IR, oder Speakersimulation, Ampmodeling

bebob
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Wir kennen die beinahe unzähligen Ampsimulationen, oder auch Ampmodeling Software.

Die Simulationen beruhen auf Programmierung (die sicher aufwendig sind), besonderen Wert legt man auf die natürliche Wiedergabe der physisch existenten Gitarrenverstärker. Dabei spielt die Mikrofonierung eine entscheidende Rolle, besonders die Auswahl der Mikrofone, aber auch die Positionierung. Das ergibt den Gesamtsound, mit entsprechendem Hallanteil, den man als User für authentisch für ein Amp der Wahl, warnimmt.

Meine Frage: Irgenwo habe ich gelesen, dass man die IR simmulieren kann, bedeutet, mit gezieltem Hallanteil, EQ, Delay, könnte man das IR soweit selbst "konstruieren". Ich finde die Seite aber nicht mehr.

Geht das wirklich?

Beste Grüße
 
Woody
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Ja. Aber... ^^

Speakersimulation per IR ist ja eigentlich ein zweischrittiger Prozess.
Zunächst braucht es die Impulsantwort (impulse response, IR) einer Amp/Speaker-Kombination.
Das ist meist einfach ein kurze Tonaufnahme von der "Antwort" eines mikrofonierten Speakers auf einen kurzen "Knack", einen Rechteck-Impuls, der über den Speaker abgespielt werden soll.

Lautsprecher sind nicht physikalisch ideal, das heißt, wenn ich so einen Impuls, der ein kurzer Moment Gleichstrom ist, in einen Speaker schicke, dann bewegt er sich nicht in Nullzeit zur maximalen Auslenkung der Kalotte und kehr danach in Nullzeit wieder zurück. Es ist vielmehr so, dass der Speaker eine gewisse Trägheit hat, also Zeit braucht, bis die Pappe sich bewegt, und danach schwingt sie noch ein bisschen nach. (Ähnliches gilt für das Mikrofon.)
Interessanterweise hängen derlei Laufzeit-Veränderungen auch direkt mit dem Frequenzspektrum der Aufnahme zusammen.
Die Impulsantwort ist also eine "Momentaufnahme" des Lautsprecher/Mikrofonsystems mit seinem Ein- und Ausschwingverhalten, und dabei bekommt man auch Informationen über das Frequenzbild des mikrofonierten Speakers, weil, Physik.

Um diese Aufnahme jetzt irgendwie auf ein Signal anzuwenden, braucht es noch mehr Technik, meistens als Plugin, und zwar einen Faltungshall (convolution reverb).
Ein Faltungshall nimmt eine Gitarrenspur und "faltet" (technical term) die Impulsantwort auf, errechnet also sowas wie ein "Produkt" der beiden Signale.
Das hat man zunächst mit Impulsantworten von Räumen gemacht, also, einen Pistolenschuss in einer Konzerthalle aufgenommen, und mit der resultierenden Impulsantwort dann recht realistisch klingende Halleffekte erzielt, daher Faltungs-"Hall".
Für Gitarrenzwecke sollte dieser Hall 100% wet sein, damit das direkte Signal nicht unschön durchsuppt.

Im Prinzip kann man so einen Faltungshall mit allem Möglichen füttern.
Ich habe vor dem Frühjahrslockdown mit jamalot einen Haufen IRs von unterschiedlichen Speakern und Mikrofonen gemacht.
Spät abends und leicht angeschickert haben wir aus Jux unsere Fingergelenke knacken lassen, das aufgenommen und die "Knackse" als IRs ausprobiert.
Jans rechter Ringfinger klang ziemlich sensationell, wenn ich das richtig im Kopf habe.



Viele Grüße,
Gereon

PS: Für Mathe-Nerds sind Tonaufnahmen, oder ihre Graphen, bezüglich Faltung und Addition ein Modulraum.
https://de.wikipedia.org/wiki/Faltung_(Mathematik)
 
Woody
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Äh, Nachtrag:
Natürlich kann man sich also irgendwie mit einem Hall und EQ und Gedöns einen glaubhaften IR zusammenfriemeln.
Was richtig super Brauchbares dabei herauszubekommen ist wahrscheinlich nicht so einfach.

Viele Grüße,
Gereon
 
E
erniecaster
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Woody schrieb:
Äh, Nachtrag:
Natürlich kann man sich also irgendwie mit einem Hall und EQ und Gedöns einen glaubhaften IR zusammenfriemeln.
Was richtig super Brauchbares dabei herauszubekommen ist wahrscheinlich nicht so einfach.

Viele Grüße,
Gereon

Hallo,

das ist wie mit Erdnussflips. Die kann man auch selbst machen, das ist irre aufwändig und die Industrieprodukte für ein paar Cents sind in besserer Qualität überall erhältlich.

cu

erniecaster
 
bebob
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Hey Gereon,

vielen Dank für die wundervolle Ausführung!

