Die Pickup-Database

DerOnkel
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Ich habe zum Thema "wie es klingt" in der Einleitung ein paar zusätzliche Zeilen eingefügt, die zumindest das Problem der verbalen Beschreibung darzustellen versucht:

3. Wie es klingt,...

... das ist immer die große Frage! Sie ist allerdings gar nicht so einfach zu beantworten, denn das Hören ansich, also die Wahrnehmung eines Schallereignisses, ist eine im Höchstmaß subjektive Sache. Allein die Tatsache, daß das Gehör zweier Personen unterschiedlich "gut" ausgeprägt ist, muß zwangsläufig zu einer unterschiedlichen Wahrnehmung führen! Von irgendwelchen psychoakustischen Effekten oder dem Einfluß unterschiedlicher Hörpositionen wollen wir in diesem Zusammenhang gar nicht erst reden.

Dazu kommt, daß das Schallereignis einer Elektrogitarre immer das Ergebnis einer sehr umfangreichen klangumformenden Kette ist. Was dort alles eine Rolle spielt, kann im Artikel "Der Klang von Akustik- und Elektrogitarre im Vergleich" nachgelesen werden. Darüber hinaus gibt es auch noch die nichtlinearen Verzerrungen, die bei der Übersteuerung eines Verstärkers entstehen, die Effektgeräte,... Der Tonabnehmer selber ist da nur ein kleines Rad im gesamten Getriebe und mit großer Wahrscheinlichkeit sind wir nicht in der Lage, uns diese akustischen Einflüsse wirklich "wegzudenken". Folglich besteht immer die Gefahr, daß man gewisse Effekte fälschlich dem Tonabnehmer zuschreibt!

Ein weiteres Problem entsteht, wenn wir versuchen, unsere Wahrnehmung in Worte zu fassen. Da ist zunächst die Wahl der entsprechenden Vokabeln. Was für den einen "warm" klingt, bezeichnet ein anderer vielleicht als "voll" oder "rund"! Selbst wenn die gleichen Begrifflichkeiten verwendet werden, stellt sich die Frage der inhaltlichen Bedeutung. Was hilft es, wenn zwei Personen einen Klang als "hell" bezeichnen, damit aber etwas anderes meinen? Oder wie sieht es mit verschiedenen Sprachen aus? Eine ins Deutsche übersetzte englische Beschreibung mag dann auch wieder ganz andere Vorstellungen wecken!

Man erkennt aus diesen Überlegungen, daß es keinesfalls trivial ist, den Klang einer akustischen Wahrnehmung objektiv zu beschreiben. Dieses Problem kann man nur mildern, indem man
  1. sich auf die Verwendung bestimmter Vokabel und Begriffe einigt und
  2. nach Möglichkeit Vergleiche zu allgemein bekannten Klangfarben und -charakteristiken herstellt.
Was die Vokabeln betrifft, kann man bei den sogenannten Formanten eine Anleihe machen. Auch Helmuth Lemme hat versucht, das Klangempfinden zu beschreiben und bestimmten Frequenzbereichen zuzuordnen. Ich habe aus beiden Quellen eine kombiniert Liste erstellt:
  • 50Hz - 200Hz: bassig
  • 200Hz - 400Hz: sonor
  • 400Hz - 700Hz: voll
  • 700hZ - 1,5kHz: markant, sehr weich
  • 1,5kHz - 2kHz: nasal, warm
  • 2kHz - 2,5kHz: hell, singend
  • 2,5kHz - 3kHz: brillant
  • 3kHz - 5kHz: metallisch
  • 5kHz - 8kHz: spitz, hart
  • 8kHz - 12kHz: scharf, gläsern
  • über 12kHz: neutral
Diese Begriffe werden grundsätzlich in der Pickup Database verwendet, wenn es darum geht die Klangeinfärbung bestimmter Resonanzfrequenz zu beschreiben. Eine Resonanz von 2,3kHz "klingt" dann eben "hell, singend". Der Weisheit letzter Schluß ist das jedoch auch nicht, denn wenn die Ausprägung der der Resonanz sehr gering ist - z.Bsp. 0,5dB - dann wird man diese Betonung unter Umständen nicht wahrnehmen und der entsprechende Klangeindruck wird nicht entstehen!

