Halsansatz an ner Martin selber kleben?


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Hej,

bin neu hier und habe da gleich mal was. Habe ne Martin DM, die ich eigentlich gerade wegen einer anderen neuen (siehe Benutzername ;-) ) verkaufen wollte.

Nun war der erste interessent hier (lebe aktuell nicht in D) und er hätte sie auch gleich mitgenommen, wenn da nicht ein kleiner abstand zwischen dem Halsansatz und dem Koprus gewesen wäre. Ich war über Weihnachten viel auf Reisen und hatte sie deshalb nicht wirklich genauer angeschaut seit ich zurück war. Wirklich doof!

Hier gibts Bilder von der Klampfe (leider ohne Bilder vom eigentlichen Problem):
http://www.schelker.de/blocket/show_pics_basic.php

Nun zu meiner Frage:
Kann man das selbst reparieren?

Habe etwas Erfahrung bit Gitarrenbau (habe mal ne Konzertgitarre gebaut...), bin aber etwas unsicher... Meine Haupfragen wären:

- wie bekomme ich den Holzleim in die schmale lücke? Kann man da irgendwas mit ner spritze/Kanüle machen?

- wie bekomme ich den Druck auf diese stelle hoch genug? Ich hatte da an ne kräftige Schraubzwinge gedacht, die ich dann auf der Innenseite gegen den Halsblock schraube. Aussen muss ich mir was überlegen, da die Martins da am Halsfuß so spitzt sind (im gegensatz zu z.B. Lakewood)

- was für Leim sollte ich verwenden. Das dürfte hier etwas schwieriger sein... Im Baumarkt hier gibts glaub ich nur Ponal zeugs. Ein entfernter Bekannter ist aber Geigenbauer und hat seiner Werkstatt hier in der Stadt - sollte ich den fragen oder geht das mit Ponal???

So, bin für alle Kommentare dankbar! Und noch so als Anhaltspunkt, der verkaufspreis war ursprünglich so auf irgendetwas um die 500 Euro angelegt. Ist es das wert das Risiko einzugehen und das selbst zu machen?

Grüße ganz weit aus dem Norden

Jakob

ps: die neue is ne jc-50 baujahr 1969 :)
 
jab
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Tach!

Solche Sachen sind übers Netz unmöglich zu beurteilen. Geh zu einem Gitarrenbauer (oder deinem Geigenbauerkumpel, wenn er über den Tellerrand schaut) und frag den. Fragen kostet normalerweise nichts und du bist auf der sicheren Seite. Die DM ist das billige Dingens aus gepresstem Staub mit der Fototapete, oder? Da könnte man eher mit Epoxy rangehen... Aber auch das solltest du nicht selbst machen, denn Baumarktepoxy taugt nix. Ponal geht übrigens auch nicht. Gehört direkt verboten, das Zeugs. Und wenn gleich jemand antwortet, er hätte damit aber seine Vintage-Yamaha erfolgreich undsoweiter... bitteschön!
Nurnichnachermeckern!

Beste Grüße!
Jab
 
frank
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JC-50":cynu8sou schrieb:
Und noch so als Anhaltspunkt, der verkaufspreis war ursprünglich so auf irgendetwas um die 500 Euro angelegt. Ist es das wert das Risiko einzugehen und das selbst zu machen?

Hi,

500 € sind zu erzielbar? Vielleicht. Aber gewiss nur, wenn die Gitarre in Ordnung ist.

Meine Meinung ist von Fairness geprägt: Eine so wertige Gitarre sollte beim Verkauf auch in Ordnung sein. Der konkrete Grund, warum sich der Hals vom Korpus löst ist Dir unbekannt. Kann also sein, dass das Selbstleimen nur auf absehbare Zeit hilft.

Ich finde in diesem Preissegment solltest Du den Gang zum Gitarrenbauer antreten. Lass ihn den tatsächlichen Schadensumfang beurteilen und einen Kostenvoranschlag machen. Wenn es wirklich nur darum geht, etwas zu verleimen, dann solltest Du die 50 € (das würde ich aus der Ferne als Höchstpreis für's Leimen schätzen) in Kauf nehmen.
 
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So, danke erstmal für eure Beiträge.

Eure tipps mit "gehe lieber zum Gitarrenbauer" nehme ich ernst. Leider ist der nächstgelegen von hier aus soweit ich weiss in Stockholm. Das sind immerhin knapp 700km von hier aus (lebe ja eben ziemlich weit im Norden, die Stadt nennt sich Umeå). Ansosten gibts halt noch die möglichkeit die Klampfe beim nächten mal mit nach Deutschland zu nehmen, wenn ich dort hin fliege - da gibt es (im vergleich) ja überall gute Gitarrenbauer. Da bleibt allerdings dann das Risiko und der Aufwand des Transportes...