Das ist schon recht wissenschaftlich, was du schreibst. Man muss sich schon Zeit nehmen, zumindest darf der Spassfoktor nicht fehlen, die Fingerknackser sind der Geheimtip:banana:
Das mit den Fingern geht bei mir nicht, ich kann aber recht gut mit dem Nacken krachen, ob das die Qualität hat?

Guten Rutsch euch Allen
Batur
 
Hallmarksweptwinger
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...wieder mal habe ich keine Ahnung, wovon hier geschrieben wird...

(sinnvoller Beitrag No. 48)


...nee, ich kann das schwer nachvollziehen alles...
Ich habe Amps, ich spiele Gitarre. Wenn aufgenommen wird, wird aufgenommen. Wenn abgenommen wird, wird abgenommen.
 
bebob
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Hallmarksweptwinger schrieb:
...wieder mal habe ich keine Ahnung, wovon hier geschrieben wird...

(sinnvoller Beitrag No. 48)


...nee, ich kann das schwer nachvollziehen alles...
Ich habe Amps, ich spiele Gitarre. Wenn aufgenommen wird, wird aufgenommen. Wenn abgenommen wird, wird abgenommen.
Abnehmen ist besser:roll:
 
Hallmarksweptwinger
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Abnehmen ist besser:roll:[/quote]

Ha! Sehr gut den zugeworfenen Ball gefangen und zurückgeworfen.

Ja, Abnehmen ist sinnvoll manchmal, gestaltet sich jedoch schwierig in der Ausführung mitunter.

Mitunter. ...ein viel zu selten benutztes Wort...
 
bebob
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Mitunter...ein schönes Wort ;-)
Jedenfalls kann eine Mikrofonierung nicht entscheidend aufwendiger sein, denke ich, wenn ich mir die Ausführung von Gereon durch den Kopf gehen lasse.
Im Prinzip ist die Mikrofonierung mit einem Mikro die einfachere Lösung, wenn man kein Problem mit Lautstärke, bezüglich Nachbarn oder so hat. Ein Mikro, etwas Hall (ob aus dem Amp oder softwarebasiert), damit kann man schon viel zaubern. Mit zwei Mikros, eines vor dem Speaker, eines im Raum (wenn Combo und halboffen, dann dort platzieren, für diesen Raumeffekt), holt man den natürlichen Character des "Halls" dazu. Klar, ich erzähle hier nichts Neues.
Wissenswert für mich ist eben die digitale Ebene, kann man simulieren, ohne grundlegend am Sound zu scheitern, oder aber, kann man simulieren um etwa neue Soundeindrücke zu erhalten.
Beste Grüße, gesundes Neues Jahr
 
Woody
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Das Einfachste ist mittlerweile, eine Loadbox mit IR zu nehmen, oder eine DI parallel zum Speaker zu hängen und die Spur mit einem guten IR des benutzten Speakers zu versehen.
(Dazu hab ich vor einiger Zeit dieses Video gemacht:
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=q81WxUZdcaQ[/youtube] )

Dabei kann im Grunde nichts schiefgehen, der Aufbau geht rappzapp und das Ergebnis ist immer gleich gut.

Klar kann man damit auch neue Sounds erzeugen, aber bisher sehe ich eher den Trend dazu, zu klingen wie jeder andere auch.

Viele Grüße,
Gereon
 
bebob
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Vielen Dank für das Video, ist natürlich die optimale Lösung, wenn es den Sound des eigenen Amps auf die Festplatte bringen soll.
Hast du sowas wie ein YT Channel, wo man weitere Videos dieser Art sehen kann. Habe irgendwie kein Link oder ähnliches sehen können.
Beste Grüße, Alles Gute
 
Woody
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Hallo bebop,
Vielen Dank für die Blumen!
Ich habe damals mit dem Gedanken gespielt, einen youtube-Kanal aufzumachen und es einfach ein paar Male durchgespielt.
Es musste aus Gründen der potentiellen Reichweite englischssprachig sein, für den "Deutschen Markt" hätte das perspektivisch nicht gelohnt.
Ich habe einen Ordner mit Ideen und Konzepten für locker ein halbes Jahr interessanten Content in der Schublade, es war aber einfach zu viel Aufwand, ich habe in die beiden Videos, die ich hochgeladen habe jeweils zwei-drei Arbeitstage gesteckt.
Mein schriftliches Englisch ist sehr gut, vor der Kamera souverän zu formulieren war für mich super schwierig.
Ich habe mir die Videos in kleinen Häppchen gescripted und dann eingesprochen.
Hier ist das andere Video:
[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=HKgJOqgt2EQ[/youtube]

Ich glaube, ich hatte guten Ideen, eine gute "CI", aber das wöchentlich in gute Videos umzusetzen war für mich nicht zu stemmen.

Viele Grüße,
Gereon
 
 

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