Dynamik - das unbekannte Wesen

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Dynamik - das unbekannte Wesen

Hallo!

Es gibt die These, dass man nicht denken kann, worüber man nicht sprechen kann. Das ist Grund genug, sich einmal mit ein bisschen Vokabular auseinander zu setzen.

Seit einiger Zeit stutze ich, wenn ein Begriff auftaucht: Dynamik. Sei es eine Gitarre, ein Effektgerät, ein Amp, eine Box oder eine Band. Lobend wird eine große Dynamik erwähnt, der Ton wird tadelnd, wenn mangelnde Dynamik festgestellt wird. Je mehr Dynamik, desto besser.

Nur – was ist Dynamik eigentlich? Wikipedia sagt: Mit Dynamik wird in der Musik die Lehre von der Tonstärke (physikalisch: Lautheit) bezeichnet. Dann folgen die italienischen Bezeichnungen und Abkürzungen wie fortissimo bzw. ff.

Also geht es nach dieser Definition nur um unterschiedliche Lautstärke im musikalischen Vortrag. Das reicht aber meiner Meinung nach nicht aus. Schauen wir uns als Beispiel einmal ein billiges Keyboard an. In der untersten Preiskategorie bieten diese Instrumente keine Anschlagsdynamik. Drück die Taste, dann kommt der Ton, drück sie nicht, dann kommt keiner. Wenn das Keyboard immerhin „anschlagsdynamisch“ ist, bedeutet das im Regelfall, dass man eine Taste unterschiedlich stark anschlägt und der Ton ist mal leiser, mal lauter. Dynamisch halt. Bei einer Akustikgitarre wäre das dann so, als würde der Ton eben lauter oder leiser, je nach Anschlagsstärke. Oder ein Amp würde lauter oder leiser, je nach hinein geschicktem Signal.

Spannend wird es in den Grenzbereichen. Was passiert – um nicht mit einem komplexen System anzufangen – bei einer Akustikgitarre, wenn man die Anschlagsstärke immer mehr steigert?

Irgendwann gerät man in den Bereich der Sättigung. Die Gitarre „macht zu“ - bei Endstufen und Lautsprechern wird auch gerne der nicht salonfähige Begriff „kotzen“ verwendet.

Die Dynamik ist da am Ende, es wird nicht mehr lauter. Aber der Klang verändert sich. Und jetzt gerät die oben aufgestellte Gleichung, dass mehr Dynamik besser ist als weniger, ins Wanken. Was ist besser oder schlechter für ein ausdrucksstarkes Spiel, was muss ein Instrument bieten? Soll es tatsächlich nur lauter und leiser werden oder will ich eine Klangveränderung?

Machen wir es komplizierter und nehmen eine E-Gitarre und einen Combo. (Den Combo sehen wir erst einmal als Einheit, ohne ihn in Vorstufe, Endstufe, Speaker und Gehäuse aufzuteilen.) Stellen wir uns einmal vor, der Klang würde abhängig von der Anschlagsstärke stets gleich bleiben, lediglich in der Lautstärke schwanken, das Volumenpoti würde eben leiser und lauter machen – im Sinne der eigentlichen Definition von Dynamik. Die von uns so geschätzte Verzerrung würde ausbleiben – das ist erst einmal das typische Verhalten eines Transistoramps, bevor er ins Clipping gerät.

Den Begriff „Verzerrung“ finde ich dabei wenig hilfreich. Wenn wir die wörtliche Übersetzung des Begriffes „Overdrive“, also Übersteuerung benutzen und uns vielleicht sogar zu der etwas sperrigen Vokabel „Übersättigung“ hinreißen lassen, wird es meiner Meinung nach klarer.

Lustigerweise hat sich der Begriff „Gain“ eingebürgert. Wörtlich übersetzt „Gewinn“. Was passiert denn, wenn man Gain bei einem Gitarrenamp aufdreht? Der Lautstärkezuwachs wird geringer oder bleibt ganz aus, der Ton übersättigt und verändert sich nur noch klanglich. Anders formuliert, formt der Gitarrist mittels Anschlag und Volumenpoti die Verzerrung, es findet kein „Gewinn“ an Lautstärke mehr statt sondern eine weitere „Übersättigung“.

Bedeutet das letzten Endes, dass weniger Dynamik das ist, was viele Gitarristen wollen?

