Spinat macht Angst!

W¬į¬į

Power-User
4 Feb 2002
4.954
3
1
D√ľbelhausen
Moin,
ein Unterforum f√ľr dummes Zeug? Da bin ich dabei! Dann will ich hier mal er√∂ffnen - mit einer kleinen Geschichte aus meiner Taste....

Spinat macht Angst!

Manche Mißverständnisse nehmen verhängnisvollen Einfluß auf das Leben tausender Menschen:

Beim Schreiben einer N√§hrwert - Tabelle vor 100 Jahren hat sich irgendein Doof beim Spinat mit einer Kommastelle vertan. So wurde ihm 10 mal mehr Eisen zugesprochen, als er hat. Uns Kindern wurden daraufhin gr√ľne Batzen auf den Teller geklatscht, in der Erwartung, da√ü wir sie aufessen und rote Backen bekommen. Diese brutale Vorgehensweise hat wahrscheinlich eine ganze Generation von therapiebed√ľrftigen Existenzen hervor gebracht, deren lebenslange Abneigung gegen Spinat das kleinste aller denkbaren Probleme darstellt.

Ein anderes, verhängnisvolles Mißverständnis ist die fälschlich verbreitete Meinung, Musiker suchten in einem Musikgeschäft Kundennähe.

Ich stelle jetzt die Gegenthese auf: Musiker sind introvertierte Wesen, die einem n√§chtlichen Traum vor imagin√§rem Publikum folgend, am kommenden Morgen eine Anschaffung t√§tigen m√ľssen, die der Auftakt zum n√§chtlich ersonnenen Erfolg ist. Dabei geht man nat√ľrlich nicht in das Musikgesch√§ft um die Ecke, um dem Verk√§ufer Einblick in das Innerste der Spinat - deformierten Seele zu gestatten, sondern entfernt sich mit seinem geheimen W√ľnschen von seinem Heimatort. So weit, da√ü sichergestellt ist, da√ü man beim Ausleben seiner Phantasie unerkannt bleibt. Der Preis ist dabei kaum mehr ein Argument. Aus dem Munde eines Musikers h√∂rte ich k√ľrzlich den Satz, er w√ľrde auch bei gleichen Preisen lieber in K√∂ln kaufen, denn er wolle die hier ans√§ssigen Anbieter nicht "nerven".

Da möchte ich mal Mäuschen unter der Ledercouch sein, wenn die alten Spinatverletzungen hochgeblubbt kommen...

Neulich erz√§hlte mir ein Handelsvertreter, da√ü es sich hierbei um ein nationales Ph√§nomen handelt. Seinem Bericht nach findet man in der gro√üen Budengasse keine K√∂lner, weil die sich zum Leidwesen der anliegenden Musikalienh√§ndlerschaft in den Gassen von Ibbenb√ľren oder Koblenz Inkognito herumdr√ľcken. Da ich zu Gesch√§ftszeiten meinen eigenen Laden beseele, kann ich nicht sagen, ob sie sich dabei mit Trenchcoat und Sonnenbrille unkenntlich machen und wie Schatten von Hauseingang zu Hauseingang huschen, aber so etwa stelle ich es mir vor. Vielleicht sind die tausenden, von wilden, langhaarigen Rockern, die allj√§hrlich durch die G√§nge der Frankfurter Musikmesse walzen, im wirklichen Leben Steuerfachgehilfen oder ehrenamtliche Gerichtssch√∂ffen. Nachdem sie sich liebevoll von Frau und Kindern verabschiedet haben, suchen sie das Schlie√üfach auf, in dem sie die Echthaarper√ľcke, Strechjeans und Fransenjacke vor den Blicken der Mitb√ľrger verborgen halten und verwandeln sich in der Bahnhofstoilette von Peter M√ľller zu "Pieter Gietar se Feierfinger".

