Wie wäre es denn zur Abwechslung mal mit technischen Fakten, die greifbar sind. Wie soll man zu einer fundierten, für jeden nachvollziehbaren Aussage kommen, die sich nicht am persönlichen Gefühl und eingebildeter Mikrophysik verbunden mit aussergewöhnlichen Wahrnehmungseigenschaften hochzieht?
Halten wir doch mal fest:
Der
Fender Custom Shop (und ich nehme an dieser Stelle Masterbuild ausdrücklich aus!) ist eine mittelgroße, vollautomatisierte Serienfertigung mit einem Output von mehreren hundert Instrumenten täglich. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an das Video, dass ich mal postete, dessen Link aber leider zwischenzeitlich tot ist.
Wir konnten (auch im Verlauf dieses Threads) feststellen, dass es im Rahmen der Time Machine Series keinerlei unterschiedliche Zutaten zwischen den einzelnen Finishs NOS, CC oder Relic gibt. Das Korpusholz unterscheidet sich ausser im Rahmen der natürlichen Materialschwankungen nicht, alle Korpusse sind gleich markiert, es kann schon aus wirtschaftlichen Gründen gemessen am Produktionsoutput keine Vorselektion geben. Ebenso werden die gleiche Hardware, die gleichen PUs und die gleichen Lacke verwendet.
Bleiben also bei genauerer Betrachtung erst mal nur die optischen Unterschiede übrig. Ein zerschundener, künstlich gecrackter Lack, mit Salzen und Säure behandelte Oberflächen der Harware, ebenso der Oberflächen an den Elektronikbauteilen.
Fender hat sich zu keiner Zeit dahingehend geäussert, was sie tatsächlich tun. Lediglich der Anspruch wurde formuliert: "ein Instrument, das sich anfühlt und so klingt wie über Jahre täglich ausgibig gespielt". Spekulationen sind nun Tür und Tor geöffnet: Was macht Fender denn da, werden die Instrumente (und wenn ja wie) eingeschwungen? Wird die Elektronik künstlich "eingespielt"? Fender lächelt süffisant und schweigt. Zurecht, warum ein erschaffenes Mythos zerstören, wenn inzwischen die Stimmen immer lauter werden die behaupten, die Nachbauten klingen besser als die Orginale...
Man sagt ja, dass Instrumente im Laufe der Zeit immer besser werden. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass ein Instrument mit Relic-Finish kein Potential nach oben mehr hat, sondern dieses Veränderungspotential vorweggenommen wurde? Wie schade.
Nun gibt es ja neben den Fender Masterbuildern noch richtige Gitarrenbauer, unter deren Händen ein Instrument entsteht und zu dem reift, was hinterher die Gitarristenherzen höher schlagen lässt. Warum blos verkaufen die ihre Instrumente eigentlich jungfräulich? Ist es nur deshalb, weil ihnen die zusätzliche Arbeit an der Zerstörung der von ihnen geschaffenen Schönheit niemand extra zahlt, da ihre Firmengeschichte noch keine 50 Jahre reicht und ihnen dieses Aussehen ihrer Instrumente bezüglich der Authenzität keiner abnimmt? Oder würde es nicht jeder Fender gleichtun, wenn es zum Schluss das bessere Produkt wäre?
Ein lieben Bekannter im benachbarten Ausland ist Fender Custom Dealer. Was hat er mir schon so alles gezeigt, in welchem Zustand und mit welchen Fehlern Fender Gitarren im Wert von einigen tausend Euro pro Stück an Händler ausliefert und er teilweise ganze Lieferungen wieder zurückgeschickt hat. Bei Fender wird auch nur mit Wasser gekocht und die immer höheren Ausstoßmargen fordern ihren qualitativen Tribut. Grundsätzlich kann ich für mich nur sagen, dass ich unter allen Ausführungen aus dem Hause Fender immer solche und solche gefunden habe, zumindest meinem Geschmack nach, ich aber auch jungfräuliche Instrumente von Herstellern wie z.B. Ruokangas spielen (und besitzen darf/) dürfte, denen eine wie auch immer zugerichtete Fender das Wasser nicht reichen konnte. Und seit ich den Unterschied zwischen einem für mich von Hand gebauten Instrument im Vergleich zu einem wie auch immer gearteten Serieninstrument kenne, reite ich lieber auf der Welle meines Geschmacks als dem von Marketingstrategen.
Nochmal so das es jeder versteht: Ich möchte mich nicht über Geschmack streiten, dass ist müßig. Wer gerne eine Gitarre spielt, die dreißig Jahre älter aussieht als der Gitarrist, soll das bitte tun. Und wenn sie ihm klanglich gefällt, umso besser. Sollte ich tatsächlich nochmal einem grösseren GAS-Anfall Tribut zollen müssen, lasse ich mir für den Gegenwert einer Relic aus der Time Machine Series lieber was bauen, das anschließend mit mir wachsen darf. Und am Rande: Ich höre das Gras wachsen!
;-) ;-)