Der Anschluß unbekannter Humbucker

DerOnkel

Power-User
26 Nov 2004
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Ellerau
Der Anschluß unbekannter Humbucker

Einleitung

Es ist soweit! Der neue Humbucker ist da! Erwartungsvoll öffnet man die Verpackung, wĂ€hrend der Lötkolben sich langsam erwĂ€rmt. Schnell einbauen und dann... Aber was ist das? Die AnschlĂŒsse haben ja ganz andere Farben, als der alte Tonabnehmer! "Wie schließe ich den denn an?"

Solche oder Ă€hnliche Fragen kann man in den einschlĂ€gigen Internet-Foren mit schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit immer wieder lesen. In der Regel bekommt man dann als Antwort Links zu den InternetprĂ€senzen der verschiedenen Hersteller von Tonabnehmern, auf denen sich dann mit GlĂŒck die notwendigen Informationen befinden. Im Artikel "Die Farbkodierung von TonabnehmeranschlĂŒssen" wurden ebenfalls viele dieser Informationen zusammengetragen.

Aber nichts auf dieser Welt ist wirklich perfekt. Was, wenn sich keine Informationen finden lassen? Dann gibt es nur eines: "Selbst ist der Mann!"

NatĂŒrlich kann man jetzt daran gehen und den Tonabnehmer öffnen, aber das ist
  1. nicht jedermanns Sache,

  2. birgt die Gefahr einer BeschÀdigung des Tonabnehmers und ist

  3. besonders bei Tonabnehmern mit eingewachster Blechkappe mit großem Aufwand verbunden, der darĂŒber hinaus bei neuen Tonabnehmern mit einem Verlust der GewĂ€hrleistungsansprĂŒche verbunden ist.
DarĂŒber hinaus lassen sich auf diese Weise auch nicht alle Fragen klĂ€ren. Es ist daher ein Verfahren gesucht, welches die gewĂŒnschten Antworten ohne Manipulationen am Tonabnehmer ermöglicht. Wie es geht zeigt, dieser Artikel.

Die Tabellen im Artikel wurde als Grafiken eingebunden, sie liegen bei einem Free-Hoster und können im Laufe der Zeit durchaus gelöscht werden. Der gesamte Artikel ist dann in der Knowledge Database der Guitar-Letter zu finden.


1. Grundlagen und Werkzeuge

Humbucker gibt es mit einer unterschiedlichen Anzahl von Anschlußadern. Der Artikel "Schaltplansymbole fĂŒr Tonabnehmer" gibt darĂŒber Auskunft. Bei den einadrigen Humbuckern kann man eigentlich nichts verkehrt machen. Das Abschirmgeflecht ist der sogenannte "kalte" Anschluß und wird mit der Schaltungsmasse verbunden und der Innenleiter ist der "heiße" Anschluß. Problematisch sind nur solche, mit mehr als einem Anschluß, wobei die Abschirmung nicht mitgezĂ€hlt wird. Entsprechend mĂŒssen wir bei unseren Betrachtungen zwischen einem Zwei-, Drei- oder Vieraderanschluß unterscheiden.

Ein weiterer Betrachtungspunkt ist die Frage, ob der Anschluß symmetrisch oder unsymmetrisch erfolgt. Diese Frage ist wichtig, da ein Tonabnehmer mit Zweiaderanschluß sowohl symmetrisch ohne Split-Möglichkeit oder unsymmetrisch mit Split-Möglichkeit sein kann. Beides geht jedoch nicht!

Wenn man ĂŒber die AnschlĂŒsse eines Humbuckers spricht, dann sollte man auch sinnvolle Namen fĂŒr sie verwenden, die unabhĂ€ngig von irgendwelchen Farben sind. Im weiteren Verlauf wird von folgender Definition ausgegangen:

HB_Mess_00.gif

Bild 1: Festlegung der Ader-Namen

Bei den unsymmetrischen Varianten ist "Anfang 2" oder "Ende" mit "Masse" verbunden und wird daher auch so bezeichnet.

