Musik: Üben im Flow


A
Anonymous
Guest
Hallo Leute

Da das Thema: "Gitarre einspielen" sehr viele schöne Erkenntnisse hervorbrachte möchte ich noch ein "heißes" Eisen zur Diskussion bringen:

ÜBEN IM FLOW - http://www.ueben-im-flow.de/


Die vier Prinzipien des Übens im Flow


Flow-Zustände beim Üben werden durch die Konzentration auf die folgenden Aspekte der instrumentalen Praxis erzeugt:

1. Der Kontakt zum Instrument

Entscheidend sind die Punkte, an denen ein Spieler unmittelbare Berührung mit seinem Instrument hat. Von größter Bedeutung ist hier eine optimale und effektive Kraftübertragung aus dem Körper über diese Berührungspunkte auf das Instrument. Eine derartig optimierte Kraftübertragung äußert sich für den Spieler in dem Gefühl einer "satten" taktilen, d.h. durch den Tastsinn vermittelten Verbindung zum Klangkörper. Sie bietet dem Spieler ein Höchstmaß an Sicherheit und Information bei der Erarbeitung und Bewältigung schwieriger Passagen.
Musiker können in der Regel gut beschreiben, wie sich ihr Instrument anfühlt, wenn sie optimal disponiert sind und "alles läuft". Beim Üben im Flow wartet der Musiker nicht darauf, dass sich dieses Gefühl zufällig im Laufe seines Übens einstellt, vielmehr etabliert er es bewusst am Anfang einer jeden Übesequenz.


2. Die Entwicklung des Klangsinnes

Bei der Entwicklung des Klangsinnes handelt es sich in erster Linie um eine gezielte Sensibilisierung für den Obertonbereich der selbst erzeugten Töne, also für den Klang bzw. die Klangqualität. Das bewusste Experimentieren mit Beeinflussungen des Obertonspektrums durch Veränderungen der Spielweise kann hier Unterschiede hinsichtlich der Brillanz, Tragfähigkeit und Weite eines Tones eindrucksvoll erfahrbar machen. Eigentliches Ziel einer derartigen Klangschulung ist das Erzeugen einer Tonqualität, die vom Spieler selbst als schön, angenehm und wohltuend empfunden wird. Für alle Instrumentalisten gilt, daß dieser ästhetische Klang eine Art Ausgangsbasis darstellt, von der aus die verschiedenen in Stücken verlangten Ausdrucksformen und Klangfarben spielerisch erkundet werden können. Eine derartige auf die Tonqualität gerichtete Konzentration fördert zudem ein äußerst genussreiches Aufgehen in den selbst erzeugten Klängen. Sie kann bei konsequenter Anwendung regelrecht "high" machen und ist in der Lage, den gesamten Übeprozess zu tragen.


3. Das Gefühl der Anstrengungslosigkeit

Jegliche Aktivität am Instrument sollte in einem Gefühl der Anstrengungslosigkeit geschehen. Gemeint ist hier nicht eine völlige Entspannung, eine Schlaffheit, sondern ein Körpergefühl des nicht angestrengten, leichten, fließenden Tuns. Ein zentraler Aspekt dieser Übemethode ist daher, das Gefühl der Anstrengungslosigkeit jederzeit beizubehalten. Daraus ergibt sich zwangsläufig die Notwendigkeit, jede einzelne Aktion an eben dieses Gefühl anzupassen. Konkret bedeutet dies beispielsweise, für eine technisch schwierige Stelle zunächst einmal eine Form der Vereinfachung zu erfinden, in der diese Stelle ohne ein subtiles Gefühl der Verkrampfung, das eine Überforderung des Bewegungsapparates signalisiert, ausgeführt werden kann. Diese Form stellt den Ausgangspunkt des weiteren Übeprozesses dar. In seinem Verlauf wird dann die Grenze dessen, was im Gefühl der Anstrengungslosigkeit bewältigt werden kann, kontinuierlich erweitert.


4. Der spielerische Umgang mit dem Übematerial

Zu Beginn einer jeden Übesequenz sollte in jedem Falle zunächst - in Form von einzelnen Tönen oder leichten Melodien - der oben beschriebene Kontakt zum Instrument, zum Klang und zum Gefühl der Anstrengungslosigkeit etabliert werden. Hat man dieses Gefühl erreicht, kann man sich an die Erarbeitung der aktuellen Literatur machen. Diese sollte zunächst in einem improvisierenden Herumspielen mit den Tönen des studierten Werkes bestehen. Die Bewegungen sind frei und schwingend, man "tanzt" mit dem Stück. Notenwerte, Bindungen und dynamische Vortragszeichen müssen nicht beachtet werden. Die Bemühung ist hier darauf gerichtet, das vorgegebene Tonmaterial zunächst einmal in optimal klingende Töne umzusetzen und dabei die Aufmerksamkeit auf den oben beschriebenen dichten und "stimmigen" Kontakt zum Instrument und zum erzeugten Klang zu richten. In der Regel entsteht spontan eine musikalische Dynamik, die unmittelbar in den Geist des studierten Werkes führt und für die notwendige seelische Beteiligung am Übeprozess sorgt, aber frei ist von den Zwängen einer "richtigen" oder "perfekten" Interpretation. Hier entsteht das Flow-Gefühl, man taucht ein in einen kontinuierlichen Handlungsstrom. Der weitere Übeprozess behält diesen improvisierenden Zugang zum Werk bei, nähert sich jedoch nach und nach der vorgesehenen Endfassung. Das Zentrum des Übens sollte hierbei unbedingt das Gefühl der Anstrengungslosigkeit bleiben, man "surft" quasi auf diesem angenehmen Körpergefühl.