Warum nicht? Kann ja jeder machen, wie er will. Tut ja auch keinem weh. Wenn da nicht das Dilemma der ortsansässigen Anbieter wäre:

Es w√§re unschicklich und widerspr√§che auch dem Berufsethos, w√ľrde ein Anbieter beim Anblick eines herannahenden Musikers hinter seiner Verkaufstheke zusammensinken und sich in eine Ecke kauern, damit beim Kunden nicht das Gef√ľhl erw√§chst, er w√ľrde "nerven". Vielleicht w√ľrde dieses Verhalten sogar das Gegenteil bewirken. Andererseits ist es auch kaum vertretbar, das Gesch√§ft den ganzen Tag unbeaufsichtigt zu lassen, um das Inkognito des K√ľnstlers zu wahren. Wenngleich Musiker das ehrlichste Volk auf Gottes weitem Erdenrund sind, kann man nicht jedem Kunden die korrekte Bedienung der Registrierkasse abverlangen.

Eine L√∂sung dieses nationalen Problems ist bislang noch nicht in Sicht. Kostenlos ausgegebene Strumpfmasken w√ľrden vermutlich zu einer gewissen Unruhe in der Bev√∂lkerung f√ľhren. Wahrscheinlich, ich habe es noch nicht ausprobiert, behindern sie auch beim Rauchen.

Ein T- Shirt auf dem steht:" Ik bin ein Berliner" ist kaum glaubw√ľrdig, und w√ľrde den Tr√§ger zu einfach entlarven. So bleibt wohl alles beim alten: Musikertransfer quer durch die Republik um in Ruhe seinen Obsessionen fr√∂nen zu k√∂nnen.

Und das alles wegen dem Spinat.
 
Walter, ich kann mich nur wiederholen: deine Absaiten-Geschichten gehören in ein Buch! :)
 
W¬į¬į":3lhlz7ro schrieb:
Moin,
ein Unterforum f√ľr dummes Zeug? Da bin ich dabei! Dann will ich hier mal er√∂ffnen - mit einer kleinen Geschichte aus meiner Taste....

Spinat macht Angst!

Manche Mißverständnisse nehmen verhängnisvollen Einfluß auf das Leben tausender Menschen:

Beim Schreiben einer N√§hrwert - Tabelle vor 100 Jahren hat sich irgendein Doof beim Spinat mit einer Kommastelle vertan. So wurde ihm 10 mal mehr Eisen zugesprochen, als er hat. Uns Kindern wurden daraufhin gr√ľne Batzen auf den Teller geklatscht, in der Erwartung, da√ü wir sie aufessen und rote Backen bekommen. Diese brutale Vorgehensweise hat wahrscheinlich eine ganze Generation von therapiebed√ľrftigen Existenzen hervor gebracht, deren lebenslange Abneigung gegen Spinat das kleinste aller denkbaren Probleme darstellt.

Ein anderes, verhängnisvolles Mißverständnis ist die fälschlich verbreitete Meinung, Musiker suchten in einem Musikgeschäft Kundennähe.

Ich stelle jetzt die Gegenthese auf: Musiker sind introvertierte Wesen, die einem n√§chtlichen Traum vor imagin√§rem Publikum folgend, am kommenden Morgen eine Anschaffung t√§tigen m√ľssen, die der Auftakt zum n√§chtlich ersonnenen Erfolg ist. Dabei geht man nat√ľrlich nicht in das Musikgesch√§ft um die Ecke, um dem Verk√§ufer Einblick in das Innerste der Spinat - deformierten Seele zu gestatten, sondern entfernt sich mit seinem geheimen W√ľnschen von seinem Heimatort. So weit, da√ü sichergestellt ist, da√ü man beim Ausleben seiner Phantasie unerkannt bleibt. Der Preis ist dabei kaum mehr ein Argument. Aus dem Munde eines Musikers h√∂rte ich k√ľrzlich den Satz, er w√ľrde auch bei gleichen Preisen lieber in K√∂ln kaufen, denn er wolle die hier ans√§ssigen Anbieter nicht "nerven".

Da möchte ich mal Mäuschen unter der Ledercouch sein, wenn die alten Spinatverletzungen hochgeblubbt kommen...