Um herauszubekommen, welche Funktion die einzelnen Adern haben, ist keine teure LaborausrĂŒstung notwendig. Ein einfaches Digitalmultimeter, wie im folgenden Bild gezeigt, genĂŒgt bereits.

DigitalMultimeter.jpg

Bild 2: Ein Beispiel fĂŒr ein preiswertes Digitalmultimeter

Entsprechende GerĂ€te können bei den einschlĂ€gigen Elektronikversendern und teilweise sogar in BaumĂ€rkten ab 5 Euro erworben werden. Diese billigen MeßgerĂ€te erfĂŒllen natĂŒrlich keine professionellen AnsprĂŒche (Meßtechniker wĂŒrden da eher von einem "SchĂ€tzeisen" sprechen), aber fĂŒr die Anwendung in der Gitarrenelektronik sind sie vollkommen ausreichend! Aufgrund des geringen Preises sollte ein solches GerĂ€t eigentlich im Koffer keines Elektrogitarristen fehlen!

Mit Hilfe des Multimeters lĂ€ĂŸt sich leicht der vielzitierte Gleichstromwiderstand eines Tonabnehmers bestimmen, was dann natĂŒrlich auch fĂŒr die einzelnen Spulen eines Humbuckers gilt. Zu diesem Zweck muß das MeßgerĂ€t auf den Widerstandsmeßbereich eingestellt werden. Als Meßbereich sollte man 20kOhm wĂ€hlen. Damit lassen sich die WiderstĂ€nde der meisten Tonabnehmer problemlos messen.

Was dann noch benötigt wird, ist ein Standard-Werkzeug: Der Schraubendreher

Kreuzschraubendreher.jpg

Bild 3: Ein Schraubendreher

Aber keine Angst, mit seiner Hilfe soll nicht der Tonabnehmer zerlegt werden! Es spielt auch keine Rolle, ob es sich um einen Kreuz-, Schlitz- oder Was-auch-immer-Schraubendreher handelt. Zu seiner - in diesem Fall ungewöhnlichen - Nutzung spÀter mehr.

2. Messungen in der Theorie

Bevor wir daran gehen und Messungen am "lebenden" Objekt durchfĂŒhren, wollen wir uns zunĂ€chst einmal Gedanken darĂŒber machen, was es zu messen gibt, wie das geschieht und was aus den Ergebnissen zu folgern ist.

2.1. Humbucker mit Zweiaderanschluß

Der Humbucker mit Zweiaderanschluß kommt in zwei unterschiedlichen Versionen daher. Es ist wichtig, daß man diesen Unterschied begriffen hat, denn sonst wundert man sich, wenn der "angebliche" Split bei der symmetrischen Variante nicht funktioniert!

Wird die Abschirmung des Anschlußkabels nur mit der Grundplatte des Tonabnehmers, aber nicht mit einer der beiden Signalleitungen verbunden, spricht man von einem "symmetrischen Anschluß". Aufgrund der unabhĂ€ngigen Abschirmung, kann man einen solchen Tonabnehmer ohne Probleme gegenphasig oder in Reihe mit einem anderen Tonabnehmer schalten. Solche Humbucker findet man hĂ€ufig in Instrumenten, die mit einem sogenannten "Out-Of-Phase-Switch" ausgerĂŒstet sind.

SCM_HB_2_Symbol.gif

Bild 4: Humbucker mit symmetrischem Anschluß

Der notwendige Massebezug einer der beiden Signalleitungen und damit auch die Verbindung zur Abschirmung erfolgt "weiter hinten" in der Schaltung. Wir geben nun den beiden Adern, gemĂ€ĂŸ der Festlegung in Bild 1, Namen. Das ist allerdings nichts Geheimnisvolles, sondern schlicht und ergreifend nur eine Festlegung!

