich werde niemals vergessen, wie ich mir die Gretsch White Falcon I geschnappt habe - die ich anschließend auch mitnahm, allerdings nur als Druck in einem Katalog der Firma; viertausend deutsche Märker war einfach eine zu heftige Ansage - und an den Rockman anschloss: Das war transparent und hatte aber sowas von genau den Sound der 80er! Ich musste immer an Kunzes' "Dein ist mein ganzes Herz" denken; ein Album, das ich heute noch gerne höre und dessen Sound auf restrospektive Weise immer noch erstaunlich frisch auf mich wirkt.

Und das liegt an diesem "schönen, künstlichen Gitarrenton", wie ich ihn an diesem Tag in Köln über den Rockman hören durfte. Natürlich habe ich ihn verachtet. Weil ihn jeder verachtet hat; als es noch kein Internet gab, waren "die anderen" das Internet, und wenn die sagten, etwas ist kacke, dann war das kacke.

Aber geile Kacke!, denk ich heute so vor mich hin, nostalgisch verklärt und sich dessen bewusst. Dennoch hätte ich ihn gerne wieder; alleine nur, um diesen räumlichen Chorus und die kratzige Kunstzerre noch einmal zu genießen, als gäbe es noch die KBE als Verbindung zwischen Köln und dem Regierungssitz Bonn.

Meine Frage also: Hat jemand noch so'n Teil in ordentlichem Zustand und würde es abgeben wollen? Ich kann gerne in Anekdoten, wahlwesie aber auch in Naturalien oder Penunze entlöhnen.“


Daraufhin hat sich leider niemand gemeldet, weshalb ich meinerseits die Kleinanzeigen im Internet durchforstet hatte. Dabei bin ich über das deutsche Äquivalent zum Rockman gestoßen, eben besagtes Sound Studio von Nobels.

Die Preisvorstellungen für die Teile könnten kaum unterschiedlicher ausfallen; des einen Sperrmüll ist des anderen eierlegende Vintage-Sau. Dabei scheinen die Rockman-Preise, inspiriert durch die USA, voranzuschreiten; Nobels gibt es hierzulande noch zum Altschrott-Preis, wobei auch hier einige putzige Spekulanten bereits dreistellige Preise aufrufen.

Ich selbst konnte ein Sound Studio 1 für kleines Geld ergattern: Ganze 20€ inkl. Versand kostete mich der Spaß. Der Grund ist, neben den vermeintlich grottigen Sounds, im Fehlen des recht speziellen Netzteils (6V Miniklinke) zu vermuten. Auch fehlt der „Verstellschlüssel“ für die Effekte Delay, Chorus, Gain und Compressor; mit Schraubenziehern und Pinzette kam ich hier leider nicht weiter. Ich muss also mit den Soundvorstellungen des Vorbesitzers leben, ich kann lediglich den Grundsound (Normal, Clean 1, Clean 2, O-Drive oder Distortion) wählen und die Effekte Delay (eher „Raum“) und Chorus (Stereooooooouuuu!!!) ein- wie ausschalten.



Die Idee hinter der Kiste war seinerzeit zum einen eine lautlose Probemöglichkeit, zum anderen ein Instant-Recording-Tool fürs Studio oder (dank Fußschalteranschluss) auch den Live-Betrieb. Das war jedenfalls der Rockman von Tom Scholz, und das wollte das noble Nobels ebenfalls bieten, nur in rot statt blau.

Gelingt ihm auch, wenngleich es sein eigenes Sound-Süppchen kocht: Typische 80er-DI-Cleansounds sind für absolut kein Problem, natürlich im Breitwand-Stereo-Format. Ohne Chorus klingt det Janze überraschend nach Fender Blackface im 2. Kanal: Glasig und mit Druck, was wohl dem dauerhaft präsenten Compressor (Ausnahme: Normal) geschuldet ist. Hier erledigt das „Delay“ einen recht guten Federhall-Job.

Mit Chorus hat man ihn, den typisch-teuren 80er-LA-Studio-Ton, wie ich ihn noch von der Def Leppard-Produktion „Hysteria“ aus dem Jahr 1987 im Ohr habe.

Der Zerrton, auf der Scheibe vom Rockman stammend, klingt im Nobels ungehobelter und auch direkter, auch DI-iger. Erinnert mich an die Ärzte-Produktion „Das ist nicht die ganze Wahrheit“ von 1988 – ob da ein Nobels zum Einsatz kam...? - Wir werden es nie erfahren.

