Review: Fender US-Standard Stratocaster Sunburst/MN

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Review: Fender US-Standard Stratocaster Sunburst/MN

Hallo,
ich habe die Gitarre jetzt gut 2 Wochen, also lange genug um ein Resümee abzugeben.

Vorgeplänkel:

Es sollte eine richtig strattig klingende Stratt her, die preisliche Obergrenze war bei ca. 1000€ angesetzt. Die Gitarre sollte ein ausgeprägtes "Klonk" mitbringen und nicht zu schwer sein. Hier war die Obergrenze bei 3,5kg angesetzt. Mehr braucht eigentlich keine Strat zu wiegen (für mein Empfinden).

Durch die momentane Fender Rabatt Aktion, kam auch die US-Standard mit in die Wahl. Zusätlich gibt es von Fender noch 12 Sätze Fender Saiten dazu, was auch noch mal rund 50€ ausmacht.

Angetreten waren ausschließlich MN-Strats der Firma Fender (USA/MiM). Ein paar Tage zuvor, hatte ich in Köln schon US-Deluxe Strats ausprobiert. Fazit dabei: durch die Bank zu schwer u. die PU's waren nicht so mein Ding.

Bei einem Frankfurter Händler wurden Roadworn, US-Special und US-Standard Strats probe gespielt und verglichen.

In der Endrunde waren eine US in 3-Tone Sunburst, eine Roadorn Blackie, eine Roadworn Player und eine US Spezial.

Ich entschied mich letztendlich für die US-Standard, weil sie ohne Schnarren und klangliche Aussetzer über alle 22 Bünde sehr gut bespielbar war, das mit Abstand beste Sustain hatte, die beste Verarbeitung, eine supersensible Ansprache und den ausgeprägtesten "Klonk" hatte.

Die federleichte (3,2kg) Roadworn Blackie war mir allerdings auch ans Herz gewachsen, aber im Hinterkopf dachte ich: nicht schon wieder Texas Spezial, oder TexMex Pickups. Und eine 60er Roadworn hab ich ja auch schon.

Die US-Standard war mit rund 3,5kg auch die leichteste dieser Serie, die ich in die Hände bekam (die schwerste wog fast 4kg!!!). Zudem besteht der Body aus nur zwei Teilen (ich kann beim besten Willen keine 3, oder gar 4 Teile sehen). Liegt sehr warscheinlich an der duchscheinenden Sunburst Lackierung. Die deckend Lackierten sind nach Händler Auskunft dreiteilig.

Detail Bewertung:

Verarbeitung: Tadelos

Hals:

sehr breit und relativ flach. Mein Haupt Kritikpunkt. Man kann sich aber daran gewöhnen. Die Fender Logik, die hinter dem sehr breiten Hals, in Verbindung mit den schmaleren Saitenreitern steht, ist mir allerdings nicht zugänglich. Was soll das bringen? Auf jeder Seite mehrere Milimeter Platz zur E-Saite. Gut da rutscht die Saite garantiert nicht vom Griffbrett ab beim Spielen

Was mir bei der Serie noch auffiel, war die ausgeprägte Ikea-Regal Maserung der Maple Necks. Meine ist eher dezent gemasert. So mag ich es persönlich lieber. Man könnte hier evtl. etwas mehr Augenmerk drauf richten.

Die Bünde sind medium Jumbo und für Fender Verhältnisse sehr verschleißarm. Nach über zwei Wochen noch kein Grat fühlbar. Sehr schön .

Als weniger schön empfine ich das dick mit Klarlack zu gekleisterte Griffbrett. Die Halsrückseite ist merklich dünner lackiert u. auch empfindlicher. Es bilden sich recht schnell Macken.

Body:

wie schon erwähnt zweiteilig, mit angenehmer Maserung. Die Lackierung soll laut Fender dünner sein als bei älteren Serien, um die Schwingung zu fördern. Auffallend anfällig für Macken ist die Lackierung auf jeden Fall. Die Verarbeitung und die Lackierung sind tadelos ausgeführt. Die Konturen angenehm, aber ich hab schon ausgeprägtere Shapings gesehen.

Laut Fender hat der Body ein HSH Routing. Mir hätte auch ein HSS genügt. Wer macht schon einen HB bei der Strat an den Hals?

Mechanik:

Liebe Fender Leute, warum nur diese klobig, klotzigen, schweren Mechaniken an der US Stratt? Schade! Allerdings gestaggert. Werden bei Zeiten gegen Vintage gestaggert ausgetauscht. Spart Gewicht und sieht um Welten besser aus.

Das 2Punkt Tremolo funktioniert tadelos, aber man hört es irgendwie raus. Ich bevorzuge persönlich das 5Punkt gelagerte Vintage Trem.