Machen wir nun in Gedanken ein paar Messungen mit dem Multimeter und bestimmen den Gleichstromwiderstand eines gedachten Tonabnehmers zwischen den verschiedenen AnschlĂŒssen. Aber, wieviele Messungen muß man denn ĂŒberhaupt machen?

Nun, es mĂŒssen alle möglichen Kombinationen der zur VerfĂŒgung stehenden AnschlĂŒsse berĂŒcksichtigt werden. Wenn n die Anzahl der Adern ist (ohne Masse), dann ist die Anzahl der Kombinationen ohne Wiederholungen 0,5*(n^2+3n+2). FĂŒr den Zweiaderanschluß wĂ€ren das also sechs Möglichkeiten. Allerdings sind hier nur drei echte Kombinationen verschiedener Adern enthalten. Die anderen drei Möglichkeiten sind "sinnlose" Kombinationen wie "Masse"-"Masse". Die Zahl der echten Kombinationen berechnet sich dann wie folgt:

K = 0,5*n*(n+1)

Alle Kombinationen lassen sich in einer quadratischen Widerstandsmatrix mit n+1 Zeilen und Spalten darstellen:

2ketc7.gif

Tabelle 1: Leere Widerstandsmatrix eines Humbuckers

Jetzt beginnen wir mit den Messungen und arbeiten dabei die Tabelle zeilenweise ab. In der ersten Zeile finden wir die Kombination "Masse"-"Masse". Hier muß der Widerstand natĂŒrlich 0 betragen. Als zweites folgt die Kombination "Masse"-"Ende". GemĂ€ĂŸ Bild 4 kann hier keine leitende Verbindung existieren. Das MeßgerĂ€t wird dann zum Beispiel "1 ." anzeigen. Wir tragen dafĂŒr einen Bindestrich in die entsprechende Zelle ein. Erst die Kombination "Ende"-"Anfang" liefert einen Widerstand, den wir hier einmal mit 10kOhm annehmen.

hv15cj.gif

Tabelle 2: Widerstandsmatrix eines Humbuckers

Ist die Tabelle vollstĂ€ndig abgearbeitet, so erkennt man eine gewisse Symmetrie. Die von links oben nach rechts unten laufende Diagonale dient dabei als Symmetrieachse. Ihre Elemente werden im weiteren Verlauf grau hinterlegt. Jeder Meßwert oberhalb dieser Achse hat auf der anderen Seite einen entsprechenden "Spiegelwert". Man muß also tatsĂ€chlich nicht alle (n+1)^2=9 Messungen machen. Es reichen die schon erwĂ€hnten drei Messungen der echten Kombinationen, die in der nĂ€chsten Tabelle grĂŒn hinterlegt sind.

2m2ywko.gif

Tabelle 3: Widerstandsmatrix eines Humbuckers mit symmetrischem Anschluß

Wir erkennen, daß die Vektoren, welche den Anschluß "Masse" enthalten, grundsĂ€tzlich hochohmig und damit nicht verbunden sind, was auf einen symmetrischen Anschluß hindeutet.

Kommen wir nun zu der zweiten Variante mit Zweiaderanschluß, welche die Abschirmung mit einer Signalleitung kombiniert, die dann auch als "kalt" bezeichnet wird. Die verbleibenden 2 Adern werden fĂŒr den "heißen" Anschluß und den Split-Anschluß verwendet. Da bei dieser Variante eine Signalleitung schon auf Masse bezogen wird, liefern solche Humbucker ein zur Masse unsymmetrisches Signal.

SCM_HB_4_Symbol.gif

Bild 5: Split-fĂ€higer Humbucker mit unsymmetrischem Anschluß

Diese Anschlußart ist fĂŒr "Out-Of-Phase" weniger geeignet, da man im Zweifelsfall die Abschirmung mit dem heißen Eingang des VerstĂ€rkers verbindet, was im Hinblick auf die Störempfindlichkeit von Nachteil ist.