Andere Assoziationen: Der 80er-DI-Sound von Mike Oldfield oder auch Gilmour in The Wall.

Mitschwingen tut über Kopfhörer immer ein Minimum an Rauschen, und zwar sowohl tief- wie hochfrequent; der 80er-Standard eben. Ins Pult konnte ich dies nicht mehr in der Form feststellen; es ist in diesem Punkt uneingeschränkt nutzbar.

Beinahe hätte ich all dies gar nicht zu hören bekommen: Meine acht (!!!) Akkus vermochten das Gerät jedenfalls nicht zum Leben zu erwecken. Erst frische neue AA-Batterien ließen die Lämpchen leuchten.

An Anschlüssen bietet das Sound Studio übrigens einen Gitarren- wie Stereo-Auxeingang sowie zwei Stereo-Ausgänge, von denen einer als Stereo-Kopfhörer-Buchse fungiert; allesamt große Klinke. Ebenfalls in diesem Format ist der seitliche Einschleifweg gehalten. Ein Fußschalter-Eingang (Distortion plus Sound nach Wahl im Wechsel) rundet das Bild ab.

Hier nun ein selbst eingenudeltes Sound-Sample (Clean 1, O-Drive, Distortion, in dieser Reihenfolge): Ich hab beim Testen einfach mal mitgeschnitten, ist also sinnloses Rumgewichse ohne Verstand, nur um die Klangmöglichkeiten zu testen. Gitarre ist meine Vintage Blug-Strat mit 69er/69er/Texas Spcl.-CS-Bestückung, das Sound Studio geht klanglich komplett unbehandelt, neutral ins Pult.

/s-gMjAP

Und hier noch ein Video-Sample, nicht von mir:



Fazit: Wer diesen speziellen Retro-HiTech-Sound-“vom damals“ sucht, wird hier fündig. Clean führt es manche moderne Modeling-Lösung ad absurdum, verzerrt wird schnell deutlich, was sich in den vergangenen 30 Jahren getan hat.

Wobei auch die verzerrten Sounds mit ein wenig EQing zum Klingen gebracht werden können; auch hiermit lässt sich arbeiten. Einfach die Höhen cutten und in den oberen Mitten nach den genehmen Frequenzen suchen; nach Wunsch noch was mehr Pump im Bass durch Anheben der 200Hz - fertig ist ein erstaunlich an den Marshall JCM800 angelehnter Pseudo-Ton! - Und mit der Paula hat das dann auch Sustain bis zum Abwinken.

Aussicht: Mir scheint, ich bin nicht einzige, der sich gerade wieder dieser kleinen feuerroten Spielmobile erinnert; schade eigentlich, denn so gerne ich meine Leidenschaften auch teile, kann ich der scharfen Preisgestaltung einiger Mitmenschen nichts abgewinnen. Daher lautet mein Rat, lieber ein wenig länger zu suchen.

Dank des extrem netten Forum-Mitglieds Magnus ist derzeit ein Sound Studio 1-X zu mir unterwegs, welches ich auf Herz und Nieren testen darf; ob und was es mehr vermag, lest Ihr gerne zu einem späteren Zeitpunkt an dieser Stelle.

UPDATE: Es ist leider defekt, aber ich bleibe am Ball und schreibe hier mehr, sobald es entsprechendes zu berichten gibt; Dir dennoch meinen herzlichen Dank für den Aufwand und das Vertrauen, Magnus!

Jetzt freue ich mich auf alles, was Ihr zur Materie beizutragen habt;

Gruß von

Batz.


Zuletzt bearbeitet von Batz Benzer am 11.08.2013, insgesamt 3-mal bearbeitet
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RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Tja, auch ich hatte damals ein Soundstudio, und Nobels war ja No.1 damals (Bernhard Kurzke) und das war mein Gitarrenladen in Hamburg und bei mir in St. Pauli/Altona um die Ecke.
Ich hätte gerne einen Rockman gehabt, denn alle hatten einen und in den 80ern waren die nicht 'Kacke' sondern einfach geil und angesagt, aber als Student konnte ich mir den nicht leisten...
Der Sound, hmm... damals sehr schön, im Lichte des Zeitgeistes sozusagen... im Auge der Geschichte des Gitarrensound aber wohl doch nur eine kleine Anekdote.