Pickups:

mir gefallen sie sehr gut. Höhenreich, leicht glasig und mit einer gehörigen Portion "Klonk". Was ist Klonk: ich sag nur "Sweet Home Alabama"

Sowas und sowieso alle Clapton, sowie die weniger verzerrten Hendrix Sachen wie Hey Joe, Little Wing etc. hat sie sofort auf Lager. Sehr schön

Die Klangregelung hat die Fenderische Delta-Tone Schaltung. Volume Regler wie gehabt. Oberer Tone Regler für den Hals PU. Der Untere Regler ist für den Steg- und den mittleren PU zuständig. Bei Position Neun, ist eine Rastung fühlbar. Zwischen Zehn u. Neun wird die komplette Klangregelung umgangen, was sich durch etwas brizzeligere Höhen bemerkbar macht. Sehr schön vor allem in der ersten Zwischenposition. Ab Neun ist es eine normale Klangregelung.

Fazit:

Emotional kommt wenig rüber, irgendwie erinnert sie mich an meinen VW-Golf. Funktioniert tadelos und klingt genauso wie man sich eine Strat vorstellt. Ich hab immer einen Bogen um die US-Standard gemacht, sie waren mir zu steril und modern. Die aktuelle Serie ist ein Zwischending, das sich auch für Vintage Fertischisten wie mich anszuspielen lohnt. Also unbedingt mal antesten.





Zusammenfassung:

Pro

- suoer flache Saitenlage möglich
- sehr sensible Ansprache
- sehr gutes Sustain
- klingt überzeugend nach MN-Strat
- sehr viel "Klonk"
- höhenreicher, offener Sound (auch bei den Bass Saiten keim Mulm)
- sehr gute Verarbeitung
- stabiler Koffer (paßt ohne Umklappen in einen VW-Golf Kofferaum)
- gutes Preis-Leistungs Verhältnis, guter Wiederverkaufswert
- relativ verstimmungsfreies Tremolieren möglich

Contra

- Gewicht (geht grad noch so)
- Hals Profil
- Sunburst ist etwas zu dunkel u. langweilig geraten
- klobige Mechaniken
- dicke Griffbrett Lackierung
- weckt kaum Emotionen, wie z.b. CS-Modelle, aber auch die Roadworns

PS: ich hab mir Mühe gegeben u. korrektur gelesen, benutze aber prinzipiell keine Korrektur Software, da ich in der Schule schreiben gelernt habe. Irren u. Fehler sind menschlich. Wer dennoch Rechtschreib-Fehler findet, darf diese behalten

Gruß
Franz
Rent a bench! Gitarrenbaukurs unter fachlicher Anleitung
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Re: Review: Fender US-Standard Stratocaster Sunburst/MN

Hi Franz,

danke für dein Review, welches sich auch gut und sachlich liest.

Nun, ich teste ja immer wieder mal Gitarren an und ganz speziell Strats. Ich kenne keine US Standard Strat die mir spontan so richtig gut gefallen hat - noch nicht mal auf der Messe. Von den Roadworns hätte ich einige gleich mitnehmen können.
Umso schöner ist es zu lesen, dass du (d)eine gefunden hast und sie trotz deinen aufgeführten Kontras lieben lernst
Verfasst am:

Re: Review: Fender US-Standard Stratocaster Sunburst/MN

Magman schrieb:
Nun, ich teste ja immer wieder mal Gitarren an und ganz speziell Strats. Ich kenne keine US Standard Strat die mir spontan so richtig gut gefallen hat - noch nicht mal auf der Messe. Von den Roadworns hätte ich einige gleich mitnehmen können.
Umso schöner ist es zu lesen, dass du (d)eine gefunden hast und sie trotz deinen aufgeführten Kontras lieben lernst


Hallo,
im Grunde genommen 100% Zustimmung. Ohne den Rabatt, hätte ich garantiert auch zur Roadworn gegriffen, da die US Strat in Sunburst mein Budget gesprengt hätte.

Wenn der Hals etwas gefälliger wäre und Fender mal die recht triste Farbpalette der US-Standards etwas erweitern würde, dazu noch ein Vintage Trem und Vintage Mechaniken, bräuchten sie auch keine Rabatt Aktion für die Serie.

Ich werde mich möglicherweise in absehbarer Zeit auch von ihr trennen. Nicht weil sie klanglich nichts taugt, hier gibt es absolut nix zu bemäkeln, sondern weil der Hals mir wegen einer Handverletzung auf die Dauer zu schaffen macht (Schmerzen bei längerem Spielen).

Kurioserweise kann ich dicke Hälse besser ab, als breite, relativ flache

PS: diese US-Standard ist die einzige meiner Strats, bei der mein Superchamp IKSDE richtig gut klingt Die anderen Fender haben eben alle diese TexMex/Texas Special Pickups verbaut.

Gruß
Franz
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