Da wir jetzt schon wissen, um was es geht, wĂ€hlen wir gleich ordentliche Namen fĂŒr die AnschlĂŒsse und fĂŒhren die 3 notwendigen Messungen durch.

4u6izd.gif

Tabelle 4: Widerstandsmatrix eines split-fĂ€higen Humbuckers mit unsymmetrischem Anschluß

Man erkennt, daß zwischen "Masse" und "Split" ein kleinerer Widerstand liegt. Das ist korrekt, da eine Spule eines Humbuckers nur den halben Wert des gesamten Widerstandes aufweist. Zwischen "Masse" und "Anfang" findet sich dann der volle Widerstand. Der zweite kleine Widerstand befindet sich zwischen "Split" und "Anfang", was auch nicht wirklich verwundert.

Mit diesem Ergebnis ist klar geworden, daß sich eine Spule zwischen "Masse" und "Split" und die zweite Spule zwischen "Split" und "Anfang" befindet. Gleichfalls ist klar, daß "Masse" der gemeinsame "kalte" RĂŒckleiter ist und "Anfang" der "heiße" Anschluß.

Interessant ist auch eine weitere Erkenntnis: Der grĂ¶ĂŸere Widerstand befindet sich immer am "Ende" einer Spalte oder Reihe. Diese Tatsache liegt in der gewĂ€hlten Ordnung der AnschlĂŒsse begrĂŒndet.

Über die Phasenlage der beiden Spulen zueinander muß man sich keine Gedanken machen; das hat der Hersteller bereits bei der Produktion gemacht. Probleme kann es jedoch bei der Zusammenschaltung des Tonabnehmers mit einem weiteren Tonabnehmer geben. Unter UmstĂ€nden passen die PolaritĂ€ten nicht zusammen, sodas ein Out-Of-Phase-Effekt entsteht. Weitere Informationen zu diesem Problem sind im Beitrag "Zusammenschaltung zweier Humbucker klingt Out-Of-Phase" nachzulesen.

2.2. Humbucker mit Dreiaderanschluß

Auch diese Anschlußart ist in einer symmetrischen und unsymmetrischen Variante verfĂŒgbar. Beginnen wir mit dem symmetrischen Anschluß:

SCM_HB_5_Symbol.gif

Bild 6: Split-fĂ€higer Humbucker mit symmetrischem Anschluß

Wir bezeichnen die AnschlĂŒsse von oben nach unten mit "Anfang", "Split", "Ende" und "Masse". Dann ergibt sich die folgende Tabelle, in die auch schon die Meßergebnisse eingetragen wurden:

el1pv4.gif

Tabelle 5: Widerstandsmatrix eines split-fĂ€higen Humbuckers mit symmetrischem Anschluß

Auch hier fĂ€llt wieder auf, daß in der Spalte und Reihe in welcher der Anschluß "Masse" enthalten ist, die Kombinationen grundsĂ€tzlich hochohmig, also nicht verbunden sind. Diese Eigenschaft kann als Charakteristikum fĂŒr einen symmetrischen Anschluß aufgefaßt werden. NatĂŒrlich ist der grĂ¶ĂŸte Widerstand wieder ganz rechts oder ganz unten.

Der unsymmetrische Dreiaderanschluß bietet vollen Zugriff auf die beiden Spulen, wie das folgende Bild zeigt:

SCM_HB_6_Symbol.gif

Bild 7: Dual-Sound-fĂ€higer Humbucker mit unsymmetrischem Anschluß

Damit lassen sich neben einem Split auch die Reihen- oder Parallelschaltung der Spulen realisieren, was bei DiMarzio als "Dual-Sound" bezeichnet wird. Aus diesem Grunde wÀhlen wir von oben nach unten folgende Bezeichnungen: "Anfang 1", "Ende 1", "Ende 2" und "Masse". Aus den Messungen ergibt sich die folgende Tabelle:

6h2g0k.gif

Tabelle 6: Widerstandsmatrix eines Dual-Sound-fĂ€higen Humbuckers mit unsymmetrischem Anschluß

Wie nach dem Schaltbild zu erwarten ist, findet man nur die "kleinen" WiderstÀnde zwischen "Masse" (was ja "Anfang 2" entspricht) und "Ende 2", sowie zwischen "Ende 1" und "Anfang 1".