Im Moment haben wir noch zwei Glieder in der Soundkette, die E-Gitarre und den Combo - schauen wir uns das getrennt an. Die Gitarre gibt die Signale in den Amp, der sie verarbeitet. Wenn der Amp jetzt über die Dynamikstufen der Gitarre kontrolliert in verschiedene Grade der Sättigung geraten soll, sollte die Gitarre also möglichst dynamisch, der Amp aber spätestens ab einem gewissen Punkt gerade möglichst undynamisch sein? Das reicht als Ergebnis nicht aus, führt aber zu der Frage ob der Zuwachs an Verzerrung noch mit einem Lautstärkezuwachs einhergehen soll und wie hoch der gegebenenfalls sein soll.

Und wenn wir jetzt schon beim Zweifeln sind, dann stellt sich die Frage, ob unabhängig von Verzerrung Dynamik - also die Veränderung der Lautstärke - überhaupt erwünscht ist? Will ich beispielsweise für einen möglichst gleichbleibenden Rhythmus nicht sogar eine konstante Lautstärke? Wenn Dynamik so grandios ist, warum gibt es dann überhaupt Kompressoren, die ja nichts anderes tun als die Dynamik einzugrenzen?

Die Gleichung „je dynamischer, desto besser“ geht nicht auf. Es geht um das Spiel von Dynamik und Kompression, das uns musikalischen Ausdruck ermöglicht. Ich empfinde es sowohl als zutiefst langweilig, wenn gar nichts komprimiert als auch als frustrierend, wenn es kaum Dynamik gibt. Die Frage, was da eigentlich gerade passiert, führt dazu, hinzuhören.

Vielleicht klingt das für viele sehr theoretisch. Wenn man sich als Musiker aber damit beschäftigt, landet man irgendwann bei der Frage, wie man eigentlich klingen möchte und es ist nie verkehrt, darüber ein wenig nachzudenken.

Gruß

erniecaster
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Schöner Beitrag!
Kekse sammelst ja nicht ...

Thema beschäftigt mich schon immer sehr. Kommt halt auch auf die Musik an die gespielt wird. Inner Coverkapelle ist Dynamik wohl weniger wichtig als bei gefühlsschwangeren Klassik-, Jazz- oder Bluessachen.

Pedale setzen meist (in Kombination) die Dynamik herab. In der Covertruppe kann man damit aber auf den Punkt agieren.

Ein weites Feld. Fragen über Fragen ...
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Ruderboot schrieb:
Thema beschäftigt mich schon immer sehr. Kommt halt auch auf die Musik an die gespielt wird. Inner Coverkapelle ist Dynamik wohl weniger wichtig als bei gefühlsschwangeren Klassik-, Jazz- oder Bluessachen


Frank Haunschild steht ja auf dem Standpunkt, dass die Jazzgitarre nur drei Dynamikstufen hat: leise, mittel und laut.



Viele Grüße,
woody
 
The truth is rarely pure and never simple.
Oscar Wilde
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Für mich ist der Begriff "Dynamik" nicht unbekannt, denn ich habe für mich 2 Definitionen gefunden. Ich weiß aber nicht genau, ob zumindest die zweite allgemeingültig ist:

1. Dynamik im Sinne von Leise bis Laut, also die klassische Definition, die auch auf Gitarren zutrifft. Allerdings nur, wenn ein "cleaner" bzw. nicht übersteuerter Sound vorliegt. Da ich zu mehr als 50% völlig "clean" spieler, trifft diese Begriffsdefinition oft zu. Nebenbei erwähnt: Das Gegenteil von "Dynamik" ist der Begriff "Kompression". Lustigerweise hört oder liest man gelegentlich von einem "schönen komprimierten dynamischen Sound" o.ä.

2. Viele verwenden den Begriff "Dynamik", um das Phänomen zu beschreiben, daß mit zunehmender Stromstärke bei übersteuertem Verstärker sich nicht die Lautstärke sondern der Sound ähndert ("verzerrter"). Die zunehmende Stromstärke kann man durch dickere PUs, vollem Volumeregler an der Gitarre und härterem Anschlag erreichen (oder durch einen Booster oder durch Hochregelung der "Gain" am Amp). All diese Dinge führen zu einer größeren Stromstärke am übersteuerten Verstärker und damit zu einer noch höherer Übersteuerung bei gleichzeitig zunehmender Kompression.