Neulich erz√§hlte mir ein Handelsvertreter, da√ü es sich hierbei um ein nationales Ph√§nomen handelt. Seinem Bericht nach findet man in der gro√üen Budengasse keine K√∂lner, weil die sich zum Leidwesen der anliegenden Musikalienh√§ndlerschaft in den Gassen von Ibbenb√ľren oder Koblenz Inkognito herumdr√ľcken. Da ich zu Gesch√§ftszeiten meinen eigenen Laden beseele, kann ich nicht sagen, ob sie sich dabei mit Trenchcoat und Sonnenbrille unkenntlich machen und wie Schatten von Hauseingang zu Hauseingang huschen, aber so etwa stelle ich es mir vor. Vielleicht sind die tausenden, von wilden, langhaarigen Rockern, die allj√§hrlich durch die G√§nge der Frankfurter Musikmesse walzen, im wirklichen Leben Steuerfachgehilfen oder ehrenamtliche Gerichtssch√∂ffen. Nachdem sie sich liebevoll von Frau und Kindern verabschiedet haben, suchen sie das Schlie√üfach auf, in dem sie die Echthaarper√ľcke, Strechjeans und Fransenjacke vor den Blicken der Mitb√ľrger verborgen halten und verwandeln sich in der Bahnhofstoilette von Peter M√ľller zu "Pieter Gietar se Feierfinger".

Warum nicht? Kann ja jeder machen, wie er will. Tut ja auch keinem weh. Wenn da nicht das Dilemma der ortsansässigen Anbieter wäre:

Es w√§re unschicklich und widerspr√§che auch dem Berufsethos, w√ľrde ein Anbieter beim Anblick eines herannahenden Musikers hinter seiner Verkaufstheke zusammensinken und sich in eine Ecke kauern, damit beim Kunden nicht das Gef√ľhl erw√§chst, er w√ľrde "nerven". Vielleicht w√ľrde dieses Verhalten sogar das Gegenteil bewirken. Andererseits ist es auch kaum vertretbar, das Gesch√§ft den ganzen Tag unbeaufsichtigt zu lassen, um das Inkognito des K√ľnstlers zu wahren. Wenngleich Musiker das ehrlichste Volk auf Gottes weitem Erdenrund sind, kann man nicht jedem Kunden die korrekte Bedienung der Registrierkasse abverlangen.

Eine L√∂sung dieses nationalen Problems ist bislang noch nicht in Sicht. Kostenlos ausgegebene Strumpfmasken w√ľrden vermutlich zu einer gewissen Unruhe in der Bev√∂lkerung f√ľhren. Wahrscheinlich, ich habe es noch nicht ausprobiert, behindern sie auch beim Rauchen.

Ein T- Shirt auf dem steht:" Ik bin ein Berliner" ist kaum glaubw√ľrdig, und w√ľrde den Tr√§ger zu einfach entlarven. So bleibt wohl alles beim alten: Musikertransfer quer durch die Republik um in Ruhe seinen Obsessionen fr√∂nen zu k√∂nnen.

Und das alles wegen dem Spinat.

K√∂stlich! Ich f√ľhle mich ertappt :lol: :lol: :lol:
 
Ich f√ľhle mich gut unterhalten! Danke & bitte mehr (wenn m√∂glich)!

Nicht ganz eindeutiges, verst√§ndliches oder n√ľtzliches?!

Ich glaube, das ist das richtige Forum f√ľr meine n√§chsten Postings. Wer sich hier her ver(w)irrt, den sollte nichts mehr schrecken... :lol:

Gruß
 
Und ich dachte immer, Spinat macht NUR Muskeln :roll: :?: ... Rääätsel!

Ich geb hier hier auch mal was zum "Besten" (mich wunderte es sogleich, das sich dieser ...√§hm Text noch auf meinem Rechner befand, bzw. noch nicht dem endlosen Datenm√ľll zum Opfer gefallen ist :lol: ) >> sehet und leset unten!

Lieben Gruß
Alex


Ein Philedrant ...
Zumal diese fremdartige Wort nur in mein Ohr drang
und nicht sichtbar f√ľr mich war, als ich ihm zum erstenmal
begegnete, bin ich mir an dieser Stelle √ľber die Schreibweise
keineswegs einig.

Es könnte sich gegebenenfalls auch "Filletdrant" schreiben
und sich um einen filletierten Wasserhydranten handeln. Aber das macht
doch keinen Sinn, oder? Was macht √ľberhaupt Sinn ...