Daß "Masse" der "kalte" Anschluß ist, ist leicht zu erkennen, aber welcher der beiden AnschlĂŒssen von Spule 1 als "heißer" Anschluß dient, bleibt leider offen.

2.3. Humbucker mit Vieraderanschluß

Die letzte Anschlußform mit vier Adern bietet den vollen Zugriff. Hier das Schaltbild:

SCM_HB_7_Symbol.gif

Bild 8: Dual-Sound-fĂ€higer Humbucker mit symmetrischem Anschluß

Als Bezeichnung der Adern wÀhlen wir von oben nach unten: "Anfang 1", "Ende 1", "Ende 2", "Anfang 2" und "Masse". Aus den Messungen ergibt sich die folgende Tabelle:

211wjk3.gif

Tabelle 7: Widerstandsmatrix eines Dual-Sound-fĂ€higen Humbuckers mit symmetrischem Anschluß

Welche Adern mit welcher Spule verbunden sind, wird aus der Matrix klar, genauso wie die Tatsache, daß es sich um einen symmetrischen Anschluß handelt. Aussagen zur PolaritĂ€t der Spulen lassen sich leider nicht treffen! Weitere Kommentare zu den Ergebnissen sind wohl nicht notwendig.

2.4 Schlußfolgerungen

Aus den Ergebnissen lassen sich folgende Schlußfolgerungen ableiten:

  1. "Masse"-Vektoren hochohmig -> symmetrischer Anschluß

  2. Zwei kleine und ein großer Widerstandswert, die sich durch den Faktor 2 unterscheiden -> Spulen intern verbunden, Tonabnehmer split-fĂ€hig.

  3. Nur ein großer Widerstand vorhanden (zuzĂŒglich seines Spiegelwertes) -> Spulen intern verbunden, Tonabnehmer nicht split-fĂ€hig.

  4. Nur zwei kleine WiderstĂ€nde vorhanden (zuzĂŒglich ihrer Spiegelwerte) -> Spulen nicht intern verbunden, Tonabnehmer Dual-Sound-fĂ€hig.
VollstĂ€ndige Aussagen zur PolaritĂ€t der beiden Spulen lassen sich mit dieser Art der Messung allerdings nicht immer treffen. Da muß man dann noch andere "GeschĂŒtze" auffahren.

3. Praktisches - Drei Humbucker auf dem PrĂŒfstand

In meiner "Kiste" befinden sich eine ganze Reihe von Tonabnehmern von denen ich zwei mit Zweiaderanschluß und einen mit Dreiaderanschluß fĂŒr eine praktische Messung ausgewĂ€hlt habe.

Der erste Tonabnehmer hat, neben der Abschirmung, eine weiße und eine rote Ader. Wir erstellen die entsprechende Tabelle in der wir die Farben "irgendwie" anordnen:

r2jom8.gif

Widerstandsmatrix Tonabnehmer 1

Aus diesem Ergebnis und den Schlußfolgerungen 1 und 2 folgt zunĂ€chst, daß es sich um einen split-fĂ€higen Humbucker mit unsymmetrischen Anschluß handelt.