Neulich habe ich mir Profiles des Original- Rockman in meinen Kemper geladen - und da war er wieder, dieser unverkennbare Sound.
Ein kurzes Deja-Vu, ein kleines Schaudern,.... und schon waren die Profiles wieder gelöscht.
Ich finde auch, daß Platten der 80er, die mit dem Rockman aufgenommen wurden, am meisten 'dated' von allen klingen, mehr noch als die Scheiben mit dem Übermaß an Gate- Reverb auf der Snare.
Trotzdem danke fürs Erinnern...
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Doc Line6forum schrieb:
Ich hätte gerne einen Rockman gehabt, denn alle hatten einen und in den 80ern waren die nicht 'Kacke' sondern einfach geil und angesagt, aber als Student konnte ich mir den nicht leisten...


Scheiß Popper-Schnösel-Student...!, wäre wahrscheinlich meine bravopunkige Antwort damals gewesen.

Was'n Glück, daß die Zeit des Lagerdenkens vorbei ist... diese ganze Intoleranz find' ich im Retrospekt schlimmer als die Klamotten oder die Sounds.

Lieben Gruß,

Batz.
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RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Ich hatte den damals auch! Für sage und schreibe 498,00 DM! Allerdings hatte meiner eher so Taster für Chorus etc. Das Beste war die Fußschaltfunktion von beliebig auf Distortion - wobei es keinen Lautstärkesprung gab, was mich dann nervte, weil ich beim Solo nun NOCH WENIGER zu hören war!

Ich hatte außerdem die kleine "Zigarettenschachtel", kompaktere Version mit nur 3 Sounds, erster bezahlbarer Kopfhöreramp, kostete so ca. 129,00 DM.

Ist aber alles noch gar nichts gegen die 9,5"-Baureihe von Boss: da hatte ich das Overdrive/Distortion-Ding... und das klang echt... voll kacke!

Hätte ich die ganze Kohle doch damals einfach in einen guten Amp gesteckt... aber es waren die (ausgehenden) 80er... Wer was auf sich hielt, sattelte um auf 2 1x12-Engl-Boxen (einige auch auf die 1x12-Marshalls) und ging "stereo"... Mit 19"-Kühlschrank-Rack... Da hatte ich dann auch noch die "Cream" und die "Crunch Machine" sowie irgendwann den "Tubeman"... wobei das dann schon langsam wieder klang... und das soll dann nun wirklich nicht Gegenstand des Retrothreads sein...

Grüße!
o:dee

P.S. Den Originalkopfhörer vom X-1 hab' ich noch!!! :D
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Hi Batz,

habe noch ein Nobels Sound Studio Mini Pak ("King Sound") in der Schublade. (Jemand) Interesse, es zu testen?
Hat etwa die Größe einer Zigarettenschachtel, aber einiges an Ein-/Ausgängen und Reglern/Schaltern zu bieten.

Gruß,
Thomas
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Moin Thomas,

das ist aber ein mächtig nettes Angebot von Dir, besten Dank!

Ich konzentriere mich jetzt erst einmal auf das "1-X" und parallel um einen Rockman; darf ich gegebenfalls danach noch mal auf Dich zukommen, so denn nicht jemand anderes an dieser Stelle zuschlägt? - Das Angebot war ja offen gehalten.

Danke und Gruß,

Batz.

@TOPIC: Mir gefällt das Teil immer besser; so lohnt es sich z.B., das Signal dem Ampsound zuzumischen, es also parallel zu fahren... macht wirklich Spaß, so etwas wieder zu entdecken!
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Hi Batz

Ja so ein Studio 1 hab ich auch noch in der hintersten Ecke
rumliegen. Aufgrund deines Tests hab ich es eben mal
rausgekramt und das 1. Mal seit ?? benutzt. Tja was soll ich sagen.
Genau wie damals haut es mich echt nicht vom Hocker

Ich hab es damals fast ausschließlich zum nächtlichen Üben benutzt.
Das hat auch funktioniert solange ich den originalen Kopfhörer hatte.
Aber der hat irgentwann den Geist aufgegeben und mit allen
anderen Köpfhörern war es entweder zu leise oder zu dumpf
oder anders Kacke
Meine Regler für Chorus,Delay und Gain kann man übrigens
einfach per Hand drehen. Kompressor ist mir mal abgebrochen.
Und ich hab es mal auf billigste Art in mattschwarz überlackiert
da mir das Rosa irgentwann auf den Sack gegangen ist.

Klar kann man mit EQen und zumischen zum Amp da was
verbessern. Aber für mich ist das nix.
Zurück in den Verbannungskontainer mit dem Ding bis 2028 oder so.....