Ich kann mit beiden Definitionen gut leben. Clean heißt dynamisch also laut/leise und übersteuert heißt dynamisch: je doller ich anschlage, desto mehr Zerre.
Und der heilige Gral des Spiels ist der Punkt an der Einstellung, bei dem man mit geringem Anschlag leise clean spielt, bei mittlerem Anschlag laut clean und bei kräftigem Anschlag verzerrt und das alles mit der gleichen technischen Einstellung an Gitarre und Amp. Und das geht tatsächlich meiner Erfahrung nach besser mit Röhren- als mit Transistoramps.

Nebenbei: Durch die klassischen Lehren der Tontechnik wird bei den allermeisten Aufnahmen ein Kompressor eingesetzt und manchmal die Dynamik dadurch getötet. Gut, Radiostationen und DJs wollen ihre Anlagen schützen, weil sie keine plötzlichen Pegelsprünge wollen. Aber faktisch wird damit Dynamik gekillt und damit ein wichtiges musikalisches Stilelement. Genauso wie Temposchwankungen bei Liedern kaum noch vorkommen. Alles muß anscheinend mit einem Tempo vom ersten bis zum letzten Takt durchgehen. Dabei ist wie die "Dynamik" auch das "Tempo" ein wichtiges Stilmittel. Vielleicht werden die beiden ja demnächst wieder entdeckt........
 
"Wir essen jetzt Opa!" - Interpunktion rettet Leben!
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Gehen wir mal einen Schritt weiter. Die Dynamik des eigenen Gitarrenspiels ist eine kleine Spielwiese in der Kunst der Dynamik einer gesamten Band. 90% Prozent aller Live Performances im Semi-Profi und Amateur Bereich leiden genau hier. Nach dem 4 Stück setzt der Fluchtinstink ein, weil die Kapelle ohne Dynamik vor sich hindattelt und das Ohr keine netten Impulse mehr erreicht. Die Kunst des Solisten dynamsich zu spielen alleine reicht nicht, die Band im Zusammenspiel muss hier erfahren sein oder einen Schwerpunkt ihres Trainings hierauf legen. Spannungsbögen, Platz schaffen für den Solisten, für den Gesang, das ganze atmen lassen .... eine selten gewordene Kunst. Dann zum richtigen Zeitpunkt Druck geben, ohne schneller zu werden oder Soundmatsch zu erzeugen, ja auch das ist Dynamik. Stattdessen beschäftigen sich viele ausgiebig mit der Dynamik ihrer Lieblingsklampfe am ihrem Lieblingsamp im heimischen Wohnzimmer und datteln gnadenlos auf der Bühne gegen Schlagzeug, Bass, Keyboard etc. an.
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Re: Dynamik - das unbekannte Wesen

Dein ganzes Problem, ernie, ist eher ein sematisches.

Sagen wir doch "Umsetzungsvarianz", statt Dynamik.

Mir ist "Dynamik" extrem wichtig bei Zerrern Amps und Lautsprechern. Damit meine ich nicht zwangsweise, dass etwas unbedingt lauter wird wenn ich lauter anschlage, sondern dass man hört, wenn etwas härteres geschieht.

Wenn ich eine Gitarre zart streichel und hart reinkachel, dass soll gefälligst ein möglichst großer Klangunterschied bei High-Gain sein, ungeachtet der Klanglautstärke.

Je geringer der Unterschied dort, desto geringer ist erfahrungsgemäß die gesamt Klangpalette die der Zerrer/Amp/Pickup/Speaker bereitstellt, auch was alle anderen Klangformungsparameter angeht.

So wie man auch hört, wenn jemand auf einer CD oder in der Entfernung schreit statt spricht, selbst wenn ich Schrei und Geflüster - z.B. auf einer Aufnahme - auf die gleiche Lautstärke regel.


Bedeutet das letzten Endes, dass weniger Dynamik das ist, was viele Gitarristen wollen?


Nein.