Ein Vergleich mit Tabelle 4 zeigt jedoch, daß die Position des großen Widerstandes falsch ist. Wir sortieren daher die Tabelle um, indem wir zunĂ€chst die Spalte "Weiß" mit der Spalte "Rot" vertauschen und anschließend einen Tausch der entsprechenden Reihen vornehmen. Damit erreichen wir die gleiche Struktur wie in Tabelle 3. Jetzt fĂŒgen wir hier noch in Klammern die entsprechenden Anschlußnamen ein. Das ist dann das Ergebnis der Transformation:

1zgagw3.gif

Transformierte Widerstandsmatrix Tonabnehmer 1

Damit ist alles klar! "Weiß" ist der "heiße" Anschluß des Tonabnehmers und "Rot" dient als Split.

Der zweite Tonabnehmer hat, neben der Abschirmung, ebenfalls eine weiße und eine rote Ader. Hier die Widerstandsmatrix:

2ev3x92.gif

Widerstandsmatrix Tonabnehmer 2

GemĂ€ĂŸ Schlußfolgerung 1 und 3 handelt es sich um einen nicht split-fĂ€higen Humbucker mit symmetrischem Anschluß. Ein Vergleich mit Tabelle 2 bestĂ€tigt diese Schlußfolgerung. Eine Transformation ist in diesem Fall nicht notwendig. Welcher Anschluß als "heiß" verwendet wird, kann und muß vom Anwender entschieden werden.

Nun zu Tonabnehmer 3. Er verfĂŒgt ĂŒber die AnschlĂŒsse "GrĂŒn", "Weiß" und "Rot" und natĂŒrlich ĂŒber "Masse". Hier ist die Widerstandsmatrix:

14y5s89.gif

Widerstandsmatrix Tonabnehmer 3

Aufgrund der Position des großen Widerstandes fĂŒhren wir wieder eine Transformation durch: Wir tauschen "Weiß" mit "Rot" in Spalten und Zeilen.

2dshb21.gif

Transformierte Widerstandsmatrix Tonabnehmer 3

Damit haben wir die gleiche Struktur wie Tabelle 4 erreicht und wissen, daß es sich um einen split-fĂ€higen Humbucker mit symmetrischem Anschluß handelt. "Rot" dient wieder als Split und ob "Weiß" oder "GrĂŒn" der "heißer" Anschluß ist, bleibt wieder dem Anwender ĂŒberlassen.

4. Das Phasenproblem des Dual-Sound-Humbuckers

Die Spulen eines Humbuckers werden im Normalfall gegenphasig in Reihe geschaltet. Bezeichnet man den inneren Anschluß einer Spule als "Anfang", was er im Hinblick auf die Wicklung ja auch ist, dann muß man die beiden Spulen mit ihrem "Ende" verbinden, um die gewĂŒnschte Gegenphasigkeit zu erreichen. Da beide Spulen jedoch eine entgegengesetzte magnetische PolaritĂ€t haben, ist die Zusammenschaltung im Hinblick auf das Signal wieder in Phase. Minus mal Minus ist eben Plus!

Mit Hilfe der Widerstandsmessung kann man bei einem Dual-Sound-Humbucker zwar herausbekommen, welche AnschlĂŒsse zu welcher Spule gehören, aber eine Information ĂŒber die PolaritĂ€t erhĂ€lt man dadurch leider nicht.

Bei einem solchen Humbucker mit unsymmetrischem Anschluß besteht zumindest Klarheit bezĂŒglich der mit der Masse verbundenen Spule 2. Aber Spule 1... Was ist jetzt also zu tun?

Um die PolaritĂ€t einer Spule zu ermitteln, benötigt man nach Möglichkeit ein impulsförmiges Signal, welches dann mit einem geeigneten Voltmeter gemessen wird. Das Signal eine schwingenden Saite ist aufgrund des fehlenden Phasenbezuges leider nicht geeignet und ein Zweikanal-Oszilloskop, welches dieses Problem lösen wĂŒrde, findet sich selten im Bestand eines Elektrogitarristen. Als MeßgerĂ€t wĂ€hlen wir daher wieder unser Digitalmultimeter, welches auf den kleinsten Gleichspannungsmeßbereich (typ. 200mV) eingestellt wird.