Gruß
 
"Was bedeutet schon Geld? Ein Mensch ist erfolgreich, wenn er zwischen Aufstehen und Schlafengehen
das tut, was ihm gefällt.“ - Bob Dylan


Zuletzt bearbeitet von Dr.Dulle am 12.08.2013, insgesamt 2-mal bearbeitet
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Hihi, da gab es ja auch noch die große 19" Version, eins der ersten speicherbaren Teile.
Konnte für damals viel, Klang aber war ... Pippikackascheissndreck.
 
Grüße DeLüXe vom Rolf
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Dr.Dulle schrieb:
Hi Batz

Ja so ein Studio 1 hab ich auch noch in der hintersten Ecke
rumliegen. Aufgrund deines Tests hab ich es eben mal
rausgekramt und das 1. Mal seit ?? benutzt. Tja was soll ich sagen.
Genau wie damals haut es mich echt nicht vom Hocker

Ich hab es damals fast ausschließlich zum nächtlichen Üben benutzt.
Das hat auch funktioniert solange ich den originalen Kopfhörer hatte.
Aber der hat irgentwann den Geist aufgegeben und mit allen
anderen Köpfhörern war es entweder zu leise oder zu dumpf
oder anders Kacke
Meine Regler für Chorus,Delay und Gain kann man übrigens
einfach per Hand drehen. Kompressor ist mir mal abgebrochen.
Und ich hab es mal auf billigste Art in mattschwarz überlackiert
da mir das Rosa irgentwann auf den Sack gegangen ist.

Klar kann man mit EQen und zumischen zum Amp da was
verbessern. Aber für mich ist das nix.
Zurück in den Verbannungskontainer mit dem Ding bis 2028 oder so.....

Gruß


Moin moin,

ich kann das gerade "verzerrt" gut nachvollziehen. Wobei ich gezielt diesen Sound über Kopfhörer so gut wie nicht ertrage.

Clean finde ich tatsächlich praktikable Anwendungsmöglichkeiten. Mal sehen, ob ich in Bälde mal was damit eingespielt bekommt, um zu vergleichen, wie es sich im Mix macht.

Ketarrenruebe schrieb:
... Pippikackascheissndreck.


Ihr habt ja recht.... und ich komischerweise dennoch meinen Spaß damit.

Wer also noch seinen Nobel(s)-Rockman in meine Richtung entsorgen mag... nur zu!

Liebe Grüße,

Batz.

PS: Gestern gab es ein funktionstüchtiges 1-X inkl. eines defekten Drumcomputers für 21,50€ in der Bucht... während ich musizieren war: Ärgerärgerärgerärger....
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Weiter geht’s in der 80er-Retro-Show: Nach dem Nobels Sound Studio 1 kommen heute das Sound Studio 1-X sowie das Stereo Pak auf den Tisch, beginnend mit Ersterem, welches freundlicherweise von Bierschinken in Rekordzeit repariert und von Magnus B aus W zur Verfügung gestellt wurde (Danke, Jungs!):



Das Nobels Sound Studio 1-X sieht seinem Vorgänger extrem ähnlich: Etwas dunkleres rotes Gehäuse in derselben Größe, allerdings stammt es laut Gitarre & Bass wohl aus einer anderen Fabrik als das 1er. Dank weißer statt grauer Beschriftung sind sämtliche Informationen besser ablesbar. Außerdem gibt es deutlich mehr Regelmöglichkeiten: Delay und Chorus, über Druckknöpfe schaltbar, sind durch ein Trimpoti, einstellbar mit Fingern, Plektrum oder Schraubenzieher, zu regeln. Ebenfalls Trimpotis gibt es für das Noisegate, den Grundklang (Tone), Gain, Distortion sowie Compression; ansonsten ist es ausstattungstechnisch identisch mit dem Vorgänger.

Kommen wir zur klanglichen Beurteilung: Clean leistet es so ziemlich genau dasselbe die das Model ohne „X“ im Namen. Das ist schon mal sehr gut, denn clean weiß die Nobel(s)-Lösung durchaus zu gefallen; das ist ein legitimer Sound, der heutzutage ganz bestimmt nicht negativ auffallen würde. Es ist sogar noch durchsichtiger, noch transparenter geworden - schöööööön!