Für das was Gitarristen wollen, mag "Dynamik" ein etwas unpassender Begriff sein wenn man ihn nur als Ausgangslautstärken-Varianz definiert. Aber das ist ein semantisches Problem, kein Paradoxon oder blinder Fleck von Gitarristen.
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Für mich ist Dynamik (abgesehen von dynamischen Amps, Zerren, Speakern) im Zusammenspiel nicht nur der Lautstärkenunterschied sondern auch die idealerweise perfekt synchronisierte Modulation der Tempi.

Das ist zumindest in der Klassik die hohe Kunst schlechthin...
 
Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem...
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Re: Dynamik - das unbekannte Wesen

Lieber groby,

groby schrieb:
Sagen wir doch "Umsetzungsvarianz", statt Dynamik.
...

Wenn ich eine Gitarre zart streichel und hart reinkachel, dass soll gefälligst ein möglichst großer Klangunterschied bei High-Gain sein, ungeachtet der Klanglautstärke.


Damit hast du dein Ideal gefunden. Ich (persönlich im Gegensatz zu dir, ymmv, jm2c, adac) finde es auch ganz gut, wenn beim reinkacheln die Lautstärke steigt. Das ist ja der Punkt.

Natürlich ist das in großen Teilen eine semantische Betrachtung.

Aber was bitte ist gemeint, wenn man beispielsweise von einem Amp spricht, der wunderbar "dynamisch" reagiert? Der eine meint hohe Lautstärkeunterschiede, der nächste starke Übersättigung, Kompression, Verzerrung. Hier besteht schon die Gefahr, sich mißzuverstehen.

Du bringst es ja grundsätzlich auf den Punkt: Was passiert, wenn ich reinkachel? Genauer: Was SOLL passieren, wenn ich reinkachel? Dann geht es nämlich bereits um den Ausdruck, ums Hinhören hinsichtlich des eigenen Sounds. Und das ist erstmal gut.

Gruß

erniecaster
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Hallo!

frhay8 schrieb:
Gehen wir mal einen Schritt weiter. Die Dynamik des eigenen Gitarrenspiels ist eine kleine Spielwiese in der Kunst der Dynamik einer gesamten Band.

...

Stattdessen beschäftigen sich viele ausgiebig mit der Dynamik ihrer Lieblingsklampfe am ihrem Lieblingsamp im heimischen Wohnzimmer und datteln gnadenlos auf der Bühne gegen Schlagzeug, Bass, Keyboard etc. an.


Einerseits stimme ich dir zu. Dynamisches und klangliches Miteinander in der Band ist das Ziel.

Andererseits kann man dieses Ziel nur erreichen, indem man sich vorher mit der eigenen Dynamik auseinander setzt, denn damit erwirbt man sich seinen "Werkzeugkasten".

Gruß

erniecaster
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Hallo Erniecaster,
da hast Du völlig recht, doch in den meisten Fällen bleibt es leider dabei.
Letzthin war Ryan MCGarvey mit Layla Zoe bei uns zu Gast. Eine Band die es krachen lassen kann aber die Dynamik grandios beherrscht:

und das findest Du leider bei 90% aller bei uns auftretenden Bands nicht.
Gruß, Rainer
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Re: Dynamik - das unbekannte Wesen

erniecaster schrieb:
Aber was bitte ist gemeint, wenn man beispielsweise von einem Amp spricht, der wunderbar "dynamisch" reagiert? Der eine meint hohe Lautstärkeunterschiede, der nächste starke Übersättigung, Kompression, Verzerrung. Hier besteht schon die Gefahr, sich mißzuverstehen.


Lieber Ernie,

die Gefahr, sich mißzuverstehen ist grundsätzlich bei allem gegeben, durch semantische Deutungsunterschiede, unterschiedliche Erfahrungen, subjektive Wahrnehmung, verschiedene Bewertungen des Wahrgenommenen, andere Kulturkreise, oder einfach andere Praxismodalitäten (zum Beispiel müssen einige Leute leider mit Schlagzeugern spielen aber Udo Pipper hingegen nicht).

Wenn du trotzdem möchtest, dass man sich irgendwie einigt damit man vielleicht nicht eine gemeinsame Deutung hat aber zumindest ein gemeinsames Deutungs-Feld, dann definieren wir Dynamik bei Equipment einfach so: Mit steigendem oder sonstwie verändertem Input sollte sich auch der Output irgendwie möglichst gleich stark irgendwie verändern und das auf musikalische Weise bestenfalls.