Quelle:www.üben-im-flow.de , von Andreas Burzik


Was haltet Ihr davon ?? Ich find das ganze sehr interessant und das eine od. ander ist mir bei meiner spielerei auch schon aufgefallen.


lg,RockMe
 
A
Anonymous
Guest
Tach RockMe,

Um effektiv zu Lernen sollte man immer konzentriert und locker sein. Ablenkungen jeglicher Art sind zu vermeiden, wenn man wirklich viel erreichen will. Eine gesunde Körperspannung ist wichtig und Verkrampfungen sind absolut hinderlich.

Der von Dir abgedruckte Text ist mir ein bischen zu zu esoterisch angehaucht.
Mir sind Flow-Zustände beim Musizieren durchaus bekannt, da kommen viele Aspekte zusammen: Lockerheit gehört dazu, und die Finger scheien mühelos alles umzusetzen was man sich gerade musikalisch vorstellt, ohne wirklich den Umweg über den Verstand zu nehmen.
Aber wird in so einer Situation nicht eifach das gelehrnte optimal umgesetzt, da der gesamte Körper Einstudierte und verinnerlichte Abläufe abrufen kann.
Der Körper muß also erst einmal Bewegungsmuster und Abläufe speichern, damit so ein Flow zustande kommt. Neues Material im Flow erarbeiten steht dazu im widerspruch.


"Die Bemühung ist hier darauf gerichtet, das vorgegebene Tonmaterial zunächst einmal in optimal klingende Töne umzusetzen und dabei die Aufmerksamkeit auf den oben beschriebenen dichten und "stimmigen" Kontakt zum Instrument und zum erzeugten Klang zu richten. In der Regel entsteht spontan eine musikalische Dynamik, die unmittelbar in den Geist des studierten Werkes führt und für die notwendige seelische Beteiligung am Übeprozess sorgt, aber frei ist von den Zwängen einer "richtigen" oder "perfekten" Interpretation."
=> Das ist doch Bullshit. Ein Stück in Abschnitten zu üben, einzelne Motive oder gar nur Intervalle gesondert sich vornehmen ist alles ganz richtig. Ein improvisiertes Rumgeklimper endet in Belanglosigkeiten, die mit dem Musikstück nichts mehr zu tun haben. Wer sich von Notenwerten und der Interpretation eines Musikstückes unter Zwang stetzen lässt, sollte sich überlegen ob er wirklich Musik machen will.
Natürlich kann ich Mozart Klarinettenkonzert irgendwie spielen, aber wenn ich Mozarts Klarinettenkonzert spiele kommt der Punkt an dem ich das Werk analysiere, in geschichtlichen Kontext setze um dann eine Interpretation aus den Ergebnissen zu erarbeiten. Intuitition ist toll, wissen ist besser.
Der spielerische Umgang mit der Musik ist toll, ersetzt aber nicht die intensive Beschäftigung mit der Materie.

Um einem Anfänger sein Instrumenz näher zu bringen kann man sicher mit diesem Ansatzt arbeiten, mir ist das zu wenig.
 
A
Anonymous
Guest
Moinsen,

och, eigentlich ist der obig genannte Text doch nix neues.
Ich behaupte einfach mal, daß dies jeder beim Üben schon (zumindest ansatzweise je nach Stadium, also ob jetzt blutiger Anfänger o. fortgeschritten) macht.
In wie intensiv und erfolgreich entscheidet die Portion Talent die vorhanden bzw. schon freigelegt ist.

greez
 
auge
auge
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Ich bin
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muss ehrlich sagen, das das flow prinzip (von dem ungarn mit dem unausprechl,ichen namen entdeckt) mitllerweile in der form als überholt gilt.

am meisten, bezüglich übungstechnik haben mir die prinzipien vom abi v reininghaus gebracht. des mach ich seit ein paar monaten und bemerke echte fortschritte.
lg
da auge
 
A
Anonymous
Guest
Im Prinzip ist alles gut beschrieben. Die Gedanken sind prinzipiell sinnvoll und nachvollziehbar. Man findet immer etwas, das wichtig ist und vergessen wurde.

Was ich als Fazit aus dem Text ziehe ist:

Es kommt sehr stark darauf an wie man etwas spielt. Es gibt ganz simple Licks, die ohne Vibrato und Gefühl (Anschlag, Lautstärkenverhältnisse, ...) völlig scheisse klingen. Wenn man das gleiche Lick in den richtigen Zusammenhang setzt und es mit Hingabe spielt, klingts auch geil. Ganz feine Details entscheiden, ob geil oder scheisse klingt.

Ob man dem ganzen jetzt so einen bescheuerten Namen geben muß, weiss ich auch nicht. Ob man jetzt Spazieren geht oder Walken, ...
 
A
Anonymous
Guest
telecat":egkikacw schrieb:
"Die Bemühung ist hier darauf gerichtet, das vorgegebene Tonmaterial zunächst einmal in optimal klingende Töne umzusetzen und dabei die Aufmerksamkeit auf den oben beschriebenen dichten und "stimmigen" Kontakt zum Instrument und zum erzeugten Klang zu richten. In der Regel entsteht spontan eine musikalische Dynamik, die unmittelbar in den Geist des studierten Werkes führt und für die notwendige seelische Beteiligung am Übeprozess sorgt, aber frei ist von den Zwängen einer "richtigen" oder "perfekten" Interpretation."
=> Das ist doch Bullshit.
Der spielerische Umgang mit der Musik ist toll, ersetzt aber nicht die intensive Beschäftigung mit der Materie.

Hy TC

Naja du hast schon recht - aber ich denke hier geht es auch darum ohne Vorgaben (Rhytmik usw.) die Übung zuerst zu spielen um zu seinem TON zu finden.

lg,RockMe
 

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