@Jab: danke für deinen Beitrag, auch wenn ich deine Abneigung gegenüber "pressspan" nicht so ganz verstehe. Die Gitarre hat tatsächlich zargen und einen boden aus laminiertem Mahagony - trotzdem klingen diese Martins erstaunlich gut: ich hatte sie immer als zweitgitarre und eine vollmassive will man ja Abends auch nicht grade mit ans Lagerfeuer nehmen... Mit so etwas wie du es baust ist das ja eh nicht zu vergleichen. Also mein Slogan: billige Gitarren für "billige" Anlässe.

@frank: Ja, ich stimme dir absolut zu. Ich hatte 5 interessenten für die Klampfe, einfach weil es hier kaum gebrauchte Instrummente zu brauchbaren gebrauchpreisen gibt. Ich habe die Kleinanzeige jetzt gelöscht und werde warten, bis eine Reparatur richtig gemacht wurde. Danach werde ich sie dann wohl wieder zum verkauf anbieten. Wenn ich etwas selbst mache, dann würde ich wohl einige Monate warten, nur um sicherzugehen, dass alles in ordnung ist.

Warum das passiert ist kann ich nicht ganu sagen, aber ich vermute mal, dass das Holz einfach zu trocken wurde. Wir hatte über die ganze Weihnachtszeit hier echt kalte Temperaturen (-20 bis -25) und die Ostsee war da auch schon zugefroren. Bei diesen bedingungen bekommt man hier schnell mal relative Luftfeuchtigekeiten von unter 10-15%. Ich hatte zwar so nen gitarrenbefeucher mit im Koffer, aber der ist halt nach ner Woche auch leer. Leider war ich aber 4 Wochen im Ausland.

Was den Leim angeht: Ich hatte wie gesagt mal eine relativ einfache klassiche Gitarre gebaut. Was ich da verwendet hatte war "Propellerleim". Der wurde mir damals von einem Giatrrenbauer empfohlen. Habe die klampfe immer noch (ist schon fast 10 Jahre her) und da hält alles bombenfest.
Leider habe ich aber keine Ahnung, wo man hier sowas bekommen könnte - Ich werde wohl auf meinen Bekannten warten und ihn fragen.
Bis mitte nächster Woche ist er allerdings noch unterwegs. Fliegt extra nach Göteborg um irgendein Cello zusammenzuflicken ;)

Also, danke nochmal an alle für die Beiträge und dafür, dass ich mich ein bisschen ausheulen durfte :-D

Ich werde mich wieder melden, wenn es was neues gibt.

Jakob
 
jab
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Moin!

Ich hab ma n bissi intergenettet und da kam raus:
Du hast recht, die DM hatt gesperrte Zargen. Erst die Nachfolgedinger, die DX ist aus gepresstem Staub mit auflaminiertem Holzoberflächenimitat gebastelt.
Was ich auch gefunden habe:
Die DM hat eine Schlitz-Zapfen Halsverbindung, also keinen Schwalbenschwanz. Wenn sich da was gelöst hat, dann passt das jetzt nicht mehr. Leim hält nur, wenn die Fugen passen. Löcher mit Leim aufzufüllen bringt keine Stabilität.
Also mal checken, ob sich der Hals bewegt.
Wenn nicht, ist das gut und schlecht gleichzeitig. Gut, weil du nichts befestigen musst, schlecht, weil sich dann der Spalt nicht zudrücken lässt und der Halswinkel eventuell nicht mehr stimmt.
Das wird kompliziert und teuer.
Wenn sich der Hals bewegen lässt, müsste man ihn eigentlich ganz herausnehmen und neu setzen. Das wird auch teuer.
Die Lösung wäre in diesm Fall tatsächlich, den Spalt mit dünnflüssigem Epoxy (da gibt's bestimmt ne Menge Bootsbauer in deiner Gegend...) auszugießen. Das füllt und hält.
Dabei natürlich den Hals in der richtigen Position fixieren (mit langen Klemsias).

Ich würde das einen Fachmann machen lassen, der das Werkzeug, das richtige Epoxy und die Erfahrung hat. Zur Not kann man ja Gitarren auch verschicken, wenn es da am Ende der Welt niemanden gibt...

Beste Grüße!
Jab

PS: Propellerleim ist nicht schlecht, Titebond ist besser, beide aber für diese Aufgabe vermutlich nicht das richtige.