Mein praktisches Gegenbeispiel dazu wäre ein Boss Metal Zone, dem es egal ist, was reinkommt, der Output ist immer homogen und uniform und die Lautstärke ist dort, wo der Regler steht, Feierabend.

Allerdings ist die Diskussion nicht einfach, weil wir ja eigentlich nur darüber reden, wie vom Equipment Dynamik umgesetzt wird. Nichts ist von sich aus dynamisch, daher gibt es per se keine dynamischen Amps. Dynamik ist spielerseitig gemacht. Und dort, denke ich, gibt es für viele erstmal noch rein handwerklich und sozial-musikalisch-interaktiv eine Menge zu lernen bevor sie unbedingt stolz einen besseren "dynamischen" Amp kaufen müssen.
Verschoben: 21.12.2014 Uhr von Banger
Von Nicht ganz Eindeutiges, Verständliches oder Nützliches nach Musik- & Informationsforum
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RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Thema verschoben: Ich möchte eigentlich nicht, dass Themen mit solch einem Informationsgehalt und erkennbarer Mühe bei der Erstellung irgendwann dem Sinnlosforumsshredder zu Opfer fallen.
 
Gruß & Grooves,
Andreas
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Verfasst am:

RE: Dynamik - das unbekannte Wesen

Moin.
Ein Amp bzw ein Setup(Gitarre+Effekte+Amp) ist für mich dann dynamisch, wenn eben auf mein Spiel so umgesetzt wird, wie ich es reingebe. Das ist bei Akustikgitarren genauso: Volle Möhre reingedengelt - maximum Lautheit vor dem "Kotzen" der Gitarre. Das andere Ende des Spektrums ist dort wo Töne noch schön klingen wenn sanft angeschlagen wird.
Da trennt sich eben auch die Spreu vom Weizen. Meine Lagerfeuerklampfe klingt prima, aber bietet eben nur leise, mittel, laut. Mit meiner "guten" Akustik, kann ich viel feiner agieren.
In einem Orchester(bei mir Blasorchester - keine Streicher) muss man als Dirigent eben lernen wo die Dynamikgrenzen sind. Bei leisen Stellen sind die Saxophone idR das Problem. Die sind erfunden worden um laut zu sein. Bei lauten Stellen sind die Blechbläser(insb Trompeten und Posaunen) fähig ein gesamtes Orchester in den Boden zu tröten und insbesondere leisere Klarinetten zuzuballern. Da muss man dann das passende Verhältnis finden. Und eben die Abstufungen dazwischen, beim Blasinstrument ist da eben auch sehr das können der Spieler gefragt. Anfänger können idR erstmal an/aus. Übergänge in der Lautstärke und in jeder Lautstärke einen schönen Ton - das ist schwer und muss geübt werden.
In einem Rockbandsetting ist das doch ähnlich. Meist ist die obere Lautstärkegrenze der Knüppelknecht an den Drums, die untere die Balladenhauchende Sängerin. Kann ein Gitarrensetup beide Extreme gut darstellen(durch den Spieler ohne Knöppchen drehen/drücken) - ist das ein dynamisches System. Wobei wir ja zum Glück viele Helferlein haben, die das schneller möglcih machen. Und manchmal sind Dynamiksprünge ja auch sehr gewollt.
Gemein ist da manchmal der jeweilige Raum(beim Orchester genauso wie bei der Rockband),die gehörrichtige Lautstärke (FletcherMunsonKurve) und Psychoakustik usw. Da helfen dann auch mal Kompressoren und EQs um was anzupassen. Die können natürlich auch sämtliche Dynamik killen. Höre Radio und diverse ältere Youtubevideos(da ist die Kompression der Audiodaten angeblich in Relation zu den Videoauflösungen).

Diskussionen über Dynamik finde ich immer schwer, da sehr subjektiv und auch Lautheit und Lautstärke sehr unterschiedlich empfunden wird. Beim empfindlichen Wirt(mit noch empfindlicheren Nachbarn) hilft manchmal nichtmal ein Messprotokoll.
Sich damit zu beschäftigen wo die eigenen Grenzen sind, das Equipment Grenzen aufzeigt und wo die Grenzen der Dynamik in der Band sind, finde ich sehr spannend.
Gruß
Ugorr
 
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Verschoben: 25.01.2016 Uhr von Schnuffi
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