Das Wort "Phil..." kommt bekanntlich aus dem Griechischen und
hei√üt w√∂rtlich √ľbersetzt "liebend".

Das Anhängsel "...drant" ergibt keinen Sinn. Man könnte aus dem Wort
"Philedrant" somit "sinnlos liebend" verstehen.

Wenn also jemand beispielsweise ein belegtes Brot zu sich nimmt, dann
tut er dies aus einem "schmackhaften" √úberlebensdrang heraus - nicht
weil er es unbedingt liebt. - ABER: es schmeckt ihm wohle! UND: was
schmeckt, das liebt man! Also, ergibt dies Sinn? Ergo: sinnlos liebend ...

(c) by Alex We Hillgemann 1999
 
daggy":1dwbl7cc schrieb:
Moin,
ein Unterforum f√ľr dummes Zeug? Da bin ich dabei!

ich auch :-D

von dietmar wischmeyer :
Festivals
"Wenn 30000 Bekloppte mal drei Tage ausprobieren wollen, wie's in Albanien so groovt, dann buchen sie ein Wochenende Fl√ľchtlingslager, in Mitteleuropa Open-Air-Festival genannt. Hier kann man nach Herzenslust an fremde Zelte pinkeln, den Pudel grillen oder seinen dreckverkrusteten Piephahn in fremde Menschen stecken. Vornehmlich die wehrpflichtige Jugend besorgt sich hier die ihnen vorenthaltene Fronterfahrung. Mal richtig in der Schei√üe liegen, wie der Opa immer erz√§hlt von Stalingrad. Bewu√ütseinsm√§√üig noch n√§her allerdings ist die Mutter aller Festivals, Woodstock 69. Hier wurde zum ersten Mal das Kacken in fremde Vorg√§rten als revolution√§rer Akt gefeiert. Woodstock hat Massst√§be gesetzt: ohne M√ľll und Schlamm ist die Chose nur halb so witzig. Mu√ü man dann f√ľr den halben Liter B√ľffelpisse noch einen Zehner bluten, juppheidie, dann h√§lt man's kaum noch aus vor Witzigkeit. Der Profi hat sich nat√ľrlich den ganzen Ford Fiesta mit Dosenjauche vollgezergelt, um sich unabh√§ngig von Dritten die Hutze vollzugiessen. H√§tt' ich beinahe vergessen, nebenbei wird auf einem Festival auch noch Musik verabreicht. Die diversen Bands liefern den wummernden Soundtrack zum Gesaller. Wer da wo wie lange auf der B√ľhne rumorgelt, ist v√∂llig wumpe, Hauptsache laut und breiig. Da fragt sich der kritische Betrachter doch, wieso sich zig Tausende juveniler Scheinselbst√§ndiger f√ľr 150 Oecken dieser Tortur aussetzen. Nun, wenn's denn den Horizont erweitert, k√∂nnte man sich doch auch mit 'nem Sixpack in die Einflugschneise legen, sich gegenseitig anpissen und den M√ľll nicht wegr√§umen - das ist preiswert und terminunabh√§ngig. Jaha, aber das ist quasi nicht so revolution√§r. Festivals leben von ihrem Zitatcharakter, sie sind die inszenierte Erinnerung an die Zeit, als Jugendkultur noch ein gesellschaftlicher Gegenentwurf zu sein glaubte. Sie sind Retro-Design f√ľr schw√§bische Obersch√ľlerinnen und ihre Stecher mit den Ziegenb√§rten. Hier spielen sie noch einmal f√ľr drei Tage Woodstock nach, bevor sie sich zu Hause wieder im Internet schlafen legen. Der M√ľll wird zum letzten Symbol einer verlorenen Freiheit. Rumsauen, Kotzen und Pissen als Reste eines dionysischen Lebens, wie es in der geordneten Welt der bis zum Erbrechen Erwachsenen nicht mehr m√∂glich ist. Darum wird es sie auch noch in f√ľnfzig Jahren geben, die Open-Air-Festivals, denn je abgezirkelter die Welt ist, in der wir leben, desto mehr tr√§umen wir davon, bei lauter Musik mal wieder anst√§ndig in den Graben zu schei√üen. "
 

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