PPS: Ich habe nichts gegen gesperrte Zargen/Böden, ich finds nur schofelig, Hochdichte Faserplattenscheiße mit Holzimitat zu bedrucken, Balken aus Aluminium einzukleben, Griffbretter aus Plastik zu verwenden und dann diese Dinger, bei denen mehr Harz als Holz verbaut wurde, als innovative Gitarren zu präsentieren und den Kunden große Stapel Geld für minderwertiges Fußbodenmaterial abzunehmen, bloß weil der richtige Name drauf steht. Da hat man von jeder Cort Earth 100 mehr...

Aber egal, jeder wie er mag...
 
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tommy
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jab":124fyjkz schrieb:
ich finds nur schofelig, Hochdichte Faserplattenscheiße...

...vorsicht! Ich gehe mal davon aus, dass Martin, zur Herstellung des genannten Materials, den Staub in seinem Werk zusammenfegt. Immerhin enthält dieser auch Anteile von der Fertigung seiner 15000.- Gitarren.

Das lässt die Sache m.E. in einem ganz anderen Licht erstrahlen!
 
frank
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JC-50":39zm0ns1 schrieb:
So, danke erstmal für eure Beiträge.

Hi Jakob,

wirklich, Deine Haltung gefällt mir gut.

Danke für Dein Feedback. Und wie die Geschichte ausgeht, interessiert mich auch.
 
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wollte das hier eigentlich erstmal ruhen lassen... aber der Satz hier von gestern ist einfach gut:

JC-50":3vawv119 schrieb:
... Die Gitarre hat tatsächlich zargen und einen boden aus laminiertem Marzipan - trotzdem klingen diese Martins erstaunlich gut...

es war schon spät... und ich aß nebenher... :cool:

:idea: ... der Durchbruch im Gitarrenbau: Martin setzt auf Marzipan !

/Jakob
 
jab
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Hiho!

Ich las heute zufällig in einem speziellen Martin-Buch. Dort wurde auch die Mortise/Tenon-Halsverbindung gezeigt. Im Halsfuß befindet sich eine Einschraubmutter und der Halsfuß wird durch eine Schraube im Oberklotz an diesen gezogen. Angeblich nur zur Montage bis der Leim hält, die Schraube bleibt aber drin. Sie ist unter der Modellbezeichnungsplatte am Oberklotz versteckt. Vielleicht solltest du da mal nachschauen (lassen), eventuell kann man die Schraube nachziehen.

Beste Grüße!
Jab
 
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Hej,

bin wieder hier. Jab hatte absolut recht - der Hals ist gezapft (gerader Zapfen) und am unteren Ende durch ein kräftige Schraube zusätzlich fixiert. Laut Martin ist diese jedoch nur dafür da, dass das fixieren wärend des leimens besser funktioniert.

Ich hatte nun die "Serial Number Plate", die direkt auf den Halsblock geklebt ist runter genommen und siehe da, dort befand sich eine Schraube. Die Schraube war völlig locker - warscheinlich wäre sie rausgefallen, wenn es da nicht die Serial-plate davor gewesen wäre. Ich habe sie dann mit einem normalen Schraubenzieher wieder festegezogen. Danach verschwand der kleine Abstand zwischen Halsansatz und Korpus vollständig. Ich habe dann die Schraube nochmal gelöst und etwas getested, wie gut die Verleimung des Halses ohne schraube ist. Alles sitzt bombenfest. Der Abstand, um den es hier die ganze Zeit ging ist ja auch weniger als ein Millimeter, am unteren Ende des Halsansatzes (ein Blatt Papier passte gerade rein...).

Nun ja, jetzt ist die Schraube (und der Hals) wieder fest und ich habe sie wieder unter voller Saitenspannung. Ich werde jetzt noch ein paar tage warten, und sehen, ob sie die Stimmung so gut hält, wie vorher. Sollte das der Fall sein, so werde ich die Gitarre hier wieder zum Verkauf anbieten.

Kurz um: Da hatte wohl einfach nur jemand ne Schraube locker. Auch nicht so erstaunlich, wenn man bedenkt, wie viel diese Gitarre schon mit mir unterwegs war (USA, gekauft in Pennsylvania :) ); Deutschland; diverse Urlaube in Europa; jetzt in Schweden...). Ausserdem passt es auch, dass das Problem aufgetaucht ist, nachdem ich kürzlich hier umgezogen bin. Es war also wahrscheinlich der letzte Tranport...


Unter folgendem Link kann man sehr gut sehen, wie das alles bei Martins mit Mortise/Tenon genau aussieht...
http://fingerlakesguitarrepair.com/...neck/neck-reset/martin-000-15s-neck-reset.php

So, vielen Dank also nochmal für alle Tipps. Problem gelöst, Gitarre und deren Halter sind glücklich!

Grüße aus dem norden Jakob

Edit: Tippfehler.
 
 

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