Man erkennt daraus, daß selbst die Anwendung einer solchen Liste nicht der Weisheit letzter Schluß ist. Da ist immer noch ausreichend Raum für Diskussionen. Letztendlich gleicht der Versuch den Klang eines Schallereignisses zu beschreiben, der berühmten Quadratur des Kreises! Es kann eigentlich nicht gelingen! In so fern muß man bei der Bewertung solcher verbalen Beschreibungen immer sehr vorsichtig sein. Vor diesem Hintergrund sind die teilweise blumigen Beschreibungen gewürzt mit phantasivollen Begriffen auf den Seiten der Tonabnehmerhersteller ebenfalls als äußerst fragwürdig einzustufen! Aber solange es dem Umsatz dient...
Die Interpretation der Kurven oder auch der beiden Daten (Resonanzfrequenz und Resonanzspitze) setzt natürlich immer einen Vergleich voraus. Wer weiß, wie ein Strat-Pickup "klingt", kann dann aus dieser Resonanzfrequenz auf den Klang anderer Tonabnehmer "schließen".

Der Einwand bezüglich der Wirbelströme ist natürlich vollkommen richtig, denn diese lassen sich mit den von mir vorgenommenen Messungen leider nicht bestimmen. Unter dem Strich kann man davon ausgehen, das typische Humbucker in der Gibsonbauart zwischen 1 und 3 dB in der Spitze verlieren. Tonabnehmer mit Magneten in der Spule sind von diesem Verlust nicht so stark betroffen.

Diese "Lücke" ist auf den zweiten Blick jedoch nicht ganz so dramatisch, denn in der Regel vergleicht man ja Tonabnehmer des selben Typs miteinander. In so einem Fall macht man quasi bei beiden Kandidaten den gleichen Fehler.

frankpaush":23csqkee schrieb:
hörst Du in Deinem inneren Ohr etwa das, was so eine Kurve Dir zeigt? (das würde mir den Wert solcher Kurven für Dich zeigen und plausibel machen)
In gewisser Weise ja. Dazu ein Beispiel:

Bekannterweise hat der Onkel ja unlängst sehr billig zugeschlagen (siehe "Aria STG-004 SBL - Nachwuchs für den Onkel")
Da mir der originale Humbucker für den gewünschten Strat-Sound in der Position 2 (Bridge-Middle) nicht geeignet erschien, habe ich mich auf die Suche nach einem anderen Pickup gemacht. Letztendlich fiel die Wahl dann auf einen Protomatic-V, weil er gesplittet die gleichen Werte, wie die dort von mir verwendeten Japan-Single-Coils (weiß nicht von wem die sind) aufwies. Das Ergebnis ist für mich absolut überzeugend. Der gesplittete Protomatic paßt wunderbar mit dem Single-Coil zusammen. Strat as Strat can. Und als Humbucker mit einer Resonanz von etwa 2kHz brüllt diese Billig-Strat jetzt auch ordentlich.

Das ganze wurde nur am grünen Tisch zusammengebaut (und natürlich simuliert). Seit einem halben Jahr wird das Instrument auch auf der Bühne eingesetzt. Also, es geht!

Wer mit den Angaben in der Database etwas anfangen will, der muß natürlich auch etwas mitbringen, nämlich die Bereitschaft, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Wortreiche und "blumige" Herstellerangaben lesen sich natürlich leichter!

Ulf

ps: Es gibt aus aktuellem Anlaß noch ein paar Detailänderungen in der Database. Wer findet sie? ;-)
 
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DerOnkel":396xpkfv schrieb:
Der Einwand bezüglich der Wirbelströme ist natürlich vollkommen richtig, denn diese lassen sich mit den von mir vorgenommenen Messungen leider nicht bestimmen. Unter dem Strich kann man davon ausgehen, das typische Humbucker in der Gibsonbauart zwischen 1 und 3 dB in der Spitze verlieren. Tonabnehmer mit Magneten in der Spule sind von diesem Verlust nicht so stark betroffen.

Hallo,

woher hast Du diese Zahlen? ich habe an einem Single Coil aus einer Squier folgende Leerlaufdaten gemessen:

Gleichstromwiderstand 3,7 kOhm, Kapazität ca. 90 pF

mit Magneten AlNiCo 500 5 x 15 mm (von ibs) 1,1 H, 13,2 kHz Resonanz, +15 dB Resonanzüberhöhung

ohne Magnete 0,83 H, 14,1 kHz Resonanz, +24 dB Resonanzüberhöhung

Auch wenn unter realen Lastbedingungen die Unterschiede sicher deutlich geringer sind, halte ich das doch nicht für vernachlässigbar.

Gruß,
Klaus
 
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Und wie geht's jetzt weiter? Wir schicken Dir alle Tonabnehmer, die wir rumliegen haben? ;-)
 
DerOnkel
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kks":1x7e43y7 schrieb:
woher hast Du diese Zahlen? ich habe an einem Single Coil aus einer Squier...
Diese Zahlen beziehen sich auf den belasteten Fall. Da ist die Resonanz natürlich deutlich schwächer und liegt auch bei tieferen Frequenzen.

Ohne Last hast Du natürlich recht!

Ulf
 
 

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