Verzerrt hat sich hier einiges getan im Gegensatz zur ersten Version, auch ohne Einbeziehen des Tone-Reglers hat Nobels hier kräftig geschraubt und sich offenkundig auch nochmal den Rockman ganz genau angehört: Das Ergebnis kratzt beileibe nicht mehr so wie der Vorgänger, alles ist mittiger und fetter geraten, von Transparenz ist man allerdings (noch) weit entfernt, geschweige denn von heutiger Modeling-Technik. Dennoch brauchbar.

Der Kompressor, hier Comp genannt, arbeitet ebenfalls hörbar angenehmer und gleichzeitig effektiver als sein Vorgänger.

Fazit: Das „X“ macht's, der Nachfolger des Sound Studio 1 ist diesem ist jeglicher Hinsicht mindestens ebenbürtig bis in wesentlichen Funktionen überlegen. Clean ein echter Hit, verzerrt deutlich annehmbarer als der Vorgänger – das Ding kann auch 2013 noch Spaß machen, wenn man denn auf die grundsätzliche Soundausprägung (80er LA-Cleansound, mittig-komprimierte Sahne-Zerrsounds) steht.



Nun zu Probant Nummero Zwo: Das Nobels Stereo Pak ist das jüngste Exemplar im Test; es stammt aus dem Jahr 1990. Es weicht optisch insofern ab als es etwas breiter und weniger tief (und im Gegensatz zu den feuerroten Spielmobilen auffallend schwarz) ist. Aus heutiger Sicht wirkt es professioneller; endlich findet sich ein handelsüblicher 9V-Anschluss, bzw. ein 9V-Batteriefach: Willkommen im Hier und Jetzt!

Verglichen mit beiden Vorgängern versucht es den Spagat, bei abgespecktem Umfang tiefere Regelmöglichkeiten zu bieten. So gibt es z.B. keinen Stimmton, kein Noisegate und keinen (regelbaren) Compressor mehr, auch entfällt ein Effektblock zugunsten verstärkter Eingriffsmöglichkeiten (Intensity, Speed, Time, Repeat) der verbleibenden Einheit. Auch sind im Stereo Pak die Grundverstärkung (Gain) sowie der Zerrgrad (Drive) einstellbar, die Speaker Simulation ist abschalt- wie regelbar. FX-Weg ist ebenfalls vorhanden, außerdem hat es einen Anschluss, um mit weiteren Geräten der Serie zum gemeinsamen Kopfhörerspiel verbunden zu werden; allerdings müsste man dafür erst einmal ein weiteres Exemplar finden...

Fangen wir mit der Enttäuschung an: Von der Effekteinheit versprach ich mir eine große Bandbreite an Modulations- und Raum-Sounds (Chorus, Flanger, Delay, Reverb). Tatsächlich ist dieser Block kaum zu gebrauchen: Der Chorus eiert ganz schrecklich, Räume klingen grundsätzliche klein und haben unendlichen Widerhall, der Flanger ist nur mit extrem viel Phantasie überhaupt erkennbar und wiederholt wird hier gar nix. Einzig für einen räumlicheren Stereo-Eindruck gibt das Ding Sinn – und weiß so sogar zu gefallen: Der Cleansound in stereo und dennoch ohne Effekt; wirklich fein anzuhören. Mehr darf man allerdings nicht erwarten, zumal es mit aufgedrehtem Time-Regler heftig zu rauschen beginnt.

Ist denn der verzerrte Sounds wenigstens besser als bei den Vorgängern? - Ja. Es ist dynamischer geworden, rauscht weniger und klingt auch etwas natürlicher. Die Regelmöglichkeit der Speaker-Simulation ist dabei unterstützend. Man hört die Jahre, die das Teil hier jünger ist, positiv heraus.

Fazit: Wenn man denn mit den neuen Eingriffsmöglichkeiten etwas anfangen und auf den Stereo-Chorus verzichten kann, hat man hier ein vernünftiges Tool seiner Zeit. Damit kann man auch Rockman-mäßig aufnehmen - und dennoch geht ihm (irgend)etwas vom 80er-Charme der roten Brüder ab.

Resümee der Testreihe: 80er Zeitgeist-Sound gefällig? - Hier werden Sie fündig! Und zwar am ehesten und üppigsten beim 1-X. Das ältere Sound Studio 1 bietet nichts, was es nicht auch im Nachfolger gibt, und das Stereo Pak kann noch einmal besser zerren und rauscht am wenigsten.