Man kann ein Impuls erzeugen, indem man mit einem magnetisierbaren Gegenstand (zum Beispiel einem Schraubendreher) auf beide Polreihen des Tonabnehmers legt. An den AnschlĂŒssen der betreffenden Spule ist dann ein kurzer Spannungsausschlag festzustellen. Nimmt man den Gegenstand wieder weg, entsteht ein Spannungsausschlag mit entgegengesetzter PolaritĂ€t.

Betrachten wir noch einmal die Widerstandsmatrix aus Tabelle 6, um die notwendigen Messungen zu diskutieren:

6h2g0k.gif

Widerstandsmatrix eines Dual-Sound-fĂ€higen Humbuckers mit unsymmetrischem Anschluß

ZunĂ€chst verbinden wir das MeßgerĂ€t mit der Spule 2. Da "Masse" in diesem Fall dem Anschluß "Anfang 2" entspricht und den Bezugspunkt darstellt, wird er mit dem "Minus-Anschluß" des MeßgerĂ€tes verbunden. "Plus" kommt dann an "Ende 2".

HB_Mess_01.gif

Bild 9: Spannungsmessung an Spule 2

Jetzt legen wir den Schraubendreher auf die Pole und beobachten dabei den Meßwert. Seine GrĂ¶ĂŸe ist nicht wichtig, sondern sein PolaritĂ€t. Es entsteht ein kurzer Impuls, der nach wenigen Augenblicken wieder verschwunden ist.

Wir nehmen jetzt einmal an, der Impuls hĂ€tte eine positive PolaritĂ€t gehabt. Wollen wir die beiden Spulen richtig zusammenschalten, dann muß die zweite Spule ebenfalls einen positiven Impuls liefern. Um das festzustellen, verbinden wir jetzt unser MeßgerĂ€t mit den AnschlĂŒssen der Spule 1.

HB_Mess_02.gif

Bild 10: Spannungsmessung an Spule 1

Wenn jetzt beim Auflegen des Schraubendrehers ebenfalls ein positiver Impuls entsteht, ist alles in Ordnung und "Anfang 1" ist wirklich "Anfang 1". Die beiden Spulen werden dann mit Hilfe der AnschlĂŒsse "Ende 1" und "Ende 2" miteinander verbunden, um die gewĂŒnschte gegenphasige Reihenschaltung zur Erzielung des Humbucker-Effektes zu erreichen. "Anfang 1" ist dann der "heiße" Anschluß.

Ist der Impuls jedoch negativ, dann sind die gewĂ€hlten Bezeichnungen falsch und wir mĂŒssen die beiden AnschlĂŒsse vertauschen. "Anfang 1" ist also tatsĂ€chlich "Ende 1" und umgekehrt. Bleiben wir jedoch bei den Namen, dann muß "Anfang 1" mit "Ende 2" verbunden werden und "Ende 1" ist der "heiße" Anschluß des Tonabnehmers.

Ob die Zusammenschaltung der beiden Spulen dann tatsĂ€chlich richtig ist, kann ebenfalls mit Hilfe der Spannungsmessung festgestellt werden. Ist alles in Ordnung, die beiden Signale also phasengleich, dann sollte der Impuls deutlich grĂ¶ĂŸer sein, als bei einer einzelnen Spule. Der Theorie nach sogar exakt doppelt so groß! Sind die Spulen falsch zusammengeschaltet, sollte keine Spannung zu messen sein. Aufgrund der unvermeidlichen Unsymmetrie der beiden Spulen und anderer Effekte ist jedoch auch in diesem Fall eine Spannung festzustellen. Sie ist jedoch deutlich geringer, als bei der Messung einer Spule und quasi zu vernachlĂ€ssigen.