Als stumme Übemöglichkeit sind Multi-Modeler heutzutage deutlich überlegen, aber es funktioniert auch mit den Nobels. Dasselbe gilt für den Einsatz als Studio-Soundprozessor, wobei die komprimierten cleanen Sounds schon eine Klasse für sich darstellen; verzerrte Klangwelten kommen entweder harsch (DI-mäßig) oder sehr mittig zu Gehör (Boston, Tom Scholz, Rockman), muss man eben so mögen.

Sollte jemand weitere Tests artverwandter Gerätschaften wünschen, darf man mich gerne entsprechend beschicken; mein Wissensdurst ist jetzt jedenfalls erst einmal gelöscht.

Prost,

Batz.
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Noch'n Nachtrag für die Galerie:

Beim 1-X ist einiges anders als es in der Bedienungsanleitung steht, so z.B:

- wirkt der Tone-Regler NICHT wie angegeben aud Clean A & B sowie Overdrive, sondern lediglich auf beide Drive-Kanäle, was auch sehr viel mehr Sinn macht. Daher ist dem "originalen" Cleansound des Sound Studio 1 mit dem "X" auch nicht 100%ig beizukommen, weil letzterer viel transparenter, gerade im Bass, agiert als das im Vergleich eher fett klingende 1er. Insofern macht es wohl doch Sinn, beide zu behalten.

- Ausserdem soll das Delay stereo sein, wie beim Sound Studio 1. Ist es aber nicht, es ist mono. Wer Stereo will, muss also den Chorus bemühen; das ist sowohl beim 1er als auch beim Stereo Pak eleganter gelöst und sehr schade; das 1-X kann also etwas nicht, was die anderen beiden auszeichnet.

- Das Noisegate soll angeblich in Mittagsstellung nur die Höhen beschneiden; ganze rechts blendet es aus und links stellt man es ab. Links stimmt, der Rest ist Humbug: Weiter aufdrehen lässte es schneller ausfaden.

Ich wüsste ja nur allzu gerne, ob das wieder unterschiedliche Versionen, wie beim 1er auch, sind oder der Plan nicht aufgegangen ist: Arbeiten Eure 1-X so wie oben oder im Manual angegeben...?

Weitermachen,

Batz.
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

So,

abschließen möchte ich meine Nobels-Review-Revue mit einem kleinen Sound-Sample.

Wie ich bereits oben schrob, sind die verzerrten Möglichkeiten doch recht eingeschränkt und zeitgeistig kompromissbehaftet. Oder wie uns Gitarrenruebe so wohlfeil formulierte: "Pippikackascheissndreck".

Nicht jedoch die Clean-Sounds; die sind allererste Sahne und können auch 2013 neben Modeling bestehen.

Derzeit klimpere ich für 'nen Schöööler "Get Lucky" von Daft Punk ein; alle Gitarren sind mit dem Nobels Sound Studio 1 eingespielt.

Links gibt es ein Auto Wah drüber, rechts kömmt der On-Board-Chorus zum Einsatz und später mein Vox Wah; ansonsten habe ich nix gemacht, noch nicht mal equalized, ich fauler Hund:


/s-TreAZ


So tönen sie, die Nobels-Soundmaschinen.

Danke für die Aufmersamkeit,

Batz.
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Vielen Dank für die Soundbeispiele und die Info. Tolle Erinnerungen an früher. Hatte den auch mal. Habe mir danach sogar die 19 Zoll Version gekauft. Kann aber im Moment nichts dazu im Internet finden. Vielleicht auch, weil die Version einfach schlecht war. Keine Dynamik und viel Rauschen.
Verfasst am:

RE: Rücksturz in die 80er: Nobels Sound Studio 1

Das freut mich; Euch beiden meinen herzlichen Dank fürs nette Feedback.
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
Verfasst am:

Findling

Ich hab heute ein Kartönchen aufgeräumt - und was hab ich gefunden: Ein Nobels Soundstudio 1-X! Und deshalb bin ich nun auf diesen Thread von vor 4+ Jahren gestoßen (hätte vielleicht mal früher aufräumen sollen!)
Ich hab das Teil nochmal ausprobiert, funktioniert so weit alles, der Lautstärkeregler hatte immer schon ein bisschen Kontaktprobleme, aber nicht weiter schlimm. Netzgerät ist auch dabei.
Gibt es jetzt noch nen 80er Liebhaber der sich um die Besitzübernahme bewerben will?
Ruetze

P.S.: An das Valley-Arts kann ich mich auch noch dunkel erinnern - das war schon doll!
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