Beim Dual-Sound-fĂ€higen Humbucker mit symmetrischem Anschluß kann prinzipiell das gleiche Verfahren angewendet werden. Da hier die Spule 2 ebenfalls nicht mit "Masse" verbunden ist, geht es zunĂ€chst darum, die Phasenbeziehung der beiden Spulen zu ermitteln. GrundsĂ€tzlich ist es fĂŒr den Humbucker-Effekt egal, ob man dann "Ende 1" mit "Ende 2" oder "Anfang 1" mit "Anfang 2" verbindet.

Was dann bleibt, ist die Festlegung welche der beiden "freien" Adern als "heißer" Anschluß genutzt wird, aber das ist, wie bei allen symmetrischen Humbuckern, einzig die Entscheidung des Anwenders!

5. Das Phasenproblem beim Zusammenschalten verschiedener Tonabnehmer

Wer Tonabnehmer von verschiedenen Herstellern im gleichen Instrument einsetzt, wird vielleicht schon einmal vor dem Problem gestanden haben, daß eine Zusammenschaltung leise, "dĂŒnn" und "hölzern" klingt. Ein solcher Klangeindruck ist ein starker Hinweis auf eine gegenphasige Zusammenschaltung.

Leider gibt es keine verbindlichen Standards, welche Spule eines Tonabnehmers welche elektrische und magnetische PolaritĂ€t haben soll. Jeder Hersteller kocht da sozusagen sein eigenes SĂŒppchen. Verwendet man nur Produkte eines Herstellers, dann kann man davon ausgehen, daß eine normale parallele Zusammenschaltung der Tonabnehmer ("heiß" an "heiß") gleichphasig erfolgt und somit alles zusammenpaßt.

Es reicht jedoch aus, wenn in einem Tonabnehmer der Magnet umgedreht wurde, schon hat sich die PolaritĂ€t des Signals geĂ€ndert und die Zusammenschaltung ist gegenphasig. Dann ist fĂŒr viele Gitarristen die Verzweifelung groß und der Verdacht auf einen defekten Tonabnehmer liegt nur all zu nahe.

Die PolaritĂ€t der Tonabnehmer kann ebenfalls mit Hilfe der in Abschnitt 4 gezeigten Spannungsmessung festgestellt werden. Wenn alles richtig ist, sollte der Impuls also in beiden Tonabnehmern in die gleiche "Richtung" gehen. Ist das nicht der Fall, dann wird bei einem der beiden Tonabnehmer einfach der "heiße" Anschluß mit dem "kalten" Anschluß vertauscht. Das macht man natĂŒrlich am besten mit einem Tonabnehmer, der ĂŒber einen symmetrischen Anschluß verfĂŒgt.

Fazit

Das vorgestellte Verfahren ermöglicht es, sozusagen mit Boardmitteln, alle notwendigen Informationen zu ermitteln, um die Funktion der einzelnen Adern eines Humbuckers zu erkennen. Ein Öffnen des Tonabnehmers ist dabei nicht notwendig. Das Verfahren lĂ€ĂŸt sich allerdings nur auf passive Tonabnehmer anwenden!

Wer verstanden hat, wie es geht, der braucht nie mehr die Frage nach den "Colour-Codes" zu stellen. Wer es dennoch tut, muß sich den Vorwurf der persönlichen Faulheit gefallen lassen, denn die enstprechenden Messungen sind innerhalb weniger Minuten gemacht. Eine Recherche im Internet oder eine Anfrage in einem Forum wird deutlich lĂ€nger dauern.

Was man in diesem Zusammenhang nicht vergessen darf, ist die Tatsache, daß im Internet manchmal auch Blödsinn steht. Bevor man also seine Zeit damit verschwendet, einen Fehler zu suchen, der auf falschen Informationen beruht, sollte man lieber selber messen, denn wie hieß es doch am Anfang dieses Artikels?

"Selbst ist der Mann!"

Ulf

(Der vollstÀndige Artikel ist ebenfalls in der Knowledge Database der Guitar-Letters zu finden.)
 

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